Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1950
- Issue
- Heft 41 (11.9.1950)
- Date
- 1950-09-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2431292-2431325-2431332--0262-2431864- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite '2 41 '-Die (Stimme Der Staat steht über der Partei Von Mark kJacum nicht damals? Von Dr. Hans Klee Hs ist in all cm souveränen Staaten j eine Selbstverständlichkeit, daß nur die Bürger, die in dem Staat leben, da-; Hecht zu bestimmen haben, was! in dem Staat Geschehen soll. j \\ ir müssen uns jedoch mit der braue beschäftigen, was für einen Hinfluß das \\ eltjudentum auf den Staat Israel au sähen soll. Hs ist klar, daß das jüdische Volk für seine weitere Existenz den jüdischen Staat benötigt. \uf der anderen Seite dürfen wir niemals vergessen, daß auch der Staat Israel die moralische und materielle Hilfe des V eltujdentums im Prozeß seiner Verwirklichung benötigen wird, besonders da die Einwanderung stets weitergeht. Weder das jüdische Volk, noch der jüdische Staat können alleine existieren; der eine benötigt den anderen. Uni eine große Einwanderung durch zu führen, braucht der junge Staat j eine glänzend ausgebaute zionistische | Organisation mit einem ausgezeichnet funktionierenden Erziehungsapparat. Das wichtigste jedoch ist, daß im Staat Israel selbst Bedingungen geschaffen w erden, die eine solche große Aliiah ermöglichen. Die zionistische Organisation, deren Erziehungsaktion das Ziel hat, die große Alijah fortzusetzen, muß auch das Recht haben, ihre Stimme gegen Bedingungen zu erheben, die den FFortgang dieser Alijah erschweren könnten. Man muß mit ihrer Meinung rechnen. Es ist selbstverständlich, daß dann die materielle Hilfe des Weltjudentums größer sein wird, wenn dieses ein größeres Interesse haben wird. Es ist klar, daß die Mapai desinteressiert ist, mit der Meinung des Weltjudentums zu rechnen. Die Kraftverhältnisse innerhalb der Weltujdenheit sind aus verschiedenen Gründer nicht so günstig für die Mapai, wie die innerhalb Israels. Die Mapai kann nicht auf den Einfluß der Industrietruste der Histadruth außerhalb Israels rechnen. Das ist auch der Grund warum die Mapai stets versuchte, den Einfluß der zionistischen Organisation zu beseitigen, oder zumindest zu schwächen. Und es sieht heutzutage so aus, als ob diese Schwächung größer wäre, als die Mapai es selber wollte. Die Beträge aus den Geldsammlungen werden immer geringer und die Alijah, mit Ausnahme der aus den orientalischen Ländern, hat nicht den erwarteten Umfang erreicht. Im Grunde genommen, konnte man dieses Resultat voraussehen. Man braucht den Schuldigen nicht lange zu suchen, der das amerikanische Judentum, die dynamische Kraft in der Weltjudenheit, dazu bewogen hat, ihre Mitarbeit zurückzuziehen und die Verantwortung für diesen Zustand abzulehnen. HÜBNER'S Cafe-Restaurant Meierei Stadtparh Bridge im Freien! Anisfeld Wir sind weif davon entfernt die Regierung Israels für alles was geschah und geschieht verantwortlich zu machen. Israel mit allen seinen Instanzen ist für jeden Juden in der W eit heilig. Das bedeutet aber nicht, daß ein Minister, welcher von seiner Partei in die Regierung gesandt wurde und dort die Doktrinen dieser seiner Partei durchführt, über jede Kritik erhaben ist. Keiner wird dem zionistischen Kongreß vorwerfen, wenn er kritisieren sollte, daß er dem Lande Schaden verursachen will. Der Zweck des Zusammentreffens des zionistischen Kongresses ist ja letzten Endes nur am Aufbau eines starken starken jüdischen Staates mitzuhelfen und so dem jüdischen Volke eine glückliche Zukunft zu schaffen. Die Schwierigkeiten vor denen sich der zionistische Kongreß befindet, sind sehr groß. Muß er doch eine Brücke zwischen dem Staat ujnd der W'eltiudenheit bauen, muß er doch die Rechte und Aufgaben der zionistischen Organisation bestimmen und dafür sorgen, daß die Beziehungen zwischen der Organisation und Isreal solche des c‘"Ceriseitigen Vertrauens sind, zum V.’oh’e beider. Dietenigen, welche glauben, daß der kommende Kongreß geringere Bedeutung als der letzte haben wird, irren sich gewaltig. Niemand darf die Resu'tate des kommenden Kongresses geringschätzen, denn niemand darf die Meinung der Mehrheit des Weltjudentuirs ignorieren. Die Delegierten der allgemeinen zionistischen Organisation werden eine besonders schwere Aufgabe haben. Mit der Ganzen Kraft die ihrer Zahl und .Stärke zukommt, müssen die allgemein zionistischen Delegierten für gegenseitigen Respekt zwischen Staat und zionistischer Organisation kämpfen und ihren ganzen Einfluß dafür aufwenden, um zu sorgen, daß der jüdische Staat nicht auf Parteidoktrinen aufgebaut wird, sondern daß das Schulsvstem und die wirtschaftliche Gleichberechtigung durch die Interessen des ganzen Staates diktiert werden. Auf allen zionistischen Kongressen trugen die allgemeinen Zionisten die Verantwortung für die Einigkeit der zionistischen Weltbewegung, da sie ständig die stärkste Gruppe bildeten. Oft mußten sie die Brücke zwischen links und rechts bilden, um so die Einheit der Organisation zu bewahren, und wenn nötig verzichteten sie oft auf ihre eigenen Bestrebungen Im Interesse de*- Gesamtheit. Sie gingen beim letzten zionistischen Kongreß soweit, daß sie bereif waren, auf die Kandidatur des alten verdienstvollen Zlonisfenführers, des geistigen Vaters der allgemeinen Zionisten und heutigen Staatspräsidenten Israels Prof. Chaim Weizmann, zum Präsidenten der zionistischen Bewegung zu verzichten. Die allgemeinen Zionisten haben deshalb so gehandelt, weil sie erkannten, daß der Moment es so verlangte. Man kann voraussehen, daß die allgemeinen Zionisten auch diesmal die stärkste Gruppe bilden werden, und sie werden sich bemühen, ihre segensreiche Tätigkeit fortzusetzen. Die allgemeinen Zionisten kommen mit rein konstruktiven Plänen zum Kongreß. Ihr Ziel ist es, eine Verständigung zwischen der zionistischen Organisation und der Regierung zu erreichen. Sie werden aber auf den Einfluß der zionistischen Organisation auf der Staat und auf die jüdischen Massen in der Welt nicht verzichten. Sie werden fiir die Freiheit eines jeden Hinze'nen kämpfen, für die Entwicklungsmöglichkeifen aller Schichten, für die Verständigung aller Klassen, für die Höherstellung des Staats Interesses über das Partei Interesse, für die moralische und materielle Zukunft des kommenden Geschlechtes, für das Zwei unserer Söhne sind zu einem Kampf auf Leben und Tod miteinander angetreten. Beide sind mächtig und verfügen über gewaltige Hilfsquellen. Wir wollen heute die f rage uuuntersuvht lassen, ob sie legitime Kinder des echten Judentums sind oder nicht; keiner verdient den Namen Kains. Beide sind weit entfernt Abel zu sein. Daseine Kind leitet sich von Saulus her, der späten- Paulus wurde und steht auf den Schultern der Bibel : Die katholische Kirche in Rom. Den sie ihren Heiland nennt, steht in der Linie der Propheten Israels. Das andere Kind betrachtet Karl Marx als seinen Vater, in dem etwas ve>n jenem Eifer für soziales Recht lebte, vom Kampf für die Menschenwürde Aller, der die alten Propheten befeuerte, Beide sind nicht mehr die, die sie einst waren. Das katholische Christentum ist zur weltumspannenden Institution gew orden, mit gewaltigem organisatorischem Apparat, mit Eigeninteressen und politischen Verflechtungen verschiedenster Art. Längst nicht mehr gilt ihre Aktion allein der Erhaltung und Verbreitung des Evangeliums. Der Schutz ihrer Einrichtungen und Interessen, ihres geistigen Führungsanspruches und ihrer Weltgeltung veranlaßt sie stets von neuem zur politischen Intervention, zu weltlicher Aktivität. (Wir Zionisten spürten es unlängst deutlich genug im Kampf um unsere stattliche .Selbständigkeit und später um Jerusalem; aber dabei wollen wir beute nicht verweilen.) Der Marxismus bat das .Stadium Geistiger Kämpfe um den historischen Materialismus und sozial-ökonomische Lehren längst hinter sich gelassen. Auch der politische Kampf für das Recht des Arbeiters, gegen Ausbeutung und Unterdrückung macht nur noch einen Teil seines Inhalts aus. Die politischen Ziele einer Gruppe von Ländern, das Streben mich Ausdehnung der Positionen und des Herrschaftsbereiches haben den Stamm de** Ideologie derart umwuchert, daß die Frage naheliegf, ob er heute nicht vornehmlich dazu dient, die Schlinggewächse ■nt stützen. Zwischen beiden besteht beute offener Krieg. Kampf loderte mehrfach schon auf zwischen Schwarz und Rot, bald fiel die Kugel für Rouge, bald für Noir. doch niemand siegte entscheidend. Diesmal geht es ums Ganze. Das a’s solches, welches auch immer die Haltung des Einzelnen sein mag, wird in der Rolle eines Zuschauers verbleiben; der Staat Israel, welcher sich kommunistisch und katholisch regierten Ländern gegenübersieht, wird Neutralität üben; und doch (übt es einen Punkt in diesem Kampf, der uns nicht gleichgültig lassen kann. Rom hat vor einiger Zeit zu seiner stärksten Waffe, dem Bannstrahl der Exkommunikation gegriffen und ihn gegen die Häretiker des materialistischen Weltbildes und gegen die Unterdrückung der Glaubensfreiheit geschleudert. (Daß Du es nicht erlebt hast, Torquemada. diese posthume Lektion über die Freiheit des Glaubens und Gewissens!) Wir fragen nicht, welche Gründe die Sacra Gongregatio Sancti Officii geleitet haben, auch nicht, welche Wirkung von ihrer Maßnahme ausgehen wird. Aber als Wohl des gesamten jüdischen Volkes. Ilm den allgemeinen Zionisten zu ermöglichen, diese Aufgabe durchzuführen, muß es den Zionisten der Welt gelingen, die jetzt herrschende Apathie zu brechen. Sie müssen wieder aktiv werden und so wählen, wie es ihnen das Gewissen diktiert. Dann können wir sicher sein, daß die Delegation der allgemeinen Zionisten nicht nur zahlenmäßig die stärkste, sondern, daß auch ihre Ueberzeugungskraft, die größte sein wird. Juden fragen wir: Warum gerade jetzt und nicht schon d a m a 1 s und warum nicht a u ch gegen r e eh t s V Gab es rechts keinen weltanschaulichen Nihilismus, keine Gew alfanbefung, keine Gew issensunterdriickungV Waren die braunen Horden gläubiger, ihre katholisch geborenen Führer keine Ketzer? Muß man nicht im Gegenteil sagen, daß im roten Regime, so gewalttätig es auch auffritt, ein, wenn auch hundertfältig überdeckter Rest humanitären Strebens forflebf, den der Nazismus nie gekannt bat? Nährt sich jenes Streben nicht von jenem Feuer, das die geistigen Väter des Sozialismus von Elia, dem Propheten übernahmen. der es einst an den ausgerissrnen Rebstöcken von Naboths Weinberg entzündet hatte, damit das Recht des Unterdrückten nicht vergessen würde? Warum hat der Vatikan nicht damals sein wirksamstes Machtwort gesrrochen. nicht wenigstens den kadio’iscben Bevölkerungsteil Deutschlands und später anderer Länder vor die letzte Ge^issensfrage bestellt, als ein anderer Irrglaube und Machtanspruch bar »eden idealistischen Strebens zur Weltunferdriickung aus- •mg? Uns schaudert, wenn wir daran denken, wievie'e-' jüdischen und auch nicht jüdischen Menschen das päpstliche Machtwort das Leben hätte retten können, die Tyrannei, welche bis Auschwitz und Maidanek führte, in bestimmten Ländern und unter bestimmten Menschengruppen wirksam hätte bekämpfen können. Damals w?ar die Stunde. den materialistischen Ungeist von der durch Blut und Boden Bestimmten Rasse, den Götzenkult des Haken-Kreuzes, in dessen Namen millionenfacher Mord verübt wurde, die Häresie der verbrannten Gotteshäuser und geschändeten Heiligtümer vor Gott und Menschen zu brandmarken. Damals vernahm die wartende Welt kein Anathema. Oh das Anathema heute den Sieg des Papstes oder des Antipanstes herbeiführen wird, wissen wir nicht und fragen wir nicht. Aber wir wissen, daß das Schweigen in iener Stunde, in der zu sprechen höchste Pflicht war, so ungeheuerlich gewesen istdaß es den Schrei einet* gewaltigen Anklage weckte. Er drang bis zum Throne Dessen, der auch diejenigen richtet, die glauben, in seinem Namen zu sprechen. Wir aber werden am Beginn unseres Jahres in unseren Gotteshäusern Owinu Malkenu sprechen : Tue an uns um derer willen, die hingewürgt wurden, die ermordet wurden, die für Deinen Namen durch Feuer und Wasser gingen, nimm Vergeltung für ihr Blut und hilf uns! Hans Klee STOFFE KLEIDER FÜR DAMEN HERREN UND KINDER lfut und ^ceiswtct uom Kaufhaus dcitiUc Habe* Wi«n VII, MarlahllfarstraB« 90 TsUphon: B 39 0 63, B 36 2 37