Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1950
- Issue
- Heft 35 (23.4.1950)
- Date
- 1950-04-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 cDie Stimme Nr. 35 Ueber die Wege der Jugendalijah Von Georg Landauer Vor kurzer Zeit wurde zum Andenken an die Schöpferin der Jugendalijah, Henriette Szold, der Tag des Kindes (Jom Hajeled) in der ganzen Welt festlich begangen. Der nachstehende Artikel gibt eine Uebersicht über die Arbeit und Richtlinien dieses großen Werkes „Alijaht Hanoar". Die Redaktion. hin .1 ugeii« la 1 i ja h verdankt ihre Lxislcu/bercelitigimg ihrem SomEreharakler. der sie von der allgemeinen LinwamErerfürsorgO lind von der .1 ugeiularlx'iI. dir1 von den Jugendbewegungen getragen wird, unterscheidet. hie selbständige Einwanderung der Tugend mit dem Ziele, in unserem Lande eine Erzit'lumg /u linden, die ihr nicht nur in den Ausgangsländern versagt ist. Mindern die sie auch nicht durch die Autonomie der Jugendbewegungen oder die allgemeine Linvandererl'iirsorge erhallen kann Dl eine Phase in unserem zionistischen Werk, die sich vielleicht ihrem Abschluß nähert, die aber ein eigenes (resield hatte und unserem Aufbauwerk eine eigenartige selbständige Note hinzugerügt hat. Dieser besondere Reiz der Jugendalijah. ein Unternehmen eigener Art zu sein, trug und trägt in sich einen besonderen Appell an das menschliebe (iefiild und hat der Jugendalijah treue Freunde und Helfer unter den Juden aller Länder, aber auch unter den Nichtjuden gewonnen. Sagen wir zunächst, was die Jugendalijah nicht ist: Sit' ist nicht ein Departements innerhalb unserer sozialen Arbeit. Sie sucht nicht die Kinder dort, wo soziales Elend herrscht, um damit an die Gefühle des Mitleids für die schlecht versorgte Jugend zu appellieren. Sie ist auch nicht ein Teil der allgemeinen Einwandererfürsorge. die sich auf Familien, besonders auf arme, jedoch kinderreiche Familien bezieht und eine besondere Aufgabe darin sieht, diesen Familien zu helfen (oder die Institutionen zu entlasten, die für die Familien zu sorgen haben). Im Grundsatz hat die Jugendalijah immer daran festgehalten, daß die Eltern die Verpflichtung des Unterhalts und der Erziehung ihrer Kinder tragen müssen. was den allgemeinen menschlichen Instinkten und dem Willen der Eltern und normalen Beziehungen zwischen Eltern und Kindern entspricht. Und wenn die Eltern bei der materiellen und erzieherischen Fürsorge für ihn1 Kinder auf Schwierigkeiten stoßen, so liegt eben ein allgemeineres soziales Problem vor und die Einrichtungen der Oeffenllichkeit. der Gesellschaft und ihrer Führung müssen darauf gerichtet sein, die Familien so in den Arbeitsprozeß cinzugliedern und die Siedlungen, in denen sie sich niederlassen können, mit Erziehungseinrichtungen zu versehen, so daß die Eltern ihre natürlichen Verpflichtungen erfüllen können. Die .Tugendali iah will und kann —• auch nicht dir* Aufgaben der Jugendbewegungen übern (‘lumm. Jugend bewegungen erfassen den Jugendlichen in seiner Freizeit, versuchen seinen Gharakler im Ganznen zu formen. sie haben in ihrem erzieherischen Inhalt in unserer Generation eine ausgesprochen politische Tendenz. Die Jugendalijah kann weder an die Stelle der Jugendbewegungen treten oder gar mit ihnen konkurrieren. noch können die Jugendbewegungen die Sondernufgaben übernehmen. Nach den ersten Stadien der Vor bereilung. die den Auftakt der Jugendalijah bedeutet haben. der Verein ..Jüdische Waisenhilfe', der gestützt auf die Irenen Bemühungen \«ui Siegfried Lehmann und Wilfred Israel, der Träger des großen Erziehungswerks in Ben Schemen war, Becha Freiers Jüdische Jugendhilfe, die stärker an die Jugendorganisation und den llechaluz angelhnl war. und die ..Kinderfürsorge'', wie sie die mütterliche und so tüchtige Schwester Oberin Beate Berger in der ..Ahava ' ausübte. - - prägte sich der eigene Gharakler der Jugendalijah allmählich stärker aus. Das Wesen war. daß die Jugend selbst, unabhängig von ihrer Zugehörigkeit zu politischen Jugendbewegungen und sogar unabhängig von der Frage des Schicksals ihrer Ellern, aufbrach. Kerne \on •I ugendali jahgruppeu bildeten sich durch die gemeinsamen Bemühungen der Jugendlichen und ihrer Organisation mit Unterstützung der intern, die die Kinder selbst brachten und der Auffang-Organisalion. dir wir seit 1 ß.'IM im Ausland und im Lande geschaffen haben. Eine solche Bewegung von Kindern hallen die Jahrhunderte nicht gesehen. Sie nahmen ihr Schicksal selbst in die lland. Züge. Schifte mit Jugendlichen brachen auf. Das Nazi-Regime : in Deutschland, das die Erziehung und die menschliche Entwicklung der Jugendlichen jäh unterbrochen hatte, war der äußere Anlaß, der die ersten Wellen dieser besonderen Ali ja in Fluß brachte. Die Tendenz der Jugendalijah war erzieherisch. Nicht einfach sosiale Fürsorge, wir sie durch soziale Institutionen des Lundes oder in Waisenhäusern ausgeübt wurde, nicht Fachausbildung, wie sie durch Beschaffung von Lehrstellen oder Besuch von Fachschulen gewährt werden konnte, machten den besonderen Gharakler der Jugendalijah aus. Hier ging es darum, jungen Menschen einen Platz im Leben durch Eingliederung in eine sich erneuernde Gesellschaft anzuweisen, gewiß sie gleichzeitig Elementares und Fachliches leinen zu lassen, aber hauptsächlich den jungen Menschen seelische Stärke und jüdische Bildung zu geben und schlummernde schöpferische Kräfte in ihnen zu wecken. Die betonte Tendenz der Jugendalijah auf Erziehung in der Landwirtschaft und Zusammenfassung ihrer Zöglinge nicht in Schulklassen mu h approbiertem Schema, sondern in Jugend..geseilschaflen" mit Erziehern und nicht nur mit Fachlehrern, brachte di«1 Jugendlichen in einen Rahmen, in dem sie all«1 unlx'achlet einer Zugehörigkeit zu politischen J tigendb«1 we gungen oder sozialen Bedürfnissen der Familien auf ein Lebensziel gerichtet wurden: sie empfanden sich als Vorbereiler einer neuen Gesellschaft. ihre Erziehung war eine Erziehung aufbauender Arbeit und menschlicher Anständigkeit. In solchem Rahmen halbm alle politischen Tendenzen oder last alle ihren Baum und friedlich vollzog sich dieses Erziehungswerk in all seinen Nunucierungen. vom Nashörner 11azair bis zur Agudal Jisrael. in den Siedlungen und in den Anstalten, in den Kibbuzim und in den Moschawim. auch in den Fuchschuhm und für besonders Begabte in speziellen Berufen aller Art. trotz mancher Versuche von Parteien, sich an die Stell«1 der Jugendalijah bei der erzirhrrisclmn Einstufung und Beaufsichtigung der Jugendlichen zu setzen. Bis zum Ausbruch des Krieges H)3‘.) folgt di«1 Jugendalijah den Spuren diunationalsozialistisch«1!) Verfolgung. Sitbegann in Dtm Isehla nd, ging iib<T nach Oesterreich, die Tscheclmslowakei und erweiterte ihren Rahmen auch fioiwillig, ohn«' den Druck der Nazi-Verfolgung, auf and«'re Länder. Bis 1031) brachte sie 3000 Jugendlich«1 ins Land. II. Ich muß gestehen, es war nicht leicht, dieser Sache ihnm Platz in dem routinemäßig fest umschriebenen Bereich unserer Bewegung und ihrer Institut«1 zu sichern. Und auch die hervorragend«'!! IVrsünlichki'ileii. deren Heiz doch von der Jugend alijali erobert wurde, gingen zimrsl mit Zögern und Bedenken an das neue l nlei iiehmen heran. Re« ha Freier hat viel über «las läivrrstüml nis. «las ihr«1 eigene Organisation, die Jüdisch«1 Jngeiidhilfe. in Deutschland gefunden hat. goklagl und mit einer verständlichen Erbitterung auch viele sogar ungerechte Vorwürfe «'rhob«*n: alx'r es ist wähl', di«' Wizo in Deutschland, der sie angehörle. und auch di«' zionistisch«' Vereinigung für Deutschland sahen die Anfänge ihrt'r Arbeit nicht gern, während di«' Ix'iden and«'!«'!) Kern«' <I«'r Jugendalijah. di«' schon vor jener Zeit entstünden waren. di«' Jüdisch«' Waisenhilte (Ben Schemen) und di«* Jüdische Kin«I«*rhi11«' (Ahavahl es in gi'vvisser Beziehung leichter hallen, da sm ebi'ii schon anerkannt«' und von der Oeffenlli« hkeil akzeptierte Einrichtungen waren. Auch die Exekutiv«' der .lewish Agency sah nicht gern. daß di«' Abteilung für di«1 Ansit'dlung deutscher Juden dii'se Sonderst'klion ..Jugendalijah" begründet«'! Ich ('rinnen' mich der Diskussion mit Arthur Ruppin. der zuerst glaubt«', daß «'ine Institution wie di«1 .h'vvish Agency sich nicht mit «h'r Erziehung kleiner Kinder abgeben kömm. Als dann vorgt'schlng«'ii wurde, diese Schwierigki'il dadurch zu üIxTvvimh'ii. daß di«1 Erziehungsarbeit Hi'iiriella Szold anvi'rlraut würde, war di «'s«1 wiedmaun nicht leicht, dafür zu g«1 winnen. tlii'sc Arbeit zu übernehmen. Ich entsinne mich an di«* Diskussionen mit ihr, über die sie ja selbst an anderer Stelle berichtet hat, da sie noch der Meinung war, «laß die Kräfh* des Jischuws nicht ausreichlen oder ji'dtmfalls noch nicht ausreichend erw«'ckt seien, um auch nur die im Lande befindlichen Kinder, Jx'sonders in den Elendsvierteln, mit dem notwendigen Mindestmaß an Fürsorge und Erziehung zu versehen. geschvvi'ig«1 denn Tausende neuer Kimh'r von außx'n zur Erziehung zu üb«'rn«'hm('n. Es war gt'wiß nicht leicht, di«1 Exi'kulive der Jewish Agency von der Nolwondigkeil und d«'r Möglichkeit der Finanzierung dieses Unternehmens zu überzeugen. Die Vereinbarung, die ich während der Z('il «Es Kongiosses in Luzern mit der ,,I fadassah“ über deren finanziell«1 Beh'iligung an d«>r Jugendalijah getroffen halle, wurde angefochti'i), und Bei'l Lock«1!’ wurde mit der Sondermissiou nach Amerika geschickt. die ..IIadassnh“ zu bewogen, von dieser Vereinbarung wieder zurückzuliolen. Aber «t erfuhr Bileams Schicksal. Es war auch nicht Eicht, der Jugendalijah dm Gi'ldmitli1! aus den großen internationalen Fonds zu sichern, die zuerst vom Inlergovernmi'iilal Gonunitlee on Bi'fugees, dann von «Essen Nachfolgerorganisation UNRRA und schließlich von deren iNa«'hfolg('rorganisation. «Er IRO. erlangt worden konnten. Ich entsinn«1 mich, «laß di«1 ersten Anträge, die ich beim Intergovermm'iilal Gommitle«1 und bei «Er UNRRA slellE, nicht von uns(*ren Institutionen unterstützt worden und daß in einem späteren Stadium, als diese Initiativ«1 zu Erfolg führte, <IE eingehenden großen Geldbeträge dann zwisclmn der Jugendalijah und «Er Fürsorge für die Ervvarhs«'m*n-Kinvvnn<Erung gi*teilt wurden. f Fortsei/.Ulli';111 f Scito 8) Generalrepräsentanz: der Atlantic Lloyd Tel Aviv —Haifa ISRAEL REISEBUERO bei der Firma Capri WIEN l GRABEN «o Offizielle Ausgabestelle für alle Flug«, Schiffs« und Balinkarten Paß» und Visat» esorgung '''iiiiiiiiiiiiniiiiiiililiiiiiiiiiiiiiliiiiH Leset und verbreitet unser Zionistisches Organ: „Die Stimme"!