Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1950
- Issue
- Heft 34 (30.3.1950)
- Date
- 1950-03-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 5D/e Stimme Nr. 34 TDege zur Realisierung des Allgemeinen Zionismus Von M0M11* K o I, Mitglied (Irr 1C\ckuIi> «* der Jewish Agency \\;i r u in > i n (I \v i r All g eiii *' i ti r Z i n n i ( v n? \\ eil wir die Ih'soikIimv Lhüiv des iii<Ii-1■ 11(>n \ olkes in Bcchnune .-'teilen und die .'(M'/ilisclirn 1 ><>< 1 i11u'i:11un'n des Bca 1 Lien mg." pro/.esse.- des Zionismus kennen. \\ ir gehören nicht /u dmimi. dio meinen. dal.* Israel sich nicht von andern Völkern miterschridet. Ändert' Völker befreiten sich saun fremden loch durch h’evolution oder durch Befreiung.-kampf. aber di»' Selbständigkeit und die IJefrciung des jüdischen \ o|kcwurde nicht nur auf diesem Wime erreicht. Audi wir ftihrten einen drohen Befreiungskampf mit schweren Menschenopfern. aber dieser Kampf a. Urin kann den Zionismus nicht realisieren. i ’ inert* Lage hatte nur dann eint' Ähnlichkeit mit anderen Völkern, wenn sieh di»' Mehrheit unseres \ olkes im eigenen Land befinden würde. Las Lrreichen d»'r Freiheit des jüdischen Wilkes ist ein spezifischer Prozel.v \Y i r m ti s s e n z u e r s t d a s V o 1 k i m L ande ko n z ent r i er (Mi. daraus ergibt sieh, dal.' die verschiedenen Wege und Systeme, die zur Befreiung anderer Völker geführt haben, uns nicht entsprechen. Für die Idolen zum Beispiel, die in ihrer überwiegenden Mehrheit in Ihrem Lande «reicht haben, hat es genügt, sich von der .Macht Butdands. Österreichs und Deutschlands zu befreien. Ähnlich war die Lage in der Tschechoslowakei. 'Bei uns ist die Situation eine andere. Wir Indien uns vom fremden Joch befreit — die Engländer haben das Land verlassen — wir haben einen eigenen Staat, aber es bleibt die Tatsache. dal.' nur ein Zehntel unseres Volkes befreit ist. Es wäre ein Irrtum, zu behaupten, daß die zionistische blee durch die Entstehung der Medinath Israel bereits realisiert ist. Wir haben damit die politischen Bedingungen und den politischen Bahnten geschaffen, der uns ermöglicht, den Weg zu beschreiten. der zu unserem Ziele führt. Von den TI Millionen Juden, welche nach der Vernichtung von 0 Millionen in der Welt verblieben sind, befinden sich über (‘im.* Million in Israel, während i der Bost in der fiolah lebt. I Wenn wir diese historische Fntwick- I hing in Betracht ziehen, so sehen wir. dal.' nicht, jede gesollsehaft liehe Ordnung. welche für ändert* \ ölker gut ist. auch für unseren BoalisicrungsprozeB geeignel ist. Fs ist ein fataler Irrtum, wenn gewisse Bartejen den Aufbau unseres Landes der Struktur anderer Völker oder Staaten angleichen wollen. Lnsere Bewegung hat. fliesen Theorien, welche man im Zionismus cinfiihren wollte, nicht zugestimmt. Für uns ist der Z i o n i s m u s selbst die grbl.de Bcvolution im jüdischen Volk. Las Ziel. Millionen Menschen zu organisieren, um sie in ihrem ilcimathind anz.Usiedcln. an welches sie mit ihren naliomdcn und geistigen (Befühlen gebunden sind, diese Bevolu- 1 i11h. welche Zi<i 11ismils hei Ist. gibt. Ulis «genug Inhalt für mindestens zwei Lcncrationeu. Alle unsere Arbeiten, sei es auf ökonomischen oder kulturellem Leidet'. müssen diesem prinzipiellen Ziel angepaBt sein. Sollte man im Zionismus andere Wege rinschlagen, die nicht mit unseren Bestrebungen identi - Li sind, so kann der Bralisierungsproz.cB de- Zionismus .-ehr darunter leiden und kann in eine Sackga.'so geraten. Währ« ml mehr als einer Leneralion haben die Arbeiterführer im Zionismus I die Idee von einer Synthese zwischen I Zionismus und Sozialismus vertreten. Sie konnten dies ,-o lange tun. als die < •rdnuiig im Lande durch viele Jahn* vmi der britischen Besä t zungsmacht bei einer langsamen zionistischen Ln t uicklung a u s g ' i i 1 > t wurde. Mir befinden uns heute in der Lagt*, dal.' der Sozialistische Zionismus eine Mehrheit in der Knesseih ( Barlanienl ) hat. V tum die beiden Sozialist ischen Parteien. Mapai und Mapnm. deren Führer die Benlisierung des sozialistischen Zionismus angostrehl haben, mit sich selbst aufrichtig wären, mül.'tcn sie jetzt, wo sie selber die Ordnung im Lande zu bestimmen haben, ihn* Idee realisieren und festst eilen, dal.' die Medinath Israel ein Sozialist ischer Siaat ist. Lie Allgemeinen Zionisten haben vorausgesehen. dal> es zu einem Widerspruch zwischen Zionismus und Sozialismus kommen mul.'. Wir sind jetzl (*in selbständiger Staat und können allein Beschlüsse' fassen, aber die sozialistische Mehrheit will gar nicht Israel in ei neu sozia 1 ist isehen Staat verwandeln, denn die Annahmt' einesolchen Beschlusses, würde das Fntlo der zionistischen \ erwirkliclmng herbei führen. her llaovcd Ilazioni (Allgemeine, Zionistische Arbeiterbewegung) war 1 immer gegen eine Verschmelzung des Zionismus mit Sozialismus. Zwei prinzipielle Frsoheinungen sind im Sozialismus: hie Nationalisierung des Vermögens und die hrosselung der Auswanderung aus ihren Ländern. Sozialistische Länder dulden keine Auswanderung. da. sie alle ihre Arbeitskräfte für den Aufbau ihrer eigenen sozialistischen Wirtschaft in Anspruch nehmen. Für uns war es klar, tlal.s eine .Nationalisierung des jüdischen Vermögens gleichbedeutend mit. der Einstellung der Einwanderung nach Israel ist und somit das Ende der \ erwirklichung des Zionismus bedeutet. Eint* freie Emigration und eine freit* Bewegung dos privaten und nationalen Kapitals ist eine Notwendigkeit für den Zionismus. Würde zum Beispiel in Amerika der Sozialismus herrschen und rlas Brivatkapital (natürlich auch das jüdische) nationalisiert worden, mit welchen Mitteln würde man den Aufbau unseres Landes finanzieren? Nun ist, das oingelroten, wovor sich die Allgemeinen Zionisten gefürchtet haften. Als Antwort auf die Empörung, mit welcher man die* Erklärung die Ben (Burion auf einer Mapai-Vorsammlung. über den. ..Sozialismus unserer I Zeit" gemacht, hatte. stellte der | Premierminister Ben Lurion fest:'..ich strebt* den Kibbuz Lalujoth (Sammlung der Zerstreuten), welcher vor dem Sozialismus verwirklicht, werden muh. an. d. h.. falls der Kibbuz (Balujoth erst im Laufe von 100 Jahren erreicht werden kann, wird der Sozialismus erst nach diesem Zeitpunkt, in Fragt* kommen". Aber die sozialistischen Zionisten ziehen daraus nicht die Koiisetpienz und geben auch nicht zu. tlal.s der Sozialismus nicht verwirklicht werden kann, solange das jiidhehe Volk in vielen Ländern zerstreut ist. Es liegt ein Widerspruch auch im religiösen Zionismus. Bei einer Mehrheit, der Misrachi oder Agudath Israel könnte der Zionismus ebenfalls nicht verwirklicht werden. Ein moderner Staat kann nicht entsprechend den strengen Vorschriften der Thora geführt werden, denn er könnte sich nicht der modernen Zeit mit ihrer technischen und Wissenschaft liehen Entwicklung' unpassen. Wir können nicht zurückgehen, hie religiösen Parteien stehen heute schon vor schwerwiegenden Problemen, da sie bei der Schal l'ung von Lesetzen mit best immen müssen und zu den Fragen, ob man am Sabbath Telegramme zustellen kann, oder dal.' Eisenbahnen oder Flugzeuge am Sahbath vom Verkehr nusgeschaltet werden sollen. Stellung zu nehmen haben. Ebenso verhall es sich in den Fragen der diskreminierentlen Ehe- und Erbsrhaftsgesetzen der Frau (wie es die Thora, vorschreibl ). sowie in einer Beilie anderer Probleme, welche mit der Existenz des Staates innig verbunden sind. Ohne moderne Entwicklung der jiidiseht'ii Lesotze. kann der Staat; nicht, gedeihen. Die religiösen Kreist* revidieren jetzt alle diese Fragen, denn sie wissen ganz gut. dal.' man auf Lriintl der bestellenden (leset ze das Land nicht, aufbauen kann und man ernste Beformen durchführen wird müssen. Möglich, dal.' sie* eine gute Synthese zwischen den Prinzipien des Judentums und den Bestrebungen der modernen Zeit erreichen können, aber wenn sie auf den starren Dogmen der Beligion beharren, mul.' es zu einem tragischen Widerspruch führen. Es ist, klar, dal.' der Zionismus sich nicht; nach den Lesetzen. weicht' vor 2000 .Jahren geschalten wurden, verwirklichen kann. Der Bealisierungsprozek' des Zionismus muh den gegebenen Bedingungen und Lmständen angepak't werden. her Allgemeine Zionismus hat immer den Standpunkt vertreten, dal.' dio zionistischen Interessen vor allen arideren stehen. .Deshalb sind wir eine Partei, die nicht auf Klassensysteine, sondern auf der Basis eines gemeinsamen zionistischen Programms, welches alle* Teile des jüdischen Volkes vereinigen und konzentrieren mul.', aufgebaut, ist. Es ist wahr, tlal.s ein solcher Weg gleichbedeutend mit dem Schwimmen gegen den Strom wärt', ln Wirklichkeit zieht, uns das Klasseninteresse mit, dem Strom. Jetzt zum Beispiel ist, die Entwicklungsmöghchkeit Israels vom Export-Problem sehr abhängig. Das Land Israel hat ein permanentes Handelsdefizit. Zwischen Import und Export, befindet, sich ein Abgrund. Langt* können wir mit so einer negativen Handelsbilanz nicht existieren. Wir importieren für 00 Millionen und Wolle und Garne Größte Auswahl ADOLF BOMZE V., Reinprechtsdorferstraße 48 XX., Wallensteinstraße 17 Tel. A 32-0-08 im Frütjjafjr gut und preiswert gekleidet vom Hauffyaus Brüder ffClb 2^ Wien VII, Mariahilferstrafle SO Tele phon : B 36 0 63, B 36 3 37 exportieren nur für S Millionen ILP. I m unsere Lagt' zu sanieren, müssen wir mehr an das Ausland verkaufen, aber um mehr verkaufen zu können, müssen wir die Preist* herabseizen. Der Index ist. hei uns jetzt -i20 (er war schon B70) und ist jedenfalls im Vergleich zu anderen Ländern so hoch, dal.' wir nur schwer verkaufen können. Wenn man hei uns eine Erhöhung der Arbeitslöhne fordert, spricht es auch uns zu Herzen. Nimmt man aber zum Herzen auch den Verstand, mul.' man sich Bechenschaft geben, was dann geschehen würde. Die Produktion wird fallen, die Arbeitslosigkeit steigen, es wird eint* Krise entstehen iinu wir werden die Masseneinwnnderung nicht ahsorhieren können. 'Die Aufnahme der Alijali ist heute das dringendste und wichtigste Problem, welches mit der Herabsetzung des Index eng verbunden ist und mit, der Entwicklung der Industrie und ihrer Produktion zusammenhängt. Ein Staat, der ('in ganzes Volk aufnehmen will, mul.' sein Lebcnsni vcau möglichst her nl »sei zen. Israel hat keim* Loldgruhen. Es ist unmöglich einen hohen Lebensstandard einzuhalten und gleichzeitig die Massen aiifzunehmen. die mittellos zu uns kommen. Wir kämpfen für KIitall (Aufnahme der .Masseneinwanderung'). da wir sonst; nicht existieren werden können. In der jetzigen Zeitperiode der Bealisierimg des Zionismus, müssen wir eint* gemeinsame Tätigkeit aller Klassen erreichen. Wir Allgemeine Zionisten fordern von den Arbeitgebern. dal.' sie sich mit einem kleinen .Nutzen begnügen, wir fordern von einem Zionisten, wenn er ein Industrieller ist. sein Einverständnis, seine Einkünfte zu begrenzen. Der llaoved Ilazioni kämpft innerhalb der allgemeinen Arheilerhewegimg für das llerabsetzen des Index. Wir verlangen von jedem einzelnen, vom Arbeiter, vom Arbeitgeber. Upfer. da anders der Zionismus nicht, verwirklicht werden kann. Das ist keim* Eragc von Poesie, das Problem ist sehr prosaisch. ( Eortsctzung folgt.) NI eüenkel unserer UnirersiUU! Leset und verbreitet unser Zionistisches Organ: „Die Stimme"! i JL