Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1950
- Issue
- Heft 34 (30.3.1950)
- Date
- 1950-03-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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c/Illgemein zionistischeJVochensehrtft Preis 2 Schilling V.b.b. §! Redaktion und Administration: §§ Ü Wien IX, Universitätsstraße Nr. 4 4 §§ M Telefon A 26 4-73 § Postscheck-Konto Nr. 134.292 30. März 1950 Erscheint vierzehntägig Zionistischer Landesverband Wien iro Q'JT'xn nnnxnn -PP lllilillllilllllllililliiiillliiilllllllillllllllfiilllilllliliiiillllllllllillllililirfi Nr. 34 — 1950 PESSACH 5710 Von Oberrabbiner L)r. Akiba Eisenberg Die Symbolik der Viererzahl schwebt über dem Pcssachfest. Vier bedeutungsvolle Sabbaloth gehen dem Pest voraus (S e h e k a l i m, S a c, h o r, i’ur a u n d C h a e li o (losch). Vier Söhne werden in der ilaggada aungezählt (G h a c li a m, R a s e h a. T a in, S t li o - e n o jo d e a 1 i s c h? o 1). Viermal leeren wir unser (Das am Sederabend. Vier Ausdrücke für den Begriff der „Erlösung“ sind in der Thora enthalten (w e h o z e t i, w eli i z a 11 i, w e g o a 11 i, w e 1 a ka c, h t i). Diese Viererrhythmen sind für mich im Lichto der besonderen Lago der Judenheit Wiens untereinander verbunden und aufeinander abgestinunt. Der erste Sabbath scheint mir mit dem ersten Sohn, dem ersten (Das Wein, dem ersten Ausdruck für „Erlösung“ zusanunenzuhängen — und so fort. Wie ist dies zu verstehen? Der erste Sabbath, Sabbath-Schekalim, ermahnt die Gemoindo zur Spendenfreudigkeit und hängt mit „w e li o z e t i“, also ..ich führe dich hinaus“,' im Hinblick auf die Erlösung zusammen. Hinausgeführt wird die Gemeinde, nämlich soll sie erlöst werden aus der seelischen Galuth der in Wien obwaltenden Knausrigkeit, hinausgeführt aus dem Kerker der materialistischen Denkungsart des Mammon, befreit von den Fesseln des Geldes. Denn härter als Stahl, stärker als Eisen, ist die Fessel, die dein Herz, dein Gehirn, deinen Verstand einengt, wenn du dich vor dem Spenden für heilige Zwecke verschlossen zeigest. Du wähnst dich weise (Chat-ha. m), wenn du dich wieder der irrsinnigen Leidenschaft der Hast nach Geld hingibst, wo doch der wahrt' Weise aus den Erfahrungen der Vergangenheit hätte lernen müssen, daß 10 joil hon b'jom ewra nichts hilft das Vermögen am Tage der Gefahr. Tm Sinnt' tlieses Gedankens, im Sinne der Erlösung aus der seelischen Galuth. leeren wir sodann das erste (Das 'Wein am Sederabend. Der zweite Sabbath, Sabbath Sacher, ist ein Tag des Erinnerns. Gedenke tleiner Vergangenheit, an die unmittelbare, nächste Vergangenheit, daran, was dir der Döse (Ha sc ha) unserer Tage angetan hat. Vergiß ja nicht, Wiener .Jude, tlie Taten und Untaten des neuzeitlichen Amalck. Und dieses Erinnern belebe in dir das Bewußtsein, tlaß Gott mit dir ein Ziel verfolgt hat, als flu von der Vernichtung errettet wurdest ( „w e h i z a 11 i“). Es war der Wille Gottes, daß du befreit wurdest aus den Händen des Kascha, des Dösen — damit du in die Leihen der frei Bauenden eintretest, damit du statt der Fron von Fithom und Ramses dein eigenes Heim, dein eigenes Land bauest. Im Sinne dieses Erinnerns leeren wir unser zweites Glas Wein am Sederabend. Der dritte Sabbath, Para, ist clor Läuterung gewidmet. Das jüdische öffentliche Leben unserer Gemeinschaft ist aber von Unreinheit, von Schmutz erfüllt. Stürme sündhafter Leidenschaft erschüttern andauernd die Gebäude des jüdischen Wiens. Anschuldigungen, teils begründet, teils erlogen, vergiften die Atmosphäre. Die Sünder glauben sich teilweise, (C halt h a m) teils (in ungeheuerlicher Hoffart) böse ( K a s c. h a); in Wahrheit sind sie nur einfältig (Tarn). Denn sie wissen nicht, welche Folgen ihr Treiben haben muß: die Folge ist die Vernichtung der ganzen Gemeinschaft, wenn nicht tlie Läuterung im Geiste dos Sabbath Para pintritt. Die Lehre dieses Sabbath ist. die Aulfortlerung zur Ausrottung der Sünde: die Para soll verbrannt worden ..samt ihren Mist“. Im Sinne dieses Gedankens wird das dritte (Das Wein tles Setlerabends geleert. ..Wogaalti“ so werdest du erlöst werden. Der vierte Sabbath, Sabbath Uaehodoseh. der S;ihhalb der Erneuerung, ist aber der Höhepunkt, dos Vierklangs. Denn zum Zweckt' der Erneuerung der Gemeinschaft geschah alles (Spende. Erinnern und Läuterung), was vorher geschehen sollte. Und dies im Zeichen des vierten Ausdrucks für die Erlösung: welak a. rhl, i. und ich nehme dich zu In tiefer Trauer stehen wir am Grabe des unvergeßlichen zionistischen Führers, DANIEL FRISCH Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas. Sein Name wird mit dem zionistischen Aufbauwerk für immer verbunden bleiben. Zionistische Föderation in Österreich I meinem Volke — wehewoti — und ich führe tlich wieder in dein Land. Auch die Judenheit Wiens, auch ihre Kultusgomeindc, auch ihre zionistischen Organisationen bedürfen der Erneuerung. Wir müssen uns in moralischer und materieller Hinsicht, geistig und gesinnungsmäßig, auf dem Gebiete des Gebens (S c h e k a 1 i m), des Erinnerns an unsere Traditionen (S a c h o r) und der Läuterung (Par a) zur Erneuerung gelangen. Was heißt aber Erneuerung? Vieles und flies Viele wird auch oft genannt. Doch wird dabei fast stets ein Wichtiges vergessen. Erneuerung heißt auch tlie Hinzuziehung frischer, unverbrauchter Elemente, solcher .Juden, die sieh bisher dem jüdischen öffentlichen Leben ferngehalten haben, und zwar darum, weil, sie kein Interesse für tlieses Leben bekundet haben (S e h e - e n o j o d e a 1 i s e h’o 1). Der Grund für dieses Desinteressement und Fernbleiben war und ist nämlich, so (Fortsetzung auf Seite 2) | DANIEL FRISCH | Aus Amerika ist die erschütternde Nachricht gekommen, daß Daniel Frisch, Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas, nach einer Operation im Alter von 53 Jahren gestorben ist. Daniel Frisch, wurde in Israel geboren, zog als Kind mit seinen Eltern nach Rumänien und wunderte im Jahre 1921 nach Amerika aus. Feit seiner Ankunft in Amerika war er volle 30 Jahre im jüdischen und zionistischen Leben Amerikas tätig. Im Jahre 1934 wurde er in das Exekutivkomitee der Zionistischen Organisation Amerikas berufen und hat durch seine ungewöhnliche Arbeitskraft die Stellung einer führenden Persönlichkeit im amerikanischen Judentum eingenommen. Im Mai 1949 wurde er zum Präsidenten der ZOA gewählt. Während der neun Monate seiner Tätigkeit als Präsident unternahm er zwei Reisen nach Israel, um eine Grundlage für die wirtschaftliche Zusammenarbeit zu schaffen. Der Tod. Daniel Frisch’s ist ein schwerer Verlust für die zionistische Bewegung im allgemeinen, für die große amerikanische zionistische Bewegung und ein besonders schwerer Verlust für die Bestrebungen einer engen Zusammenarbeit zwischen dem Staate Israel und dem amerikanischen Judentum. — Daniel Frisch war der Träger des Volkszionismus in Amerika und war die großo Persönlichkeit, die in seiner eigenartigen Weise die Probleme Israels in Amerika und zugleich auch die spezifischen Probleme des amerikanischen Judentums in Israel mit Erfolg geklärt hat. Daniel Frisch war eine seltene Erscheinung im amerikanischen Zionismus. kein Philantrop-Zionist, kein Zionist, um nur seinen verfolgten Brüdern zu helfen, er war ein aufrichtiger nationaler Jude und sein Zionismus eine logische Konseigienz als Jude. Die Allgemeinen Zionisten als Partei, verlieren in ihm einen ihrer prominentesten Führer, eine dynamische und impulsive Kraft, welche mutig und sicher seine Pariei lenkte. Durch seine großen Leisfungen wird sein Name in tler Geschichte der Errichtung des Staates Israel für immer verewigt bleiben. Erschüttert von dem frühzeitigen Tode des Presidenten der Zionistischen Organisation Amerikas! DANIEL FRISCH drücken wir der Familie und der Zionistischen Be** we^unO unser tiefstes Beileid aus. Zionistischer Landesverband in Österreich