Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1948
- Issue
- Heft 27 (20.11.1948)
- Date
- 1948-11-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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emein zionistische Jdochenschvift Preis 1 Schilling V.b.l). Redaktion und Administration: j= Wien IX, Universitätsstraße Nr. 4 4 H Telefon A 26 4-73 1 Postscheck-Konto Nr. 134.292 20. November 1948 Erscheint vierzehntägig Zionistischer Landesverband WJen ivd ffjpn nitriHm J Nr. 27 — 1948 Israel muß ein Musterstaat wenlen! Pressekonferenz mit dem Präsidenten Dr. Chaim Weizmann empfing die \'ort.rc*loider Landes- und Austandpresse im Sioff-Institut in Bcchovoth anläßlich .seiner ersten Pressekonferenz. Audi zu dieser Pressekonferenz begleitetem die Gattin und der Sekretär Meir Weisgal den Präsidenten, der durch die in der Schweiz durchgeführte Augenoperation (>0 Prozent; seiner Seilfähigkeit wiedergewonnen hat. Die vollkommene Sehschärfe soll sich aber erst im Laufe der Zeit wieder einstollen. Nur zögernd kamen die Fragen der sonst wenig rücksichtsvollen Berufsjournalisten, die ganz offensichtlich stark unter dem Findruck einer Persönlichkeit von geschichtlichem Format standen. Der Präsident umriß an Hand der ihm gestellten Fragen sein außen- und innenpolitisches Programm: Bernadotte>Plan ..Meino Antwort kann nidit das Problem in seiner Gesamtheit umfassen, aber so viel möchte ich doch sagen, daß ich mit aller Fntschiedcnheit gegen ('inen Punkt des Planes bin: den Ausschluß des Negev aus dem jüdischen Staatsverband. Ich glaube nicht, daß wir die Aufgabe des Negev auch nur in Frwägung ziehen können. Als ich zuni erstenmal im Jahre 11)IS dorthin kam, sah ich, welche Möglichkeiten der Negev bietet, falls eine große Hinwanderung möglich ist, Seit damals habe ich mich immer mit dem Problem beschäftigt, und ich habe es auch mit; dem Präsidenten der Vereinigten Staaten sehr eindringend erörtert. Er würdigte in vollstem Maße die große Bedeutung. die der Negev für die Juden hat,“ Jerusalem ,,Wenn der Versuch einer Internationalisierung Jerusalems bedeuten sollte, die Gefühle der Juden Jerusalems zu unterdrücken, so wird er erfolglos bleiben, denn die .Juden sind zu sehr mit der Stadt verbunden. Man muß erst einmal wirklich wissen, was Internationalisierung bedeuten soll.“ Israel und Großbritannien „Was mich angeht, werde ich mich jedenfalls bemühen, dafür zu sorgen, da. 1.1 die alte traditionelle Freundschaft zwischen den Juden und Großbritannien wieder erneuert wird. Ich glaube, es liegt im Interesse beider Parteien, daß sie ihre Beziehungen normalisieren.“ Israel zwischen Ost und West ..Unsere Beziehungen zu Bußland werden sich, denke ich. befriedigend gestalten. Ich wollte gern, daß unsere Beziehungen zu allen Ländern Bußland, Amerika, (i roßbritaniden sich aul der Basis von Offenheit und Vertrauen entwickeln. Ich bin jedenfalls davon überzeugt, daß Israel sowohl mit. den westlichen wie mit den östlichen Mächten in Frieden leben wird. Ich war ziemlich lange in der Schweiz und habe gesehen, daß Neutralität dort keine bloße Phrase ist. Sie ist ein lebendiger Begriff, sie bewährt sich und ich habe dieses Problem gerade im Hinblick auf unser kleines Land studiert.“ Weizmann und Israel „Wenn man mich fragt, was ich von der gegenwärtigen Stimmung der Bevölkerung halte, so muß ich sagen, es liegt eine Art von Hochstimmung in der Luft, Die Menschen sind glücklich; sie leben offenbar mehr im Geiste der Zeit und nicht durch die wirtschaftlichen Einschränkungen gedrückt, die, wie ich helfe, bald gemildert werden können. Meine Arbeit am Institut in Reehovoth möchte ich gern fortsetzen, aber ich bin durch meino verminderte Sehkraft stark behindert. Aber ich werde hier weiter bleiben und mich für die Arbeit, interessieren, selbst wenn ich noch eine Zeitlang nicht in der Lage bin, selbst mit Hand anzulegen.“ Weizmann und die Verfassung ,,Ich habe mir oft die Frage vorgelegt. welche Bolle der Präsident in der zukünftigen Staats Verfassung spielen soll. Zwei Typen von Präsidentschaft schweben mir vor: hei dem einen Typ. dem französischen, hat der Präsident überhaupt keine Hechte, mit Ausnahme des Formalrechts der Ernennung des Ministerpräsidenten und dem Vorsitz im Kabinett; der andere Typ aber, den der verstorbene Präsident Masaryk verkörperte, spielt eine wirkliche Bolle im Lehen seines Landes. Ich bin nicht so eingebildet zu glauben, ich gleiche Masaryk, doch hoffe ich, mehr zu sein als eine Puppe. Jedoch habe ich keineswegs die Absicht, mich in irgendeiner Weise in den Gang der Regiorungsmaschinerie einzumischen. Ich möchte helfen, aber nicht hinderlich sein.“ Zum Abschiß der Pressekonferenz erklärte der Präsident auf eine Frage ausdrücklich, daß er jetzt nach Israel gekommen sei, um hier für immer zu bleiben, und daß er nicht beabsichtige, nach Europa zurückzukehren. Ungefragt erließ er dann noch folgende Botschaft an Israel: „Wir sind ein kleines Land, aber ein großes Volk, ein Volk mit großer Erfahrung auf politischem und sozialem Gebiet und wir dürfen uns nicht damit zufriedengeben, nur eben gerade unser Land zu haben. Es muß Im Laufe dieses Jahres haben 100.000 jüdische Einwanderer die Küste Israels erreicht. In den nächsten zwei Monaten wird die Bevölkerungsanzahl Israels um weitere 5 Prozent gestiegen sein. Die vorausgesehene monatliche Quote beträgt 10.000 Einwanderer, übersteigt aber jetzt beiweitem 15.000. Mehr als 80 Prozent der Flüchtlinge reisen auf jüdischen Schiffen. Die Regierung hat, das Wohnungsproblem schnell gelöst; neue Siedlungen werden gegründet, Häuserblocks gebaut, verlassene arabische Städte besiedelt. dies ein Land werden, in dem das Volk Dinge schafft, die der Welt beweisen, daß im jüdischen Volk noch dieselben Kräfte lebendig sind, die der Welt moralische und soziale Gesetze gaben. Gesetze, die die Welt noch heute ihr eigen nennt, Unsere Schulen und unsere Universitäten müssen Muster an Vollkommenheit werden, unsere Sozialgesetzgebung und unsere Beziehung zu anderen Völkern müssen vom Geiste der Friedfertigkeit erfüllt sein, eines alten Volkes, das nach 2000 Jahren heimgekehrt ist, Es ist ein gewaltiges Ereignis und cs ist nicht jedem Volk gegeben. Das ist eine große Aufgabe; sind wir erst so weit gekommen, dann müssen wir uns ihr auch würdig erweisen.“ Stadt in Palästina, ist zum .Mittelpunkt für jüdische Einwanderung geworden. 50 Prozent der Bevölkerung Jaffas sind heute jüdisch. Tel Aviv hat den Dienst ihrer Stadtgemeinde (municipal Service) auf Jaffa ausgedehnt und es ist anzunehmen, daß die ganze Stadt Tel Aviv einverleibt wird. Seit dem 14. Mai sind 29 Siedlungen an strategisch wichtigen Punkten Nord- und Mittelpalästinas gegründet worden. Es gibt neue Gemeinden in Ober- und Mittelgaliläa, im Tal von Jesreel, in der Ebene von Esdraelon und im Jordantal. Viele neue Siedlungen bestehen auch schon im jüdischen Korridor nach Jerusalem. Da recht starker Arbeitermangel herrscht, finden die Neuankömmlinge leicht Beschäftigung. Aber eine völlige Anpassung der Einwanderer an die neuen Lebensverhältnisse ist nicht einfach, und der junge Staat steht vor einem sehr ernsten Problem. Jüdische Beamte geben offen zu, daß viele Einwanderer ganz falsche Ansichten haben. Ihre Visionen vom ..Land der Verheißung“ ließen sie ein Wohlleben erwarten. das ihnen der junge Staat heute noch nicht bieten kann. Die Flüchtlinge haben die letzten .Jahre in Lagern verbracht, sich an ein 1 atemloses Leben gewöhnt und linden es schwer, den Anforderungen, die der Staat an sie stellt, nachzukommen. Viole sind noch physisch und psychisch gebrochen. Ihnen muß besondere' Fliege und Bediandlung zuteil werden. Die Anfordeuumgen. die' der Krieg heulte' an dos Land stellt, machen es dem Staate1 nicht möglich, die Pborgangsperioeh' länger (»der wemigor schroff zu gi'slalte'ii. Die' Be'gie'rung legt, ihrem ganzem Nachdruck auf ehe Be'sie'ellung th's Laneh's und ist eleu* Meinung. daß sich die' Einwandeuvr trotz alli'r Schwie'rigke'item - im aIIgvme'inim gut t'infügem. Jaffa, einst die größte arabische Piimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiir Feierlicher Empfang!>r. YVciznianns Anzahl der jüdischen Einwanderung übersteigt Erwartungen in Israel