Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1948
- Issue
- Heft 26 (6.11.1948)
- Date
- 1948-11-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 26 S)ie Stimme Seite 7 Primarius Dr. Matthias Reich — 70 Jahre Galiläa Während sieh die Aufmerksamkeit der jiidisehen Öffentlichkeit auf die Sitzungen des Sicherheitsrates in Paris konzentrierte, hat sieh ein epochemachendes Ereignis die vollkommene Besetzung von Galiläa durch israelitische Truppen vollzogen. Kurz nach Beendigung der Kämpfe iin Negev wurde vom Oberkommando der israelischen Armee berichtet, daß es libanesischen Einheiten unter dem berüchtigten Bandenfiihrer Eawzi el Kaukji gelungen ist, die Siedlung Namara, welche die Naehsehubstraße zu den Siedlungen Kvar Gil’adi, Metulla, Tel Uhai und Dafne beherrscht, einzusehließen. Die Siedlung selbst, deren Wasserversorgung nur von den Naohbardörfern aus möglich ist, konnte trotzdem allen Angriffen standhalten. Es war selbstverständlich, daß die jüdische Armee sofort Gegenaktionen unternehmen würde, die an; 31. Oktober zur Besetzung von 200 Quadratmeilen jüdischen Bodens in Galiläa fii hrte. Die Offensive begann mit der Eroberunng von Tarshiha durch einen Nachtangriff, den jüdische Einheiten von Naharija ausführten. Eine zweite Kolonne begann ein Umgehungsmanöver des noch in arabischen Händen befindlichen Gebietes von Safad aus nach Norden und besetzte Jish und Malikiya. Die beiden Keile vereinigten sieh schließlich in der Schlüsselposition der Truppen Kaukjis — in Sa’sa, und hatten damit die Araber von Libanon abgeschnitten. Der letzte Stoß, der die Araber zur Kapitulation zwang, war das plötzliche Auftauchen einer dritten jüdischen Abteilung, die vom Süden her — aus Nazareth — vorgedrungen war. Die arabischen Truppen bei Manara, an ihrer Flanke bedroht, gaben ihre Stellungen auf und zogen sich hinter die libanesische Grenze zurück. An diesen Operationen beteiligten sich auf jüdischer Seite zum erstenmal von der israelischen Armee ausgebildete und bewaffnete Einheiten ortsansässiger Araber und Drusen. Wie ein militärischer Sprecher erklärte, haben sie ihre Aktionen mit Erfolg ausgefiihrt. Die „Newr York Herald Tribüne“ bringt folgende interessante Meldungen in ihrem Bericht über die obengeschilderten Ereignisse: Delegationen libanesischer Grenzdörfer kamen den israelischen Truppen mit weißen Klagen entgegen und baten sie, die Dörfer zu besetzen, um sie vor der harten Behandlung der Kaukji-Soldaten zu schützen. Feierliches Begräbnis des Ing. Slegmund Kornfein Unter großer Teilnahme fand Mittwoch. den 27. Oktober, die Beerdigung Ing. Siegmund Körnleins statt, Die \ ertreter der Israelitischen Kultusgemeindo Wien sowie aller jiidisehen Organisationi'ii nahmen an dieser Feierlichkeit (eil. Der Oherrahhiner Dr. Akiba Eisenberg und der Oberkantor Morgenstern, vom ('hör assistiert, zelebrierten die Gebete. Nach einer kurzen Bede des Oberrabbincrs ergriff Dr. Viktor Bordes für die Kttltiisgemeindo Wien das Wort; namens der Zionistischen Föderation in Österreich sprach Herr Bernhard Braver. Am (lra.be selbst nahm Dr. Wolf .11 erzberg als Vertreter des Zionistischen Landesverbandes in Österreich in bewegten Worten Abschied von dem verdienstvollen Vorkämpfer. Nach Absingen der llafikvvah endete diese würdevolle Trauerfeier. befreit! Die UN-Kommission hat keinerlei Beschuldigungen bezüglich der Galiläa-Kümpfe erhoben. „Die unbestätigten Meldungen, daß die Juden Kairo erobert haben, sind nicht richtig“, war die sarkastische Bemerkung eines UN-Mitgliedes auf einer Pressekonferenz. Der Direktor des jüdischen Spitals, Primarius Dr. Matthias Beich, vollendete am 30. September PMS sein 70. Lebensjahr. Wenn man nicht die Richtigkeit, der Geburtsdaten anerkennen müßte, würde wohl niemand glauben, daß Primarius Beich schon den Siebziger erreicht hat. Denn unverändert ist seine jugendliche Arbeitslust und Arbeitskraft, immer gleich geblieben ist seine Pflichttreue und seino leidenschaftliche Liehe zum Berufe, in welchem er sich einen ausgezeichneten Huf als außerordentlich hervorragender Chirurg erwarb. Das Präsidium der W iener Kultusgemeinde, die Ärzte, das gesamte Personal des Spitals, sowie viele Freunde benützten den Anlaß der Geburtstagsfeier des Primarius Beich, ihm die Gefühle ihrer besonderen Hochschätzung und Dankbarkeit in ehrendster Weise zum Ausdruck zu bringen. Primarius Reich wurde in Baya in Ungarn geboren. Er studierte Medizin an den Universitäten in Budapest und Wien, war dann durch viele Jahre Assistent bei Professor Büdinger und wurde nachher Leiter der chirurgischen Abteilung des Franz-Josephs- Ambulatoriums. 1938 übernahm Primarius Beich die Leitung der chirurgischen Abteilung des Spitals der israelitischen Kultusgemeinde. Es war die schwerste Zeit für das Wiener Judentum, und doppelt schwierig war die damals immense Arbeit für die Ärzte des Spitals. Primarius Reich wußte alle Schwierigkeiten zu meistern, auch als das Rothschildspital geräumt werden mußte und in die Talmud Thora-Schule in die Malzgasse übersiedelte. Es gelang das beinahe unmöglich Erscheinende. Unter den größten Schwierigkeiten wurde es auch zuwege gebracht, einen schönen, allen Ansprüchen entsprechenden Operationssaal zu schaffen und die chirurgische Tätigkeit in vollem Umfange fortzusetzen. Während der Luftangriffe und während der Belagerung war Reich durch seine Unerschrockenheit und seine unerschütterliche Pflichttreue allen anderen ein Vorbild. Seit Anfang 1947 ist er Direktor des Spitals, das er trotz allen zeitbedingten Schwierigkeiten in musterhafter "Weise zu führen versteht. Reich erfreut sich auch der größten Beliebtheit und Verehrung bei seinen Patienten, die wissen, daß ihm das Wohl seiner Kranken das höchste Ziel ist. Den "Wünschen seiner dankbaren Patienten schließen sich auch alle seino Freunde und alle Ärzte sowie das gesamte Personal von ganzem Herzen an. Möge Primarius Reich noch lange mit der gleichen jugendlichen Kraft zum Heile der Kranken wirken, möge er es bald erreichen, seine hochgeschätzte Tätigkeit im weiteren Rahmen des alten Rothschildspitals zu seiner eigenen Freude, zum Wolde seiner Kranken und zur Ehre der jüdischen Gemeinde ausüben zu können. Primarius Dr. Max Meissner DANKSAGUNG 1 die nur erwiesene herz- Teilnahme anläßlich des ens meines unvergeßlichen nt ton Ing.. spreche ich in meinem, sowie im Namen meiner Kinder Edith und Erich allen Freunden, und insbesondere den Vertretern der zionistischen Organisationeipmeineu innigsten Dank aus. Vilma Kornfein ngland. „I was there“ Von Quentin Reynolds Quentin Reynolds, der weltberühmte amerikanische Journalist, war ein aktiver Freund der zionistischen Sache durch lange Jahre. Er ist der Autor einer Reihe von Büchern und stellvertretender Redakteur des Magazins „Colliers“. Die Hauptcharakteristik seines Stils ist die Tiefe und die Wärme seines Gefühls. Der Artikel ist ein Auszug aus einer Sendung, die Mr. Reynolds über Kol Israel, die Tel Aviver Radiostation, hielt. „Es wurde geschrieben, daß alte Dingo die besten sind: altes Holz zum Brennen, alte Pfeifen zum Rauchen, alter Wein zum Trinken, alte Lieder zum Singen. Aber niemand hat bisher geschrieben, daß das Alter die beste Zeit des Lehens ist. Das Alter ist kalt und kann nur durch unsere Erinnerungen belebt werden. Jene von uns, die hier sind, werden niemals diesen Tag vergessen; in unserem Greisenalter wird es die meistbehütete und wärmste Erinnerung sein. Es ist nicht vielen gegeben, die Gehurt einer Nation zu sehen. Heute hatten wir dieses Privilegium. Ein Tag der bitteren Kälte unseres Greisenalters wird uns erwärmen, indem wir sagen werden können: „Ich war dabei am, 1. Mai; ich war dort, als das Kind geboren wurde. Jawohl, ich war einer seiner Paten. Tatsächlich war mein Land, die Vereinigten Staaten, das erste von den Nationen der Welt, welches das Neugeborene segnete. Ein langer Kampf Es gibt keine Furcht in diesem Land, wo die Könige und Propheten der Vergangenheit jetzt noch leben. Der Kampf, den sie vor 2000 Jahren begannen, für welchen so viele ihr Lehen gaben, endete mit dem Sieg. Die Jahre, seit denen sie lebten und für Israel kämpften, mögen für uns unendlich lang erscheinen, aber für den Geist der Großen sind sie vergangen so schnell wie der Sand einer Sanduhr, und heute sehen sie ihre prophetischen Worte und Visionen erfüllt. Wenn unsere armen sterblichen Ohren auf die himmlischen Feiern eingestellt werden könnten, würden wir möglicherweise den Klang von Musik hören und wir würden wissen, daß David seine Leier wieder zur Hand genommen hat, um mit Gesang zu feiern, daß sein Traum eines starken, geeinten Israels wahr geworden ist. Und ich hin sicher, daß wir in diesem Chorus der Freude die Stimme Zedekiahs, König von Juda, in Triumph sich erheben hören könnten; einstmals wurden seine zwei Söhne vom König von Babylon geschlachtet und er seihst geblendet. Aber Tyrannen können nur die Körper von Menschen löten, nicht aber ihre Träume. Moses wird auch dort sein, aber nicht allein, wie er einst auf dem Berg Neho stand, sondern in einer riesigen und glücklichen Gesellschaft. Und wenn unsere Augen den Vorhang, der uns von Walhalla trennt, durchdringen könnten. dann würden wir das Lächeln auf Mose's Lippen sehen und sehen, wie seine Lippen die Worte formen, die er einst hörte: „Das ist das Land, welches ich Abraham, Isaak und Jakob versprach, an deine Nachkommen werde ich es gehen. Und Moses wird zufrieden sein heute, denn letzten Endes ist ein Traum in Erfüllung gegangen, „Wenn ich dein vergesse“ Einstmals hatten die Juden die Flucht zu ergreifen und viele Jahre der bitteren Einsamkeit im Exil zu verbringen, und es steht in den Psalmen geschrieben, daß sie auf schrien: Bei den Gewässern Babylons saßen wir und weinten, wenn wär Zions gedachten . . . Wenn ich dein vergesse, o Jerusalem, verdorre meine Rechte.“ Aber die Söhne Israels vergaßen niemals Jerusalem. Gott wanderte in der Fremde und machte seine Stimme hörbar, und wo immer Juden geboren wurden, welche fremde Zunge sie sprachen, ein gemeinsamer Traum lebte in ihren Herzen; der Traum, daß wieder einmal Erez Israel Wiedererstehen werde, um im fanatischen und gerechten Stolz sein Schicksal zu erfüllen. Heute wurde das Schicksal erreicht und ich bin sicher, daß ein froher Gesang der Propheten und Könige, deren Blut einst die Wasser des Jordan rötete. erfüllt; dieses Blut heiligt dieses freie Land, das wir jetzt Israel nennen. Reiches Erbe Wenn unsere Augen die Schleier durchbrechen könnten, würden wir alle, die für die Freiheit kämpften, sich diesem Chor anschließen sehen. Wir würden zwei andere sehen, wie sie die Unabhängigkeitserklärung lesen. Sie würden mit Genugtuung ihre Häupter neigen, wenn sie zu Ende läsen; Thomas Jefferson würde sich zu Bürger Tom Paine wenden und sagen: „Da ist etwas Verwandtes hier. Tom. Es ist wie die kleine Sache, die du und ich zurück im Jahre 1776 schrieben. Und es hat denselben Namen: „Unabhängigkeitserklärung“. Und dann würde Thomas Jefferson lachen und sagen: „Schließlich und endlich, Pain, hat dieser Moshe Shertok, der soviel mit dem Schreiben dieser Unabhängigkeitserklärung zu tun hatte, alles gelesen und studiert, das wir beide sehrieben. Vielleicht haben wir ein bißchen geholfen und können uns ein wenig stolz fühlen.“ Dann würden die zwei Gentlemen ein wenig lächeln und dann hinübergehen, um die Musik besser zu hören, und sie würden sich sehr zu Hause fühlen in der Gesellschaft von Propheten und Königen, die fochten um ein einiges Israel, fühlen — genau wie meine Kollegen von der amerikanischen Presse und ich uns heute hier zu Hause fühlen. Die Augen der ganzen Welt sind heute auf dieses Land gerichtet, da es das geistige Heim der Welt ist. Einige dieser Augen sind neiderfüllt und einige verstockt mit verhinderter Wut. Aber Menschen sind ziemlich gleich überall, und es ist sicher, daß die meisten aller Augen sind mit Freude gefüllt und einem Willkommen für das, was zur seihen Zeit die älteste und jüngste Nation der Welt ist.