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Die Stimme · 1948-11-06 · Heft 26 (6.11.1948) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
1948
Issue
Heft 26 (6.11.1948)
Date
1948-11-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 3)ie Stimme Nr. 26 Militärdienst der amerikanischen Juden im zweiten Weltkrieg Ein Appell der Wiener Hakoah Vom Ignatz Barehelis. Präsident des Sportklub Hnkoali Von J. Kaufmann, New York Dio jüdische Gemeinde der USA ist dio größte der Welt lind es ist daher von größtem Interesse, einen genauen Gericht über ihren Anteil an der Vernichtung des größten Feindes der Zivilisation und des jüdischen Volkes zu geben. Pie genaue Anzahl der jüdischen Männer und Frauen, die in der amerikanischen Armee dienten, beläuft sieh auf 550.000: das ergibt das Äquivalent von 37 Divisionen. Untersuchungen (Gevölkerungsstudien) haben ergeben, daß in 20 größeren amerikanischen Städten der Prozentsatz der Juden in Uniform gleich groß und in einer Reihe von anderen Fällen größer war. als der Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung im allgemeinen entspricht. Sie dienten in allen militärischen Formationen. in Boden- und Luftstreitkräften. über und unter Wasser. 80% waren in der Armee (davon beinahe ein Drittel in der Luftflotte). 17% in der Marine, der Rest bei der Kiistenwache. Es gab 19 jüdische Generale. 3 Admirale und 1 Gommodorc. Mehr als ein Drittel aller jüdischen Ärzte in den Vereinigten Staaten trugen Uniform. 30% der jüdischen Zahnärzte machten Dienst. Für religiöse Bedürfnisse sorgten 300 jüdische Kaplane. von welchen 236 in Übersee ihren Dienst taten. Die jüdischen Verluste betrugen 36.338. davon 11.000 Tote. 1 Familie verlor 3 Söhne, während es in mindestens 50 jüdischen Familien je 2 Kriegsopfer gab. Über 61.000 Auszeichnungen wurden an 36.000 Juden verliehen. Sergeant Abraham Todres erhielt 30 Auszeichnungen: er kämpfte bei der Luftflotte in Alaska, im Pazifik und in Europa. Die nächsthöchste Anzahl an Auszeichnungen — 28 — besitzt Hauptmann Edwin F. Rodin. Die höchste militärische Auszeichnung — Medal of Honour — erhielt Tankkorpsleutnant Raymond Zussman posthum. Er hat in der Xähe von Xoroy-le-Bourg an einem Tag 17 Xazis Belgien ehrt Jüdische Märtyrer Xew York, 22. Oktober. AP. Im Xamen der belgischen Regierung überreichte .Jacques de Thiers, der belgische Generalkonsul, dem Oberbürgermeister von Xew York William O'Dwyer eine bronzene Palme zur Ausschmückung des Denkmals der sechs Millionen gemarterter .Juden Europas und des unbekannten Soldaten des Warschauer Ghettos, das Amerika zu errichten beabsichtigt. Ähnliche Ehrungen wurden vor einem .Jahr von Frankreich. Holland, der T s c h e e h o s 1 o w a k e i und . J u g o s 1 a w i c n gestiftet. Bei dieser Feier wurde nachstehende Botschaft; von Präsident Trurnan verlesen: ,,Der unbekannte jüdische Soldat, der ein Symbol der sechs Millionen jüdischer Opfer darstellt, verdient, die Auszeichnung aller Xationen der Welt.4' ln seiner Ansprache führte Oberbürgermeister O’Dwyer aus: .,Keiner unter uns kann ermessen, was dieso Tragödie die Welt gekostet hat. Wir können nicht wissen, wie viele von fliesen, die sich unter den Gemetzelten befinden, zu Großem berufen wären, welche die Menschheit mit neuen Ideen, neuem Wissen und neuer Freiheit gesegnet; hätten. Alier die verstorbenen Juden haben zwei große andere lebende Denkmäler. Pas erste ist; der Staat Israel, der in die Reihe der freien .Nationen getreten ist lind der andere ist die Flauheit und Y\ iirde des menschlichen Geistes, ln dem diese Toten immer «len Ehrenplatz ein nehmen werden.“ getötet. 92 Gefangene gemacht, 2 Antitank,goschützo. 1 Flakgeschütz. 2 Maschinengewehre und 3 Lastkraftwagen erbeutet. Generalmajor Maurice S. Hose, Befehlshaber der 3. Panzerdivision. war der im höchsten Range stehende jüdische Offizier, der getötet wurde. Er war neben General Patton ein hervorragender Spezialist für Tanks. Generalmajor Hose führte seine Division über Metz und Köln in das Ruhrgebiet, schnitt durch ein taktisches Meisterstück eine deutsche Armee von 100.000 Mann vollkommen ab und nahm nach kurzen schweren Kämpfen die Reste der aufgeriebenen .Xazis gefangen. * Die Innsbrucker Israelitische Kuitusgemcinde ist aus der Kultusgemcinde Hohenems hervorgegangen. Hohenems stellt Österreichs älteste Kultusgemeinde dar, dio um 1300 vom damaligen Landesfürsten Reichsgrafen zu W'aldburg-Zeil bewilligt wurde. 1912 wurde die Kultusgemeinde Hohenems aufgelassen und ging in die Kultusgemeinde Innsbruck für die Bundesländer Tirol und Vorarlberg über. Unter anderem stammt der berühmte Kantor Sulzer aus Hohenems, der später dann in Wien am Seitenstettentempel gewirkt hat, 1938 wurde das Bethaus der Kultus- Gemeinde Innsbruck vollständig zerstört, Über Nacht wurden Hitler-Jungen mit der Aufgabe betraut, die Zerstörung durchzuführen. Die Kultusgemeinde Innsbruck besaß keinen Realbesitz. Ihre Geldmittel im Betrag von zirka 100.000 Schilling gingen verloren. Das einzige, was die Kultusgemeinde zurückerhielt, wauen zwei Thora-Rollen ohne Bekleidung. Würde nicht die Unterstützung des Joint eingegriffen haben, so wäre irgendein Aufbau unmöglich gewesen. Das Bethaus ist noch nicht in Betrieb, da uns die zugesagten Geldmittel, die äußerst bescheiden sind, vom Joint noch nicht zur Verfügung gestellt wurden. Das Lokal selbst haben wir von der Stadtgemeindo Innsbruck zurückerhalten. In Tirol und Vorarlberg lebten zirka 600 Köpfe jüdischen Glaubens. Davon gelang es zirka 180 Menschen, ins Ausland zu flüchten. 420 wurden aus Tirol ausgewiesen, kamen nach Wien und von dort nach dem Osten. Von diesen 420 Menschen wurden 9 als lebend zurückgemeldet. Einige Familien sind aus dem Ausland zurückgekommen. Derzeit sind in Tirol zirka 700 Seelen, davon sind als österreichische Staatsbürger oder als vor 1938 seßhaft zirka 80 anzusprechen. Zirka 100 DP.s wohnen außerhalb des Lagers. Tn Hohenems ist der Besitz dm* ehemaligen Kultusgemeinde in den Besitz der Marktgemeindo Hohenems iibergegangen. Per gleiche Bürgermeister, der während, der nationalsozialistischen Ära tätig war, ist heute noch dort tätig, was wohl ein Kuriosum darstellt. Pio Marktgemeinde Hohenems weigert sich, den jüdischen Besitz herauszugeben, daher ist es notl)er Generaldirektor des American Joint I). G. Pr. J. S e h w a r z traf, aus Paris kommend, in Begleitung von Mr. Charles Jordan, dem (lief des Emigration Department für Europa, in Wien ein. Wie wir in Erfahrung bringen konnten, war das llauptthema der mehrtägigen Besprechungen mit In einer Zeit, wo mit der Errichtung des Judenstaates unsere jahrzehntelangen Träume ihre Erfüllung fanden, wäre es ungerecht, darauf zu vergessen, daß auch der Wiener jüdische Sportklub Hakoah zu jenen Vereinigungen gehört, die den zionistischen Gedanken in ihr Programm aiifgenommen haheu. Vor nunmehr 10 Jahren, als die Hakoah von nationalhewußten jüdischen .Sportlern ins Lehen gerufen wurde, begann auch die aktive Ford •- rung und Propagierung des zionistischen Gedankengutes. Im Laufe der Jahre gelang es. durch große Erfolge hei Gastspielen in ganz Europa und Übersee, den breiten jüdischen Massen ein Beispiel an Disziplin. Einigkeit und Kampfgeist zu vermitteln wendig zu warten, bis das fünfte Rückstellungsgesetz in Kraft tritt. Per Besitz Hohenems ist der Friedhof. das Bethaiis und zwei oder drei Wohnhäuser. Erworben wurden diese Objekte in den letzten fünfzig bis hundert Jahren, unter anderem eines ungefähr Ende der Siebzigerjahre um zirka 30.000 Gulden. Alles zusammen erwarb die Marktgemeinde Hohenems um 8000 RM. Über die Zerstörung wertvoller jüdischer Tempel, Geräte und sonstige Verwüstungen kulturhistorischer Werte schreibt Dr. Oswald Graf Trapp unter anderem in seinem vor kurzem horausgekominenen Buch: ,,Die Kunstdenkmäler Tirols in Xot und Gefahr44. Zum Vertreter der Juden für Tirol wurde von der Landesregierung der Innsbrucker Rudolf Brüll bestellt. Derselbe hat einen provisorischen Kultusrat einberufen und besteht derselbe aus: Frau Anna Keumann-Seidl, Innsbruck, Franz Brüll, Innsbruck, Josef Schenkel, Innsbruck. Für die DR.s sind im Kultusrat vertreten: Herr Hirsch Grosbard, Bregenz, und Herr Dof .Bornslein, Innsbruck. In letzter Zeit sind zirka 200 DP.s ausgewandert, zum Großteil nach Israel. Ein Lager für die DP.s befindet sich im Wiesenhof in Gnadenwald bei Hall in Tirol. ln Hohenems belindet sieh eine Rabbinatschule. Der bei der französischen Besatzungsbehörde eingeteilte Eoldrabbiner Nalem steht ehrenamtlich der Kiiltusgomeinde zur Verfügung. Der Innsbrucker jüdische Friedhof, auf welchem der Großteil der Grabsteine während der nationalsozialistischen Ära abgetragen und an hiesige Steinmetzmeister verkauft wurde und in dem sich außerdem Bombenschäden ergaben, wurde in einen halbwegs brauchbaren Zustand versetzt. In Seofold belindet sich ein Waldfriedhof, in welchem in drei Massengräbern zirka 30 Juden, die vom KZ. in Deutschland zu Fuß in die Berge getrieben wurden und in Seefeld zum Teil an Erschöpfung und zum Teil durch Genickschuß endigten, begraben liegen. Diesei1 Friedhof wird vom österreichischen Schwarzen Kreuz betreut, und hat sich darum der Generalstabsmajor a. 1). Giitlner besonders verdient gemacht. dom Leiler des A.J.D.G. Austria, und der Emigrationsabtei hing für Österreich die Alijah. Nach kurzem Aufenthalt; begaben sich dio beiden prominenten Persönlichkeiten nach München und Frankfurt und sind wieder nach Paris zurückgekehrt. Israelitische Kultusgemeinde Innsbruck Bedeutsame Besprechungen über Alijah und auf diese Weise einen nielit geringen Beitrag zum Zusammengehörigkeitsgefühl der Juden in aller Welt zu leisten. Auch hier war es der ..völkerverbindende'** Sport, der (las Banner einer nunmehr erfüllten Idee dem Judentum vorautrug. Und das ist das Verdienst der Wiener Hakoah! Heute, nach einer Zeit, die se chs Millionen Juden zum Opfer forderte, ist diese Hakoah nur mehr ein ganz geringes Gebilde. Nur wenigen beherzten Pionieren ist es zu danken, daß es überhaupt wieder eine jüdische Sportvereinigung in Wien gibt, die es sich weiterhin zum Ziel gesetzt hat. die jüdische Jugend zu sammeln und zu aufrichtigen, bewußten Juden zu erziehen. Wenn nun von mancher Seite Kritik an den bisherigen sportlichen Erfolgen der Hakoah geübt wird, was vor allem auf das schlechte Abschneiden der Fußballmannschaft zurückzuführen ist. so muß auf die bestehende Situation hingewiesen werden, die einen solchen Mißerfolg erklärt: Vor allem bildet die geringe Anzahl von jüdischen Jugendlichen den Grund dafür, daß die F ußballsektion in den vergangenen drei Jahren die allseits bekannte Sclnvächeperiode (hirchzumachen halte. Mit großer Mühe nur gelang es, eine halbwegs tüchtige Kampfmannschaft auf die Beine zu stellen, die seither gegen spielstarke und mit genügend Reservespielern versehene Gegner anzutreten hatte. Nohen diesem tatsächlich nicht gerade erfreulichen Abschneiden der Fußballmannschaft gibt es aber auch im Sportbetrieb der Hakoah zahlreiche positive Ergebnisse. So haben sich beispielsweise die Schwimmer große Verdienste errungen und werden in der österreichischen Meisterschaft als durchaus ebenbürtige Partner gewertet. Unsere Leichtathleten haben gleichfalls beachtliche Erfolge aufzuweisen, was im In- und Ausland auch entsprechend gewürdigt wird. Ebenso zählen die Tischtennisspieler der Hakoah zu den stärksten Mannschaften in Österreich, was sich erst im Vorjahre bewies, als sie bis ins Finale der Wiener Meisterschaft gelangen konnten. Dies alles gibt berechtigten Anlaß, mit Stolz auf die bisherigen Leistungen der Wi( *iier Hakoah zu blicken. Zum größten Bedauern der Vereinsleitung und weiter Kreise, die an einem Wiederaufstieg dos jüdischen Sporllcbens interessiert sind, herrscht jedoch innerhalb der Wiener Judenschaft eine ausgesprochene Teilnahmslosigkeit gegenüber diesen Bestrebungen. Aus diesem Grunde sieht sieh die Voroinsloitiing der „Flakoah" veranlaßt, einen ernsten Appell an alle Juden zu richten und sie aufzufordern, mit allen Mitteln die Flakoah zu unterstützen und ihr damit die Möglichkeit zu gehen, nielit nur den uneingeschränkten Betrieb aufrechtzuerhalten, sondern ihr auch den Weg zu ihrer alten Tradition zu ebnen, die sie stets auf einem gebührenden Platz inmitten des österreichischen Sportlehens zu wahren wußte. Als Präsident des SC. Flakoah möchte ich alle bisher abseits stehenden Juden lierzliehst einladen, zu unseren Klubabenden zu kommen, die jeden Samstag und Sonntag ah 19 Uhr im Cafe Neubau, Wien VII., Westhahuslraßo Nr. 60, ahgchallcu werden. Dort mögen sich alle von der Notwendigkeit eines Bestehens der Flakoah überzeugen und lins als Heller, Berater und Mitglieder zur Seite stehen. Nur wenn alle, Männer, Frauen und Jugendliche, bereit sind, mitzuarheiten am Aufbau der Hakoah, wird unser Ziel erreicht worden: Die allseits anerkannte, achtunggebietende Hakoah bestellt wie einst und trägt ihren Teil zur Weltgeltung des Judentums hei!

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