Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1948
- Issue
- Heft 24 (1.10.1948)
- Date
- 1948-10-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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m pto s .1 l(u - W4v>:1 - -»*Bi''-.,' -’v JbW-5'-:?, ••; ,•> 'ü^■ - >>*.. i -v. Nr. 24 iZ)/e Stimme Seite 3 Heue Aufgaben der SZionistischen Organisation Xösung der Judenfrage ★ Tcrehiigfc S'rottf aller Zionistischen Parteien ^Beschlüsse des großen zionistischen Aktionskomitees Die erste Tagung des großen Zionistischen Aktionskomitees nach der Proklamieriing des Staates Israel ist zu Ende. Sie ist ohne Übertreibung als eine historische Tagung zu bezeichnen. Standen doch so wichtige Fragen wie Zukunft und Aufgaben der Zionistischen Weltorganisation auf der Tagesordnung, wo das Ziel mit der Errichtung des Judenstaates rerivirhlicht schien. Im Aktionskomitee sind alle zio nistischen Parteien vertreten und mit liecht wird diese führende zionistische Körperschaft der kleine Kongreß genannt. zöie Zuhunil der Zionistischen Organisation In letzter Zeit wurden innerhalb der zionistischen Bewegung Stimmen laut, daß mit der Errichtung des Judenstaates die Aufgabe der Zionistischen Organisation beendet wäre. Die radikalste Formulierung des Endzieles des Zionismus, über welchen viel gestritten wurde, ist vor einigen Jahren fest gelegt worden. Diese Formulierung lautete: Judenstaat. Dieses Ziel ist nun erreicht. Die Zionistische Organisation hat ihre geschichtliche Mission erfüllt, daher wäre sie aufzulösen. Diese Meinung ist ebenso kurzsichtig wie falsch. Das gesamte jüdische Volk hat seinen Anteil an dem jüdischen Staat. Durch die Anstrengungen des jüdischen Volkes hat sich der Jischuw entwickelt. Auch in Zukunft wird Israel kein statischer Staat bleiben. Israel wird noch auf lange Sicht ein Staat im Werden sein, also ein dynamischer Staat, für den nur die engste Zusammenarbeit zwischen Galuth und Jischuw eine glückliche und friedliche Zukunft garantiert. Andererseits ist aber das Wachstum des Staates von lebenswichtiger Beden tung für die Lösung des Judenproblems in der Galuth. Es ist unmöglich, die Interessen des Volkes von denen des Staates zu trennen. Die Alijah ist der wichtigste und entscheidende Faktor für Israel wie für die Golah. Für gewisse Länder ist die Alijah überhaupt die einzige Lösung. Das jüdische Volk ist jetzt geeint nicht nur durch das Schicksal seines Staates, sondern auch durch das Schicksal der Galuth, und für diese Einheit muß der organisationeile Rahmen bestehen bleiben. Und das ist und bleibt die Zionistische Organisation. Auf dem Zionistischen Aktionskomitee wurde die Frage diskutiert, ob es eines besonderen Rahmens für die Juden Israels und eines besonderen Rahmens für die Galuth bedürfe oder ob man alle diese Aufgaben in einer Weltorganisation zur Sicherung der Rechte und Interessen des ganzen jüdischen Volkes vereinigen soll. Mit Genugtuung können wir feststellen, daß die zweite Alternative angenommen wurde. Noch einmal wurde das Endziel des Zionismus jestgelegt. Mit dem Erstehen des Judenstaates ist dieses Endziel noch nicht erreicht worden. Liquidation der Dia spora. Auf saugen der Galuth in einem solchen Maße in Israel, daß die sogenannte jüdische Frage als gelöst bet rächtet werden kann das ist jetzt das Endziel des Zionismus. -Der neue Jlrbeitsplnn Die zionistische Bewegung steht jetzt vor neuen großen und nächtigen Aufgaben, die alle mit der Zukunft d<>s jungen Staates aufs engste verbunden sind und sie bilden nur die erste Etappe zur Realisierung des Zionismus. Vor allem muß die Zionistische l Organisation für eine neue Massen- Alijah und für die Vorbereitung der Olim sowohl in materiellem als auch im ideellen Sinne Sorge tragen. Es ist wichtig und cs darf nicht vergessen werden, daß die Olim keine Emigranten sind, sondern zukünftige Bürger Israels, die berufen sind, auf allen Gebieten des Staatslebens, sei es auf wirtschaftlichem, kulturellem oder politischem Gebiete eine wichtige Rolle zu spielen. Deshalb muß die Zionistische Organisation ihre erzieherische Arbeit in allen Ländern der Galuth verstärken* Besonderes Augenmerk muß auf die Förderung der chaluzisehen Bewegung, die einzig und allein dazu berufen ist, die Wüste des Negevs aufzuschließen, um die Massenalijah zu ermöglichen, gelenkt iverden. Besondere Bedeutung kommt nach wie vor den nationalen Fonds, die die Kolonisierung brachliegenden Landes durchführen und die Aufnahme neuer Olim finanzieren sollen, zu. Es ist auch die Pflicht der Zionistischen Organisation, neben den nationalen Fonds auch das Privatkapital zur Investition in Israel heranzuziehen. Die Zionistische Organisation hat auch die Aufgabe, den Export israelischer Produkte zu fördern, die Entwicklung und den Wiederaufbau zu beschleunigen sowie die hebräische Universität, das Technikum in Haifa und andere kulturelle Institutionen zu unterstützen. Mit einem Worte: Gerade das Entstehen des Staates erfordert eine Ver Stärkung der nationalen Bewegung und stellt an die Zionistische Organisation höhere Ansprüche als je zuvor. Selbst verständlich ist es jetzt nicht mehr die Aufgabe der Zionistischen Organisation, den Kampf auf dem internationalen Forum und in der jüdischen Gesellschaft für die Notwendigkeit des Judenstaates fortzusetzen — dieses Ziel ist erreicht — sondern ihre Aufgabe ist es jetzt, die Fortführung des Prozesses, der zum Judenstaate führte, nämlich Aufbau und Allijah, zu sichern und zu überwachen, iJerusalem Eine der rührendsten Episoden auf der Tagung des Aktionskomitees ergab sich in der Diskussion über Jerusalem. Der Bürgermeister von Jerusalem, ein Prominenter der Allgemeinen Zionisten in Israel, Daniel Auster, erklärte. Auf (Ion Protest der Regierung' .Israels gegen den Beschluß der lTSA. wegen der Emigration jüdischer Eliiehtlinge aus den Lagern der a in e r i k a n i s e h e n Zone 1) o u t s e hl a n d s und ö s t e r r e i e h s hat das PSA.-Staafsdepartemont; offiziell initgeleilt, daß das Verbot der Einwanderung nach Israel von Personen militärptlichtigon Alters, die sieh in Lagern der ESA.-Zone Den t s e hlands und Österreichs helinden, teilweise für jene Personen gemildert werden kann, die eine Emigrationsorlaubnis des Vermittlers der UNO vor dem Verlassen der Lager erbringen. Sollte1 aber der UNO-Vermittler die Ansicht, vertreten, daß derartige Bewilligungen nicht, erteilt worden können, so wird sieh die4 I SA.-Militärdaß die Bewohner von Jerusalem nicht j im Galuth bleiben wollen. „Wir sind hierhergekommen, um eine jüdische Stadt aufzubauen, die ein Teil des jüdischen Staates, das Ilerz und die Metropole von Israel sein soll.“" Jerusalem fordert keine Lebensmittelzuteilungen, sondern nur die Möglichkeit für seine Existenz. Jerusalem soll in den jüdischen Staat eingegliedert werden. Die jetzige Situation fordert neue Ansiedler, Investitionen und billige Kredite. Jerusalem hat seine Pflicht erfüllt und hat jetzt das Recht, Hilfe vom ganzen jüdischen Volke zn fordern. Wir müssen leider zugeben, daß Jerusalem der sehivächsle Punkt in unserer Aufbauarbeit gewesen ist. Wenn der Jischuw mit Übermensch liehen Kräften neue Kolonien und Städte gebaut hat. Wüsten urbar gemacht und Sümpfe trockengelegt. hat er die große strategische und wirtschaftliche Bedeutung Jerusalems übersehen. Dieser Fehler ist jetzt vom A kti on skomi l ee gut gemach t worden. Alle Parteien haben die Eingliederung Jerusalems in den jüdischen Staat und alle Mittel zum Wiederaufbau Jerusalems gefordert. In der neuen Exekutive ist eine spezielle Abteilung für das Problem Jerusalem geschaffen worden. Jerusalem wurde auch zum Standort für die Abteilung der Exekutive in Israel bestimmt. rDie ‘Vereinigte 3ronl Ein heftiger Kampf entwickelte sich um die Bildung einer neuen Exekutive der Zionistischen Weltorganisation. Die Allgemeinen Zionisten mit Dr. Siltver und Dr. Neumann an der Spitze forderten, daß Mitglieder der jüdischen Regierung der neuen Exekutive nicht angehören dürfen. Die Minister sind mit staatlichen Aufgaben belastet, können die Arbeiten in der Exekutive nicht aus führen, wodurch ein gewisser Stillstand in der Tätigkeit der Zionistischen Organisation die Folge ist. Bei dieser Forderung haben auch gewisse formelle Gründe eine Rolle gespielt. Weiters forderten die Allgemeinen Zionisten eine Erweiterung der Koalition in der Form, daß alle zionistischen Parteien in der Exekutive vertreten sein sollen und nicht wie bisher die Exekutive nur aus Vertretern der Allgemeinen Zionisten, der Mapai und des Misrachi bestehen soll. 0 s t; e r r o i c h strengstens an das Emigrationsverbot aller Männer im Alter von 18 bis 45 Jahre halten. Ein \ orsteher der Mission Israels in AV a sh i ng t o n charakterisierte die Stellungnahme des Staatsdepartements als ,.e i n e Z u s t i m m u n g z ur l' n g e s o t z lieh k o i t“. weil das Staatsdepartement ..dem Vermittler der L.\0 eine Machtbefugnis erteilte, mit der er von keiner internationalen Körperschaft betraut wurde“. Her l’.NO-Vcrmittlor ist nur berechtigt darauf zu achten, daß Juden militärptliehtigen Alters, die nach Israel kommen, nicht, zu militärischen Operationen herangezogen worden, aber er hat lnun Recht die jüdische Emigration nach Israel einzuschrän ken oder gar zu unterbinden. Die Allgemeinen Zionisten haben den Standpunkt vertreten, daß die neuen Aufgaben der Zionistischen Weltorganisation gemeinsam von allen zionisli sehen Parteien gelöst werden können und gelöst werden müssen. Dabei darf es keine Parteiunterschiede geben. Trotz des starken Widerslandes der Mapai gegen diese Vorschläge ist cs den Allgemeinen Zionisten doch gelungen, die Unterstützung der anderen Parteien zu gewinnen, und die Mapai mußte dem Drucke der Mehrheit nachgeben. Die Mitglieder der Regierung haben ihre Mandate in der Exekutive niedergelegt außer Elieser Kaplan, der in der Exekutive allerdings ohne Ressort, bleibt und der Verbindungsmann zwischen der Exekutive und der Regierung sein soll. Die Exekutive bildet jetzt, zum ersten Male in der Geschichte des Zionismus, eine vereinigte zionistische Front, die alle Parteien von der äußersten linken Vereinigten Arbeiterpartei (Mapam) bis zu den Revisionisten umfaßt. Endlich wurde die Notwendigkeit einer gemeinsamen Kampf front für die Realisierung des großen Zionistischen Ideals erkannt. Noch nie sind die Worte Herzls: „Wir sind ein Volk, e i n Volk" so klar bestätigt worden, als in diesem Erkennen. S>ie neue Exekutive Die neue zionistische Exekutive der Jewish Agency wird aus zwei Sektionen bestehen: eine in Jerusalem und die zweite in New York. Prof. Selig Brodetzky ivird die Exekutive in London repräsentieren. Die Sektion Jerusalem wird bestehen aus den Chawerim: Dr1. Israel Goldstein, Moshe Kolodny, Eliahu Dobkin, Elieser Kaplan, Berl Locker, Jakov Zerubavel, J. Grabinsky, Rabbi Gold, S. N. Shraghai, Zwi Hermann, Meir Grossmann, Zwi Skolnik. Die Sektion New York: Dr. Silver, Dr. Newman, Dr. Goldmann. Rose Halprin, Chaim Greenberg, Zwi Lurie, J. Schächtmann, Leo Gellmann, Baruch Zuckermann. In der Sektion Jerusalem haben die Allgemeinen Zionisten 3 Mandate, und zwar: Dr. Goldstein, Moshe Kolodny, Zwi Hermann. In der Sektion New York 4 Mandate, und zwar: Dr. Silver, Dr. Neivman, Dr. Goldmann. Rose Halprin. Der Präsident der Weltkonföderation der Allgemeinen Zionisten, Dr. Israel Goldstein, übersiedelt jetzt nach Israel, um in der Jerusalemer Exekutive das wichtige Ressort der Finanzen zu übernehmen. Das Finanzressort bildet eine der wichtigsten Schlüsselpositionen in der Exekutive. In der ersten Sitzung der Jewish Agency in Jerusalem wurden die Ressorts folgendermaßen verteilt: Berl Locker — Vorsitz und Presse, Rabbi Gold — Entwicklung Jerusalems. Dr. Israel Goldstein — Finanzen. Meir Grossmann — Mobilisierung des Privatkapitals mit dem Ziel der Ver wen du ng in Israel, Information in allen Angelegenheiten, die im Zusammenhang mit dem wirtschaftlichen Leben in Israel sielten. Entwicklung des Exports aus Israel. Fremdenverkehr, Chaim Greenberg Erziehung und Kultur. Eliahu Dobkin Organisation. Jugendabteilungen in der Golah und chaluzi sehe Bewegung, Jakov Zerubawel Abteilung für die orientalischen Juden, Moslu• kolodny Jugendalijah, Zwi Skolnili Kolonisatiou und Landwirtschaft. Israel protestiert gegen Kompetenz- Überschreitung Ungesetzliche Machtbefugnis des UNO-Vermittlers regierung in Den t s c( h 1 a n d und