Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1948
- Issue
- Heft 24 (1.10.1948)
- Date
- 1948-10-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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e/Illgem eia zionistisch efdo ch enschrift Preis 1 Schilling V,lLb. I§ Redaktion und Ad^inishAttiSiU >ü ||\ P_ Wien IX„Universit^taÄtraße Nr. 4 4 li l * ' telfcfon A 26 4-73^j 1 <t.i Postscheck-Konto Nr. 184*292 1. Oktober 1948 Erscheint vierzehntägig Zionistischer Landesverband WJen nro a*y?sn crwi rrnnRnn Nr. 24 1948 Stur Tagung der Generalversammlung der (Vereinten Wallonen in £Paris 3-ür einen wahren •frieden ‘ttloHche Sheriok, Auflenminisler Israels Dasiahr der Erlösung Von Obenabbiner I)r. Akiba Eisenborg Ein fiebriges Ahnen regt sich in der Tiefe unserer Seelen. Wir alle fühlen es, die jahrtausendealte Geschichte unseres Volkes ist, an einer Wende angelangt, von weleher der Weg nach aufwärts führt. Er führt über blutbefleckten Schuft, aber er führt aufwärts. Nicht; Totengeriisto hat unser in wunderbarer Weise zu neuem Leben erstehendes Volk aus den noch Ranz gebliebenen Balken unserer niedergerissenen EehausunRen geschnitzt, sondern Flaggenstangen. Flaggenstangen. auf deren Flaggcntuch geschrieben ist: i; m “i n b Für unsere Freiheit eihn min1? Für dio Freiheit von Erez. Wir sind eino Minderheit der menschlichen Gesellschaft, darum müssen wir stärker, besser und wahrhafter sein als alle anderen Völker. Um wieviel weniger Marmor gibt es als Basalt , Lehm oder Band. Und dennoch, wenn ein großer Künstler einen Stoff sucht, um seinen Träumen und Ideen körperliche Gestalt zu verleihen, dann steigt er in dio Tiefen der Marmorbrüche und sucht, sich selbst den besten, reinsten, für seinen Meißel am besten geeigneten Marmor aus. Der Marmor aber ist; so entstanden aus dem übrigen Gestein, daß dieses einst dem Drucke riesiger Bergmassen und der ungeheuren Bitze unterirdischen Feuers ausgesetzt war. Der schreckliche Druck, der fürchterliche Ilochofenprozeß machten es so rein, so weiß, daß es zum geeignetsten Träger der schönst,en künstlerischen Visionen geworden ist. Und ebendas mag Gottes Absicht mit; dem Judentum gewiesen sein. Er bürdete ihm die Last einer ganzen ■Welt auf die Schultern, er sengte und brannte es im Hochofen der schrecklichsten Leiden und Qualen, um mit dmn Rückstände seinen schönsten, seinen künstlerischsten Traum zu verwirklichen: Erez Israel. Wir alle befinden uns in der formenden Band des Ewigen Künstlers, des Ewigen Gestalters. Und darum wagen wir und wir sollen es auch wagen heute, zu Hosch-llasehaiiah ,7709 glücklich zu sein, denn nach all den Prüfungen und Leiden ist, das glückliche Jahr der Erlösung ■ i 7 . fc .. 11 n w v, ciiigekehrt. Wir wissen nicht, welches das Ergebnis der Vermittlungsbemühungeri in dem großen Palästina-Problem sein wird. Das entscheidende Problem ist nicht; die Frage der Vermittlung, sondern dio des Friedens. Es ist nicht so, daß wir dien Vermittler aus persönlichen Gründen ablehnen. Wir sind skeptisch gegenüber dieser speziellen Art; von „Vermittlung“, welche einen Kompromiß sucht zwischen dem Kompromiß, den wir bereits angenommen haben und dfcr extremen und unnachgiebigen Haltung der anderen Seite. Dieso Art, an die Dinge heranzugehen, weisen ivir von uns, und wir mißtrauen dieser Art von „Vermittlung“. Auf dieser Grundlage darf keine Kooperation von unstercr Seite erwartet werden. "Wenn jedoch die andere Seite veranlaßt; werden kann, in direkte Verhandlungen mit uns einzutreten und sich mit; uns an einon 'Tisch zu setzen, jeder die staatliche Unabhängigkeit des andern und seine Existenz anerkennend, eino solche Vermittlung kann erfolgreich sein. Aber aus einer Suche nach einem „Kompromiß mit dem Kompromiß“ kann nichts Gutes kommen. Der Kompromiß vom 29. November 1947 war für uns ein Minimum. Der Ablauf der Ereignisse seit damals hat; die Notwendigkeit; demonstriert, jenen Plan von unserem Standpunkt aus zu verbessern. Die Veränderung der Grundlage erfordert di.o Anpassung des Planes an die neue Wirklichkeit. Was ist geschehen? Inmitten eines Krieges gegen uns, geführt gegen dio Autorität; der Vereinigten Nationen, mit; politischer Förderung, finanzieller Hilfe, militärischer Anleitung und mit 11 ilfe diplomatischer Machenschaften einer Großmacht, wurde gegen uns ('in Angriff von fünf arabischen Staaten begonnen, während ein sechster noch hineingezogen wurde und ein siebenter aus der Ferne mit dem Schwert, drohte. Als wir darangingen, die Resolution vom 29. November 1947 durchzuführen, fürchteten wir mannigfache Gefahren, und wir warnten die Vereinigten Nationen, in der Annahme, daß sie zusammen mit uns eine gemeinsame Anstrengung zur Durchführung der Beschlüsse machen würden. Wir hatten auch Hoffnung auf eino Enfersliitzung unserer Bemühung, und daß dieser Gefahr seitens der Vereinigten Nationen entgegengetrefen würde. Von allen Gefahren, dio drohten, verwirklichte sich die ernsthafteste. Aber von all unseren Hoffnungen hat sich nicht, eine, nicht, einmal die kleinste. verwirklicht. Nicht nur die Araber Palästinas und die Araber von außen kamen, nicht nur irreguläre Kräfte, nicht nur die regulären Armeen von allen sechs arabischen Staaten — nicht; nur sie allein, nein — eine Großmacht, kam ihnen zu Hilfe, und sie alle zusammen überfielen uns in einem Blitzkrieg von Invasion. Eroberung und Zerstörung. Und gegen sie alle: keine Hilfe von den Vereinigten Nationen, keine internationale Armee, nicht, einmal irgendeine Hilfe durch Walfen, wie es von den Vereinigten Nationen beschlossen worden war. Keinerlei fiihlbaro Aktion wurde gegen die Aggressoren unternommen, weder politisch noch diplomatisch, weder ökonomisch und gewiß nicht militärisch. In einem Wort, der Agrcssion folgte keincrei Hilfe an das Opfer der Aggression. Wir standen den Angreifern allein gegenüber. Wir blasen nicht die Sieges^ trompete, aber die "Welt weiß, daß wir uns behauptet haben. Mit unseren wenigen Waffen, die mit großer Verzögerung kamen, mit dem Blut unserer Söhne haben wir den Angriff zurückgeschlagen und den Sieg errungen. Wir wollen es nicht versäumen, Folgerungen aus diesen Erfahrungen zu ziehen. Der Beschluß vom 29. November bestimmte dio Grenzen, die, nach der Meinung der Generalversammlung der Vereinigten Nationen — nach acht Monaten der Beratung —, notwendig wären für den Staat Israel unter Friedensbedingungen und in der Annahme, daß der Plan ohne ernsthaften Widerstand durchgeführt werden könne. Dann kam der Krieg, welcher die Kalkulation derjenigen, die diese Illusion hegten, umwarf, und vielleicht gehörten auch wir zu ihnen. Die Ereignisso bewiesen mit, d,er grausamen Logik des Krieges, welches die Grenzen sind, dio für die Existenz des Staates Israel, für die jüdische Bevölkerung Jerusalems und für die gesicherte Existenz derjenigen Teile des Landes, in denen sich jüdische Siedlungen befinden — die uns teuer sind und die wir niemals aufgegeben haben —, notwendig sind. Und dieser Krieg wurde nicht; erklärt; seitens der l’nterstützer des Teilungsplanes vom 29. November, sondern durch diejenigen, die ihn verwerfen. AVier ist verantwortlich für diesen entscheidenden Beweis, daß die Grenzen vom 29. November nicht zu weit gezogen wurden, sondern zu eng? Es sind die arabischen Staaten, die Angreiferstaaten. dio verantwortlich sind und diejenigen, die ihren Angriff ermutigten. ihnen Hilfe leisteten und Rat erteilten. Fnd sie sind für eine weitere Sache verantwortlich. Sie sind verantwortlich für die Zerstörung, welche dieses Land getreifen hat. für die Werte, die verschleudert worden sind. Sie müssen hiefiir zur Verantwortung gezogen werden. Sie müssen sie tragen. Sic müssen Wiedergutmachung leisten. Es ist unvorstellbar, daß dieses Verbrechen nicht bestraft werden wird. Es ist unvorstellbar, daß Zerstörungen verursacht werden und Blut vergossen wird, daß Geld verschwendet wird, daß Hunderte von Millionen Dollars für Krieg verbraucht werden, ökonomische Positionen verlorengohen und (iie Existenz einer großen Anzahl von Juden und Arabern unterhöhlt wird, ohne daß die Welt die Übeltäter vor Gericht bringt. Es ist unsere Pflicht zu verlangen, daß die Verantwortung fcstgestellt wird, zugleich aber auch zum Frieden aufzurufen. Die Verantwortung und das Urteil sind Teile eines Friedensschlusses. Wer bevorzugen direkte Verhandlungen, ohne irgendeinen Vermittler, obwohl wir nichts gegen eine Vermittlung hätten, deren Ziel es ist. solche direkten Ahrhandlungen herbeizuführen. Zuerst muß die andere Seite hinsichtlich ihrer Bereitschaft zu direkten Ahrhandlungen sondiert werden. Sie muß antworten, ob sie Frieden oder einen Krieg von unbestimmter Dauer wünscht. AAuinscht, sie Frieden, muß sie uns als unabhängigen Staat anerkennen. Sie muß unser fundamentales Recht und die Tatsache anerkennen, daß unsere Regierung existiert und sie muß diese Faktoren hinnchmen in dem Bewußtsein, daß daran nicht gerüttelt; werden kann. AArir strecken diese Hand aus, und obwohl wir uns nicht, zu schämen brauchen über das. was wir militärisch und politisch erreicht haben, spielen wir nicht die Sieger. Aber wir strecken diese Friedenshand aus als ein Ahlk. dessen Recht zu bestehen durch die AAJrkliehkeit und die Tatsachen anerkannt worden ist, als ein Ahlk. dessen Staat besteht, gleichviel ob andere dies anerkennen oder nicht. Ich möchte darauf aufmerksam machen, daß wir niemals aufgehört haben, unsere Hand auszustrecken und zum Frieden aufzurufen. AA'ir sind in unseren Anstrengungen, die Möglichkeiten zum Frieden zu prüfen, niemals müde geworden. Auch heute müssen wir die Initiative in diesen Bemühungen. behalten, obwohl die Erfolgsaussichten unsicher sind. Luser Staat hängt nicht von diesem Frieden ab. Aber er ist interessiert am Frieden um' kann sich seine Zukunft nur vorstellen auf dem Hintergrund eines wahren und stabilen Friedens mit unserer Umgebung. Es ist wichtig, daß klar verstanden wird, daß er alles, was in seiner Macht steht, tun muß. um diesen Frieden zu er- (l'ortsetzung auf Seite 12)