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Die Stimme · 1948-09-03 · Heft 23 (3.9.1948) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
1948
Issue
Heft 23 (3.9.1948)
Date
1948-09-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 2)ie Stimme Nr. 23 Stimme der Wett Die Rückerstattung privaten jüdischen Vermögens in Europa I cr-aircn von Bevins reiner Vernunft i nter ilit'-i-ni Titel bruAile „Sunday t '!ü "i;: '•[(«•■ eilU'P Leitartikel \ nll II m rI>!' I Mne dein Leiter d('f 1 > ri t i -i d i e 11 I n t< i!■ 111; 11 i < > n-- und Piopair; n i (1; l - A L t e i h 111 lt im Kriege, ln diesem Artikel ,-i-hrei 1»t Mae Malan. da I> die Führer der LaRmr-Party die vor den Salden LTeinaidit en \T' i-s) > j< *< 11 u n ire 11 nieht eiiiLudialten tiahen und dal> sie ..den sehändliehett Findnick, den -in durch ihre Handlungsweise unter den .jüdischen Anhängern erw eck t ludaui. niemals werden verwisehen können”. Mm- Malan eidnnert an die Werte Devin-, daß seine ]><ditischt1 Karriere von der Lesung des Palästinnproblenis ahhänirt. und betont. daß. nachdem Bovin ..dein Prestige des britischen Imperiums und seinen strategischen Interessen im Nahen Osten einen nicht mehr gutzumaehenden Schaden zufügte. er und seine Kollegen. Palästina opferten und es in das Chaos eines Bürgerkrieges stürzten’4. Mac Malan schlicht seinen Artikel: ..Wir haben das Mandat in einer Form beendet, die uns die Feindschaft sowohl der Juden als auch der Araber gebracht hat.“ Wir möchten hiezu bemerken: Trotz der Politik Bevins und meiner Kollegen haben wir heute anstatt de- Clums einen jungen jüdischen Staat, der bewiesen hat. daß er imstande ist. das Chaos zu überwinden und'Geset zmäßigkeit und Ordnung im Lande zu sch affen. Die Londoner ..Times“ über die arabischen Flüchtlinge Diesbezüglich führen die Londoner ..Times" aus: Die arabischen Flüchtlinge haben in die Gebiete, in denen sie ein Asyl gefunden haben, dringende Probleme mitgebracht. Cnter der arabischen Bevölkerung der Asylländer haben sich ausgesprochen unfreundliche Gefühle gegenüber den Flüchtlingen bemerkbar Gemacht; zum Teil aus dem Grunde, weil sie Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt sind und zum Teil deswegen, weil eine grobe Zahl dieser Flüchtlinge im , militüi ptlichimen Aber Acht und mit j du cn (icwchrcn von der Kampffront I in Palästina weggelaufen ist. ,\g\ |.- tcn. hat viele von diesen Flächtlimmn in Lünern untergehrneht. wobei sich die Deserteure vorgest eilt haben, daß sie in Kairo fröhliche Ferien feiern weiden. Seilte die große Masse dieser Fliwht linge nach Pa lä Mi na nicht zurückkehren können, so würden neue -clevere Probleme entstehen. Ägypten zum Beispiel ist der Meinung, daß sein. Land übervölkert sei und daher Flüchtlinge nicht dulden könne. Libanon will keinen Zuwachs muselmanischer Flemente. Syrien. Irak und Transjordanien brauchen zwar Menschen. sie haben aber Angst, daß die Palästina-Araber die Arbeitslöhne drücken und eine finanzielle Belastung für diese Länder würden. Große Territorien im Mittleren Osten warfen auf Hände, die sie bearbeiten sollen. Line Alternative zur Rückkehr der Flüchtlinge nach Palästina wäre die Beschaffung von Bonden, die es diesen ermöglichen, sich in den Asylländern niederzulassen und ihr Brot zu verdienen. Hiezu bemerken wir: Die Araber haben den Teufel selbst heraut'besohworen und die Palästina - Araber, die vor dom jüdischen ..Terror“ freiwillig zu ihren muselmanischen Brüdern geflüchtet sind, spüren jetzt am eigenen Leihe, was die arabisch-muselmanische Brüderlichkeit wert ist. fPalcor.) Im Londoner Maccabi- Haus fand ein stark besuchter Festempfang zu Fliren der jüdischen Olympiade-Sportler statt. Der Maceabi- Präsident stellte die jüdischen Olympiade-Teilnehmer aus England. FSA., Kanada. Chile, Argentinien. Indien. Dänemark. Perlen, Ungarn und Holland vor. Prof. Brodetzky (Präsident des Board of Deputies und Mitglied der Exekutive der Jewish Agency) erklärte in seiner Festrede: ..Die Medina!; Jisrael ist zwar auf der jetzigen Olympiade nicht vertreten, wird aber Tausende .luden in der Welt haben entweder als Eigentümer oder als rechtmäßige Erben nach Eigentümern, die während des Krieges ihr Leben lassen mußten. Anspruch auf Vermögen und Vermögenswerte in Europa. (< Österreich. I teiltscldaml. Polen. ('SIL. 1 neu i n.) \ iele haben es. sei es aus Unkenntnis. sei (>s aus Furcht vor Mißerfolgen. unterlassen, ihre Ansprüche' geltend zu machen. Um diesen Anspruchshereelitigten an die Hand zu gehen und um auch die Interessen des Gesamt judentiims zu wahren, hat der Jüdische Xationalfonds (K. K. L.) eine besondere Abteilung errichtet, die individuelle Ansprüche auf Wiedererstattung oder auf Rechtsnachfolge als Erben von Vermögen und \ ermögenswerten in Europa geifernd machen soll. Es ist nicht nur das Hecht, sondern auch eine nationale Pflicht jedes Juden, der Eigentums- oder Erbansprüche in befreiten Ländern stellen kann, das ihm Zustehende zu fordern. In Palästina allein wurden bereits 5000 derartig!' Ansuchen in den Büros des K. K. L. eingobraeht. Es gibt aber noch viele Tausende, wer immer und wo immer sie sein mögen, an die der Huf des K. K. L. ergeht, ihre Hechte geltend zu machen. Es muß gerottet werden, was noch zu rotten ist. Der Verlust an Menschenleben darf nicht, durch den Verlust an Vermögen noch erhöht werden. auf der kommenden Olympiade würdig vertreten sein.“ Lehrfreund, der Bevollmächtigte des Welt-Maecabi in Jisrael, drückte sein Bedauern darüber aus, daß die Juden bisher noch nicht als Juden, sondern als Sport Vertreter anderer Länder auftreten, in denen man jeden Mißerfolg den Juden zur Last legt. Nach Ansprachen führender jüdischer Sportler aus allen Weltteilen übergaben die jüdischen Olympiade- Vertreter Uhiles und Argentiniens die Flaggen ihrer Länder mit der Bitte um Überführung nach .Jisrael. Bas \ oi haben, jüdisches Vermögen ziii iiekzufordern. i.M mif Schwierigkeiten \ erblinden und ein Erfolg nicht, leicht und rasch zu erzielen. Es handelt sieh in den meisten Fällen um folgendi' fünf Etappen: I. Registrierung und Sichtung der Ansprüche beim Hauptbüro des K. K. L. in Jerusalem. 2. Einschreiten de- Rechtshiiros zur Rückerstattung des Besitzes oder Sicherung der gesetzlichen Zuerkennung des Erbrechtes, T. \erwallung des Vermögens in der Interimszeit. I. Erzielung eines Erlöses durch Verkauf der Vermögenswerte. ö. Transfer des Erlöses nach Paläst i na. Trotz der Schwierigkeiten, die oft zu überwinden sind, und trotz des a ii ßerorden fliehen organis.if ori sehen Kraftaufwandes. der seitens des K. K. L. nötig ist. betrachtet er es als seine Pflicht, jedem Anspruchsberechtigton zu helfen. Der K. K. L. stellt seinen Apparat vorerst; und vornehmlich denjenigen zur Verfügung, die individuelle Ansprüche erheben können. Das Leitmotiv hiefiir ist. möglichst viel an jüdischem Vermögen zu retten und es dem Wiederaufbau Palästinas zuzuführen. Demgegenüber stellt der K. K. L. nur eine Bedingung: Das durch seine Bemühungen zuriiekorlangte Vermögen soll zur Gänze in Palästina und natürlich auch zum Teil in Unternehmungen des K. K. L„ die ein Erträgnis abwerfen, investiert werden. Dies!' Bedingung wurde von all den vielen Einschreitern, die den K. K. L. bereits mit der Wahrung ihrer Interessen betraut, haben, gerne akzeptiert. Es ist auch keineswegs überraschend, daß sie die Möglichkeit begrüßen, einen Teil des Vermögens, das durch die Intervention dos K. K. L. realisiert werden konnte, in Unternehmungen des K. K. L. — Erlösung des Bodens — anzulegen. Anmeldungen zur Geltendmachung oben erwähnt er Vermögonsanspriiehe nimmt der K e r o n K a y e m e t h L (' i s r a e 1 i n W i en 1, S c h o 11 e nr i n g 2 ä, T. S t o c k. entgegen. Juden auf der Olympiade S)er Qaffir Eine Geschichte aus dem Staate Israel Von Leopold Ehrlieh-Hiehler Der Kampf der Araber gegen die Juden tobte schon vor der Proklamierung de.- Staates Israel. Seit Jahrzehnten bekämpfen die Araber die Juden, so daß die jüdische Bevölkerung aus ihren eigenen Reihen eine Schutztruppe aufstellte, die* sogenannte Gaffirim. Begeistert drängte sich die jüdische Jugend, trotz Gefährdung ihres Lebens. zu diesem Dienst. Doch die Eltern der Jungen, bangend um das Leben ihrer Kinder, widersetzt.on sich. Unter diesen widersprechenden Eltern war Frau Xoumann, ('ine fünfzigjährig!' Witwe, die im Jahr HG8 aus \\ ien nach Palästina geflüchtet, war. Als ihr Sohn seinen unabänderlichen Erdschluß, Gaffir zu werden, ihr verkündet, hatte, rief sie entsetzt: ...Nein, nein. Max! Das darfst |)u nicht tun! Ich hab' doch nur Dich! Was tue ich, wenn Dir - etwas passiert? So viele Gaffirim sind schon gefallen!“ Mit zärtlieh-bit.tcndon Blicken sah sie ihm in die Augen, aber der achtzehnjährige Junge stand willensstark. fast 1 rot zig, unerschütterlich wie eine Mauer vor seiner Mutter und - .-ehwieg. Da wandte sich die hilflose Frau an ihren Bruder, Herrn Dachs, der mit ihr im Jahr H)J8 ins Land gekommen war, und ihr bittender Blick bestimmte Herrn Dachs, seiner Schwester beizustehen. Er begann, etwas zögernd, da die trotzige Entschlossenheit seines Neffen ihn faszinierte: ,.feh bin zwar erst kurze Zeit in Palästina, aber ich mein’: Gerade Du mußt; Gaffir werden? Es sind doch andere junge' Leute da?!“ ,.Onkel! Du weißt nicht, was Gaffirim sind! Daß Du und die Mutter hier ruhig wohnen und schlafen könnt, daß die Araber verhindert, werden, in der Nacht in die jüdischen Häuser einziidringon, die .Juden zu ermorden, das verdankt Ihr dem Schutz der Gaffirim! Und ich soll nicht mitfun? Davon will mich die .Mutter abhalten?“ Diese Worte enflauimierten Herrn I Fachs und er wandte sich mit blilzendbegoislerten Augen zu seiner Schwester: ..Eigentlich — eigentlich hat er nicht ganz unrecht!“ „Was!“ rief die empörte Mutter, „so redest Du vor dem Jungen?“ und ihr hegleitimder Blick sprach aus, was ihr Mund noch verschwieg: „Ghammer!“ wodurch Herr Dachs ganz in das jugendliche Lager gedrängt; wurde und kampfbereit rief: „Wenn wir Juden unser Land nicht; verteidigen, wer wird uns dann helfen? Und ich sag’ Dir, Rosa: Wenn man mich braucht. — ich geh’ auch!“ „Mit dem Bauch?“ welche Fragt' Herrn Dachs zu einem raschen, unauffälligen Blick in den großen Wandspiegel bewog, aus dem ihm sein Embonpoint nebst leuchtender (i latze so begehst erungsdämpfend en I gegenblickt ('ti, daß er einzulenken beschloß: „Ich mein’ . . .“, wandte er sich zu seinem Nellen, „wir werden alle kämpfen, wenn es - nötig ist!“ „Bravo, Onkel, bravo! Wir müssen dort, stehen, wo unser Land in Gefahr ist! “ „Sehr richtig!“ bestätigte Herr Dachs zur Freude seines Neffen, dessen G('sicht, sich aber verlängerte, als Herr Dachs hinzufiigte: „Nur darfst Du nicht vergessen, daß Du auf Deine Mutter Rücksicht, zu nehmen hast!!“ Der Junge schwieg, sah aber seine Mutter mit, weicheren Blicken an, so daß si(* zu ihm trat, seinen ungebärdigen Loekenkopf streichelte und schmeichelnd sprach: „War ich nicht, immer gut, zu Dir? Hab' ich Dir nicht jeden Wunsch erfüllt. Und Du willst so über mich weggehn? - Max!!“ Der Junge atmete schwer. Fast sichtbar war sein Seelenkampf: Das Ringen, der Begeisterung, des Abenteurertums mit, dem altererbten jüdischen Familiensinn, der es nicht wagt, über das Herz einer Mutter zu sehreilen. Er suchte vergebens nach Worten, senkte endlich, orgobungsbereit, den Kopf und sprach: „Ich werde es mir noch überlegen! Aber jetzt muß ich gehen! Es ist schon acht, Uhr und ich habe um halb neun eine . . . Besprechung! Leb wohl, Mutter!“ Er verließ die Wohnung. Frau Neumann ging zum Fenster, sah auf die Straße, und als sie ihren Sohn rasch und entschlossen dahinschreiten sah, seufzte sii* ahnungsvoll: „Achtzehn Jahre zieht man ein Kind auf, wie ein Stück Seide, sorgt sich, gibt, acht, auf die kleinste Erkältung und dann . . .“

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