Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1948
- Issue
- Heft 23 (3.9.1948)
- Date
- 1948-09-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 S)ic Stimme Nr. 23 Moshe Polakiewilsch Generalsekretär des europäischen Büros der allgemein zionistischen Weltkonföderation : Ich Übernehme die Arbeit... Unsere In 'i:i*isi-hwrn'n. verantwortumrs- >11 >ii mul ernsten Stund«' der a11widtlii lu'ii zionist ischen < hganisation im;ilivemeinun und in dur allgemein ziniii-1i.-rlirn Itewegung im besonderen fdM'ini'hum ir 11 die Arbeit als Generalsekretär uit'i'K'r Itewegung in Europa. Schwer ist diese Aufgabe. groß ist die Verantwortung. Es ist nicht bloß eine Ehre, es ist auch eine schwere, mühsame Arbeit. Ich übernehme die Arbeit in der tiefen Überzeugung, in dem Bewußtsein. daß die heutige Übergangszeit in unserer heutigen Epoche < »pferwilligkeit, Anstrengung und Verständnis für die Probleme, von denen das Schicksal unseres Volkes abhängt, verlangt. Ich rechne und hoffe auf die volle Mitarbeit und die Treue aller unserer Chawerim und Chawcrot. Freunds i h alt. Karner a 11 s c h a f t. Gemein« a mkeit und kollektive Arbeit werden uns in unseren Bemühungen vereinen. Wir sind Diener unserer Idee, wir sind Diener unseres Volkes. Wir sind alle gleich. Wir sind eine demokratische Bewegung. wir sind eine volkstümliche vereinigt durch ein 1 und die Zukunft und die Verständnis der demokratischem fortschrit fliehen I deengemeinsc Ziel das W unseres Staate.- unserer Bewegung. Im Zeichen und Zeit werden wir all volksl iünüohen und Elemente um uns gruppieren. Wir sind eine integrale Bewegung. Es gibt nur einen allgemeinen Zionismus. Alle Teile unserer Bewegung sind gleich, sie müssen vereint und zusammengofügt werden. Ensere Jugendbewegung, obwohl selbständig auf ihrem Arbeitsgebiete, ist ein Bestandteil, ein organischer Teil unserer Bewegung. Viel mehr Aufmerksamkeit. Sorgt'. Hingabe und Liebe müssen unserer Jugend zugewendet. werden. Das ist ein Imperativ, t'int' Notwendigkeit. eine Lebensnotwendigkeit. Große Gefahren lauern auf den der die der ge- Zionismus. Man meint, daß Zionismus und sein Instrument — zionistische Organisation — mit Gründung unseres Staates seine Schichthöhe Holle ausgespielt habe. Es gibt keine größere Gefahr als diese Meinung. Die Gründung unseres Staates ist ein Ziel, sagen wir, das wichtigste Ziel vom Standpunkt der realen Erfolge gesehen. Das Hauptziel des Zionismus, das erreicht worden muß, ist alter die vollständige Befreiung und Renaissance des jüdischen Volkes in der ganzen Welt. Wir, die Volkszionisten, werden nicht zulassen, daß jüdische Völker, wenn auch nur zwei, in Israel und außerhalb Israels entstehen sollen. Wir sind ein Volk, ein organisches Volk mit denselben Zielen. Idealen. Nöten und Bedürfnissen, Leiden und Freuden wie andere Völker. Es besteht kein Unterschied zwischen allgemeinen Zionisten in dem einen oder anderen Lande, auf dem einen oder anderen Kontinente. Wir And Teilt', lebende Teile einer Weltkonföderation. Es mögen verschiedene A nschauungen. Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich verschiedener Fragen sozialer und politischer .Natur bestehen. sie dürfen aber unsere Ein¬ A. H. (Adolf Hitler) oder Geisterbeschwörung . An die Herausgeber der Zeitschrift ..Neue Welt und Judenstaat". Wien. Gule Bribler. Ghawerim! Es erfüllt uns mit besonderer Genugtuung. daß wir. kurz nach unserem Beginnen, die zionistische Zeitschrift ..Die Stimme” wieder erscheinen zu lassen. Nacheiferer auch in Euren Reihen gefunden haben. Gerade in diesen für das jüdische Volk historischen Zeiten ist der Ausbau einer zionistischen Presse \on besonderer Wichtigkeit und wir müssen hervorheben. daß Ihr mit anerkennenswertem Eifer darangeht. Euer Blatt auszugestalten. Es hat uns dabei nicht überrascht, daß Ihr in Eurer ..Neuen Welt" schließlich auch dem ...Judenstaat" einen entsprechenden Platz eiitgeräumt habt. Überrascht hat uns jedoch die tiefbeschämende Verhöhnung des ersten Ministerpräsidenten des Staates Israel. Ben Gurion. in Verbindung mit A. H. und seinem Obergehilfen Göbbels durch eine Zeichnung an erster Stelle Eures Blattes. Ihr habt Euch da ins Blut- und Preßquartier nicht irgend eines Gauleiters oder gleichgestellten SS-Henkers begeben, sondern gleich ins OKW.. ins Oberkommando der Weltmörcler. LTn einen Ben Gurion zu verhöhnen und herabzusetzen, ist Euch nichts anderes eingefallen, als die Höchstkommandierenden im Nazi-Totenreich in auffallendster Weise heranzuziehen! Ihr scheint schon vergessen zu haben, für welchen Haufen von Unrat wir unsere Liebsten verloren haben! Diese Höchstkommandierenden, die durch eine noch nie erlebte Blutzeit stapften, mit deren Namen der Schauder des grausamsten, organisierten Judenmordes verknüpft bleibt und die Vorstellung einer Unersättlichkeit der Gewalt, neben welcher der Nero als der erste Missionär des Christentums erscheint. Ihr beschwört uns die Geister der Anstifter von Millionen unsiihnbarer Morde herauf, die Geister jenes Mörderensembles. das mehr als 0 Millionen unserer Brüder und Schwestern unter unvorstellbaren Leiden zum Sterben zwang, das unter dem Vorwand der Zugehörigkeit, zum Judentum uns von allen Menschenrechten nur noch das auf tunen grausamen Tod zuerkannte. Wir können nicht glauben, daß Ihr das alles schon vergessen habt! End nach den Exzessen dieser Blut- und Schandzeit wagt Ihr es, uns die über einen führenden jüdischen Politiker triumphierende Satansfratze eines A. II. in einem jüdischen, zioni-tisch eingestellten Blatte vorzuführen':' Jedem anständigen Juden hat es die Schamröte ins Gesicht getrieben. In der Zeit jedoch, die fortschreitot wie eine Paralyse, in der man selbst den -dine]Isten Mitläufern des A. IT. und des Göbbels jenen ..unschuldigen Lämmchen", die aber doch an den blutwarmen Ereignissen mitwirkten ein gesetzlich anerkannt es Ehrenzeugnis darhiotet. in dem laufenden Geschehen, in dem sich der verschämte und unverschämte Antisemitismus durch die Zeiten freitet wie t'in chroni-cher Katarrh, gebt Ihr einen mit höchster Verantwortung hda-teten Juden dem öffentlichen Spott; dieser armseligen Zeitgenossenschaft preis. Das Straßonbild dieser Mt ‘nschheit ist, nicht der Eindruck, der zur Versöhnung mit der Vergangenheit beitragen könnte, noch weniger aber die Vorführung dieser Blutgebieter als ein Denkmal dos Galgenhumors unserer Henker. End mit dieser für das Judentum tief beschämenden Beschwörung der unseligsten Geister beginnt, Ihr das Werk eine- 'Stricker fortzusetzen':' Armer, armer Robert Stricker! Ihr wollt die Wahrheit berichtigen, indem Ihr. ohne die Leser über die wirklichen Vorgänge zu informieren, einfach Ben Gurion zum Alleinschuldigen stempelt und von A. II. zum ..sympathischen Juden“ verurteilen läßt. Wir wollen heute nicht auf Euren überraschenden Vorschlag, bet reffend eine Änderung der Stellung: des jüdischen Volkes gegenüber England, naher eingehon. Bedeutende Rührende Persönlichkeiten »im Welt Zionismus vertreten schon seit, geraumer Zeit die Ansicht, daß man in friedlicheren Zeiten schließlich doch wieder zu einem freundscha ft liehen \ erhält ni mit, England wird kommen müssen. Wir wagen aber gar nicht daran zu denken, was Jabotinsky zu dieser in diesem kritischen Stadium unsere- Kampfes von seinen Revisionist en vorgeschlagenon Revision seines Standpunktes gesagt, hätte. Selbst, die streng katholische ..Furche“ konnte ihre Erstaunen nicht', unterdrücken. Indes wollen wir weiter gute Brüder und Ghawerim bleiben und uns vornehmen, nicht zuzulnssen. daß sich in der jüdischen Presst1 t'int' Art ..Journaille“ breit und wichtig mache. Wir wollen uns bemühen, unseren Lesern immer wieder vor Augen zu führen, daß wir an einem wichtigen 'Wendepunkt unserer Geschichte angela ngt sind, der geeignet ist., nicht nur jeden Juden mit Stolz zu erfüllen, sondern jeden aufrechten und stolzen Juden veranlaßt, auch entsprechende Gpler für die Festigung und die Zukunft unseres Staates Israel zu bringen. Wir wollen uns auch vor Augen halten, daß man uns. diese paar Menschen, die. in den mit großer Midie und großen Opfern herausgegebenen Zeitungen und Zeitschriften das WoH llerzls, Eliaies", Strickers verkünden sollten, nicht als deren Nachfolger, sondern höchstens als politische und journalistische Zwerge betrachten wird, die es vermeiden sollten, durch große Worte oder durch gänzlich unangebrachte Geisterbeschwörung, Eindruck zu erwecken. Mil dem Gruß des Judenstaates f. d. Redaktionskollegium lug. Kornfein heit nicht in Gefahr bringen. Es darf keine Entfremdung durch geographische Grenzen, durch Entfernungen oder besondere lokale oder regionale I mstände entstehen. Der Zionismus hat nichts von seiner Kampflust und Kampfbereitschaft verloren. Ensere Gegner haben nur ihre Methoden geändert, sie haben ihre Phraseologie geändert, sie haben sich angepaßt an die realen Bedingungen unserer Zeit, aber sie haben ihre Stellung zu den jüdischen Problemen nicht geändert und ihre ..alten Lehren" nicht aufgegeben. Sie sind Gegner geblieben, und jetzt, nach der Gründung des Staates Israel wollen sie das jüdische Leben weiter beherrschen. Der Kampf wurde nicht aufgegeben. Im Gegenteil, er muß verstärkt werden. Es ist kein Kampf um Wörter oder um Prestige, es ist ein Kampf um die Existenz des jüdischen Volkes. Jede Assimilation, in welcher Form sie auch in Erscheinung treten sollte, muß bekämpft, werden. Das ist das A-B-C des Zionismus. Das ist mein Glaubensbekenntnis. Ich werde die nächste Gelegenheit ergreifen, um diese Probleme breiter und tiefer zu behandeln. Ich bin von niemandem gesandt. Für mich existiert nur der integrale, volkstümliche, demokratische Zionismus. Bei übernähme der Arbeit des Generalsekretärs unserer Bewegung in Europa wende ich mich an alle Ghawerim und Chawerot mit dem Ersuchen um ihre Mitarbeit, ihre Treue, ihre Hingabe und Opferwilligkcit. Nur mit eurer Hilfe kann ich meine Aufgabe bewältigen. Mit eurer Hilfe können wir gemeinsam sehr viel erreichen. Ohne euch — nichts. In diesem Augenblick rufe ich euch auf. zu verständnisvoller, angestrengter und verantwortungsvoller Arbeit! Mit gemeinsamen Kräften werden wir die Befreiung unseres Volkes und die Festigung unseres Staates Israel erreichen. Ich glaube fest an euch und eure Kräfte! Forlsi'i/tin^ von Seile I Der kleine Zionisten-Kongreß auch klar und deutlich zum Ausdruck bringen wird. Man kann annehmen, daß. insolange der Kampf um den jüdischen Staat andauort und die Hilft' der zionistischen Bewegung und des Welt judent ums einen wichtigen Faktor in diesem Kampf bildet, die Meinungen, die im zionistischen Aktionskomitee zum Ausdruck kommen, in Regierungskreisen einen Widerhall linden werden. Außer den Problemen, die unmittelbar mit; der Gründung dos Staates Israel und mit; der Kriegführung im Zusammenhang stehen, werden auch ohne Zweifel Fragen dos Einbaues der zionistischen Weltorganisation zur Behandlung kommen. Es ist verständlich, daß die Gründung des jüdischen Staates eine gründliche Revision der Funktionen der zionistischen Organisation mit, sich bringen muß, die bis jetzt, nur ein Ziel, nämlich die Schaltung des jüdischen Staates in Erez Israel, gehabt lud. Der nächste Zio* nislen-Kongreß wird über die Zukimlt, der zionistischen Weltorganisation zu entscheiden haben. Jedenfalls werden in der Sitzung des Aktionskomitees sehr wichtige Probleme behandelt werden und kann man (liest1 Tagung mit, Recht als kleinen Zionisten-Kongreß bezeichnen.