Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1948-09-03 · Heft 23 (3.9.1948) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
1948
Issue
Heft 23 (3.9.1948)
Date
1948-09-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2431292-2431304-2431313--0112-2431699
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

lim in e e/lllgemeia zionistischeJVochenschtifi Preis 1 Schilling V. b. h. 1 Redaktion und Administration: || Wien IX, Universitätsstrafie Nr. 4 4 || Telefon A 26 4-73 ff ff Postscheck-Konto Nr. 134.292 3. September 1948 Erscheint vierzehntägig Zionistischer Landesverband Wien irn D’^ran minxnn Nr. 23 — 1948 fflerstlicken Willkommeng ruft enlbieien dem ersten ‘Vertreter des Staates Israel in Österreich, 3)r. 3iurt £evin ffiedahlion Zionistischer Xandesverband in Österreich „3)ie Stimme“ Israel und wir Für die restlose Würdigung des Aktes vom 18. Mai 1948 fehlt unserer Generation die entsprechende Distanz. Erst die kommenden Generationen neiden imstande sein, unser Erlebnis in seiner höchsten und tiefsten Bedeutung zu verstehen und es, losgelöst von den Schlacken des Miterlebten, zu bewundern. Der Traum von 2000 Jahren ist in Erfüllung gegangen und die tiefste Sehnsucht eines in aller Welt zerstreuten, den fürchterlichsten Verfolgungen preisgegebenen Volkes befriedigt worden. Noch zittern xvir alle um das in Schmerzen geborene Kind, noch zeigen sich Nach wehen, noch fehlen die genauen Umrisse des mit dem Blute unserer Besten geschaffenen Werkes. Israel aber ist und bleibt, und keine Macht der Welt wird diese Tatsache zu ändern vermögen; sie ist eine historische Notwendigkeit, und sowohl der Jischuw wie das gesamte jüdische Volk stellen sich mit allen ihren Kräften schützend vor das Geschaffene. Der Krieg, den die arabische Welt unter der Führung Ägyptens gegen Israel führt, erinnert uns an unsere U rsprungsgeschichle, an Mizraim: Atavismus und imperialistische Gelüste sind die Triebfedern dieses kriegerischen Überfalles. Faruk-Fharao mimt I nleressenschutz der arabischen Völker, in Wirklichkeit aber erstrebt er Macht er Weiterung. Oder fürchtet eiet wa in unserer Renaissance das Auftauchen eines Widersachers, wie einst sein Urahne? Dieser Urahne, der die V ernichlung des jüdischen Volkes durch Tötung der männlichen Nachkommen schuft anordnete, weil er von der Angst des pen jirbe ergriffen war, das Volk könnte sich so vermehren, daß es in einem eventuellen Kriege rieh auf Seite des Feindes stellen und die Gefahr einer Niederlage vergrößern würde! Er vergaß aber oder will vergessen, was Pharao erlebt hat. So wie er, so dachte auch unser moderner Pharao, er werde das schwache Häuflein Juden in wenigen Tagen mit seiner Übermacht niederwerfen und im Triumph als Si eger in das Land einziehen. „Frdoif, asig, achalek schulul". (Ich werde es ververfolgen. erreichen und die Beute teilen.) Was aber nach unserer Überlieferung darauf gefolgt ist, wissen wir ja alle, nur Faruk wollte es nicht wissen. Nun hat er <>s am eigenen Leib erfahnm. Nicht etwa durch die seine Dr. Wulf Herzberg (Wien) Heeresmacht verschlingenden Meeresfluten, wohl aber durch den übermenschlichen, wie ein göttliches Wunder erscheinenden Heldenmut unserer Kämpfer. Wenn er sich schon nicht durch das Schicksal Pharaos abschrecken ließ, so haben ihn unsere Helden in die Schranken gewiesen, und sein Traum, durch den er unseren in Erfüllung gegangenen Traum zunichte machen wollte, blieb ein Wahngebilde. Wir sind uns dessen bewußt, daß dem wiedererstandenen Israel noch schwere Tage bevorstehen und daß noch schwere Probleme zu lösen sind; das bisher Erreichte hat aber bereits reiche Früchte getragen: die Anerkennung Israels durch die bedeutendsten Staaten der Welt soivie die nicht zu unterschätzende Rückwirkung auf das gesamte Judentum und dessen Umgebung. Mit Staunen und Bewunderung verfolgte die ganze Welt den heldenmütigen Kampf unserer Truppen, und im Nu vollzog sich eine totale Wandlung in der Beurteilung der Leistungsfähigkeit unseres Volkes. Vor den Augen der Völker stand nicht mehr die kleine, gebeugte Judenschar, sondern ein selbstbewußtes, um seine Existenz mit unerhörter Tapferkeit und größtem Heldenmut ringendes Volk. Unser Ansehen in der Welt ist, soweit sie noch einer objektiven Beurteilung fähig ist, bedeutend gestiegen. Und nicht zuletzt hat uns auch die Tatsache der Eigenstaatlichkeit das Rückgrat gestärkt und nach so vielen Leiden und Qualen unserem geschwächten Körper einen frischen Odem eingehaucht. Wir werden nicht mehr als eine schutzlose, vor jedem Windhauch zusammenknickende Masse dastehen, sondern den Schutz eines Staates genießen, der Mitglied der Vereinten Nationen sein tvird. Unbeschadet unserer bürgerlichen Rechte und Pflichten als Bürger der Länder, in denen wir leben, werden wir die Wohltat der Existenz eines Schutzlandes genießen, das, ivenn notwendig, mit seiner ganzen Autorität und Souveränität für uns eintreten u-ird. Darum müssen auch wir, die wir noch nicht das Glück haben, im eigenen Lande zu leben, mit voller Hingabe, mit ganzem Herzen, ganzer Seele, ganzem Körper und Vermögen — wie es in der Heiligen Schrift heißt — zu unserem Israel stehen. Wir müssen seine Avantgarde bilden, und ivie uns Israel schon durch seine bloße Existenz auf richtet, müssen wir ihm ständig neue Kräfte zuführen. Wir müssen uns gegenseitig helfen und stützen. Nicht nur das Schicksal unseres Volkes in seiner Gesamtheit ist an die Existenz Israels gebunden, sondern das Wohl oder Wehe jedes Einzelnen von uns ist eng damit verbunden. Jeder von uns muß sich des großen Geschehens, dessen Zeugen icir sind, bewußt sein und die große Zeit darf kein kleines Geschlecht finden. Eine l/nt erst h ei d u ng zw i sch en Zio n is t en und Nichlzionisten darf es heute nicht mehr geben. Zionismus ist heute Israel als Mittelpunkt des gesamten Judentums, und es dürfte wohl kaum einen Juden in der Welt geben, der Israel ablehnt. Zionismus ist jetzt keine Parteisache und kein ausschließ lieber Idealbegriff mehr, sondern eine Realität, die in der nächsten Zeit noch mit der Lösung vieler schwerer Aufgaben belastet ist. an der die gesamte Judenhcit freudig mit wirken muß. Darum lautet unser Mahnruf: Weg mit allem Parteihader, mit allen Zerwürfnissen, mit ideologischen Gegensätzen und divergierenden Welt anschauungen, dagegen Zusammenfassung aller materiellen und geistigen Kräfte für Israel, für eine friedliche und glückliche Zukunft des jüdischen \ olkes in Israel. Der kleine Zionisten-Kongreli Von A. Beobachter So bezeichnet man schon die Tagung des zionistischen Aktionskomitees, die in Jerusalem stattfindet. — Dr. Silver'und Dr. Newman an der Spitze einer großen amerikanischen Delegation. — Die wichtigen Probleme, die behandelt werden sollen. (Zins.) Die Zahl der amerikanischen Delegierten, die an der Sitzung des zionistischen Aktionskomitees in Jerusalem teilnehmen, ist bedeutend größer, als man vor einigen Wochen angenommen hat. Neben Dr. Silvcr, Dr. Newman und Dr. Israel Goldstein, diesen führenden Persönlichkeiten im Weltzionismus, sind in Tel Aviv weitere 20 Delegierte eingetrotfen. Es wird die größte amerikanische Delegation sein, die bis jetzt an den Sitzungen des Aktionskomitees teilgenommen hat. Es ist; verständlich, daß der Grund für diese große Teilnahme in dem historischen Ereignis, der Gründung des jüdischen Staates, zu suchen ist. Die führenden Zionisten Amerikas haben ein brennendes Bedürfnis, die erste Gelegenheit zu benützen, um mit eigenen Augen den jüdischen Staat zu sehen und die verschiedenen Änderungen, die seit seiner Gründung durchgeführt wurden, zu verfolgen. Keine andere Erscheinung im jüdischen Lehen hat in solchem Maße die Phantasie gefesselt und die Herzen des amerikanischen Judentums begeistert, wie die Gründling des jüdischen Staates. Es ist deshalb verständlich, daß die Menschen, die Jahr um Jahr für das zionistische Ideal geopfert haben, jetzt nun auch mit eigenen Augen die Verwirklichung des alten Traumes sehen wollen. Es sind aber auch andere wichtige Gründe, die viele Delegierte aus Amerika bewogen haben, an der Sitzung des zionistischen Aktionskomitees teilzunelnnen. Es ist sicher, daß die jetzige Tagung des Aktionskomitees eino der wichtigsten in der Geschichte des Weltzionismus aus dem Grunde sein wird, weil sie eino Reihe wichtigster Probleme zu behandeln hat, die für die zionistische Bewegung von fundamentaler Bedeutung sind. Es ist derzeit nicht möglich und auch nicht ratsam, alle die Fragen, die bei der Sitzung behandelt werden sollen, aufzuzählen. Sicher ist, daß dio Exekutive der Jewisli Agency dem Aktionskomitee einen genauen Bericht, sowohl über die militärische Lage in Israel als auch über die Friedensverhandlungen zwischen Israel und den arabischen Ländern, die von Graf Bernadette geführt werden, verlegen wird. Und obwohl die Legierung Israels souverän ist und hinsichtlich der Probleme, die mit den Rechten des jüdischen Staates zu tun haben, außer ihren eigenen Bürgern niemanden zu fragen hat, ist aber doch anzunehmen, daß das zionistische Aktionskomitee in verschiedenen Fragen, die im Zusammenhang mit der Gründung des jüdischen Staates und mit dem Staate selbst stehen, seine eigene Meinung haben, und diese Meinung Fortsetzung auf Seite 2

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.