Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1948
- Issue
- Heft 22 (26.5.1948)
- Date
- 1948-05-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2431292-2431304-2431312--0107-2431693- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 22 CDie rStimme Seife 5 ')) ’Jnsere >* limine MIFAL HABITACHON’ 29. November 1947. Der Atem ein.r (ä neuen grollen Zeif wehte uns entlegen, hie Zeif der Erlösung war gekommen, hie jüdische Not, die soviele Stufen hat Vllals es Länder gibt, konnte in absehbarer . /eit überwunden sein. hf Besonders wir, dir armselige Rest der Uebriggebliebencn in der Stadt Theodor Hcrzls empfanden es als eine besondere (inade, diesen Tag erlebt zu haben. Die Keime, die er besäet hafte, flogen durch ihn über den ganzen Hrdball, wuchsen zu mächtigen Bäumen, deren Grün unsere Hoffnung war. Hafikwah war in all dem ungeheueren Leid unse reinzlger Trost. Und am 15. Mai 1948 war es nach dem Willen des jüdischen Volkes, trotz der chwächliclien Haltung der UNO, kein Märchen mehr. Dir Judenstaat, der jüdische Staat Israel war proklamiert, war Wirklichkeit geworden. Wir hatten keine Ursache mehr, Lei anderen Volksstämmen um Gnade zu betteln. \m anderen läge aber überzogen uns zwar nicht unsere arabischen Landsleute sonder ndie benachbarten arabischen Staaten mit Krieg. Mit fremdem Geld, mit fremden Waffen, unter fremdem Kommando führen s:e Krieg gegen uns. Sie führen Krieg gegen den Beschluß der Vereinten Nationen, gegen die Atlantic-C’harta, gegen den Brieden der Welt. Die Spießgesellen Hitlers und Mussolinis, die Marodeure des Faschismus und Nazismus führen einen ausgesprochenen Aggressionskrieg. Sie liefern Oel das stinkt, sie bekommen dafür Geld non ölet das nicht stinkt, selbst wenn es ^aus dem Abort der ganzen Welt käme und damit sie jetzt einen „heiligen Krieg” gegen das , Heilige Land” führen können, bekommen sie als Draufgabe noch allerhand Waffen, Flugzeuge und ausländische Offiziere. Wir aber und alle vom Stolze auf Ihr Judentum geadelte, vom Willen zur Freiheit gestärkte, vom Zorn des guten Rechvensiet uoh 1938 Fortsetzung von Seife 4 Aus der amerikanischen Zeifung „Aufbau" bringen wir in folgenden die erchiitfernden Worte des groben Dichters und Nobelpreisträgers Thomas Mann, in denen er zur geänderten Haltung Amerikas am 19. März 1948 gegenüber dem Teilungsbeschluß der Vereinten Nationen vom 29. November 1947 Stellung nimmt. Obwohl Amerika seine Haltung neuerlich geändert bat halfen wir es für angezeigf, unseren Lesern mit bek a n n f z u m a cb cn. Sic verlangen eine Aeußerung von mir über den Beschluß der Vereinigten Staaten, ihre Zustimmung zu der Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina diese Zustimmung, die vielmehr eine Initiative und bestimmend war für die. Fntscheidung der United Nafions zurciikzuziehen. Einem noch jungen amerikanischen Bürger fällt die Feststellung schwer, daß dieser Beschluß, diese würdelose Kapitulation vor dreisten arabischen Drohungen das demütigendste und empörendste politische Vorkommnis ist seit dem Verrat, den 1938 die Demokratie an der Tschechoslowakei verübte. Hs ist ein Akt schnöder und niedriger „experiency”, ein Mord an Freu und Glauben und läßt mit Schrecken erkennen, wie sehr die Ideale der Demokratie, Wahrheit, Freiheit, Gerechtigkeit zu leeren Worten geworden sind, deren das nackte Interesse nicht eines Volkes (denn das amerikanische Volk ist gutwillig und gerecht) sondern einer macht- und vortei'sgierigen Gruppe, die der Regierung ihren Willen auferlegt, sich lügenhafterweise bedient. Und hat man bedacht, welchen Schlag man mit jenem kläglichen Beschluß der Autorität der United Nations und ihrer Fähigkeit te sgestähte Juden müssen unseren Feinden leidenschaftlich entgegentreten. Wir, die wir nicht unmittelbar am Kampfe teilnehmen können, müssen unsere brave, tapfere jüdische Armee mit allen Mitteln unterstützen. In d er kommenden Woche wird auch in Wien die Aktion „Mifal Habitachon”, durch die die nötigen Summen für die jüdische Armee aufgebracht werden sollen, beginnen. Wiener-Juden 1 Wir appellieren an Eure jederzeit bewiesene und bewährte Opferwilligkeit 1 Ing. K. den beeren Gedanken des großen Demokraten Die Redaktion zufügt, den Weltfrieden zu wahren V Fs ist unmöglich, sich des Gefühls zu erwehren, daß die Felonie, die man an einem durch tiefstes Leid gegangenen nach Gerechtigkeit trachtenden Volk und an hundert ihm gegebenen Versprechungen zu begehen im Begriffe ist, uns der Weltkatastrophe um einen weiteren Schritt näher bringt. Der kleine jüdische Staat in Palästina wäre eine Demokratie arbeitsamer und kulturwilliger Menschen gewesen, der die ganze natürliche Sympathie eines Landes von den Traditionen Amerikas gehören sollte. Warum sind wir verdammt, überall in der Welt das Schlechte, Retrograde, Faule, den Völkern Verhaßte in diesem Fall den Feudalismus der arabischen Oelmagnaten zu stützen und die Demokratie zu ruinieren, indem wir vorgeben, dies zu verteidigen V Was man den Juden nun raten, wozu man sie ermutigen soll, ist eine Frage voller Verantwortung. Ich überlasse es anderen, sie zur verzweifelten Fortsetzung des Blutvergießens, zur Verteidigung ihres schon .etablierten Staates mit den Waffen anzuspornen unter dem berühmten Embargo natürlich, das den Arabern Waffen gewährt, ihnen aber nicht. Es mag der empörte Aufschrei der moralischen Welt zur Revision des schimpflichen Beschlusses führen. Wo nicht, so wäre erwiesen, daß die ungeheure Enttäuschung aller Hoffnungen auf eine bessere, gerechtere Welt schon zur Apathie, zur dumpfen Ergebung der Menschheit in das heraufziehende Unheil geworden ist, und uns geistigen Menschen bliebe als letzte Form des Protestes nur der Hohn Flauberfs, des Menschenverächters : „Ah, le progres, quelle blague! Et la politlque une belle salete!” Thomas Mann wie sie in Wirklichkeit ist Der ganze Norden Palästinas sowohl der den Juden zuerkannfe östliche Teil, wie auch der arabische westliche, befinden sich in jüdischen Händen. Die militärische Besetzung dieses Gebietes ist nach schwierigen Kämpfen, speziell um den wichtigen Hafen Acre (Akko), 21 km nördlich von Haifa, eine vollendete Tatsach egeworden. Der Entschluß zur strategischen Okkupation West-Galiläas dient einerseits dem Zweck, den isolierten Siedlungen Ost-Galiläas die Verbindung zum Küstenstrich und den Häfen Israels und damit zur Versorgung und Nachschub zu öffnen, andererseits um einem möglichen Brückenkopf d.r arabischen Armeen vom Norden zuvorzukommcn. Die s.it kurzem gemeldete Tätigkeit jüdische:* Einheiten im Zentralgebiet südöstlich von Tal-AvL/ haben zur Einnahm,, von Sarafant und Rami eh geführt, was einer Einkreisung Lyddas gleichkommt. Der von Kriegskomentatoren gemeldete strategische Keil, der das Land in 2 Teile aufspalten soll, ist wahrscheinlich ein wiedcrerwachfer Wunsch träum irgend eines deutschen militärischen Beraters der arabischen Eroberer. An Hand der Landkarte ist nicht einmal der Versuch einer solchen Operation festzustellen, da wie geschildert, nur in Grenzgebieten überhaupt militärische Operationen stattfinden. Die von den Agenturen täglich gemeldeten Bombardierungen Tel-Avivs werden in den einzelnen Berichten lizitatorlisch vermehrt. Heber das Ausmaß der wahrscheinlieh begrenzten Schäden ist aus strategischen Gründen kaum etwas zu erfahren. Die selbstbewußte Ruhe der jüdischen Regierung erinnert gewissermaßen an die Haltung der britischen Regierung in der Zeit des deutschen Blitzkrieges gegen London im Jahre 1941, die den Feind vollkommen im Unklaren über den Erfolg seiner sehr verlustreichen Operationen läßt. A. S. Die Haganah! I von M. P. Waters Aus dem Englischen übersetzt von Ing. Siegln und Korn fein. L # 7. Fortsetzung in :r ui ir b n d Die Haganah hatte die sofortige Anerkennung durch die palästinensische Regierung erwartet, denn wenige Tage nach Ausbruch der Unruhen wurde es klar, daß die Juden verloren wären, wenn sie sich nicht selbst verteidigen könnten. Was man ihnen insgesamt offiziell an Waffen zubilligte, waren 30 Gewehre und später noch 12 leichte Maschinengewehre, die die Regierung zum Schutze aller jüdischen Siedlungen in Palästina zusätzlich zu den in versiegelten Kisten aufbewahrtr.cn und nach den Unruhen im Jahre 1929 neuerlich verteilten Gewehren, an die Siedlungspolizei ausgab. Selbstverständlich war die Haganah für eine freiwillige Selbstauflösung nicht zu gewinnen; sie mußte daher weiter als Untergrundbewegung bestehen und der Selbstschutz weiterhin im geheimen ausgebaut werden. Bei jeder Kontrolle der Siedlungen durch die britische Polizei, mußten die Waffen und Signalapparate der Haganah versteckt werden. Kam sie nach einem ab- ,v gewiesenen Angriff und fragte mit welle 'chen Mitteln die Abwehr erfolgte, so antii worteten die Siedler meist ohne eine q Miene zu verziehen sie sei selbstt .verständlich mit den zur Verfügung ge- | stellten Gewehren durchgeführt worden. ■ Hätte die Polizei nach Waffen gesucht und versteckte Waffen gefunden, wären sie sofort beschlagnahmt und die Siedler wegen unerlaubten Besitzes von Waffen zur Verantwortung gezogen worden. Die Mi'itärbehörden zeigten aber damals mehr Verständnis für dieses Problem und betrachteten es als ihre unmittelbare Aufgabe, sich mehr mit der Rettung von Menschenleben und der Abwehr von Angriffen als mit bloßen Haarspaltereieln zu befassen. Sie erkannten die Grenzen ihrer Sendung und waren froh, wenn die Siedlungen au feigenen Füßen standen und sich nicht an die hart bedrängten britischen Reserven wendeten. Dadurch ergab sich auch die Möglichkeit britische Truppen für Großangriffe zur Unterdrückung von Aufständen bereit zu halten, ohne sie zur Verteidigung entlegener Vorposten heranziehen zu müssen. Das Militär war froh, mit der Haganah zusanunenzuarbeiten. Um aber den Schein der Legalität zu wahren, durfte diese Zusammenarbeit nicht offen erfolgen. Jede britische Einheit hatte ihren jüdischen „Dolmetsch”, der die Verbindung zwischen den britischen Militärbehörden und der Haganah hersteilte. Ende 1936 erfolgte eine inoffizielle Anerkennung d.r Haganah seitens der Verwaltungsbehörden in der Hinsicht, daß eine größere Zahl ihrer Mitglieder 1940 waren es 16.000 — als Hilfspolizei in den Dienst gestellt wurde. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, die Siedlungen zu schützen. Die Mehrzahl dieser Hilfspolizisten war aus landwirtschaftlichen Siedlungen. Während sie früher tagsüber arbeiteten und nachts auf Wache standen, wurden sie jetzt nur zu Verteidigungszwecken hei*angezogen. Die inoffizielle Zusammenarbeit d.r Haganah mit der Verwaltung und dem Militär machte weitere Fortschritte, als Ordre Wingate nach Palästina kam. Wingate, der später in Aethiopien und Burma zu großem Ruhm gelangte und General wurde, fand bei einem Flugzeugunglück den Tod. Im Jahre 1937, als er nach Palästina kam, war er Hauptmann. Dem Nachrichtendienst zugeteilt, bemerkte er zu seinem Aerger bald, daß die erstklassig ausgerüsteten britischen Truppe nnicht imstande waren, die Flut der arabischen Angriffe einzudämmen. Immer liberal in seiner Vorgangsweise, faßte er den Plan, die feindlichen Banden dadurch unschädlich zu machen, daß er ihre eigenen Methoden anwendete. Er bekam die Erlaubnis, spezielle Truppen für diesen Zweck heranzubilden und übernahm auch persönlich das Kommando dieser Spezialfruppen. So trat er an die Haganah heran und suchte sich die ihm geeignet erscheinenden Leute aus. Meist wählte er mit dem Terrain gut vertraute, junge Jxiden aus den Siedlungen von Galiläa aus u. gab ihnen sorgfältig ausgewählte Britisch N. t\ O.’s bei. Aus Briten und Mitgliedern der Haganah bildete Wingate seine Abteilungen. Sie waren als sogenannte Spezial-Nachtabteilungen bekannt, die sich in den Jahren 1937 und 1938, als sie den Schutz der Oelleifungen, die vom Irak nach Haifa führen, übernahmen und ganz Nordpa'ästir.a von aufrührerischen Banden dadurch säuberten, daß sie sie über die syrische Grenze zurückwarfen, besonders hervortaten. Wingate, ein gläubiger Christ und ein vorzüglicher, vorurteilsfreier Soldat, der mehr auf sittliche Werte als auf Reglements hielt, betrachtete die Haganah als eine rechtmäßige, ehrenhafte Organisation. Von ihm erntete sie auch das höchste Lob. Rein militärisch hat sich die Haganah während der Unruhen von 1936 und 1939 vollauf bewährt; nicht weniger bedeutend waren ihre Erfolge in politischer und moralischer Hinsicht. Es war das Verdienst der Haganah, daß kein Zoll jüdischen Bodens aufgegeben werden mußte, und ihr ist es zu verdanken, daß die palästinensische Jr.denheit ihren Aufgaben gerecht werden konnte. Bei Ausbruch der Unruhen bekamen die Juden von ihren Führern folgende Parolen auf den Weg : Laßt uns nicht durch Angriffe oder persönliche Gewalttaten Vergeltung üben, sondern laßt uns durch Anspannung aller Krälte unsere Entwicklung fördern. Für jeden gefallenen Kameraden laßt uns eine neue Si.dlung errichten; laßt uns nicht daran denken, auch nur eine unserer Siedlungen zu räumen, sondern laßt uns unsere Forderungen nach mehr Oedland und Sumpf wiederholen, damit wir neue Dörfer bauen können. Und so geschah es auch. 80286^9^563992535^