Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1948
- Issue
- Heft 22 (26.5.1948)
- Date
- 1948-05-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 CDie 'Stimme Seite 3 DR. (HAIM WEIZMANN wurde Staatsoberhaupt der Republik ISRAEL Der jüdische Nation »Irat hat den langjährigen Präsidenten der Z'on'sfischcn Weltorganisation Prof. Dr. Chaim We zmann einstimmig zum Staatspräsidenten gewählt. Dr. Chaim Weizmann nahm die angchofene Präsidentschaft von Israel an und erklärte, daß „Zion rechtmäßig wiederhergestellt werde”. Der 73-jährige Gelehrte, der den Großteil seines Lebens dem Zionismus gewidmet hat; gab die Annahme der Präsidentschaft Israels in New-York bekannt, wo er sich gegenwärtig aufhält. Weizmann erklärte aus diesem Anlaß wörtlich : „Ich bin stolz auf die große Ehre, die m‘r von seiten der Regierung des Staates Israel zuteil wurde, indem sie mich zum ersten Präsidenten des jüdischen Staates gewählt hat. Ich nehme meine Wahl zum Präsidenten in demütiger Haltung an und ich danke der Regierung Israels für das Vertrauen, das sie in mich setzt.” >r. Weizmann; Botschaft an „Israel” K/ie dec Staat ipcMamiid wuede Dr. Chaim Weizmann richtete an David Ben Gurion, den Premierminister des Staates „Israel” folgende Botschaft : „An diesem denkwürdigen Tage, an dem nach 2000 Jahren der jüdische Staat wieder ersteht, sende ich an alle Teile des Jischuw den Ausdruck der Liebe und Bewunderung und meine herzlichsten Grüße an seine Regierung, die nun am Beginne ihrer ernsten Verantwortung steht. Ich hin vollkommen überzeug!, daß alle die die Bürger des jüdischen Staates sind und sein werden, ihr Aeußerstcs beitragen werden, um die neue Gelegenheit, die ihnen die Geschichte bietet, auszunützen. Es wird unsere Bestimmung sein, die Institutionen und Werte einer freien Gemeinschaft im Zeichen unserer großen Traditionen, die so viel zum Denken und den Geist der Menschheit beigetragen haben, zu schaffen. In diesem Augenblick denke ich mit großem Dank und Rührung an unsere Pioniere und Arbeiter, die die Bürde des Aufbaues des jüdischen Palästina getragen haben und die nun auch die Last und das Opfer seiner Verteidigung übernehmen müssen. Es ist nicht leicht für mich, an die friedlichen Landwirte von Nahalal und Ein Harod oder an die Jugend unserer jüdischen Städte in der Rolle kämpfender Soldaten zu denken. In den Tagen Ezras bauten unsere Vorväter mit der einen Hand, während sie sich mit der anderen verteidigten. Heute appelliert man an uns, nach dieser Ueberlieferung zu Ivan dein. Es ist der sehnliche Wunsch unseres Volkes, in Beziehungen der Harmonie und London, 14. Mai 1948. Heute Nachmittag wurde, als die Nachrichten über die Proklamation des Staates „Israel” ankamen, au fdem Gebäude der jewish Agency in der Great Russell Street die blauweiße Flagge gehißt. Gliickwunschbofschaftcn trafen aus allen Teilen der Welt ein. Um 6 Uhr nachmittags fand im Sitzungssaal in der Great Russell Street eine Pressekonferenz statt, zu der Berl Locker mul S. Z. Shragni, die Vertreter der britischen und auswärtigen Presse geladen Latte. Berl Locker erklärte : „Wir werden dem Buchstaben und dem Geiste der Hntscheidung der Vereinten Nationen treu bleiben. Wir haben unseren Staat geschallen und strecken nun unsere Hand in Freundschaft allen Nationen einschließlich unserer arabischen Nachbarn, deren gegenseitiger Ächtung mit ihren arabischen Mitbürgern, mit den benachbarten arabischen Staaten und mit allen anderen Nationen der menschlichen Familie zu stehen. Bei Beendigung des britischen Mandates denken wir mit Dank an die Vision, die seine Errichtung inspirierte. Wir denken auch an jene Nationen, groß und klein, die unter den Auspizien der Vereinten Nationen ihren Teil zu der internationalen Entscheidung beigetragen haben, die unser Recht auf Staatlichkeit bestätigte. In dieser schicksalsvollen Stunde sind meine Gedanken bei dem Jischuw. Möge Gottes Segen auf ihnen allen ruhen.” New-York. (Eigenbericht). Heute, am 14. Mai 1948 um 10 Uhr früh New-Yorker Zeit haben alle amerikanischen Radiostationen die Nachricht über die lang erwartete Proklamation des jüdischen Staates aus Tel-Aviv übertragen. Die Zeitungen gaben Sonderausgaben heraus und in hiesigen diplomatischen Kreisen' wird die Proklamatio nfiir das wichtigste Ereignis in der internationalen Politik gehalten. Die Proklamation hat andere politische Ereignisse in den Schatten gestellt und bildet da seinzige Gesprächsthema des Tages. Der amerikanische Rundfunk bringt stündlich Berichte über die Vorgänge in Erez Israel. Noch be- Rechte wir nie vergessen haben, entgegen. Er erinnert an Lord Shaftesbury, Oliphant, Beaeonsfield und in neuerer Zeit an Balfou.r, Churchill, Smuts, Ordo Wingate und Josiah Wedgewood. Er erwähnte, daß das Judentum immer mit Dank und Rührung an das denken werde, was diese großen Vertreter Englands für die Erneuerung Zions getan haben. Er sei überzeugt, daß die alte Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen dem jüdischen Volk un d England erneuert werden würde. S. Z. Shragai erinnerte in hebräkschcr Sprache an die Prophezeiungen von Nehemiüh und sagte : „Das ist nur der Anfang. Schwere läge liegen noch vor uns, aber mit dem Glauben an das Recht unserer Sache ist der Jischuw im Begriffe, der Invasion entgegenzutreten. Tel-Aviv, 14. Mai 1948 (Paleor). Heute war der große Tag der Proklamation der jüdischen Unabhängigkeit in Palästina. Obwohl aus Sicherheitsgründen keine vorherige Ankündigung erfolgte, wußte Tel-Aviv, daß dfieser Tag, an dem die Tätigkeit in den nationalen Institutionen nach der britischen Kundmachung, daß das Mandat anstatt am 15. Mai, am Freitag, den 14. Mai mitternachts beendet werde, einen Höhepunkt erreichte, kein gewöhnlicher Tag sein werde. Die feierliche Stimmung, die durch den gestern gemeldeten Fall von 4 Siedlungen d. Etzionblokkes stark gedämpft wurde, hob sich wieder, als es bekannt wurde, daß die Haganah vor die Nachrichten aus Tel-Aviv eintrafen, hat die gesamte amerikanische Presse in Leitartikeln ihrer Meinung dahingehend Ausdruck gegeben, daß der jüdische Staat eine vollzogene Tatsache sei und hob mit besonderer Ironie die Hilflosigkeit der UNO hervor. In Lake Sucres s wird noch immer in den verschiedenen Kommissionen eine fruchtlose Diskussion geführt. Heute uni 4 Uhr Nachmittag ist die jüdische blauweiße Fahne auf dem Gebäude der Jewish Agency in Washington und New-York offiziell gehißt worden. Die offizielle Fahne des Judenstaates flattert in den Vereinigten Staaten. In den Judenvierteln New-Yorks herrscht ungeheurer Jubel. Von alen jüdischen Geschäftshäusern und Institutionen wehen die Fahnen in den Farben Amerikas und Israels. Die Feierlichkeiten für den Judenstaat werden Sonntag, den 16. Mai in der Massenversammlung im Madison Square Garden, in dem 20.000 Personen PI alz haben, ihren Höhepunkt erreichen. In den umliegenden Gassen werden Megaphone angebracht, um den Massen die Reden Dr. Chaim Wcizmann’s, Dr. Si'lvers, Frau Elcanore Roosevelt, des Gouverneurs von New-York William O’Dwyer und Henry Morgentaus zu übermitteln. Der Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas, Dr. Emanuel Newman wird den Vorsitz in dieser Massenversammlung führen. ln Jaffa eingedrungen und Acre eingeschlossen worden sei. Am Nachmittag war Tel-Aviv in blau-weiß gekleidet und fast von jedem Haus und jedem Auto wehte die zionistische Flagge. Im Museum von Tel-Aviv am Rothschild Boulevard,, dem früheren Hause Dizengoffs, des Gründers von Tel-Aviv, vollzog sich der Akt der formellen Proklamation. Zwischen Abteilungen der Mil.itärpollizei warteten die Menschen, um die Ankunft der Persönlichkeiten und Teilnehmer an dem Staatsakt zu sehen. Ein jüdisches Flugzeug kreiste über ihnen und warf Flugblätter ab, in denen das Volk aufgefordert wird, Anteile für die jüdische Nationalanleihe zu kaufen. In der großen Museumshalle nahmen die Mitglieder der Nationalverwaltung, der jetzigen provisorischen jüdischen Regierung auf der Estrade Platz, an deren Hintergrund ein riesiges Bild Herzl’smit blauweißen Fahnen angebracht war. Die Mitglieder des Nationalrates, die Oberrabbiner Untermann und Toledano von Tel-Aviv und die Chefs der nationalen Institutionen nahmen in der ersten Reihe Platz. Mehr als 50 Korrespondenten der Weltpresse, Fotografen etc., waren anwesend, um über die Geburt des jüdischen Staates zu berichten. Punkt 4 Uhr Nachmittag erhob sich David Be nGurion. Mit großem Applaus wurde er begrüßt und die Versammlung erhob sich um die Hatikwah zu singen. Bei lautloser Stille verlas er feierlich die Erklärung über die Proklamierung des Staates „Israel”, die mit brausenden Ovationen aufgenommen wurde. Sodann segnete der alte Rabbi Fisch mann den neuen Staat und sagte das Schechejonuh. Die ersten Dekrete der neuen Regierung Abgesehen von der zeremoniellen Seite, wurde die Staatsproklamation den Versammelten eindrucksvoll nahegebracht, als Ben Burion die ersten Dekrete, die von der jüdischen Regierung herausgageben wurden, verlas. Fr erklärte, daß der provisorische Staatsrat eine gesetzgebende Körperschaft sei, die ermächtigt ist, dieses Recht der provisorischen Regierung zu übertragen. Dann folgte das wichtigste Dekret, die Annulierung des Weißbuches von 1939, bezüglich der Einschränkungen über die Einwanderung und Ankaufes von Grund und Boden und eine Anzahl Verordnungen über Verteidigung. Der letzte Akt war die Unterzeichnung der Proklamation durch alle Mitglieder des Staatsrates, die in Tel-Aviv anwesend Wie die Nachrichten in London aufgenommen wurden New York im Zeichen des jüdischen Staates waren.