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Die Stimme · 1948-01-08 · Heft 13 (8.1.1948) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
1948
Issue
Heft 13 (8.1.1948)
Date
1948-01-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 13 CDie Stimme Seite 3 Wie stark sind die arabischen Armeen? Von JON KIMCHE Die Vorstellung von 230.000 Arabern, die bereit sind, an die palästinensische Grenze zu marschieren, gibt kein genaues Bild der Stärke der Araber. Eine genaue Untersuchung der Situation ergibt vielmehr Folgendes : Aegypten hatte bei einer Bevölkerung im Jahre 1938 eine Armee von 22.000 Mann und eine Polizeitruppe von 20.000. Im darauffolgenden Jahr veröffentlichte das Verteidigungs-Ministerium einen Plan,, die ägyptische Armee bis zum Jahre 1944 auf 100.000 Mann zu bringen. Nachdem bei der Rekrutierung einige Erfahrungen gesammelt worden waren, wurde das Projekt auf die Hälfte seines ursprünglichen Umfangs reduziert und die Zeit für seine Vollendung um zwei Jahre verlängert. Das Ziel waren nun 50.000 Mann im Jahre 1946. Schließlich wurde jedoch der ganze Plan fallen gelassen. Der Grund dafür war in den enttäuschenden Ergebnissen der Rekrutierung zu suchen. Alljährlich werden 180.000 Aegypter zu den Fahnen gerufen, 40.000 werden vom Dienst freigestellt, 60.000 für untauglich erklärt, von weiteren 50.000 weiß man, daß sie sich drücken und von den restlichen 20.000 leisten nur 3—5000 ihre volle Dienstzeit ab. In einer Debatte im ägyptischen Senat am 19. Mai 1943 erklärte General Alouwa Pasha, faktisch seien 90 o/o aller Rekruten körperlich untauglich. Die wirkliche Größe der ägyptischen Armee ist daher von einem gewissen Geheimnis umgeben. Amtliche Ziffern existieren nicht, aber ägyptische Amtsstellen lassen im allgemeinen durchblicken, die Armee sei 120.000 Mann stark. Es Ist auch davon die Rede gewesen, mit einem Kostenaufwand von 50 Millionen Pfund eine Armee von 180.000 Mann aufzusteilen. Der einzige konkrete Beweis für die Stärke der ägyptischen Armee ist die Höhe der Wehrausgaben, die im Jahre 1947 7 [Millionen Pfund betrugen, gegenüber 5 Millionen Pfund im Jahre 1938, als die Armee 22.000 Mann stark war. Inzwischen ist jedoch der Wert des Geldes in Aegypten durch Inflation so gesunken, daß die Wehrausgaben von 1947 einen geringeren Realwert haben als die von 1938. Es ist daher wohl kaum gerechtfertigt, anzunehmen, daß die ägyptische Armee viel mehr als 30.000 Mann umfaßt. Das ist das Minimum, das Aegypten für die innere und äußere Sicherheit braucht, und es scheint auch, daß die Armee weder die Transportmittel, noch die Organisation besitzt, die es ihr ermöglichen würden, an der palästinensischen Grenze wirklich machtvoll aufzufreten, d. h. 350 km von ihren Stützpunkten durch eine wasserlose Wüste getrennt. In diesem Zusammenhang ist es interessant, daß bei den anglo-ägyptischen Vertrags Verhandlungen im vorigen Jahr der Vorschlag auftauchte, Aegypten könne — verstärkt durch andere arabische Staaten — die regionale Verantwortung für die Verteidigung der Suezkan^l-Zone übernehmen. Die britischen Militär-Experten waren jedoch der Ansicht, alle diese Armeen zusammengenommen, könnten im Falle der Kr iegsgef ahr nichts Wesentliches zur Verteidigung der Kanalzone beitragen. (Fortsetzung auf Seite 4) Jubel in Palästina ' 1 Die „ORT” in Österreich Die Wahrheit über ADOLF EICHMANN Gegen Ende des Jahres 1946 lenkten einige weitsehende, prominente Mitglieder des Wiener Judentums die Aufmerksamkeit des Weltverbandes auf die Notwendigkeit der Bierufsumschuiung der jüdischen Jugend in Oesterreich. Die Sorge des Wiener ORT-Komitees, das unter dem Vorsitz des Hofrates Dipl. Ing. Leopold Herzka, des Vizepräsidenten Landesschulinspektor Hofrat Wilhelm Feiertag und des Generalsekretärs Dr. Eduard Broczyner stand, galt zunächst der Wiener jüdischen Jugend, die aus Konzentrationslagern und heimlichen Verstecken nach 7 Jahren der Demütigung, der Verzweiflung und der Agonie, das erstemal vor dem Problem der Berufswahl stand. Mit Hilfe des Herrn Dr. Felix Hurdes, Bundesminister für Unterricht und des Herrn Karl Maisei, Bundesminister für soziale Verwaltung, sowie mit Unterstützung der österreichischen Bundes- und der Wiener städtischen Schulbehörden gelang es, zunädist drei grundlegende Berufsschulkurse in Wiener öffentlichen Lehranstalten zu aktivieren: 60 Schüler, unter der Aufsicht von österreichischen Fachlehrern, begannen sich zu Automechanikern, Radiotechnikern und Zahntechnikern auszubilden. In österreichischen Bundesländern begann unter der Leitung einer jungen amerikanischen Pionierin der ORT, Mrs. C. K. Margulies und unter der fachmännistfien Leitung eines englischen Ingenieurs, Herrn Douglas C. Stewart eine zunächst sehr improvisierte Schultätigkeit In einer Schule für jüdische DP’s in Salzburg. Die Arbeit in Oesterreich erweckte das Interesse der ORT-Bundesorganisationen der ganzen Welt. Zahlreiche Gäste aus Europa, Südafrika und vor allem aus den Vereinigten Staaten von Amerika besuchten unsere Lehrwerkstätten und haben sie den Arbeitsmethoden der österreichischen ORT größtes Lob gespendet. Besondere Hilfe wurde der ORT in Österreich jedoch von der Frauenorganisation der amerikanischen ORT-Vereinigung zuteil. Nicht nur daß die Gründerin der ORT-Arbeit in Oesterreich, Mrs. C. K. Margulies, ehrenamtliche Leiterin der ORT-Arbeit in Oesterreich war, Ist gegenwärtig Mrs. R. C. B. Harris eifrig bemüht, die Arbeit der ORT-Bewegung in Oesterreich weiter zu fördern. Zahlreiche neue Beziehungen, enge und harmonische Zusammenarbeit mit dem Wiener ORT-Komitee, sowie die Verbreitung der Basis der Arbeit in Oesterreich sind das unzweifelhafte Verdienst dieser Freiwilligen Helferin der amerikanischen Frauenorganisation der ORT. Besuchet die ORT-Umschulungskurse 1 Sie bieten eine günstige Gelegenheit zur Erwerbung nützlicher Kenntnisse und zur Erlernung von Fertigkeiten, die die beste Grundlage zur Gründung einer gesicherten Existenz bilden. Der europäische Berichterstatter der großen Tel Aviver Tageszeitung „Davar”, M. Singer, hat eine gründliche Untersuchung über Herkunft und Persönlichkeit des Nazimassenmörders Adolf Ekhmann durchgeführt. Er ist dabei zu folgenden Ergebnissen gekommen: Eichmann stammt nicht aus Sarona, der einstigen deutschen Kolonie in der Nähe von Tel Aviv, es ist auch nicht wahr, daß er fließend Hebräisch und Jiddisch spricht. Er kann lediglich ein paar Worte Hebräisch. Rkhtig ist, daß Adolf Eichmann am 19 .März 1906 in Solingen, Westfalen, geboren wurde, wo seine Mutter, eine Oesterrelcherin wie sein Vater, damals bei Verwandten zu Besuch weilte. Aufgewachsen ist er In Linz, Ober-Oesterreich. Seine NSDAP-Mitglledskarte trägt die Nummer 899.895. Bis zum Nazi-Einmarsch in Oesterreich gehörte er der Partei Illegal an. Am 9. November 1937 ernannte ihn Hitler zum Untersturmbannführer und am 11. September 1938 zum Obersturmbannführer. Bei dieser Gelegenheit übertrug er ihm die Aufgabe einen Plan zur Ausrottung der Juden Europas auszuarbeiten und zu1 gegebener Zeit auch durchzuführen. Eichmanns erste Freundin, die Oberösterreicherin Maria Rosenbacher, war jüdischer Herkunft. Seine Ehefrau stammt aus dem Sudetenland und lebt bis heute mit ihren zwei Kindern unangefochten in Alt-Aussee (Oesterreich). Eichmann hat im Münchner Orientalischen Institut studiert, dort hat er sich seine geringen Kennt-, nisse der hebräischen Sprache angeeignet, mit denen er Immer protzte. Seine Berater und , Mithelfer bei der Realisierung seines Judenausrottungs- Programms waren fast ausnahmslos Oesterreicher. Viele hatten in der österreichischen Polizei gedient und waren gleich ihm bis 1938 illegale Mitgliederder NSDAP. Unter ihnen war der in Preßburg verhaftete Wislyczeny ferner Anton Büdner und der für die Judenmassakers in der Tschechoslowakei verantwortliche Viktor Nagler. Eichmann war nur einmal in Palästina, Das war 1936, kurz nach Ausbruch der Araber-Unruhen. Hitler hatte ihn nach Palästina geschickt, um durch ihn mit dem Mufti Hadj Amin el Husseiini und den übrigen Personen des Arab Higher Committee in Verbindung zukommen. Die Palästina-Regierung verweigerte ihm aber die Verlängerung der nur für drei Tage gewährten Aufenthaltsbewilligung, so daß er seine Mission nur sehr unvollkommen durchführen konnte. Erst während des Krieges entwickelte sich zwischen ihm und dem nach Deutschland geflohenen Mufti eine engere Freundschaft. Gemeinsam besuchten beide das Todeslager Maidanek in Polen. Wie einer seiner früheren Mitarbeiter in der Untersuchung ausgesagt hat, pflegte Ekhmann zu protzen: „Lachend werde ich ins Höllenfeuer springen, im Bewußtsein, fünf Millionen Juden umgebracht zu haben 1” Nach zuverlässigen Informationen — schließt M. Singer — ist Adolf Eichmann noch am Leben.

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