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Die Stimme · 1947-12-20 · Heft 12 (20.12.1947) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
1947
Issue
Heft 12 (20.12.1947)
Date
1947-12-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 12 CDie Stimme Seife 3 Heues aus Palästina Erev-Chanukah in Tel-Aviv Alarm auf den Straßen nach Jerusalem Jerusalem (Palcor). Die Straßen südlich von Jerusalem nach Hebron und nördlich nach Nablus, die durch arabische Gebiete führen, standen einige Tage unter Alarm, um zu verhindern, daß si ' arabische Massen Jerusalem nähern um hier an den Demonstrationen für einen dreitägigen Streik tcilzunehmcn. Der Verkehr auf diesen Straßen ist nur von 4 Uhr 30 nachm, bis 6 Uhr nachm, gestattet. Die Ankunft organisierter bewaffneter Araber aus einigen Dörfern westlich von Jerusalem wird gemeldet. Landung in Tel-Aviv Trotz der Unruhen durchbrach im Morgengrauen ein Schiff der Haganah erfolgreich die Blockade und eine größere Zahl von Einwanderern ohne Zertifikat konnte in der Nähe von Tel Aviv landen. Die Einwanderer zerstreuten sich und das Schiff machte sich, ohne angehalten zu werden, davon. Der Name des Schiffes ist Haportzim (die Durchbrecher). Die Anzahl der gelandeten Einwanderer ist nicht festgestellt. Nach einigen Berichten waren es wenigstens 170, aber die genaue Zahl ist nicht bekannt. Berufungen mit dem Generalsekretär UNO. New York (Palcor) Mr. Shertok, Dr. Go'dmann, Dr. Jakob Robinson und Mr. Lourie konferierten heute mit Mr. Trygvc Lie hinsichtlich des Verhältnisses zwischen der Jewish Agency und dem Treuhänder-Rat; es wurde auch über die Rolle des Sicherheitsrates in Palästina, die in Jubel in Rom Ein soeben aus Rom zurückgekehrter Freund unseres Blattes berichtete uins über den Jubel, der unter den Juden Roms herrschte, als sie das Resultat der Abstimmung in der UNO erfuhren. Noch in der Nacht vom Samstag, den 29. XI., auf Sonntag, den 30 XI., zogen sie auf die Straße, umarmten und küßten sich, sangen hebräische Lieder und tanzten auf der Gasse. In einem geordneten Marsch zogen sie zum Bogen des Titus, dem Vernichter des letzten Judenstaates und ließen dieses gewaltige Denkmal nicht mehr als ein Zeichen der Schmach, sondern als ein Zeichen des Triumphes auf sich wirken. Aufforderung an die Jugend Amerikas Cincinnati : Anläßlich der Konferenz der Masada richtete I. J. Karpman, der geschäftsführende Direktor des Weltverbandes der allgemeinen Zionisten,, der größten Partei in der zionistischen Bedem Beschluß der Generalversammlung der Vereinten Nationen festgdegf wurde, gesprochen. Die Beratung bezog sich aber nicht auf die allerletzten Ereignisse. New York (Palcor). Mr. Trygvc Lie erklärte heute in einer Pressekonferenz in Lake Suecess, daß er beabsichtige in nächster Zeit nach Palästina zu reisen, um d r UNO-Kommission zu assistieren. Er sagte, daß Dr. Ralph Bunche, ein ehemaliger Beamter des Staatsdepartements, der schon mit der UNSCOP in Palästina war, der ständige Sekretär der UNO-Kommission werden würde. Präsident Trumans Standhaftigkeit New York (Palcor). Andrew Pcarson enthüllt heute Tatsachen über den großen Druck, den Präsident Truman in der Palästinafragc ausgeübt hat. Präsident Truman, sagt er, ließ sich den stellvertretenden Staatssekretär Lovett vor der LJNO-Entscheidung rufen und sagte ihm, daß jeder Staat, der sich gewöhnlich nach der Politik Amerikas richte, sich auch bei der Abstimmung danach zu richten habe, Mrs. Eleanor Roosevelt, eine der Delegierten Amerikas, war unter denen, die den Präsidenten vor der Sabotage seitens Mitglieder des Staatsdepartements warnte und sie drohte, die amerikanische Delegation zu verlassen, wenn die Teilung auf Grund dieser Sabotage abgelehnt werden sollte. Hinsichtlich Chinas sagte Pearson, daß der Botschafter Wellington Koo zurückzutreten drohte, wenn China nicht eine Stellung für die Teilung einnehmen sollte. Er konnte aber seine Regierung nicht beeinflußen. wegung, an die jüdische Jugend Amerikas die Aufforderung, ihr Können dem Aufbau des nun zu errichtenden Staates in Palästina zur Verfügung zu stellen. Mr. Karpman sagte, daß die Tätigkeit ständiger und zeitweiliger Pioniere aus den Reihen der amerikanischen jüdischen Juger.d, wichtiger sei als je zuvor. „Bereitet Euch vor, der allgemein zionistischen Bewegung nicht nur in der traditionellen Weise des Geldsammelns und der politischen Unterstützung beizustehen, sagte Mr. Karpman, sondern Euch sofort in den aktuellen Aufbau eines jüdischen Staates in Palästina einzugliedern. Nach Skizzierung des Programmes für die aktive Mitarbeit der amerikanischen jüdischen Jugend in Palästina, erklärte Mr. Karpmann, daß die einen für die Besiedlung des Landes, andere wieder für eine zeitweilige Verpflichtung als geübte Techniker, benötigt würden. Ebenso könnten auch alle Kategorien ausgedienter Soldaten dem jüdischen Palästina wichtige Dienste leisten. Chanukah, das „Fest der Lichter” ist in Palästina nicht nur ein religiöses Fest sondern trägt auch den Charakter eines Nationalfeiertages. Schon am Nachmittag herrscht in Fel - Aviv eine geschäftige feierliche Stimmung ähnlich der des Weihnachtsabends in Wien. Festlich herausgeputzt sitzen die Kinder in der Schule bei der Feier, während die Pfadfinder und alle anderen Jugendorganisationen auch ihre kulturellen Veranstaltungen zu Ehren dieses Festes, wohl eines der beliebtesten des Landes, ahhalten. An diesem Tage feiert der Jishuw mit seinen Brüdern und Schwestern auf der ganzen Welt den Sieg der Makkabäer gegen den Römischen Unteedrücker. Für die Juden Palästinas ist dies ein Symbol für die Gegenwart, eine Hoffnung für die Zukunft. Aus den Heldentaten seiner Ahnen schöpft ein schwergeprüftes Volk neuen Mut und feurige patriotische Lieder erklingen neben den traditionellen Gesängen. Maronibrater, Verkäufer von Wundermuscheln und Spielzcuggcschäfte sind bis zum späten Nachmittag regstens beschäftigt und schmunzelnde Eltern malen sich das Gejubel ihrer Kinder über die Geschenke aus, während sie durch die hellerleuchteten Straßen nach Hause eilen. Am Samstag, den 6. Dezember 1947 fand die gründende Sitzung des Keren Hayessod in Wien statt. Eine große Zahl hervorragender Persönlichkeiten des Wiener jüdischen Lebens hatte sich eingefunden, wobei die Modalitäten der Gründung des Keren Hayessod einer eingehenden Erörterung unterzogen wurden. An dieser Sitzung' nahmen auch der Delegierte des Keren Hayessod aus Jerusalem M. Horowitz und der Leiter der Jewish Agency in Oesterreich, Dr. Jaffe, teil. Der Vorsitzende, der Generalsekretär der zionistischen Föderation,, Bernhard Braver gab eine kurze Uebersicht über die Arbeiten des Keren Hayessod bis zu seiner Auflösung im Jahre 1939, hob die Leistungen der Wiener jüdischen Bevölkerung für den Keren Hayessod hervor, worauf Herr Horowitz ein eingehendes Referat über das Wesen und die großen Leistungen des Keren Hayessod erstattete; ihn ergänzte Dr. Jaffe, der der Freude Ausdruck gab, daß der Keren Hayessod gerade in dieser historischen Stunde in Wien zusammengetreten sei, um mit an dem Wiederaufbau Palästinas tätig zu sein. Nach einer kurzen Wechsel- Kurz vor Einbruch der Dunkelheit füllen sich die Straßen wieder mit Menschen, diesmal hauptsächlich mit Jugend. Erwartungsvoll hat rf man des Siegers des großen Sportereignisses, des Fackel lau fcs von den Makkabäergräbern bis nach Tel Aviv eine Strecke von über vierzig Kilometern welcher nun die Kerzen der Menorah in der großen Synagoge mit dem heiligen Feuer seiner Fackel anzündet. Und als dann die große, aus elektrischen Birnen bestehende Menorah auf der hohen Kuppel des Gotteshauses in heller Pracht aufflammt, da flimmern von überall rings um die Stadt auf den Kuppeln der Synagogen der hügeligen Vororte dieser einzigen Jüd:schen Metropole, die Lichter der Mcnoroth, zuversichtlich, als ob sie sagen wollten : „Hier ist Ercz- Israel, hier ist Jüdischer Boden; hier feiern wir ein jüdisches Fest.” Und im Lichte dieser Menoroth, welche stolz über der Stadt wachen, wenn sich die majestätischen Klänge des „Maos Zur” mit dem wilden Rhythmus eines Hora vermischen, da klingt auch dieser Tag aus, einer jener vielen, wo jeder Jude in Erez stolz darauf ist, Jude zu sein, wo die Sorgen der Gegenwart über die Glorie der Vergangenheit und" der Hoffnung für die Zukunft vergessen werden. T. M. Kiwe rede wurde ein Direktorium aus folgenden Personen gewählt: Josef Bittmann, Bernhard Braver, M. Feinmann, Hofr. Dr. Fuchs, Frau Gröbl, Hofr. Ing. Herzka, Prof. Dr. Hirschel, Frau Mehr, Primarius Dr. Meißner, Lipa Neufeld, Oberveter, Rat Rosenzweig, Dr. Pordes, Herr Rappaport, Dr. Rudolf Rosner, B. Teichholz. Hiemit hat der Keren Hayessod nach 8-jähriger Unterbrechung seine Tätigkeit in Wien wieder auf genommen und wir hoffen, daß diese nun ebenso segensreich sein werde, wie bis zu seiner zwangsweisen Auflösung. Wie allgemein bekannt, trägt der Keren Hayessod zum Neuaufbau Palästinas das Wesentlichste bei. Es ist gerade jetzt mehr denn je Ehrenpflicht aller Juden, ihn tatkräftigst zu unterstützen und zu fördern. Sportklub „Hakoah” Die Fußball - Sektion des Sportklubs Hakoah beabsichtigt eine Jungmannschaft heranzubilden und aufzustellen. Jüdische Burschen im Alter von 12 — 16 Jahren melden sich im Sekretariat der Hakoah, Wien!., Schottenring 25. Keren Hayessod Die Haganah Von M. P. Wafers Aus dem Englischen übersetzt von Ing. Siegmund Kornfein 3. Fortsetzung Stamper, ein besonders frommer Jude, mußte die Siedler oft von der Synagoge weg zu den gefährdeten Punkten holen. Und mehr als einmal wiesen sie Angriffe gegen einen Gegner ab, der im Gebrauch von Knüttel und Messer weit besser geübt war als sie . Stamper bewies nicht nur persönlichen Heroismus, sondern auch ein Talent, tapfere Menschen zu erkennen und um sich zu scharen. Während seines Aufenthaltes in Jerusalem war er immer auf der Ausschau nach Burschen, die die richtigen Qualitäten zeigten. Eines Tages sah er einen jungen Mann gegen drei türkische Soldaten kämpfen, die ein jüdisches Mädchen beleidigt hatten. Der junge Mann war Michael Katz, der sich dann auf den Ruf Stampers, der Verteidigung Petach Tiqwahs anschloß.... Es muß darauf aufmerksam gemacht werden, daß zu jener Zeit eine Siedlung nicht das war, was sie heute ist. Es gab nicht nur keine Fahrzeuge, sondern auch ein Maultier war ein außergewöhnlicher Luxus. Die Siedlung war oft vollständig isoliert und mußten oft besondere Maßnahmen getroffen werden, um den Nachschub an Nahrungsmitteln zu sichern. Die Siedler mußten nach den heftigen Regenfällen Gräben und überflutete Flußläufe durchschreiten, sich allein durch arabische Dörfer schleichen, um Proviant aus der nächsten Stadt zu bringen. Michael Katz zeichnete sich gerade bei solchen Aktionen besonders aus. „Judah Rab, ein Verwandter Stampers, war auch einer der frühen Verteidiger und Polizeimänner von Petach Tiqwah. Ein anderer, Ben Maimon, ein sephardischer Jude aus Jaffa. Ben Maimon war ein Pferdehändler. Er war kreuz und quer durch alle arabischen Länder gereist und war mit der arabischen Sprache und den Gebräuchen der Araber vollkommen vertraut. Er war wohlhabend; als er jedoch hörte, daß eine jüdische Siedlung errichtet werden solle, beschloß er, seine Erfahrung und seine Kenntnisse der Entwicklung dieser Siedlung zur Verfügung zu stellen. Maimon haßte die Ungerechtigkeit und viele Legenden erzählen von seinen Kämpfen mit türkischen Soldaten und türkischer Polizei, die es gewagt hatten, Juden zu beleidigen. Er diente zwei Jahre als Wachmann in Petach Tiqwah und bildete andere Siedler, die mit ihm dienten, im Führen der Zügel und darin aus, wie sie sich Arabern gegenüber zu benehmen hätten. Golomb erzählt die Geschichte eines anderen Wachmanns aus jenen Tagen, eines exotischeren Typs, dessen Dienste in Petach Tiqwah, Anlaß zu vielen Legenden von der Existenz jüdischer Beduinenstämme gab : Judah Rab berichtet, wie er eines Tages einen Beduinen durch Petach Tiqwah reiten sah, ihn als diensthabenden Wachmann begrüßte und ihm, wie es ortsüblich war, seine Gastfreundschaft anbot. Der Beduine ritt jedoch weiter. Am andern Morgen erschien er wieder, ritt aber auf Rab zu und nahm seine Einladung an. Es stellte sich dann heraus, daß dieser Beduine ein Jude aus Arabien war, der seine Mähre verloren hatte und auf die Suche nach ihr gegangen war. Er war dabei bis nach Damaskus gekommen, wo er sein Pferd tatsächlich gefunden hatte. In Damaskus fühlte er sich verpflichtet, das heilige Land zu besuchen. Auf seiner Reise kam er gelegentlich in das Dorf Faja, wo man ihm von der jüdischen Siedlung erzählte, die errichtet wurde. Er fühlte sich auch verpflichtet, diese Siedlung zu besuchen; als er jedoch an den ihm bezeichneten Ort kam, fand er dort keine Juden, sondern nur „Faranjl” Europäer. Er glaubte nun, daß die Araber ihn zum besten gehalten hätten und kehrte sofort nach dem Dorf Faja zurück, um seinem Aerger Luft zu machen. Die Dorfbewohner überzeugten ihn aber, daß diese „Europäer” auch Juden seien. Und am nächsten Tage kehrte er, um sich selbst zu überzeugen, nach Pettach Tiqwah zurück. Das Gespräch mit Judah Rah hatte ihm gezeigt, daß er die Wahrheit gehört hatte und daß die Siedler tatsächlich aus dem Exil zurückgekehrte Juden waren. Nun sagte er : „Ich werde ein Jahr hier bleiben.” Und er blieb. Sein Name war Joseph Ben David, oder in seinem Beduinendialekt, Yussuf ihn Daoud. Auch er war einer der Männer, die Siedler von Petach Tiqwah darin ausbildeten, wie sie sich zu verteidigen hätten.

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