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Die Stimme · 1947-09-29 · Heft 5 (29.9.1947) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
1947
Issue
Heft 5 (29.9.1947)
Date
1947-09-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis 1 Schilling timme Redaktion und Administration: Wien IX, Universitätsstrnße Nr. 4 4 Telefon A=26=4*73 e/lllgemein zionistischeJdochensehrtft Postscheckkonto Nr. 134.292 29. September 1947 Erscheint jede Woche ZtonUiiscKer Landesverband Wien rwa ffirn rrnnxnn [t$ Nr. 5 - 1947 Izdiah Grünbaum In Wien Ganz unerwartet kam vorige Woche ein ganz Großer nach Wien. Izchak Griinbaum, Mitglied der Exekutive der Jewish Agency und gewesener Vorsitzender des großen Aktionskomitees, war plötzlich da. Aus Zürich, von der Tagung des Aktionskomitees kommend, wollte er wieder einmal Oesterreich besuchen und kam auch, nach Wien. Grünbaum ist einer der bedeutendsten Führer der Allgemeinen Zionisten und der zionistischen Bewegung überhaupt und erregte seine Anwesenheit nicht nur bei uns, den Allgemeinen Zionisten sondern bei allen zionistischen Fraktionen nicht geringes Aufsehen. Er widmete einige Abende wichtigen Vorbesprechungen um sich über die Lage in Wien zu informieren und seiner Autorität gelang es auch die „Zionistische Föderation in W i e n” zu schaffen. Diese wichtige Institution hat für die nächste Zeit bedeutende Aufgaben zu erfüllen und wird sie ihre Tätigkeit sofort beginnen. * Izchak Grünbaum,. der rühmlich st bekannte Sejm-Abgeordnete und Vorkämpfer des Zionismus, ist für die Juden Polens eine legendäre Figur. Von mittlerer Gestalt, macht er, mit der hohen Denkerstirn und den klugen Augen, auf den ersten Blick den Eindruck eines Gelehrten. Erst nach einem Zwiegespräch, nach einer Debatte in größerem Kreise erscheint, für manchen überraschend, dann der Kämpfer der temperamentvolle Redner — der seine Rede mit viel Ironie und ein bißchen Hohn zu würzen weiß — erscheint der erfahrene; und weise Politiker. Es ist ein Vergnügen mit ihm auch nur kurze Zeit beisammen zu sein, man lernt viel von ihm und hat die seltene Gelegenheit mit einem der bedeutendsten Führer unserer Bewegung einen kleinen Ausflug in die hohe Politik zu machen. Izchak Grünbaum kommt zu einer Konferenz und alles wartet gespannt auf seine Ausführungen. Er macht sich aber die Sache nicht so leicht, etwa einen kürzeren oder längeren Rechenschafts- oder Tätigkeitsbericht zu erstatten, sondern er wjll wissen, was die Herzen der Vertrauensmänner bedrückt und fordert sie auf. an ihn Fragen zu stellen oder ihre Wünsche vorzubringen. Und man stellt Fragen an ihn, heikle Fragen, sehr heikle Fragen. Er steht auf, streicht sich durch das Haar und beginnt, genau nach der Reihenfolge nach der die Fragen an ihn gestellt wurden, mit deren Beantwortung. Nach Beendigung seiner Ausführungen ist man sprachlos, man hat nichts mehr zu erwidern, man ist k. o. geschlagen und man hat dann das Gefühl, daß die Politik, die Izchak Grünbaum und wohl auch die Jewish Agency verfolgt, die beste Ist die man sich unter den gegebenen Verhältnissen denken kann. Man dankt ihm und ist nun überzeugt, daß das Schicksal des jüdischen Volkes In den besten Händen ist. * Es war ihm aber auch ein Herzenswunsch zu allen Wiener Juden zu sprechen und am 18. d. M. wurde er im großen Musikvereinssaale, während und nach seiner großen Rede herzlichst gefeiert. Nach der ersten Begrüßung durch den Vertreter des Zionistischen Landesverbandes, ergriff der Präsident der Kultusgemeinde Wien David Brill das Wort und begrüßte in herzlicher Weise den illusfren Gast namens der jüdischen Gemeinde, wobei, er hervorhob, daß der zionistische Gedanke jedem Juden schon so vertraut geworden ist, daß er bewußt oder unbewußt Zionist ist. Jeder Jude weiß heute schon wo seine Heimat ist und wo sie nicht ist. Auf die sensationellen Aeußerungen des Herrn Präsidenten Brill müssen wir wohl noch zurückkommen. Nach der ebenso herzlichen Begrüßung durch den Vertreter des World Jewish Congreß Stiaßny, ergriff Izchak Grünbaum selbst das Wort: „Tief gerührt von dem Empfang den Ihr mir bereitet habt und von den guten Worten, die ich von meinen Vorrednern gehört habe, muß ich wohl sagen, daß ich doch kleiner bin als man mich geschildert hat. Wir haben eigentlich die 50-jährige Wiederkehr des Tages an dem unser un_ vergeßlicher Herzl den ersten Kongreß einberufen hat,' nicht so gefeiert als wir es hätten tun sollen. Denn das, was Herzl gesagt hat, der Gedanke, den keiner vor ihm ausgedrückt hat, der Gedanke des Judenstaates, scheint vor seiner Verwirklichung zu stehen. Es war ein gewagter Gedanke und keiner wollte glauben, daß er zu einer Frage der Weltpolitik werden würde. Wir haben uns nicht vorgestellt, daß die Frage des Judenstaates noch zu unserer Zeit aktuell werden würde. Aber auch keiner von uns hat sich vorgestellt, daß der Antisemitismus eine so grausame Bestätigung finden werde und keiner hat an eine so fürchterliche Katastrophe geglaubt. Wir haben geglaubt, daß der Zionismus durch den Ueberfluß an jüdischen Kräften verwirklicht werden wird. Wir haben zu jeder Zeit gesagt,, wir bauen nicht auf den Antisemitismus. Nicht deshalb sind wir Zionisten, weil wir Furcht haben. Wir sind Zionisten geworden, weil wir wollten, daß das jüdische Volk frei und gleichgestellt sei allen Völkern der Welt. Der Zionismus war eine Offenbarung, eine Erfassung der jüdischen Probleme, der Probleme des ganzen jüdischen Volkes zu einer Lösung und zur Erlösung der verfolgten und gequälten jüdischen Massen. Das 19. Jahrhundert war das Zeitalter der Gleichstellung des einzelnen Juden und man glaubte, daß damit das jüdische Leben aufhören werde. Der jüdische Mensch, der einzelne Jude aber kann nicht gleichgestellt und gleichberechtigt sein, wenn nicht die Gesamtheit der Juden gleichgestellt und gleichberechtigt ist mit allen Völkern der Welt. Die Juden des 19. Jahrhunderts haben das nicht verstanden. Die Vorgänge der letzten Jahre haben es ihnen nun auf grausamste Weise zu verstehen gegeben. Und jetzt verstehen schon alle Parteien der Welt, daß, wenn die Gesamtheit der Juden eine Ausnahme bildet, der einzelne Jude niemals gleichberechtigt und gleichgestellt sein wird. Und alle Juden verstehen auch schon, wenn wieder eine Zeit der Gefahr kommen sollte, der einzelne Jude wieder behandelt würde als Opfer, als ein Ballast, den man vom Wagen, vom Ballon abwirff, um sich zu retten. Das ist die grausame Lehre die uns die jüngste Vergangenheit gegeben hat. Ich habe viel mit Menschen in den Lagern in Oesterreich, Italien und Deutschland gesprochen und diese, die jüdische Masse, der Jude des letzten Jahres, er ist nun auch zum Helden des Kampfes für unsere Befreiung geworden. Er geht auf allen Wegen nach Erez. Auch der einfache Jude, ohne zionistische Erziehung, geht jetzt über Berg und Tal und reißt sich um Erez. Zum erstenmal in der Geschichte des jüdischen Volkes in der Diaspora sehen wir so einen mächtigen Strom nach Erez ziehen. Sie verlassen ihre jetzige Heimat, geben alles auf und! Alt und Jung sind auf der Wanderschaft nach Erez. Herzl hat sich einmal vorgestellt, daß er ganze Dörfer und Städte nach Palästina führen wird. Er hat sich einen Triumphmarsch vorgestellt auf Grund des Rechtes, das er erkämpfen wollte. Ihm ist es nicht gelungen 1 Wir sehen nun das, was er in anderer Form erträumt hat sich in einem Aufmarsch, in einem Kampfmarsch vollziehen, um das gelobte Land zu stürmen. Diese Massen brechen die Blockade der englischen Kriegsflotte und gehen und gehen unaufhörich. Hunderttausende gehen jetzt, — ein Strom von Menschen der über alle Wege geht, alle Grenzen niederreißt. So ziehen jetzt Juden in ihre uralte Heimat! In diesem Sturm hat Großbritannien eine Haltung gezeigt, die als ewige Schande in die englische Geschichte eingehen wird. 4500 jüdische Menschen, die auf dem Schiff „Exodus 1947” nach Palästina wollten, wurden auf schwimmenden Gefängnissen nach Frankreich, zurück gebracht. Und zum erstenmal in der jüdischen Geschichte, wendet sich eine Regierung, die französische Regierung, an die Juden und sagt ihnen, ihr könnt von den Schiffen kommen, wir nehmen euch auf und bieten euch Arbeit und Verdienst. Frankreich und Belgien sind die einzigen Länder, die den Juden wieder ihre Rechte \gegeben haben. Und die von den Engländern angedrohten Zwangsmaßnahmen wurden von der französischen Regierung zu- 'rückgewiesen. Das England, das mit den großen Demokratien ausgezogen ist, um Demokratie und Freiheit gegen den Nazismus zu retten und ihn besiegt hat, dieses England bringt diese 4500 Juden zurück nach Deutschland in dieselben Lager, in denen der größte Teil derselben gepeinigt und gemartert wurdie. So geht England in dem Kampfe gegen den Zionismus auf dien Wegen des Nazismus. Und jetzt, da die Juden den Engländern die Möglichkeit geschaffen haben, Palästina zu beherrschen und die Juden eine Minorität von 650.000 im Lande bilden, beginnt ein neues Kapitel in der englischen Politik, — die Orientierung nach den Arabern. Die Juden dürfen in diesem arabischen Land eine Minorität bilden, die Juden dürfen auch Europa wieder aufbauen, — Angst braucht man vor ihnen nicht zu haben, denn In ganz Europa inklusive Rußland sind 3,000.000 Juden geblieben. Diese drei Millionen sollen nun ihren Ländern dienen und das ist das Ideal des Ministers Bevin. Die Juden in Palästina sollen nur ein Werkzeug dafür sein, wenn man die Araber zähmen will. Hierauf haben wir den Kampf begonnen auf der ganzen Linie und mit allen Mitteln. England hat sich In seiner Palästinapolitik bankrott erklärt und die ganze Sache der UNO vorgelegt. (Fortsetzung in der nächsten Nummer.) Hitachduth Zionim Klalim Merkas Llnz-B indermichel übermittelt allen Mitgliedern und Freunden die herzlichsten Glückwünsche für das Jahr 5708 und ein raio nöTin nw Nadium Manelsohn Dr. Strauch Generalsektetär Präsident

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