Neue Zeitung
- Journal
- Neue Zeitung
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 14 (13.9.1907)
- Date
- 1907-09-13
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2430890-2430908-2430922--277-2431267- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 14, Neue Zeitung lichen Heiligkeit zu opfern, undhat doch, -wieder gleich Dir, an wahrer innerer Heiligkeit auch whne dieses Opfer genug. Dir mißlang der Versuch. Möge uns der Herr davor bewahren, daß er Israel glücke! . ." „Amen!" rief Jermi Woldman feierlich. Und mehrere hundert Stimmen wiederholten, den, Ruf . . . .. . .. Zwanzig Schwarzgekleidete verließen den Saal. Eine weißgekleidete Frau folgte ihnen. Die Anträge der Ribboniten wurden abgelehnt. Der Angriff war ■ für diesmal noch abgeschlagen. ' Jermi Woldman war der Letzte, der den Saal verließ. An -der Schwelle wandte er sich um und sah zurück, — zur Estrade hin, im Kreise nach allen Bänken und hinauf zu den Galerien. Wie ein Suchender blickte er, wie Einer, der - Antwort heischt. Es war ihm, als müßte jetzt dort irgendwo in dem mächtigen Raum das Schicksal -hocken und Zukunft spinnen. Wenn er ihm nur zuschauen könnte. Er strengte sein Auge an, aber es half nicht. Das Schicksal wartete wohl, bis auch ' er draußen war, - nm hervorzutreten und behaglich und schadenfroh, mit dem Gespinnste in der Hand, durch den großen Raum zu schreiten ... Und seufzend ging er hinaus ... Oben auf der Galerie ging eine kleine Tür. „Komm doch Taubele. fürcht' Dich nicht." - „Wenn uns der Vater sieht!" „Der Vater ist ja weit . . ." „Aber vielleicht sieht uns der liebe Gott, Verele." „Der liebe Gott hat auch nicht immer Zeit." Nun folgte sie ihm. Un beide - lehnten an der Brüstung der Galerie und starrten staunend in den Saal. Da ging ein-Rauschen durch den weiten Raum.... ,>Hörst Du. Berele?" sragte das kleine . Mädchen. Es zitterte wie ein Gräslekn und war bleich wie ein weißes Blümchen. , Auch der Knabe war blaß geworden., - Er hielt sie fest bei der Hand und lauschte. „Hörst Du, Berele?" wiederholte sie; ihre Stimme war nun so leise, wie das Lied des Abendwindes im Schilfrohr. . „Ichhöre . . . fürcht' Dich nicht, Taubele . . . ich höre ein wunderbares Spiel . . . Engel musizieren und-singen . . ." „Wo find sie? . . ." frug sie. - „Ich sehe sie nicht . . . Doch nein, . . . dort, siehst Du, dort hinter dem großen Tisch steht jetzt Einer. Siehst Du seine sechs Flügel. Mit zweien kam er geflogen, mit zweien bedeckt er die Beine, mit zweien das Gesicht ...... Sie doch wie schön er. ist . . . Und noch Einer steht jetzt dort. Ein älter Mann! Siehst Du ihn! Eliöh, der Profet ist.es ... . O sieh, der Engel nimmt ihn auf seine Arme, . . . . er breitet die Flügel aus .'. : Er flattert, er fliegt davon mit ihm, . . . Hörst Du das Rauschen ... . Taubele, Taubele ....!" „Berele, ich fürcht' mich." „Wenn er ihn nicht mehr wiederbringt, Taubele I . . . ." Handel und Verkehr. Produkten-Börfe. .Wien, den 11. September 1907. In der Berichtswoche war . das Geschäft am hiesigen Markt wenig belebt. Die ziemlich starke Haussebewegung des Weltmarktes fand im Inland demnach nur insoferne Wiederhall, als die Preise ihren ohnehin schon ftüher. erreichten Hochstand gut behauptet haben. Allerdings Konsum , und Handel haben zu den hohen Preisen kein Vertrauen.. Sie decken nur das Allernotwendigste. Dabei tritt am Wiener Platze die seltene Erscheinung zu tage, daß Budapest hier vielfach seine Einkäufe in slovakischen Waren besorgt, wahrend die Frage aus Böhmen, welche sonst den Markt sich mit eigenem Produkt versorgt. In Weizen blieben letztgemeldete Preise aufrecht. In Roggen, der guten Absatz findet und nur nach Bedarf offeriert wird, haben die Preise 3 Heller angezogen. . In Gerste ist das Geschäft nicht so lebhaft als die früheren Berichtsperioden erwarten ließen. Der Export favorisiert seine.Qualitäten die. wenig angeboren sind und hochgehalten .werden. Mittelsorten .greift der Jnlandskonsum zu-vollen Preisen auf- Geringere Ware liegt ruhig, obwohl sie mitunter billiger erlaffen wird. ■ Von Futterartikeln hat Mais normalen Absatz, die Preise sind gut behauptet. Hafer wird sowohl vom Handel als an den Aufliefemngsstationen weder reichlich noch dringlich offeriert. Preise stellen sich geg-n Vorwoche 5 Heller höher. Amtliche Notierungen per 80 kg. loko Wien. Weizen: Theiß ........ . 11.75 12.50 Slovakischer . . . . . . . . 10.90 11.45 Marchfelder und Niederösterr. . .11.— 11.30 Roggen: , Slovakischer . ..... .. . 9.85 10.10 Pester Boden . . . . . . . 9.80 10.05 Oesterreichischer . . i . 9.76 10.— Brenner, Futter- und Rollgerste. . . 7.75 8.50 Mais: Ungarischer . . . . . . . 7.20 7.45 Cinquantin . . . . . . 7.80 8.10 Hafer: Ungar. Ia m. Ausstich .... . 8.65 9.—; geringer Ausstich . . . . 8.35 8.50 Briefkasten. Wir bitte» dringendst Mannskriptpapiere nur einseitig zu beschreiben und auf genügende Frankierung der Briefe zu achten. Verbindung Wien: Die Notiz ^„Akademische Verbindung" in der Rubrik „Tribüne^ in Nr. 13 ist sicherlich nicht auf Sie gemünzt.- Bei der prononciert jüdischen Haltung Ihrer Verbindung ist dies von vornherein ausgeschtoffen. Außerdem wohnt der Einsender in der Bukowina ■— der Ortsname blieb aus Versehen weg — und hat sicherlich gar nicht an Sie gedacht. — Im klebrigen übernehmen wir für die Rubrik „Tribüne", wie schon der Name zeigt, nicht die volle Verantwortung. Herrn B. L. in Cz.: Sie haben Recht: Herr Dr. Schnierer ist nicht der, sondern ein Gründer, einer der drei Gründer der Wiener „Kadimah." Natürlich steht er dieser Fälschung durchaus ferne und verurteilt sie, wenn ihm das Blatt zu Gesichte gekommen sein sollte, sicherlich ebensosehr wie Sie und wir. Daß es sich aber um eine bewußte Fälschung handelt, ist zweifellos, und die Absicht des Fälschers ist durchsichtig. Nach^ Schluß des Blattes. Nicht nur in Odessa, auch in Lodz, Kischinew, Krementschng habe» große Pogroms stattgefnnden. «E" Die Redaktion lehnt die Verantwortung für Stilisierung «nd Inhalt der Inserate ab. "98 Pji T P NITP erwirkt und A I LN I L verwendet Ingenieur und Patentanwalt J. Knöpfelmaeher Telephon 22,132. Wien, ll., Praterstrasse 37. Wer' für die Erziehung der jüdischen Jugend Interesse hat, der abonniere und verbreite „Unsere Hoffnung“ MonatseMt für die reifere jüdische Jngend.. Ahonnementspreis halbjährig K 2.30. Einzelnummern zum Preise von 40 Hellern durch die Administration. Wien, ip, Scholzgasse 11. ——- P Lebensgrosse Porträts in anerkannt künstlerischer Ausführung zum Preise von fl. 4.50. — Photographische Aufnahmen in vollendeter Ausführung zu konkurrenzlosen Preisen ansgeführt ~ --: —___. 6 Vlslt. . . fl. 1.60 8 Kabinett . . . fl. 3.SO 12 „ ... „ 2.60 12 „ ... „ 5.60 Photograph E. Preiss, nur II. Tahorstrasse Sr. Ha. lilax Hesses Verlag, Leipzig. £<opoM Komperts sämtlrlerte in 10 Bänden. Mit 6 Bildnissen, 2 Abbildungen und; einem Stammbuchblatte als Handschriftprobe, sowie einer Einleitung von Dr. Stefan Hock. Broschiert Mk. 9.—. In 5 Leinend. Mk. 12. Geschenk-Ausgabe in Karton Mk 15._ Inhalt: Band I. Einleitung: Komperts Leben und Schaffen. Aus dem Ghetto. IL Böhmische Juden. III. Am Pflug. Eine Geschichte. IV. Neue Geschichten ans dem Ghetto. V. Geschichten einer Gasse. VI. und VII. Zwischen Ruinen. Roman. Zwei Teile. Vlll. Franzi und Heini Geschichte zweier Wiener Kinder. IX. Verstreute Geschichten. X. Kleine Schriften. ilnmnprtQ näintlloho Werks werden allen (\UIIipGi 13 denen willkommen sein, die sich an farbenprächtigen Schilderungen und Dichtungen eines Mannes von grossem und freiem Geist, der mit Recht den bedeutendsten Novellisten zugezählt wird, erfreuen wollen. ■ Ko mp er t steht nach dem Urteile hervorragender 'Literar-Historiker in der ersten Reihe jener Dichter, die die eigenartige Denk- und Lebensweise der böhmischen Jaden im vormärzlichea Ghetto dargestellt haben und dessen warmherzige, poesievolle und dabei objektive und lebenswahre Erzäblungsform sich begründetes Rechtauf die Bezeichnung „klassisch“ erworben hat — Der zehnte Band enthält Schriften, die in der früheren, längst vergriffenen Gesamt-Ausgabe fehlten und auch bisher noch Ungedruektes ans Komperts Nachlass. Line ausführliche Biographie aas der Feder von Dr. Stefan Hoek, Wien leitet das Werk ein. Schriften von Mai Hins Acher (Dr. Nathan Birnbaum). Nettere Schriften. Die jüdische Moderne, 1896. Erhältlich in der Redaktion der „Jüdischen Rundschau", Berlin, NW. Melanchthonstraße Nr. 4. Preis 30 Pfennig. Zwei Vorträge 1898. Erhältlich in der Redaktion der „Neuen Zeitung". Preis 40 Heller. Neuere Schriften. Henrik Ibsens „Drittes Reich". 1909. Erhältlich in der Redaktion der „Neuen Zeitung". Preis 60 Heller. Achad Haam. Ein Denker und Kämpfer der jüdischen Renaiffanre, 1903. Erhältlich im „Jüdischen Verlag", Köln, Ubierring 23, Preis 1 Mark. Das Stieilind der Sozialdemokraüe, 1905. Erhältlich bei E. W. Stern, Wien. Preis 60 Heller. Ostjüdische Aufgaben, 1905. ErhälÜich in der Redaktion der ..Neuen Zeitung" Preis 10 Heller. Außerdem: 3- L. «Perez. „Erzählungen", in deutscherUebersetzung. ErhälÜich im „Jüdischen Verlag" Köln, Ubierring, 23. Preis: Broschiert Mk. 3.—, Gebunden Mk. 4.—, Illustriert Mk. 7. —. » €ftemifdie»Fabrik Traub & Kraus Wien,!!., Pazmaniteng. 23. Erzeugung von Waehswaren und Lederkonservierungsartikeln .