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Neue Zeitung · 1907-09-06 · Heft 13 (6.9.1907) · p. Seite 7

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Journal
Neue Zeitung
Volume
1907
Issue
Heft 13 (6.9.1907)
Date
1907-09-06
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 12 Neue Zeitung Hände. Alle anderen aber, die Juden breiteten ^sehnsüchtig ihre Arme aus . . . Duft- und Ionströme flössen durch Jeruscholajim. Der. Geruch von Millionen ungepflückter und gepflückter Blumen, und wunderbare, uraltheilige und junge süße Melodien füllten-die Stadt. ° In den arabischen Stadtteilen empfing man die Delegierten, die aus aller. Welt zur arabischen Nationalversammlung, gekommen waren. In den jüdischen feierte Man das große Fest des^9. Abh. Scharen von Jünglingen und Mädchenin Hellen Gewändern zogen still durch die Straßen. Sie waren vom Berge des Hauses Gottes und vom Berge der Museen heruntergekommen und strebten dem großen Palmenwalde zu, der auf der anderen Seite Jeruscholajims lag. •*' Dort erreichte das Fest seinen Höhepunkt und Abschluß. Aus allen Teilen des Landes waren die Tondichter, die. Dichter, die Bildner, , die Darsteller, die Sänger gekommen, und vor den Augen, und Ohren allen Volkes wetteiferten sie inihrer Kunst.. Und Chöre traten auf und sangen und sagten von der Größe des Herrn, von den Helden des Volkes, von Heiligkeit und Liebe, von Freude und Leben. Und Reigentänze . wogten in feierlichen.Rythmen. Dann aber ging plötzlich ein Lachen durch's Volk, ein glückliches, fruchtbares Lachen. Und die Paare fanden sich in Reinheit und Schönheit. Wilde Leidenschaften pochten an dünnen Wänden, —mnd doch brachen die Wände nicht ein und die Leidenschaften wurden nicht zahm und schal. ... Chawe und der junge Salonikier schritten, sich an den Händen haltend, dahin. Nicht weit vor ihnen gingen Jermi Woldman und Lejser. „Es ist wirklich so wunderbar schön, wie ich es träumte," sagte Woldman. „Und doch! -Und doch! ..." Er versank in Grübeln. Lejser hätte gerne seinen Gedankengang gekannt, aber er wagte nicht zu fragen. Doch bald begann der Alte selbst wieder: „Ich meine, es ist zu viel Vergangenheit - in dieser Stadt, zu viel Schwere, zu viel Feierlichkeit. Mir ist, als müßte sie von Jahrzehnt zu x Jahrzehnt immer schwerer und feierlicher werden — bis sie schließlich in Heiligkeit und Schönheit zu Stein wird. -Sieh Dir nur diese jungen Leute an: Sie lachen und scherzen und kosen. Und wahrlich, jeder Hauch des Niedrigen ist ihnen fremd! Aber merkst-Du die Abendsonnenstimmung auf ihren Gesichtern? Wie von dem, was wir Humor nennen, nur mehr ein letzter Abschiedsrest ' um ihre Munowinkel spielt! Auf den Stirnen und in den Augen findest Du gar nichts mehr davon. ... Alles, was ich hier sehe, gemahnt mich an jene Phantasien, die manche Dichter von der verglimmenden Kultur der Menschen auf dem dereinst erkaltenden Erdball erzählen. . ." „Wenn ich nicht irre," sagte Lejser, „hast du aber schon einmal über unser ganzes - Volk. Aehnliches gesagt. Von einer Schlummerlust sprachst Du. . ." - „Gewiß, gewiß, liebes Kind.. Ich sagte so etwas. Aber ich weiß jetzt auch, woher sie kommt, die leise Schlummerlust. Aus diesem heiligen Lande kommt sie, aus den unendlichen Vergangenheitsschätzen, die es birgt. Und ich weiß nun, daß sie keine dauernde Gefahr für uns Ist, weil trotz allem und allem in unseren Seelen der jagende Sturm wohnt. Gefahr ist -sie nur hier. Und auch hier imWrunde nicht, weil doch wieder unser westliches Leben hieherströmt. .Man fühlt den Atem Jeruscholajims. in Mojschestodt und Wilna, aber auch den Atem Mojschestodts und Wilnas in Jeruscholajim ..." , Er hatte die letzten Worte ziemlich laut gesprochen. Eine Gesellschaft kam ihnen gerade .entgegen: Männer und Frauen in dunklen Gewändern. Sie gingen. im Halbkreis um ^inen Mann, der sie alle überragte. Er mochte fünfzig Jahre sein, sein Körper war voll Wucht und / Stärke, sein Antlitz voll Leid und Gedanken. Und' der Mann sah mit scharfen Blicken "auf . Woldman. . „Nur Jermi Woldman kannst Du sein, daß Du also sprichst," sagte er. „Der bin ich. Und Du bist wohl Zidkiahu Ribbon, der .' . ." *- Er wollte sagen, „der große Profet, wie man dich nennt." Aber er sprach die Worte _ „Ja, ich bin Zidkiahu Ribbon, den der Herr gesendet hat, seinem Volke die Wahrheit zu predigen." „Und was ist deine Wahrheit?" „Ich sage es Dir in einem Worte." , „Und dieses Wort.?" „Ist: Wahrheit! . . . Ihr habet die Wahrheit vergeflen. Ihr lebet , in Schönheit und Schönheit ist Schein und Schein ist Lüge. Der Dust der Blume lügt, der Wohlklang des Sanges lügt, die Anmut des Weibes lügt, die Zedernpracht des Libanon lügt. Schönheit ist die Tochter der Verwesung und ihre Mutter zugleich. Seht, wie Ihr herabgekommen seid bei Eurer Schönheit! Wo ist ein volllachender Mund unter Euch! Wo ein Tränenflut, ttef wie das Meer? Wo ein Zorn, aus dem Gott spricht? Wo eine Liebe, die das Weltall küßt? Welke Blätter seid Ihr geworden auf den Bäumen des Lebens! Und nun ist Euer Schicksal in Eurer Hand — ob Ihr abfallen oder wieder ergrünen wollt . . ." Zidkiahu Ribbon schwieg. Und nach seiner Rede klang es wie ein fernes Echo durch den Palmenwald. „Verzeih' mir" — sagte Woldman ttef bewegt: „Ich dachte klein von Dir und tat Dir Unrecht. Dieses Landes Genius spricht aus Dir ... Und doch wehe, wehe über Euch und uns, wenn Deine Wahrheit Wahrheit werden sollte . . ." „Hast du eine andere,.Jermi? Hat etwa Gott Dir eine andere verkündet?" „Wir verstehen die Wahrheit Gottes verschieden, Zidkiahu . . . Lebe wohl!" „Lebe wohl!" Und die beiden großen Männer Israels gingen aneinander vorüber ... * * * (Schluß folgt.) Handel und Verkehr. Produkten-Börse. Wien, den 4. September 1907. Seit der Vorwoche hat sich das Geschäft wohl ein wenig gebessert, die Preise von Weizen erfuhren aber eine Abschwächung von .10 h weil das Angebot doch etwas kräftiger hervortrat. Zu großen Transaktionen sehtt aber jegliche Arregung, denn auch der dieser Tage publizierte Wettmarklbericht des Ungar Ackerbauministeriums konstatiert daß die Versorgung des Weltmarktes in der neuen Campagne ohne . Schwierigkeiten vor sich gehen dürste. Roggen wird fortgesetzt gut begehtt. Der hohe Preisstand lockt jedoch kräftiger das Material hervor und zeigte sich hiebei, daß die Eigner zu kleinem Entgegenkommen nicht abgeneigt sind. Die Nachläße betragen mitunter 5—10 h. ' Gerste hat flottes Geschäft. Feine Ware erzielte beste Preise, aber auch Miüware wird schlank aufgenommgp. Von Futterartikeln hat Mais infolge der günstigen Witterung 10 h eingebüßt. Der Absatz ist schwach. Hafer tendiert entschieden flau. Das Angebot wird immer reichlicher. Reflektanten hatten aber mtt den Ankauf zurück. Gegen Vorwoche ist hierin 15 H. billiger anzukommen. Amtliche Notierungen per 50 kg. loko Wien. K h K h Weizen: Theiß . ... . . . . . 11.95 12.50 Slovakischer . . ,. . 10.85 11.40 Marchfeloer und Niederöfterr. . . 11.— li:30 Roggen: Slovakischer . . . . . . . . 9.85 10.05 Pester Boden . . > ... . 9.90 10.10 Oesterreichischer . ... . . . 9.70 , 9.95 G e r st e: Brenner, Futter- und Rollgerste. . 7.75 8.35 Mais: . Ungarischer . .. . 7.20 7.40 Cinquantin ....... . 7.85 3.15 Hafer: Ungar. Ia m. Ausstich . - . . . 8.60 9 — geringer Aussttch . . . . 8.40 8.60 W Die Redaktion lehnt die Verantwortung für Stilisierung und Inhalt der Inserate ab. " 'Cd? übermittle allen meinen freunden, verwandten und Bekannten auf diesem Mege die herzlichsten Glückwünsche anläßlich des Jahreswechsels. . Ir. Rcha MM» Dem jungen Ehepaare Keiscli-Hauchwerger in Storozynetz viele Grüsse und besten Dank für die unserem. Vereine gespendeten 7 Kronen. Von den Mitgliedern des Vereines „HADASSA“ in Sadagora. Anläßlich des Jahreswechsels beglückwünscht herzlichst alle verwandte nnd Bekannte - Josef Neuinann, in Biwollerie. UWer - für die Erziehung der jüdischen Jugend mm Interesse hat, der abonnieret, und verbreite „Unsere jftokknung" MonatscMt für die reifere jüdische Jngend. Abonnementspreis halbjährig K 2.30. Einzelnummern zum Preise von 40 Hellern durch die Administration. LeHenRgrosse Porträts in anerkannt künstlerischer Ansfühi u»g zum Preise von fl. 4.30. — Photographische Aufnahmen in vollendeter Ausführung zu konkurrenzlosen Preisen ansgefnhrt. - ■ — S Vlait ... fl 1.80 6 Kabinett... fl. 3.60 12 » ... 2.60 f 12 .. . . . „ 5.60 Photograph E, Preiss, nur II. Taborstrasse Nr. 11a. P c&x&oooooooooacoooooa nron raia rw'? Jüdische KenjahrsHarten.! Beste Bezugsquelle für Grossisten und Wiedenierkäufer | Bibel» und Zicn>Serien, Palästina- < Ansichten, Jüdische Volkstypen. | in Gold, Autotypie und Lichtdruck. i ■ Jux-Biliet sowie Postkarten. ■ i Grosse Auswahl! Billigste Preise!!! 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