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Neue Zeitung · 1907-08-30 · Heft 12 (30.8.1907) · page 1

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Journal
Neue Zeitung
Volume
1907
Issue
Heft 12 (30.8.1907)
Date
1907-08-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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NEUE ZEITUNG gtMtian nnli äbnnnijhation: - Wien, 11/3, HaasgassE B. Sprechstunden täglich außer , Uilabhilngigc jüdische Wochenschrift. In Oesterreich-Ungarn Ganzjähr K 8 -, halbj. K 4 — Erscheint jeden Freitag vierteljähr. K. 2. - Im Au Stand: Ganzjähr. K 11.-halbj. K 5^50 Herausgeber und Chefredakteur: Dr. Nathan Birnbaum. Mren, Hrertag, den 30. August $07. 2. Jahrgang. hat von den Jahren moussierenden Ueberschwangs nur eine gewisie Großzügigkeit ge» lernt, die ihr sehr zu statten kommen wird. Wenn sich die Palästinabewegung auf der Linie weiter entwickelt, auf die sie auf dem eben verflosienen Kongresse so entschieden ge» raten ist, dann dürste , dies sowohl für ihr spezielles Werk , als für das Judentum im Allgemeinen nur zum Guten ausschlagen. Es wird wieder mehr Gleichgewicht, mehr Harmonie, mehr gegenseitige Toleranz, mehr Arbeitsteilung und Sachlichkeit, mehr wirklicher Horizont, mehr Mannigfaltigkeit in die jüdische Gesammtbewegung kommen. In diesem Sinne beglückwünschen wir die Teilnehmer des achten: Zionistenkongreffes zu dessen Ergebnissen. Nationale Autonomie. IV*) Es ist selbstverständlich, daß auch die geduldige Darlegung des Sachverhaltes, die entgegenkommende Aufklärung, die wir als genügend betrachteten, um die Gegner aus Mißverständnis zu überzeugen — organisiert sein muß. Hie und da ein Zeitungsartikel oder gar ein Buch, worin die „nationale Autonomie" dargestellt empfohlen wird — das kann auf die Dauer nicht genügen. Die Gleichgesinnten müssen gesucht und gesammelt werden, müssen als taktische Einheit austreten und werben. Gerade dies ist, von einem schwachen, verfehlt eingeleiteten und dann viel zu schnell aüfgegebenen Versuche abgesehen, bisher nicht *) I, II und III in Nr. 8, 9 und 10. geschehen. Es gibt keine einzige Vereinigung, keine einzige Zeitung, die sich speziell damit beschäftigte, die Idee der nationalen Autonomie unter den verschiedenen Völkern, Klassen und Parteien Oesterreichs zu verbreiten. Mit welchem Recht soll man Fortschritte dieser Idee erwarten dürfen, wenn die bequemsten Mittel jeder propagandistischen Tätigkeit nicht angewendet werden, wenn vor allem keine werbende Körperschaft gegründet wird? Und dabei darf man nicht vergessen, daß von der Werbung bis zum Kampf nur ein Schritt ist, daß sich eine wachsende Organisation bald als Machtfaktor fühlt und fühlen darf, der unter Umständen nicht nur mit den Begriffsstützigen sondern auch einigermaßen mit den Böswilligen und Angstvollen fertig werden muß. Wohl find wir noch nicht so weit. Wir haben überhaupt noch keine Organisatton und dürfen daher die Zeit, wo sie Machtfaktor geworden sein wird, nicht einfach eskomptteren. Und selbst wenn als eine besondere, neben der allgemeinen einher- oder besser ihr vorausgehende Organisation ein Zusammenschluß aller auf dem Standpunkt der nationalen Autonomie stehenden Parlamentarier erfolgt — so kann auch diese parlamentarische Gruppe anfänglich gewiß noch kein Machtfaktor sein. Wer immerhin darf man solche Vereinigungen, wenn sie nur mit dem nötigen Geschick in die Welt eingeführt werden, als eines der wirksamsten Mittel auch zur Einschüchterung der Böswilligen und zur 'Beruhigung der Angstvollen in Rechnung stellen. Denn den interessierten Feinden der nationalen Autonomie erwächst doch eigenttich erst dann ein von ihnen ernst nehmender Gegner. Und für die in “ ' : ernst zu Oesterreich Nr. \2. Zur Beachtung! Wir bitten diejenigen Abonnenten, die mit dem Prännmerationsbetrage im Rückstände sind, sowie die Besteller, welche ihn überhaupt noch nicht erlegt haben, den betreffende» Betrag gutigst umgehend mittelst Erlagscheines oder Postanweisung zu übermitteln, damit wir in der weiteren Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintreten lasse» müssen. Die Administration der ,Menen Zeitung" Nach dem achten Ziomsteilkongreffe. Der achte Zionistenkongreß ist zu Ende. Er ist diesmal verhältnismäßig ^ruhig, man kann sogar sägen, ein wenig trocken verlaufen. Vielleicht ist das ein günstiges Omen,' — umsomehr, als sich trotz, dieses verhältnismäßig stillen. Verlaufes Unbemerkt ein großes Stück geschichtliche Entscheidung auf ihm abgespielt hat. Es kann nicht geleugnet werden — und der.Umstand, daß die russischen Zionisten .mit ihren mehr realkolonisatorischen Neigungen im engern Aktionskomitee nicht vertreten sind, ändert nichts an der Tatsache, — daß diese ■ Neigungen gesiegt haben. Die: altegeduldig aber stetig arbeitende „Liebe, zu Zion" kommt immer mehr und mehr wieder hervor, — und Nach tausend Jahren. Aus dem Entwurf zu' einem jüdischen Roman. Von Mathias Ach er. (Fortsetzung.) . „Eine sehr große Stadt in Sicht I" rief Chawe, die in südöstlicher Richtung hinabblickte. Der Alte und Lejser folgten den Blicken des Mädchens. - „Das ist ja schon Wien", sagte Woldman. . „Wir fliegen mit rasender Geschwindigkeit. Bald ^werden wir über der Stadt sein '. ... . Da find wir!" - Das Luftschiff begann sich sachte zu senken . „Man nennt es die schönste Stadt Europa's", fuhr der alte Mann fort. „Ich möchte sie jedenfalls die amerikanischeste nennen, weil sie sich Geschichte bewahrt hat. Da . sind z. B. die beiden hohen gothischen Türme: Der Stefansdom! Er steht schon sechzehn oder'siebzehn Jahrhunderte und vor sieben wurde er eine der' ersten Stätten der Deutschtumkirche. Jetzt ist er ihr ältester und berühmtester Dom." Inzwischen hatte das Luftschiff seine Landungsmanöver vollendet, es legte Ult ' großen Lustschiffhofe.im Norden der Stadt an. „Villen—Wien" rief der Schaffner. . . Ein Teil der Fahrgäste . stieg aus, darunter unsere drei, amerikanischen Gäste. ' „Ein kleiner- Spaziergang wird uns nach ' mehrstündiger. Luftfahrt nur gut tun, nicht wahr?" meinte der Alte.. Die jungen Leute waren's zufrieden. Sie gingen zuerst durch einen tschechischen Stadtteil. Da war'S wie im tschechischen Viertel in Chicago, nur noch wett ausgesprochener. Eine schwere Stimmung lagerte über den Straßen und Parks. Sie ging offenbar von den Menschen selbst aus, von diesen Leuten, hinter deren funkelnden Blicken etwas wie ein Suchen nach ttefen Geheimnissen des eigenen Wesens lag. Dieser Sttmmung entsprach auch das Nationalhaus der Tschechen, an dem sie vorbeikamen : dunkelrot, figurenreiche und doch mächtig und finster wirkende Mauern und Tore, fünf kegelähnliche goldgleißende Kuppeln, von welchen die mittlere dreimal so hoch und so groß ist als die anderen. Woldman sah, wie die jungen Leute das großartige Gebäude anstaunten, und sagte: „Ihr müsset wissen, Wien ist. die größte Tschechenanfiedlung der Wett. So viel mir bekannt ist, bewohnen sie hier zwanzig von den vierzig Stadtteilen fast ausschließlich. In fünf bllden sie eine überwiegende Mehrheit. in wetteren fünf eine immerhin noch beträchtliche Minderheit..." : Sie gingen weiter. Nach einigen Minuten begann sich ein Neues im Straßenbild fühlbar zu machen. In die ausbruchdrohende Schwerblütigkeit der Slaven mischte sich immer mehr und mehr der kühle, lauernde Gleichmut der Japaner. Zuletzt trat das flavische Element ganz zurück, sie waren im japanischen Viertel.' Das' zeigten ihnen zum Ueberfluffe. auch die Straßentafeln, die hier außer der deutschen und tschechischen Inschrift auch nocheine japanische trugen. „Der westlichste japanische Kulturposten auf europäischer Erde", belehrte der Alle wieder. „Wir Weißen haben es wahrlich nicht zu bedauern, daß sie herüber gekommen sind. In so manchem Großen und Schönen find sie unsere Lehrmeister gewesen, diese Chino-Japanen, wie mir die ihrigen in anderen Beziehungen . . ." Doch die jungen Leute hörten kaum zu; so fesselte sie, was sie zn sehen bekamen: diese starken und behenden Menschen, deren Schlitzaugen so verschlagen zu blicken, aber, wenn es junge Mädchen waren, auch so süß zu schmachten vermochten; diese farbenprächtigen Gärten, zwischen welchen die Häuser schier ertranken; dieje Häuser selbst in ihrer sonnigen sorglosen Niedlichkett; die heiteren Ahnentempel; die zierlichen und doch so stolzen Museen .... Und wieder ein neuer Einschlag, ein neuer Uebergang! Die gelbe Farbe machte allmälig wieder der weißen Platz. Die ausgeglichene Seelenruhe des behenden Japaners wich Schritt für Schritt der nervösen Beweglichkeit der Juden. Einige hundert Schritte noch, unddie kleine Reisegesellschaft war mitten drin in dem Gewoge jüdischen Lebens mtt seinen tausenden Winzigketten und seinem erhabenen Pathos. „Nicht wahr?" sagte Woldman, auf eine Straßentafel weisend, die hier außer der deutschen und tschechischen Auffchrift noch eine jüdische trug, „es hätte gar nicht dieser Tafel bedurft, damit wir wissen, wo wir find?"

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