Neue Zeitung
- Journal
- Neue Zeitung
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 11 (23.8.1907)
- Date
- 1907-08-23
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 Neue Zeitung Seite 7 beginnt hebräisch zu sprechen. Einige palästinensiche Juden rufen: „Er spricht nicht zur Sache"! Doch darf er weiter reden. Freitag, 16. August. Prof. Dr. Otto Marburg, von stürmischem Beifall begrüßt, erstattet den Bericht über die Tätigkeit der Palästinakommission. Zwar hätte die Kommission ihre Aufgabe nicht in dem wünschenswerten Umfange durchführen können, doch hätte sie verschiedene größere Arbeiten in Angriff genommen. Der Bericht zählt u. A. auf: Die Untersuchung der Umgebung des toten Meeres, im Jahre 1904 durch Prof. Dr. Blankenhörn in Verbindung mit dem Agronomen Aronsohn; die Anfertigung einer Karte der Liegenschaften Palästinas von Ingenieur Tr eitel; der wöchentliche akademische Palästinakurs des Dr. S o s k i n im Winter 1905/6; Das vortreffliche Palästina-Handbuch von Davis Trietsch, dessen erster Teil schon erschienen ist; der vierte Jahrgang der Monatsschrift „Altneuland" jetzt unter dem Namen „Palästina"; die Kunstgewerbeschule „Bezalal", die recht erfreuliche Fortschritte macht; . der Pflanzungsverein „Palästina" und das Palästinaindustriesyndikat, die ins Leben gerufen wurden. Endlich verlangt der Bericht eine Neuorganisation der Palästinaarbeit. — Der höchstinteressante Bericht wurde mit nicht endenwollenden .Beifall ausgenommen. Hierauf erstattete der Vorsitzende des Direktoriums des Nationalfonds, Herr Dr. Bodenheimer, seinen Bericht. Der Fond verfügt zur Zeit über ein Vermögen von ca. 1.25 Millionen Frs. in baar und ca. V* Million Frs. in Landbesitz. Lebhafter Beifall lohnte das einstündige Referat. Hierauf wurde die Sitzung geschlossen. Sonntag, den 18. August. Eine stürmische Sitzung. Man verhandelte über die Bankinstitute der zionistischen Bewegung. Dr. N. Katzenels o h n, der Präsident der jüdischen Kolonialbank gibt einen Ueberblick über die Entwicklung dieser Bank und erwähnt ihren hervorragenden Einfluß in Palästina. Hierauf verliest er den Bericht über die Bank, in welchem er u. A. mit Rücksicht auf die Vorwürfe erklärt, daß man der Bank aufgetragen habe, 100.000 Rubel zum Ankauf der jüdisch-englischen Zeitung „Jewish Chronicle" zu leihen. Er gibt weiters der Hoffnung Ausdruck, daß jene die den Prozeß wegen der Aenderung der Bankstatuten angefangen haben ' (Zangwill und seine territorialistischen Anhänger) ihn verlieren werden. Herr Rosenbaum (Minsk) kritisiert in einer scharfen Rede die Londoner Bankdirektoren, und der Londoner Bankdirektor Herr Cowen greift das Zionistische Zentralhureau in Köln an. Die Stimmung ist sehr gereizt. Dr. Schmarjuhu Lewin (Wilna) von einer längeren Reise aus Palästina zurückgekehrt, erstattet ein Referat über nationale Erziehung in Palästina. Die bisherigen jüdischen Unterrichtsanstalten hätten ihrer Aufgabe nicht genügt. Ein anderes Bild böten die jüdischen Kolonien, wo die Unterrichtssprache die hebräische sei. Doch fehle es an einer Organisation. Es existieren z. B. nicht einmal hebräische Lehrbücher. Dem ausgezeichneten Referate folgte stürmischer Beifall. Hierauf sprach N. S o k o l o w über Nationalerziehung in der Diaspora und stellte den Antrag, die hebräische Sprache als offizielle Sprache der zionistischen Bewegung einzusühren. Königin Wilhelmine hat dem Kongreß für die ihr dargebrachte Huldigung telegraphisch ihren herzlichsten Dank aussprechen lassen. Das offizielle Journal der Friedenskonferenz begrüßte den Kongreß mit warmen Worten. —t. Montag, den 19. August. Ihre» Höhepunkt erreichten die Debatten in der Sitzung am Montag, in der die Palästinafragen zur Diskussion standen. Den Beginn machte der Referent des Palästinaausschusses, Böhm, der die Anträge des Ausschusses in längerer Rede beanständete. Danach soll innerhalb der Leitung ein besonderes Palästinaressort geschaffen werden, dem ein in Palästina befindliches aus besoldeten Beamten bestehendes Palästinaamt unterstellt werden soll 25% . sämtlicher Einnahmen der Organisation sollen diesem Palästinaressort zur Verfügun gestellt werden. Das Palästinaressort und das Direktorium der jüdischen Kolonialbank sollen beauftragt werden, umgehend ein Institut für ländlichen und städtischen Bodenkredit in Palästina zu schaffen. Ein weiterer Antag beauftragt das Palästinaressort, die Frage der Siedelungsgenossenschaft in Palästina zu studieren und den palästinensischen Bildungsanstalten seine besondere Aufmerksamkeit zu zuwenden und zu trachten, für deren Zwecke einen besonderen Fond zu schaffen. Der erste Diskussionsredner Herr Cowen ans London, betonte mit Nachdruck den politischen Charakter der Bewegung, die nicht zu einer Wohltätigkeitsgesellschaft für praktische Kleinarbeit in Palästina herabsiuken dürfe. Wir dürfen die Einwanderung nach Palästina nicht ermuntern, solange wir nicht die öffentlich rechtlichen Sicherheiten haben, deren Erlangung der eigentliche Zweck unserer Bewegung ist. Dagegen müssen wir mit Nachdruck für die kulturelle Hebung der schon in Palästina befindlichen Volksgenossen Sorge tragen. Davis Trietsch, Jaffa vertrat in eindrucksvoller Rede den Standpunkt, daß praktische Arbeit in Palästina die Vorbedingung der Erlangung politischer Rechte sei. Gegenüber der Behauptung der Gegenseite, daß die sogenannten praktischen Zionisten von der politischen Arbeit d ..s Zionismus nicht-viel wissen wollten, vertrat er die Meinung, daß gerade von der anderen Seite die politischen Möglichkeiten nicht genügend erkannt und ausgenutzt worden wären. Der letzte Redner der Vormittagssttzung, Rev. Gaster, erklärte, daß ein prinzipieller Gegensatz zwischen praktischen und politischen Zionismus weder bestehe noch zu bestehen brauche. In der Nachmittagssitzung hielt Oberrabbiner Dr. Ehrenpreis, Sofia ein Referat über Fragen der nationalen Erziehung in der Diaspora. Er verlangte, daß insbesondere die jüdischen Lehrer mehr national beeinflußt würoen, um die Erziehung der Jugend in diesem Sinne zu leiten. Hierauf wurde zur Wahl von neun Generalredner für die Palästinadebatte geschritten. Der erste Generalredner, S ch e i n k i n, Jaffa, verlangte im Namen der palästinensischen Zionisten und Juden eine lebhafte Anteilnahme des Zionismus an der jüdischen Erschließung Palästinas. Aber unsere Arbeiten müssen wirklich praktische sein und dürfen nicht vom grünen Tische aus geleitet werden. Es ist unbedingt notwendig, daß unsere Führer und die wohlhabenden Zionisten sich materiell an der Ausschließung Palästinas beteiligen, sonst kann das Volk kein Vertrauen zu ihnen haben. . Reichsrats-Abgeordneter Dr. Mahler sprach namens der mehr politischen Richtung. Wir dürfen die Ideen des Herzls, daß die Judeuftage nur politisch zu lösen ist, nicht aufgeben. Es gibt keinen Gegensatz zwischen praktischer Arbeit und polltischem Zionismus, wenn die Arbeit wirklich praktisch und der Zionismus wirklich politisch ist. Reichsrats-Abgeordneter Dr. Stand: Der praktische Zionismus ist das Mittel und der politische der Zweck. Wir werden zum politischen Zionismus nur kommen, wenn wir das Mittel des praktischen Zionismus anwenden. Praktischer Zionismus ist das primäre, der politische das sekundäre. Ohne praktische Arbeit wird die Bewegung zurückgehen. Dr. Mozkin: Niemals hat der politische Zionismus versprochen, daß er sein Ziel in, den nächsten Tagen erreichen könne. Wir dürfen die große Idee des politischen Zionismus, die allein das Neue und Gewaltige unserer Bewegung darstellt, nicht aufgeben, weil wir ungeduldig werden. Wir dürfen unsere realen Machtfaktoren, Nationalfond und Bank, nicht aus den Händen geben, um praktische Arbeit zu treiben. Dr. Marmorek, Paris: Wir müssen große Politik treiben. Die einzige Rettung des Judentums ist der politische Zionismus. Dr. Weizmann,Manchester:Allerdings wenn das jüdische Volk will, werden wir den Charter haben. Solange das jüdische Volk aber nicht will, müssen wir seinen Willen wachrufen und das werden wir nicht erreichen, wenn wir ihnen nur sagen, wir können den Charter erlangen. Der politische Zionismus muß eine Synthese zwischen ptaktischer Arbeit in Palästina und den Bemühungen darstellen, die Judenfrage zu einer internationalen zu machen. Die mit großem Ernst geführte Debatte wurde vom Kongresse mit lebhafter Anteilnahme verfolgt. Handel und Verkehr. Produkten-Börse. Wien, den 21. August 1907. Der Geschäftsverkehr am Brotfrüchtenmarkte, insbesonders was Roggen anbelangt, wickelt sich recht flott ab. Die Tendenz dieses Artikels ist fest behauptet und werden die höher geforderten Preise bewilligt, da Deckungsfrage befriedigt werden mußte. Anders liegt die Situation in Weizen, dessen Tendenz der Mattigkeit zuneigt. Die Preise hierin erfuhren gegen die Vorwoche eine Ermäßigung von 20 bis 25 Heller; Gerste ist in der Betriebswoche sehr stark p Allsgebote gelangt und werden hierfür hohe Preise gefordert, die der Konsum bewilligt. Ter Export, dessen Bedarf teilweise schon gedeckt ist, verhält sich reservierter, da vermutet wird, daß in einem späteren Zeitpunkte billiger anzukommen sein wird. Fuüerarttkeln neigten zur Flauheit. Mais hat seit der Vorwoche 10 Heller, Hafer 10—15 Heller abgegeben, ohne daß die Kauflust angeregt worden Amtliche Notierungen per 80 kg. loko Wien. K h Kh Weizen: Theiß.11.80 12.45 Slovakischer.10.95 11.50 Marchfelder und Niederösterr. . . 11.15 11.50 Roggen: Slovakischer. 9.35 9.55 Pester Boden. 9.45 9.65 Oesterreichischer. 9.30 9.55 Gerste: Brenner, Futter- und Rollgerste. . —.— — Mais: Ungarischer. 7.20 7.40 Cinquantin. 7.80 8.10 Ungar. Ia nt. Ausstich. 8.65 9.15 „ geringer Ausstich .... 8.50 8.75 P ATFNTF erwirktund I Ei 11 I E verwendet Ingenieur und Patentanwalt J. Knöpfelmaeher Telephon 22.132. Vien, 11, Praterstrasse 37. Wer für die Erziehung der jüdischen Jugend Interesse hat, der abonniere und verbreite „Unsere Hoffnung“ Monatselirift für die reifere jüdische Jagend. Abonnementspreis halbjährig K 9.30. Einzelnummern zum Preise von 40 Hellern durch die Administration. -Wien, ll|3, Scholzgasse 11.- || * I | in deutscher und ungarischer UntBrPICllt ^p^'he, in Volks- und Bürgerechulgegenständen erteilt sowie Ueberseiznngen besorgt billig t und korrekt Wien, IX., Rothe Löwengasse Nr. 9 Hochschüler mit Gymnasialmatura sucht Landposten.. Unterrichtet auch polnisch und ruthenisch. Geht auch nach Galizien. Gefl. Anträge unter Landposten Czernowitz, Poste restante. ' laron raia rw1? * Jüdisch« MjshrHrrtrn. j Beste Bezugsquelle für Grossisten und Wiederverkäufe! i Bibel- und Zicn-Serien, Palästinaj Ansichten, Jüdische Volkstypen. in Gold, Autotypie und Lichtdruck. ■ Jux-Billet sowie Postkarten. ■ ' Grosse Auswahl! Billigste Preise!! 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