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Neue Zeitung · 1907-08-09 · Heft 9 (9.8.1907) · p. Seite 7

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Journal
Neue Zeitung
Volume
1907
Issue
Heft 9 (9.8.1907)
Date
1907-08-09
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 9 NeueZeitung ungeschwächt die alte Ordnung herrschen und die gewährte Freiheit, nur auf dem Papiere existieren. Nuchem sah ihn stehen, dort auf der Straße, non Polizei und Militär umgeben, die ganze Stadt herausfordernd, ein schöner Mann, den die Frauen haßten und liebten zugleich, den sie, von Liebe und von Furcht beseelt am Nachmittag an dieser Stätte der Erniedrigung zu sehen, giengen. Und Nuchem blickte wieder nach der Wanduhr deren Zeiger langsam aber stetig vorwärts rückten. Es war als hätten alle drei das gleiche gedacht, denn Rahel stöhnte die Hände ringend: „Du wirst ihm nichts tun, und nur unschuldige Menschen töten, die Dir fluchen werden statt Dich zu segnen." Baruch dachte eine Weile nach, dann sagte er: „Es geht nicht anders. Wir haben lang genug deshalb beratschlagt. Ec ist durchtrieben und weiß ganz genau, daß ihn die Menge gleichsam, unwillkürlich, mit ihren Leibern schützt. Unwillkürlich schützt, sagte ich? Nein, die sagen schon selbst, nur keine Rücksicht nehmen. Mutter, die Menschen werden deinem Sohne nicht fluchen, werden ihn segnen. Opfer müffen fallen und . . . ,wenn man zum Aeßersten entschlossen ist, vielleicht gelingt es zu verhüten, daß mehr fallen als notwendig ist." Die alte Rahel hatte aufgehörtzu weinen und starrte ihren Sohn an, als wäre er ein Phänomen, daß jeden Augenblick im Nebel zerfließen könnte. Sie erinnerte sich eines Buches über das Verhältnis zwischen Kind und Eltern, das er einst nachhaus' gebracht, und einer Stelle drinnen wo ein Vater schrieb: „Mein Kind ist meine Unsterblichkeit". Und da Rahel ihren Sohn betrachtete da dachte sie, daß nun ein höherer Wille sie ihrer Unsterblichkeit beraube. Ach, sie hatte ja noch andere, jüngere Kinder, und hatte stets geglaubt, daß sie, sie gleich tief liebe. Nun kam es ihr zum Bewußtsein, daß sie den Erstgebornen doch am meisten liebte, weil er so schön, so gut gewesen, den kargen Lohn mit seinen Eltern stets geteilt, weil er an die Geschwister dachte, und obgleich Revolutionär die Liebe und die Pflichten den Seinen gegenüber nie vergessen hatte. Sie sah ihn an und im Geiste wiederholte sie: „Du meine Unsterblichkest". Und der Sohn schaut sie an, als könnte er ihr die Gedanken vom Gesichte ablesen. Aber schon ist er gerüstet zu der grausigen Tat, trägt im Mantel, im Hute jene schreckliche Maschine, er wird gehen — ob in die Unsterblichkeit? In diesem Augenblicke streckte Baruch die Hände nach ihr aus und flüsterte: „Mutter, segne mich auf diesen Weg . . ." Da erhebt sich die ' Mutter und sich rasch die Wangen trocknend, lächelt sie seltsam glückselig. Der Sohn nähert sich ihr feierlich, sie drücken sich die Hände und küssen sich. Leise lispelt die Mutter zärtliche Worte und der alte Nuchem beginnt, die Hände auf das gebeugte Haupt des Sohnes legend einen hebräischen Segensspruch. Er bringt ihn nicht zu Ende. Thränen würgen ihn und Rahel sinkt zu Füßen ihres Sohnes dessen Hände sie mit Küssen bedeckt. Da küßt Baruch sie rasch auf die Stirne drückt das Haupt des Vaters an seine Brust und lispelt: „Lebet wohl". Er wirst noch einen Blick auf die Wanduhr, dann eilte er hastig von dannen. (Schluß folgt). Handel und Verkehr. . Pro d ukteu-Bö rse. Wien, den 7. August 1907. Die neue Kampagne entwickelt sich heuer, unter eigentümlichen Verhältnissen. Niegends in der ganzen Welt sind die Dreschergebnisse hinter Erwartungen zurückgeblieben. Allerdings waren diese infolge der pessimistischen Saatenstandsberichte nirgends besonders hochgespannt Gleichwohl mittel- und schwache Mittelergebniffe wurden zumeist. etngeheimst und obwohl diese Ergebnisse vorausgesehen und in den Preisen längst kalkuliert wurden, halten Eigner jetzt — unmittelbar nach dem Schnitte auf noch höhere Preise. Vom dringendsten Bedarf werden diese wohl bewilligt, die Unternehmungslust dadurch aber beeinträchtigt. Reflektanten — der Handel und Konsum — haben kein Vertrauen zn den Preisen und warten zu bis der Geldbedarf der Produzenten die Zufuhren und Operten zu Markte drängt. Tendenz fest Weizen und Korn haben sich im Wochenlauf um 10 h verteuert. In Gerste find die Forderungen ebenfalls hochgespannt, demnach bekundet der Export Interesse und bewilligt für seine Qualitäten beste Preise. An Mustern fehlt es nicht mehr. Die Qualitäten sind im allgemeinen schön. Insbesondere von Mähren, Oesterreich, von der Slowakei und Oberungarn. Die größte Werterhöhung hat in dieser Wöche der Artikel Mais erfahren 25 h. Die Spekulation favorisiert diesen Arttkel, weil er noch immer der billigste. Futterstoff ist nur weil sich derzeit Weizen infolge seiner hohen Preise zum Spekulationsobjekt nicht eignet. Hafer wird in neuer Ware bemustert findet aber noch wenig Beachtung. Bei knappen Restbestäufen alten Produkts haben die Preise 10 li angezogen. Amtliche Notierungen per 50 kg. loko Wien. Theiß.. 11.90 12.60 Slovakischer.11.15 11.75 Marchfelder und Niederösterr. . . 11.15 11.50 Roggen: Slovakischer. 9.05 9.25 Pester Boden.9.10 9.30 Oesterreichischer.9.— 9.25 Gerste: Brenner, Futter- und Rollgerste. . —.— —.— Ungarischer. 7.25 7.45 Cinquantin . . .. 7.75 7.05 Hafer: Ungar. Ia m. Ausstich. 8.75 9.25 „ geringer Ausstich . . . . 8.60 8.85 Die Redaktion lehnt die Der antwortnng für Stilisierung und Inhalt der Inserate ab. ATFNTF erwirkUnd ft I tä I s I t verwendet Ingenieur und Patentanwalt J. Knöpfelmacher Telephon 22.132._Wien, II., Pratarstrasae 37. Schriften non Mathias Mer (Dr. Nathan Birnbaum). Aeltere Schriften. Die jüdische Moderne, 1896. Erhältlich in der Redaktion der „Jüdischen Rundschau", Berlin, NW. Melanchthonstraße Nr. 4. Preis 50 Pfennig. Zwei Vorträge 1898. Erhältlich in der Redaktion der „Neuen Zeitung". Preis 40 Heller. Neuere Schriften. Henrik Ibsens „Drittes Reich", I960. Erhälllich in der Redaktion der „Neuen Zettung". Preis 50 Heller. Achad Haam. Ein Denker und Kämpfer der jüdischen Renaissance, 1903. Erhälllich im „Jüdischen Verlag", Köln, Ubierring 23, Preis 1 Mark. Das Stiefkind der Sozialdemokratie, 1905. Erhältlich bei E. 28. Stern, Wien. Preis 50 Heller. Ostjüdische Aufgaben, 1905. Erhältlich in der Redaktion der „Neuen Zeitung" - Preis 10 Heller. Außerdem:^ I. L. Perez. „Erzählungen", in deutscher Uebersetzung. Erhälllich im „Jüdischen Verlag" Köln, Ubierring, 23. Preis: Broschiert Mk. 3.—, Gebunden Mk. 4—, Illustriert Mk. 7. —. P ihotographie ’ LebenBgrosse Porträts in anerkannt künstlerischer Ausfühiang znm Preise von fL 4.50. — Photographische Aufnahmen in vollendeter Ausführung zn konkurrenzlosen Preisen ausgeführt. - 6 Visit ... fl. 1.60 8 Kabinett ... fl. 3.60 12 „ . . . „ 2.60 f rt ia ... 5.60 Photograph E. Pielss, nur II. Tahorstrasse Kr. 11a. iaron roia rwb> Jüdisch« jtenjahrsHartcn. I Beste Bezugsquelle für g Grossisten und Wiederoerkäufer x | Bibel- und Zicn-Serien, Palästina» 5 Ansichten, Jüdische Volkstypen. in Gold, Autotypie und Lichtdruck. ■ Jux-Billet sowie Postkarten. ■ > Grosse Auswahl! Billigste Preise!! Mustersendung 200 Stück von 6 Kronen aufwärts per Nachname. Verlag „ZION“ (Samuel inslicht. Wien, 11/3, Obere Donaustrasse 77. Liismildie-kabrili ms Traub & Kraus Wien, II., Pazmaniteng. 23. Erzeugungvon Waehswaren und Lederkonservierungsartikeln. MM Waseh-Gllet K 5.—, Tennis-Anzug K 32, Lüstersakko K 9, Jacob Rothb erger, k. u. k. Hoflieferant, I., Stefansplatz Nr. 9. PRAG. -W, Grillen 17, Knlowrafsches Palais, das grösste und eleganteste Cafe Prags 10 Billards, 250 Zeitungen. Geöffnet bis 8 Uhr Nachts. Graben 17. Mm ttrpel naii Ittjnet Sptenkän. N»r «nb „ach Sem Theatee warme Hache.

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