Neue Zeitung
- Journal
- Neue Zeitung
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 8 (2.8.1907)
- Date
- 1907-08-02
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2430890-2430908-2430916--223-2431207- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 8 NeueZeitung Seite 7 In der Schule ist er fast der erste. Er besetzt den ersten Platz neben dem Vorbeter, auf einer umgekehrten Bank, verschafft sich eine Talgkerze, die er an einem der nach oben gerichteten Füße der Bank befestigt und er selbst lehnt sich an die Wand des Ständers. Er öffnet die Kinot. — „Eli Zion w' ureho" — klage Zion und ihre Städte" . . . Er schließt die Augen und sieht „Zion" schwarz verhüllt, mit einem schwarzen Schleier am Gesicht. Sie klagt und weint, . schlägt die Hände zusammen, bedauert ihre Kinder, die jeden Tag fallen, jeden Tag auf fremder Erde, durch fremde Sünden ........ „Willst mich Zion denn nicht fragen nach den Armen, die leiden ach so sehr? Wie suchen sie dich, ich kann's dir sagen. Der Rest noch nur, viel sind sie nicht mehr"! .... Er öffnet die Augen und sieht durch die schmutzigen Fensterscheiben ringt sich ein Strahl der untergehenden Sonne durch, und so er auch die Augen schließt, sieht er doch den Strahl, die ganze Sonne, die schöne, klare Sonne, die niemand sehen kann, niemand, nur er allein sieht sie! Chaim Chajkin schaut auf sie — und gar nichts! Warum ist denn dem so? gewiß deshalb, daß er abgesondert ist ' von der Welt mit allen ihren Gelüsten? ... ihm ist gut.ihm ist leicht .-. . er kann schon alles ertragen . . . er wird ein leichtes Fasten haben! Chaim Chajkin hält die Augen geschloffen und sieht doch eine eigenartige Welt, wie er sie noch nie gesehen hat. Ihm schweben Engel vor den Augen, er schaut auf sie, und erkennt in ihnen seine Kinder, alle, die großen und die kleinen. Er will ihnen was sagen, kann aber nicht sprechen ... Er möchte sich vor ihnen entschuldigen, daß er nicht schuldig sei . . . nicht er habe die Schuld! .... Was ist er Chaim denn schuldig, wenn sich so viele Juden unberufen, alle auf einen Fleck zusammengedrängt haben, einander drücken, einander lieben, vor Liebe vergehen? . . . Was kann er dafür, daß die Menschen des anderen Schweiß, des anderen Blut brauchen? Was kann er dafür, daß die Menschen noch nicht so weit gekommen sind, daß einer, den andern nicht wie ein Pferd zur Arbeit treibe, schließlich muß man mit einem Pferde auch Erbarmen haben, Gottes Geschöpf, Tierquälerei? . . . Chaim Chajkin hält noch immer die Augen geschloffen und sieht alles. Alles ist hell und leicht. Es verzieht sich wie ein Rauch, und er spürt, daß sich etwas aus seinem Leibe, aus seinem Innern, vom Herzen entfernt und gerade hinauf sich bewegt. Es trennt sich vom Leibe und ihm wird leicht, sehr — sehr leicht. Er stößt einen tiefen Seufzer hervor, einen tiefen — tiefen Seufzer, und es wird ihm leicht. Nachher fühlt er nichts mehr, durchaus gar, nichts. Ja, er hat ein leichtes Fasten .... Als der Tempeldiener Berl, ein rotzottiger Jude mit dicker Oberlippe und in zerriflenen Strümpfen in die Schul kam und den Chaim . Chajkin erblickte, wie er gestützt dasaß, den Kopf in die Höhe gerichtet, mit offenen Augen, da ärgerte er sich. Er nahm an, daß er schlummere, und begann zu brummen: Heißt das eine Frechheit von einem Juden ... wie er sich da bequem macht . . . nicht einmal der Graf Pschangucki dürste so sitzen. Scheinbar sich zu satt gegessen . . . hiehergekommen schlafen ... reb Chaim, haben Sie die Güte . . ..he, reb Chaim! . . . Reb Chaim hat nicht mehr gehört. Durchs Schulfenster fielen die letzten Sonnenstrahlen auf das ruhige Gesicht des Chaim Chajkin und auf sein glänzend schwarzes, lockiges Haar, auf die schwarzen, dichten Augenlider und auf die halbgeöffneten, guten, schwarzen, hungrigen Augen. .Sie beleuchteten das ganze todtenblaffe, stets hungrige Gesicht. Wißt ihr nun? Chaim Chajkin hatte ein leichtes — leichtes Fasten. Uebertragen von M. G e y e r. Schriften von Mathias Acher (Dr. Nathan Birnbaum). Aeltere Schriften. Die jüdische Moderne, 1896. Erhältlich in der Redaktion der „Jüdischen Rundschau", Berlin, NW. Melanchthonstraße Nr. 4. Preis 50 Pfennig. Zwei Vorträge 1898. ErhäMch in der Redaktion der „Neuen Zeitung". Preis 40 Heller. Steuere Schriften. Henrik Ibsens „Drittes Reich", 1900. Erhältlich in der Redaktion der „Neuen Zeitung". Preis 50 Heller. Achad Haam. Ein Denker und Kämpfer der jüdischen Renaissance, 1903. Erhältlich im „Jüdischen Verlag", Köln, Ubierring 23, Preis 1 Mark. Das Süeskind der Sozialdemokratie, 1905. ErhäMch bei E. W. Stem, Wien. Preis 50 Heller. Ostjüdische Aufgaben. 1905. Erhältlich in der Redaktion der „Neuen Zeitung" Preis 10 Heller. Außerdem: I. L. Perez. „Erzählungen", in deutscher Uebersetzung. Erhälllich im „Jüdischen Verlag" Köln, Ubierring, 23. Preis: Broschiert Mk. 3.—, Gebunden Mk. 4.—, Illustriert Mk. 7. —. S «ran naia nxsb i Jüdische KeujahrsKarten. j { Beste Bezugsquelle für | Grossisten und Wiederuerkdufer Bibel- und Zicn-Serien, Palästina* i Ansichten, Jüdische Volkstypen. ] in Gold, Autotypie und Lichtdruck, i ■ Jux-Billet sowie Postkarten. ■ i Grosse Auswahl! Billigste Preisei! i Mustersendung 200 Stück von 6 Kronen | aufwärts per Nachname, i Verlag „ZION“ (Samuel Inslicht. ] Wien, 11/3, Obere Oonaustrasse 77. iE PRAG. Gräben 17. Kolowrafsches Palais, das grösste und eleganteste Cafe Prags 10 Billards, 250 Zeitungen. Geöffnet t>i-s S TJhx- Nachts. int Die Redaktion lehnt die Der antwortnng für Stilisierung und Inhalt der Inserate ab. Graben 17. Pilsner lltiiiifll nnd Milchner Wendenn. Uor und nach dem Theater warme Küche. P ATFNTF erwirkt und I L- In I Li verwendet Ingenieur und Patentanwalt J. Knöpfelmacher Telephon 22.132. Vien, II.. Praterstrasse 37. Wasch-Gilet K 5.—, Tennis-Anzug K 32, Lüstersakko K 9, Jacob RotHberger, k. u. k. H o fliereranr. l.. Stefansplatz Nr. 9. P Lebensglosse Porträts in anerkannt künstlerischer _ _ Ausfühlung znm Preise von fl. 4.50. — Photographische Aufnahmen in vollendeter Ausführung zn konkurrenzlosen Preisen ansgeführt. " S Vialt ... fl. 1.60 6 Kabinett... fl. 3.60 12 .. 2.60 12 .. 5.60 hotograpnie Photograph E. (miss, nur II. Tabotstrasse Ir. 11a. ehemifdie-Fabrik Trau b & Kraus Wien, II., Pazmaniteng. 23. Erzeugung von Waehswaren und Lederkonservierungsartikeln. einzig an Sitte und Haltbarkeit. Qenossenschaftsbrauerei -- in Pilsen, z. General-Vertreter: B. STR/ISSNICKY k. k. Hof-Lieferant Wien-Döbling. Telefon Nr. 14.322.