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Neue Zeitung · 1907-06-28 · Heft 3 (28.6.1907) · p. Seite 10

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Journal
Neue Zeitung
Volume
1907
Issue
Heft 3 (28.6.1907)
Date
1907-06-28
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Sette 10 Nr. 3 Neue Zeitung wissen, daß man zettlich Früh aufftehen mußte, um der krummen Witwe den Platz, der sie und ihre sieben Kinder ernährte, wegzunehmen; man mußte ihr bei Tag den Bissen, nach dem sie die Hand ausstreckte, herausreißen, und sich nicht siüher niederlegen, bis nicht der Platz für morgen gesichert war. Sie schlief, als er vor drei Jahren für immer von ihr ging. Sie schlief, ist sie aber jetzt erwacht? Und was gab ihr dieses Erwachen? Ihm gaben diese drei Jahre der Ruhe und der Einsanckeit vieles: sie gaben ihm die Freihett. Sagen Sie, — wendete er sich plötzlich an den' Wanderer, der noch immer vorsichtig und liebevoll das Papier, in den Händen hielt; — Sagen Sie, Reb-Korew, wie viel Zett hat „es" Sie gekostet? Wie viel Zett? — Warten Sie : ich will es Ihnen sofort sagen — 28 — nein, 29 Jahre gehe ich schon. Sie gehen? Ja, ich gehe — von einem Land in das andere, von einer Stadt in die andere, ich halte mich nttgends auf. Der Abend findet mich nicht dort, wo ich den Morgen empfing, der Morgen sieht mich. nicht dort, wo mich die Mitternacht überraschte. Ist das ein Spaß! hundert Städte! hundert Rabbiner! Hm ... . aber wozu? Was heißt, wozu? He! ich habe 29 Jahre meines Lebens geopfert, habe trockenes Brod gegessen, habe wie ein Hund gefroren, um die Möglichkeit zu haben, wenigstens jetzt, auf meine allen Tage ein eigenes Rest zu bauen, nicht einsam zu sein, wie ein Stein, wenigstens „ein Stückchen Mensch" zu werden; und er fragt: „wozu"? Run-ja, wozu brauchen Sie das? Wozu!?. . . Eine schöne Frage! ... Und die Freihett?!! Das Lichtstümpfchen beleuchtete einen Moment das erhitzte, aufgeregte Gesicht des Wanderers, und zwei Augen blickten unter den tiefliegenden, grauen Augenbrauen feierlich und siegesbewußt auf die Stelle, wo in der eingetretenen Finsterniß soeben das Gesicht des erstaunten Porusch verschwunden war. Ja, auch dieser suchte die Freihett — aber das war eine eigentümliche, unbegreifliche Freihett — eine Freiheit, die man dort suchte, woher er entlaufen war; eine Freiheit, die sich darin äußert, daß ein Mensch den anderen unterjocht; eine Freiheit, die die Menschen in der allgewaltigen Tyrannei des Lebens suchen, anstatt sie dort zu finden, wo nicht einer von dem anderen unterjocht wird, wo das Leben kein Recht' hat den Menschen Gesetze vorzuschreiben, wo der Despottsmus des niedrigen, materiellen „Seins" aufhönj — und die Geräumigkeit der Freiheit, der Einsamkett und des „Nichtseins" beginnt. Row S—Schmu—e—el! — Nein, jetzt n cd ihn keine Macht mehr von demjenigen ablenken, das „ihm" die Freiheit gab! — Er umfing den Kopf mit beiden Händen und neigte sich tief über den Folianten. Auf den obersten Fensterscheiben der Ostseite zeigte sich ein schüchterner, weißer Stteifen der dämmernden Morgenröte. Der Wanderer nahm seinen Rucksack, umgürtete sich mü dem Strick und schritt zur Tür. Er legte die Hand an die „Mesuse", blickte sich nach dem Porusch um und hüstelte. Aber, der Porusch befand sich in einer ganz anderen Well und hatte sein Fortgehen gar nicht bemerll. Der Wanderer überschritt muttg die Schwelle und ging hinaus. Die Tür wurde dumpf zugeschlagen und es wurde wieder ganz ruhige Briefkasten. An dieser Stelle werden wir einmal oder, wenn es notwendig sein sollte auch zweimal im Monate, sämtliche Anfragen unserer Abonnenten rein sachlich beantworten. Wir ersuchen aber um «täglichst genaue Präzisierung der Anfragen und Wünsche, sowie um deutliche Angabe eines Buchstaben oder Schlagwortes, unter dem die Antwort erfolgen soll. ■ Wir werden uns bestrebe», jede wichtige Anfrage, juridischer, oder rein kommerzieller Natur ganz genau zu behandeln und nur nach eingeholten Jnformattonen bei den entsprechenden Fachleuten zu beantworten, wobei;n»lr auch selbstverständlich die strengste Diskretion wahre« werde». Die Redaktion. Schriften von Mathias Acher (Dr. Nathan Birnbaum). Aettere Schriften. Die jüdische Moderne, 1896. Erhältlich in der Redallion der „Jüdischen Rundschau",. Berlin, .Mit. Melanchthonstraße Nr. 4 Preis 30 Pfennig. Zwei Vorträge 1898. Erhältlich in der Redaktion der „Neuen Zeitung". Preis 40 Heller. Neuere Schriften. Henrik Ibsens „Drittes Reich", 1900. Erhältlich in der Redallion der „Neuen Zeitung". Preis 50 Heller. Achad Haam. Ein Denker und Kämpfer der jüdischen Renaissance, 1903. Erhälllich im „Jüdischen Berlag", Köln, Ubierring 23, Preis 1 Mark. Das Stiefkind der Sozialdemokratie, 1995. Erhälllich bei E. W. Stem, Wien. Preis 80 Heller. Ostjüdische Aufgaben, 1905. Erhältlich in der Redallion der „Neuen Zeitung" Preis 10 Heller. . Außerdem: I. L. Perez. „Erzählungen", in deutscher Uebersetzung. Erhältlich im „Jüdischen Verlag" Köln, Ubierring, 23. Preis: Broschiert Mk. 3.—, Gebunden Mk. 4.—, Illustriert Mk. 7. —. „Das Haar wächst nach langjähriger Kahlköpfigkeit“ John Graven Burgleigh’s berühmte Pomade ist dieses einzige --------------------- Mittel..- ' John Craven Burleigh frühzeitig kahlgeworden erprobte dieses Mittel an sich selbst. Nach 14tägigen Gebrauche war der früher kahle Schädel mit dichtem Haar bewachsen. Er ließ das Präparat einigen (Freunden zu, und siehe da, ' tuch hier trat der gleiche volle Erfolg ein. 'Hunderttausende, die seither das Mittel versuchten, sind heute dankbaren Herzens und Jedermann kann die in meinem-Bureau aufliegenden Dankschreiben einsehen, in welchen dieses Mittel als unfehlbar gerühmt wird. Kahlköpfigkeit ist unschön. Kahlköpfigkeit erschwert den Kampf um die Existenz Warum wollen Sie kahl bleiben, wenn Hilfe möglich ist? Es kostet Sie nichts den Erfofg an sich - selbst zu sehen. John Cr*ren-Bnrlelgh. Gratis und portofrei zugeschickt wird Jedem eine Probedose des Mittels ausreichend für 5 bis 6 Tage, wer darum schreibt und 20 Heller in Briefmarken (für Porto und Verpackung) mit sendet. Eine Anzahl Dankschreiben, wertvolle Gebrauchsanweisung und Belehrung wird mitgeliefert. William Scott Monopol Inhaber, in Wien, 101 Adlergasse 7. EIN IDEAL GEWEHR Aelteste konzessionierte Firma gW* Gegründet 1887 “Sfl liefert unter Garantie - - - bürgt für bestes Fabrikat Jagdgewehre ßiichsflinte n mit automatitdien Patronenauswerfer Wer irgend eine Waffe braucht, wende sich nur an den Spezialisten RICHARD HABEL Wien, i. Franz Josefs Kai 15. Zweiggeschäft Troppau. Buchu. Kunstdruckerei R. Thiram's Erben Wien, II., Darwingasse 4. Husgestatfet mit den neuesten Maschinen, Schriften und sonstigen technischen Behelfen übernimmt die Herstellung sämtlicher merkantiler Drucksorfen, Preiskurants, Statuten Zeitungen, Broschüren efz. elz.

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