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Neue Zeitung · 1907-06-21 · Heft 2 (21.6.1907) · p. Seite 7

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Journal
Neue Zeitung
Volume
1907
Issue
Heft 2 (21.6.1907)
Date
1907-06-21
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2 Neue Zeitung Seite 7 Reb Dowidl besaß einen goldenen Stuhl, auf dem ein Bibelspruch eingraviert war: „David, Köuig von Israel, lebt." Daraus machen Angeber eine politische Sache, und diese gelangt bis nach Petersburgs). . . Wir wißen ja, daß unter König Weiser zu verstehen ist. Aber geh', erklär's den Generalen in Petersburg. Kurzum. Reb Dowidl muß flüchten und hält sich auf der Durchreise am Sabbat in Radziwill auf, und unser Radziwiller Lamden geht zu Schaleschides. Der böse Trieb hat sich aber noch immer nicht unterworfen. Der Lamden tritt .ein und sieht an der Spitze der Tafel ein Männchen, ein winziges Männchen sitzen. Man sieht nichts als eine große, gar große Pelzmütze und silberne Haare, die über das Gesicht fallen. Schweigend sitzen sie alle da, ohne gelehrte Unterhaltung . . . Da wird ihm, dem Lamden, so schwer ums Herz. „Das ist alles, — weiter nichts?" denkt er. Aber Reb Dowidl hat ihn schon erblickt: „Setz' di<A, Lamden! In demselben Augenblick kam er zu sich. Schon hat ihn ein Blick Reb Dowidls gefaßt und ihn an der Seele versengt! Ihr habt sicherlich schon von den Blicken des Talner gehört. Darin war Majestät, Heiligkeit, Kraft. Was ihr wollt war in seinen Blicken. Und dieweil er zum Lamden gesagt hat: „Setz' dich!" schaffte mau diesem sofort Platz am Tische. Er setzt sich hin und wartet. Und wie Reb Dowidl weiter sagt: „Der Lamden darf uns ein Lied zum besten geben!", weicht die Muttermilch aus dem Lamden. Er und ein Lied I Aber irgend jemand faßt ihn schon an der Schulter: „Wenn Reb Dowide befiehlt, folgt man!" Und so singt er! Er beginnt nebbich") zitternd, stammelt kaum den Anfang einer Melodie hervor. Und was wird er singen, der Lamden? Wahrscheinlich das Lied des Waisenkindes. Er kennt ja kein anderes. Und er zittert und stammelt und singt, und die Melodie wird weiter und ändert sich. Sie atmet ") Wahre Begebenheit <s) Auch in Deutschland bekanntes Umstandswort, ungefähr Bedauern ausdrückend, schon den Geruch der Thora, ist schon von Sabbatheiligung durchtränkt, vom Reuegefühl eines Lamden erfüllt. Und im Singen beginnt er, der Lamden, das Lied zu empfinden, und singt von Minute zu Minute bester und feiner. . . Und m'tten drin beginnt Reb Dowidl, wie es seine Gewohnheit ist, leise mitzubrummen. Die Leute hören es und brummen mit. Die Runde gibt dem Lamden Feuer. Er ist schon außer sich — er singt wirklich! Die Melodie strömt schon wie der „Rehar di nur",") wie ein lodernder Fluß ... Die Wellen gehen immer weiter und höher, immer feuriger und flammender! Bald wird's der Melodie zu enge im Zimmer. Sie stürzt durch dte Fenster auf die Straße hinaus, — ein Meer von Heiligkeit, von glühender Heiligkesi. Und erstaunt und erschrocken ruft die Menge auf der Straße: „Das Lied des Waisenmädchens! Das Lied des Waisenkindes!" Der Melodie kam Erlösung und dem Lamden auch. Reb Dowidl rief ihn vor der Abreise beiseite. „Lamden," sagte er zu ihm, „du hast eine jüdische Tochter beschämt. Du hast dich auf den Ursprung ihrer Melodie nicht verstanden! Hast das Mädel eine freche Person gescholten!" „Legt mir, Rebbe, eine Buffe dafür auf," bittet der Lamden. „Nicht nötig," antwortet der Rebbe (sein Andenken zum Segen!) „statt Buße tu' lieber eine Mizwe!" „Was für Mizwe, Rebbe! „Verheirate das Mädel! Eine Braut ausstatten ist eine große Mizwe!" Nun aber höret die andere Seite der Geschichte: Erst mehrere Jahre später, als das Mädel schon längst einen Witwer, einen Thoraschreiber, ") Feuerstrom, der nach kabbalistischer Mythe die Well umfließt. geheiratet hatte, erfuhr man ihren Ursprung. Es stellte sich heraus, daß sie eine Enkelin des alten Katzner war. Desten Schwiegersohn nämlich, der Kiewer, und seine Frau waren einmal für den ganzen Abend ins Theater gegangen — und damals war ihnen ihr einziges Kind gestohlen worden. . . Man konnte ihnen aber die Tochter nicht mehr zurückgeben. Die Mutter war schon lange tot und der Vater schon lange in Amerika. Schriften von Mathias Acher (Dr. Nathan Birnbaum). Nettere Schriften. Die jüdische Moderile, 1896. Erhältlich in der Redaktion der „Jüdischen Rundschau", Berlin, NW. Melanchthonstraße Nr. 4 Preis 50 Pfennig. Zwei Vorträge 1898. Erhältlich in der Redaktion der „Neuen Zeitung". Preis 40 Heller. Steuere Schriften. Henrik Ibsens „Drittes Reich", 1900. Erhältlich in der Redaktion der „Neuen Zeitung". Preis 50 Heller. Achad Haam. Ein Denker und Kämpfer der jüdischen Renaissance, 1903. Erhältlich im „Jüdischen Verlag", Köln, Ubierring 23, Preis 1 Mark. Das Stieskind der Sozialdemokratie, 1905. Erhältlich bei E. W. Stern, Wien. Preis 50 Heller. Ostjüdische Ausgaben, 1905. Erhältlich in der Redaktion der ..Neuen Zeitung" Preis 10 Heller. Außerdem: I. L. Perez. „Erzählungeil", in deutscher llebersetzung. Erhältlich im „Jüdischen Verlag" Köln, Ubierring, 23. Preis: Broschiert Mk. 3.—, Gebunden Mk. 4.—, Illustriert Mk. 7. —. ,Das Haar» wächst nach langjähriger Kahlköpfigkeit“ John Graven BurgBeigh’s berühmte Pomade ist dieses einzige Mittel. - John Craven Burleigh frühzeitig kahlgeworden erprobte dieses Mittel an sich selbst. Nach 14tägigen Gebrauche war der früher kahle Schädel mit dichtem Haar bewachsen. Er ließ das Präparat einigen iFreunden zu, und siehe da, auch hier trat der gleiche volle Erfolg ein.;Hunderttausende, die seither das Mittel versuchten, sind heute dankbaren Herzens und Jedermann kann die in meinem Bureau aufliegenden Dankschreiben einsehen, in welchen dieses Mittel als unfehlbar gerühmt wird. Kahlköpfigkeit ist unschön. Kahlköpfigkeit erschwert den Kampf um die Existenz Warum wollen Sie kahl bleiben, wenn Hilfe möglich ist? Es kostet Sie nichts den Erfofg an sich — selbst zu sehen. 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