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Neue Zeitung · 1906-09-14 · Heft 2 (14.9.1906) · p. Seite 7

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Journal
Neue Zeitung
Volume
1906
Issue
Heft 2 (14.9.1906)
Date
1906-09-14
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2 Neue Zeitung Mutter gut war, gleich einem Engel, schön, fromm und rein, wie ein Lichtstrahl, „ganz wie du". Ans ihrem Antlitz spielt ein heiteres Lächeln, nur ihre Augen sind geschlossen. Er hofft, sie offen zu sehen, wie ein Irrender in der Wüste auf die Strahlen des Morgens. : „Du bist gut wie meine Mutter, die Augen sind wie die Augen meiner Mutter, die Augen der Taube." Aber sie öffnete die Augen nicht, und ein heftiger Schmerz erfüllte sein Innerstes. -„Aber meine Mutter, Miriam, war krank und erreichte nicht die Hälfte' ihrer Jahre." Da erwacht sie von dem Zittern seiner Stimme und hebt leise, leise ihre Augenbrauen, daß. sich vor ihm der Himmel öffnet. . „Und du hast deine Mutter geliebt?" y „Ob ich sie geliebt", und die Worte drängen sich aus dem Schatze seiner Empfindungen. „Und deinen Vater?" fragt sie weiter und leise, leise senken sich ihre Lider. ' - „Auch ihn liebte ich, manchmal liebte ich ihn; wenn meine Mutter nicht int Zimmer war, saß sch gerne auf den Knieen meines Vaters, er lehrte mich lesen, schreiben und Kenntnisse des Lebens."? - Und, obwohl er fühlte, daß die . Worte ihr nicht gut sein werden, konnte er sich nicht zurückchalten und erzählte weiter:- „Mein Vater.war?ein.arger Geizhals, aber auch ein großer und geschätzter Kaufmann. So wollte er auch mich zum Kaüfmanne machen, nicht zu einem Weichherzigen, Hasenfuß, wie mich die Mutter haben mochte — chäch seinen Worten, fügte er rasch hinzu, als wollte er das Krümme gerade biegen. . Mein Vater sagte: >,Geld magst du erwerben, Verstand kann ich dir nicht vererben. Erwirb Weisheit, . List, erwirb auch Gunst und Wohlgefallen: durch .^Wohlgefallen baut, man Häuser." Wenn er aber das Gesicht seiner Mutter nur sah, wollte er nicht mehr zum Vater treten, y Er mochte ewig im Zimmer seiner Mutter sitzen, aüf seinem Kinderstuyl, das Haupt gelehnt an ihren. Schoß. Sie glättete seine Haare, manchmal entfiel ihren-'Augen eine heiße Träne' und rollte über ihre Wangen. Manchmäl erzählte sie ihm verschiedene Geschichtem - -' Indes - sein > Glück währte nichtlange/ denn sein Vater behauptete immer, er wachse auf wie ein Wilder, ein Weichherziger, ein Hase oder ein Weib. So packte er ihn denn manchmal am Ohrzipfel und schleppte ihn in sein Zimmer. Sein Vater zürnte über die Erzählungen der Mutter, die immer durchwoben waren von schreckender Nacht, von Seelen Verstorbener, von Mondesstrahlen und Gräberschatten — und durch eine ganze Nacht sperrte er ihn in ein dunkles Zimmer, um ihm die falsche Furcht zu vertreiben. Am Morgen, da man die Tür seines Gefängnisses öffnete, fand man ihn schweben' zwischen Leben und Tod. Damals hat er die Qualen der Hölle erduldet, alle Toten kamen aus ihren Gräbern und umringten ihn, Zwerggestalten und Geister .des Dunkels zertraten seine Ruhe/ bis er das Bewußtsein verlor. Und ihm schien es, als hätte er damals sein -Selbst verloren, wäre ein Golem geworden, um abwechselnd die Seele seines Vaters und. seiner Mutter zu empfangen. Denn bis zu jener Nacht empfand er sich als ein Mittleres zwischen Vater und Mutter, unterschied irr sich zwischen beiden, fand das Gemeinsame und das. Trennende und wandelte doch einen eigenen-Weg. Wäre--er so .weiter aufgewachsen, dann wäre er jetzt ein normaler Mensch und ginge - den goldenen Weg zwischen Vater und. Mutter. Damals aber floh seine Seele aus seinem Körper, er würde jetzt nur noch wie sein Vater oder wie seine Mutter. Diese Gedanken verbarg er vor Miriam.. 'Und er erzählt weiter: Als ich wieder zum Bewußtsein, kam, lag meine Mutter im Bette, das - sie nicht' mehr verließ. Grauen erfaßte mich, als . ich wieder das Antlitz meiner Mutter sah. Auch Zein Antlitz hatte sich . über Nacht verwandelt, und seine Mutter zitterte um ihn und brach in furchtbares Weinen aus. Der Anblick wirkte sogar auf-seinen Vater und er. trennte nicht mehr die zusammengehörten. - Seit damals saß er ununterbrochen auf dem Fußschemel vor ihrem Bette — die Mutter faßte seine Hand, küßte ihn, strich durch sein Haar — •vWer der Quell ihrer Thränen war schon versiegt, nicht' eine rollte mehrauf seine Stirne-i- ,.:-l > „Miriam, du .kannst dir nicht vorstellen, -wie es daMls. m .mir. stürmte, wie. mein.Herz' wogte. — Da öffnete Miriam ihre feuchten Augen, die voll waren von verschlossenem Kummer. Hier versiegte gänzlich die Erinnerung, hier unterbrach sich die Reihenfolge des Tages. „Und nachher?" fragt er mit Zittern, was geschah nachher? - ' Er weiß nur deutlich, daß man Miriam Sonntag abends ins Bett gelegt — was geschah dann bis heute? - Wer dringt in diesen Abgrund, in dieses Dunkel, das vor ihm gähnt? (Schluß folgt.) Humor und Kutyre. Frage und Gegenfrage. Chun e versetzt vou rückwärts Jojne einen kräftigen Hieb. Dieser dreht sich rasch um und macht ein verblüfftes Gesicht. C h u n e: Ach, ich Hab dich für Mechel gehalten. Jojne: Und wenn ich auch Mechel wäre, brauchst du so zuzuschlagen? C h u n e: Was geht dich Mechel an? Die wahre Ursache. A. : Warum ist der berühmte Aktmaler X. aus dem Judentum ausgetreten? B. : Weil er die Broche „malbisch arumim“*) nicht. mit wirklichem Dankgefühl machen konnte. Stimmt. — War die Taube, die Noah aussandte, ein Männchen oder Weibchen? --- Ein Männchen. — Woraus schließt du das? — Es steht doch geschrieben, daß sie mit einem Oelblatt im Schnabel zurückkam. War' sie ein Weib- . chen gewesen, hätte-sie doch nicht den Schnabel zu halten vermocht. Gin Weiser. Zwei russische Mnschiks streiten, ob das große Gestirn, das gerade am Himmel ist, die Sonne oder der Mond ist. Ein Dritter geht vorbei, den sie um seine Meinung fragen. Ich weiß nicht - antwortet dieser, sich den Schädel kratzend —. um Euch die Wahrheit zu sagen, ich bin nicht aus dieser Gegend. ' („Forward.") Das Gi des Golumbus. A.: Ich weiß, wie sich die russischen Juden helfen Ganz wie bei «ns. - Was ist das für eine Gewohnheit der Last Broadway-Fräuleins, daß sie mrf der Straße nur russisch sprechen, wiewohl sie es nebbich nicht kennen? - Dummkops! Wie sollte-man sonst wissen, daß es jüdische Mädel sind? („Der Amerikaner.") Jüdischer Sport. Jüdische Turncrtracht. Im Juni-Heft de „Jüdischen Turn-Zeitung" beantragt O. F. aus 'Gra-, „Wir sollten unsere Turnertracht haben, auf dem Turnplätze und draußen." Wir'glauben nicht daß der Antragsteller mit seinem Vorschläge im Westen b a l d Glück haben wird, wenigstens, was das „Draußen" betrifft. Aussicht auf raschere Verwirklichung hat der Gedanke im Osten, also speziell in Galizien, wo er nicht neu ist. Und je bälder er dort, verwirklicht wird, desto stärker der unmittelbare Nutzen für die dortigen Juden. Gerade in Galizien, wo die polnischen Sokolen eme so große Beachtung finden, ist es wichtig, die Selbständigkeit des jüdischen Volkselementes durch eine eigene Turnertracht ad oculos zu demonstrieren. Allerdings gibt eS dort noch eine zweite ebenso wichtige Aufgabe, die stellenweise schon deshalb Vorgehen muß, weil ste die Voraussetzung der ersten ist: Die Jnteressterung weiterer, und namentlich die Heranziehung auch der strengfläubigen Kreise zur Turnerschast. Darüber ein >eres Mal. Erster Wiener Jüdischer Turnverein. Anfangs Juli fanoen in unserem Turnverein Vorturnerprüfungen statt. Der Prüfung haben sich die Herren Arthur Felsenburg,. Jacques Ornsteiu,. Emil Raimann^ und Philipp Pollak mit Erfolg unterzogen. Die Prüfungskommission bestand aus den Herren Profeffor Max Guttmami, Dr. Ludwig Werner, Turnlehrer Rudolf Pollak, Dr, Max Jerusalem und Karl. Plowitz. Jüdischer Sportklub in Czernowitz. Eine erfreuliche Erscheinung im jüdischen Leben ist die Zunahme dxr Vereinigungen, die für die Ausbildung und Stärkung des Körpers sorgen. In Czernowitz hat sich in jützgster Zeit ein „Jüoischer'Sportklub" gebildet, der allen Sportarten seine Pflege angedeihen läßt. Es bestehen besondere Sektionen für Fußball,- Ruder» und Lawn-Tennis. Mit der-Zeit sollen weitere Sektionen gebildet werden. Der -Klub zählt eine stattliche Anzahl von Mitglieder», die sich aus allen Gesellschaftskreisen rekrutieren. n Sfett« ictbic Nackt« Neidet". EegeitSipruch, bat man beim Anlegen Die jSeifschpift füp Demographie und j^iatistty dep ßadtn Berlin-halensee, «eorg ainiKlmsttasse rr erscheint monatlich und unterrichtet durch größere Einzeldarstellungen und durch Sammlung aller aber die Juden neu erscheinenden zuverlässigen statistischen und demographischen Daten in einer pon aller Parteitendenz freien, rein wissenschaftlichen, dabei aber allgemein verständlichen Weise über alle Veränderungen im sozialen Leben der Judenheit. Die Zeitschrift ist damit das Zsntratorgan für alle diejenigen, welche sich für die Aufhaltung der Verhältnisse der Judan auf phytlologloohem; kulturellem, wirtschaftlichem, moralitohem usw. BeMste auf der Brundlage exakter Foriohung Interessieren. Das von der Zeltiohrift gebrachte »aterlal bildet die alleinige fette Grundlage für ein wluensohaftlloh begründete» Urteil über Judentum und wlohtiga Erscheinungen Im gegenwirtlgen Lehen der Juden. Die Zeitschrift brachte bis jetzt ausführliche Angaben über: Zahl, Wohnsitze und Verteilung; Gehurten, Ehesohlletsungen und Sterbefülle; Berufs-, Blldungs- und Unterriohtsverhültninea; Geachleshtiverhültnis, Altersgliederung; Krlmlnalstetlstik, Krankheits- und Todesursaohtn; Gottesdienst und Kultus, Uebertritta und Austritte aut i Judentum; -spraoho und Staatsangehörigkeit dar Jude» ddr melkten Länder, ferner über die Wichtigsten jüdische» Qrganl- Rationen für politische, wirtschaftliche und soziale Zwecke; I sowie Abhandlungen anthropologische» Inhalts. l\ CD CD WIENER VERLAG Verlagsbuchhandlung und Buchdruckerei --- WIEN, V. --- Wienstrasse- 89a empfiehlt sich zur Herstellung sämtlicher Drucksorten in Buchdruck und Lithographie. Preiskurante, Zeitschriften, Werke, Broschüren sowie sämtlicher merkantilen Drucksorten in modernster Ausstattung bei massiger Berechnung. I| ----S) Ausschneiden und unfrankiert in den nächsten Postkasten werfen! Unterfertigter abonniert hiemit die „NEUE ZEITUNG“, Wien, Xlllji, Steckhovengasse 17, für die Zeit vorn...190. bis....;.190...... Betrag K.., folgt per .... Um dörfliche Schrift wird gebeten / Ober: Wunscji senden wir Erlagschein , der Postsparkasse ' ’ ' — tat. —-.Postsparkassen-Nt. 87377.

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