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Nationalzeitung · 1907-02-08 · Heft 9 (8.2.1907) · p. Seite 5

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1907
Issue
Heft 9 (8.2.1907)
Date
1907-02-08
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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N. 9 Nationalzeitung Seite 5 und großem Erfolge seines verantwortungsvollen Amtes waltet. Aber ebenso muß es verurteilt werden, daß Herr Oberkantor Singer, der gleichzeitig Präsident des österreichischen Kantorenvereines ist, nicht soviel Rechtssinn und Kollegialität aufzubringen vermochte, um seinem, wenn auch jüngeren, aber sicherlich noch zu großer Carriöre berufenen Kollegen Kwartin die Ehrenkränkung zu ersparen, die darin bestand, daß sowohl Herr Oberkantor Kwartin als auch sein ausgezeichnet geleiteter Chor von der Funktion ausgeschaltet wurde. Herr Oberkantor Singer komme uns nicht damit, daß der hiesige Vertreter des Brautpaares den Josefstädter Tempel sür die Trauung gemietet und sich selbst bedungen habe, daß die Funktion von dem Personale des Stadttenipels versehen werde; denn selbst in diesem Falle war es Pflicht des Herrn Oberkantors Singer, den betreffenden Vertreter des Hquses Rothschild auf das nach jüdischer Auffassung unzulässige und unkollegiale eines solchen Ansinnens aufmerksam zu machen und darauf zu bestehen, daß eine entsprechende Teilung der Funktion vorgenommen werde. Wäre dies geschehen, so hätte Herr Oberkantnr Singer seine normalste Pflicht etfüllt und die Hochzeitsgüste hätten sicherlich einen unvergeßlichen Kunstgenuß gehabt, um den sie durch das sonderbare Vorgehen des Herrn Oberkantors Singer gekommen sind. Dieser Vorfall zeigt wieder einmal, wie berechtigt die vom Tempelvereine des neunten Bezirkes ausgegangene Aktion ist, daß die Trauungs- und Leichenfunktionen in den einzelnen Bezirken ausschließlich von den Fullktionären der betreffenden Tempelvereine versehen werden sollten. Es ist höchste Zeit, daß mit dieser Krähwinkel-Annomalie aufgeräumt werde, daß zwei Funktionäre sämtliche Einnahmen aus bestimmten Anlässen monopolisieren, während die Funktionäre der Tempelvereine, die zum größten Teile ihren Kollegen von der Inneren Stadt an Fähigkeit und Fachkenntnis nicht nur nicht nachstehen, sondern sie mitunter überragen, bei Hungerlöhnen ihres Amtes walten müssen. Daß man in solcher' Fällen nicht immer auf däs Herz und die Kollegialität des betreffenden Jnnerstädter Funktionärs rechnen darf, beweist ja der eben besprochene Fäll: Herr Oberkantor Singer besteht auf seinem Schein. Zum Schluffe sei noch folgendes bemerkt: Gerade bei Herrn Oberkantor Singer hätten wir etwas mehr Verständnis für solche Gefühls¬ und Standesfragen erwartet, denn er hat es ja an sich selbst erfahren müssen wie das schmeckt, wenn man einem Oberkantor gegen seinen eigenen Willen einen gleichgestellten Kollegen beiordnet, wobei noch zu bemerken ist, daß Herr Don Fuchs neben Herrn Oberkantor Singer eine Akquisition ersten Ranges ist, während das Publikum der Rothschild-Trauung durch die brüske unqualifizierbare Verdrängung des hervorragenden Josefstüdter Oberkantors nur um einen Kunstgenuß ärmer geworden sind. Im übrigen aber, wenn die Mitglieder des Kantorenvereines sich dieses Vorgehen ihres Präsidenten gefallen lassen, so werden sie sich in Zukunft, ohne sich beklagen zu dürfen, noch mehr gefallen lassen müssen. __ __ Die jüdischen Kinderhorte. Von Tag zu Tag wachsen die Sympathien, denen der im Vorjahre begründete „Verein zur Errichtung und Erhaltung von Horten für schulpflichtige Kinder in Wien", dessen Sitz sich IX., Universitätsstraße 4. befindet, begegnet. Jit den drei Horten, welche der Verein bisher erhält, sind 170 arme jüdische Kinder untergebracht und schon für die nächste Zeit ist die Errichtung zweier weiterer Horte für 100 Schützlinge in Aussicht genommen. Die Vereinsleitnng ist gezwungen und bemüht, an alle Vesitzendeil zu appellieren, damit ihr auch die nötige finanzielle Unterstützung zu teil wird. Eber? hat sich ein Komitee konstituiert, das sich ans den vornehmsten Kreisen der Residenz rekrutiert und durch Veranstaltung eines „Heiteren Künstlerabend" großen Stiles dem Vereine Geldmittel verschaffen will. Am 21. Februar d. I. werden die S o f i e n s ä l e dem erwähnten Zwecke dienstbar gemacht und nach den bisher getroffenen Vorbereitungen dürfte sich das Fest zu einem Clou der Saison gestalten. Ein erlesenes künstlerisches Programm, bestritten von den Lieblingen des Theater- und Konzerlpublikums, mehrfache in Wien noch nicht zu Gehör gebrachte Darbietungen und schließlich während des Tanzes eine Kabaratvorstellung im kleinen Sofiensaale werden dem Publikum geboten werden. Mit der Versendung der Einladungen wird in den nächsten Tagen begonnen. Anfragen oder Vormerkungen für Logen und Sitze, die nach der Reihenfolge des Einlangens Erledigung finden, wolle man an das Vereinsbureau, IX., Universitätsstraße 4, gelangen lassen._ Taufkarridren. Dem Sektionschef Dr. Rudolf Sieghardt wurde die Geheimratswürde verliehen. Vorher hieß er Rudolf Singer, ließ sich taufen und heiratete (jedenfalls in der Votivkirche) die Tochter des Hofrat Grünhut (!), so daß er es mit 42 Jahren zur Exzellenz brachte. — Der Sektionschef Dr. Paul Schulz, bis voriges Jahr Ministerialrat und Jude, hat sich eigens für den Geheimrat taufen lassen. Aus früheren Zeiten kannte man im Ministerium des Aeußern die getauften Sektionschefs v. Horowitz und v. Dozci (ehemals Ludwig Dux). Man kann es also auch als Jude zu etwas bringen, nur muß man sich rechtzeitig taufen lassen. H F. Uermisäste Nachrichten. Berichtigung. Im Feuilleton der vorigen Stummer sind einige Auslassungen vorgenommen, die geradezu sinnstörend wirken. So soll es Seite 2, Spalte 2, Zeile 5 von unten statt Berthold Auerbach „Berthold Auerbach der Jude" - heißen. Ferner Seite 3, Spalte 3, Zeile 9 von unten ist zu ergänzen: „daß er die Absicht gehabt zu haben schien, seinen deutschen Namen Berthold in den lateinischen Benedikt umzuwandeln. So schreibt er am 29. Juni 1830 an Jakob Auerbach: Apropos, unlängst las ich einiges von Spinoza und fand in seiner Biographie, daß er auch früher Baruch geheißen u. s. w. Jüdische Totzirbee-Halle, xx., Othmargasse 46. Eintritt frei für jeden Erwachsenen. Beginn der Vorträge an Wochentagen V28 Uhr. Samstag, sowie an Sonn- und Feiertagen 7 Uhr abends. Anmeldungen von Vorträgen und Mitwirkungen bei Konzerten wolle man an den Obmnnn Doktor I. Samuely, I., Fischerstiege 6, richten. Wochenprogramm: Freitag den 8. Bibelvortrag. Religionslehrer L. Weiß. Samstag den 9. Kammermusik-Abend. Quartett Specht. Sonntag den 10. „Die Entstehung der bildenden Künste als menschliches Bedürfnis". (I.) akad. Maler Otto Herschel. Montag den 11. „Die Tatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens". Professor Dr. W. Jerusalem. Dienstag den 12. „Die Entstehung der bildenden Künste". (Fortsetzung.) Akad. Maler Otto Herschel. Mittwoch den 19. „Bilder aus der Volkswirtschaft". Schriftsteller Leopold Spitzer. Donnerstag den >4. „Erziehungsstütten im Vorschulalter. (Schluß). Direktor Max Fischer. Freitag den 15. Bibelvortrag. Religionslehrer Josef Pick. Samstag den 16. Konzert. Samstag den 26. Jänner fand ein von Oberkantor Basier mit Geschick arrangiertes Konzert in der Toynbee-Halle statt, das nicht allein die vorzüglichen Qualitäten des Oberkantor Basier als Interpreten schtvieriger Opern-Partien erkennen ließ, sondern auch den anderen Mitwirkenden: Frl. Grab (Klavier), Frl. Horowitz (Gesang) und dem Baritonisten Herrn Schwarz reichen Beifall brachte. - Am vorhergegangenen Konzert-Abende hatte Herr Oberkantor Gotthold Friedländer, der über eine ebenso sympathische Vortragsweise als schöne Stilnmittel verfügt, Proben reichen Könnens abgelegt. Wien. (Veranstaltung des Wiener z i 0 n i st i s ch e n F r a u e n v e r e i n e ö.) Sonntag, den 10. Februar findet im Bösendorfer Saal eine Verlesung statt, deren Erträgnis dazu bestimmt ist. sür die Hinterbliebenen Kinder der in Rußland gemordeten Juden ein Waisenhaus in Palästina zu errichten. Es werden lesen: Richard Beer-Hofmann, Felix Salten, Arthur Schnitzler und Jakob Wassermann. Karten bei A. Gutmann. Wien. (Vortragszyklus aus jüdis ch e r Geschichte.) Donnerstag, den 14. Februar 1907, präz. V2 8 Uhr abends, findet im Festsaale des „Ingenieur- und Architektenvereines", I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Dr. Gustav K a r p e l e s aus Berlin statt. Thema: „Humor und Liebe in der hebräischen Poesie". Eintritt frei. Wien. (Jüdisches Museum). Montag den 4. d. M. sprach Herr Dr. Gustav Karpeles-Berlin, im Festsaale des „Ingenieur- und Architektenvereines" über „Heine und das Judentum". Ein illustres Publikum lauschte dem gediegenen Vortrage, Herr Dr. Gustav Karpeles bringt (es mag fast unwahrscheinlich klingen!) immer etwas neues aus dem Leben seines und unseres Heinrich Heine. Auch diesmal machte er uns mit dem Inhalte einiger noch unveröffentlichter Briefe vertraut, die alle jene Jngredenzien enthalten, aus welchen sich die Schöpfungen Haines zusammensetzen. Dr. Gustav Karpeles nennt es: „Englischer Humor, französischer Esprit, deutsche Sentimentalität, und — jüdischer Witz". Das letztere bleibe uns zumeist noch immer das Undefinierbare dieses großen Dichters. Herr Baurat Stiaßny danktnamens des Vereines dem Vortragenden, das zahlreiche Publikum gab seinem Danke durch lauten Beifall Ausdruck. Die stark vertretene Jugend bereitete sich das Extravergnügen ihr besonders genehme Stellen des Vortrages mit demonstrativen Applaus speziell auszuzeichnen. M. Scha. Wien. (Verein Tomach E w j 0 n i m.) Am 3. d. M. fand die zahlreich besuchte XIV. ordentliche Generalversammlung dieses Vereines in seinem seit 25. Mai vorigen Jahres eröffneten eigenem Speiselokale im n. Bezirk, Große Schiffgasse 21, statt. Nachdem der Obmann Oberkantor M. Schorr die Erschienenen begrüßt und über die ersprießliche Tätigkeit des Vereines, trotz seiner gesteigerten Mehrausgaben, Bericht erstattet hat, ergriff Obmann-Stellvertreter Herr Sigmund Figdor das Wort, um den Obmann für dessen Verdienste und selbstlose Hingebung um das Gedeihen des Vereines im Namen des Gesamt-Vorstandes die vollste Anerkennung auszudrücken und die Mitteilung zu machen, daß der Vorstand in einer, kurz vor der Generalversammlung stattgehabten Festsitzung, dem Obmanne, als Zeichm der Würdigung seiner Verdienste, zum Ehrenmitgliede des Vereines ernannt hat. Die General-Versammlung nahm diesen Beschluß des Vorstandes mit lebhaftem Beifalle zur Kenntnis. Oberkantor M. Schorr dankt gerührt für die ihm so unerwartet zuteil gewordene Ehrung und versprach, dem Verein auch weiterhin unentwegt seine Tätigkeit und vollstes Interesse zuzuwenden. — Wahl des Vorstandes: Oberkantor M. Schorr, Obmann, Sigmund Figdor, Obmannslellvertreter,Arnold Rosenfeld I. Schriftführer, Max. Hofbauer II. Schriflführerstellvertreter, Michael Figdor, Kontrolor, GezL Braun, Kassier, Gabriel Fischer, Nathan Schiff, Berthold Stroh, Wilhelm Kohn, Emil Kritzler, Naftali, Ardel, Revisoren, W. Pappenheim und Isidor Frommer. Wie». (Von den barmherzigen Brüder n.) Dem Primarius der Barmherzigen Brüder, Dr. Alexander Lerch, wurde energisch nahegelegt, seine Ehrenstehe als Obmann des ärztlichen Vereines im 2. Bezirke, die er durch Jahrzehnte bekleidet hatte, niederzulegen, da derselbe aus lauter Juden bestehe. ll. F. Kiew. Von dem Kiewer G 0 uvernenl e n t. Am 18. und 19. Dezember fand im hiesigen Rathause eine Konferenz wegen der jetzigen bevorstehenden Dumawahlen, statt. Die Versammlung war recht zahlreich besucht und die Verhandlungen haben ein trauriges Resultat für uns Juden ergeben. Alle beschlossen einstimmig alle Mittel anzuwenden, um uns Juden von der Dumawahl zu verjagen, wenn es sogar im Blut ginge. Einer schilderte sogar das wüste Bild der Gewaltakte gegen die Juden und beteuerte, die Juden sollen durchaus eine Erleichterung in ihrer traurigen Existenz erhalten, aber die allen anderen hielten heftigste Angriffe gegen die Juden und erklärten, man solle zwar gegen die Juden in der entschiedensten Weise vorgehen, aber schlau, nicht öffentlich. Hier in Radomisel haben die russischen Geistlichen allen christlichen Dienstboten streng untersagt, bei Juden zu dienen, widrigenfalls werden sie aus der Kirche verjagt werden. Hier hat es eine große Panik hervorgebracht und alle christlichen Dienstboten verlassen ihre Wirtinnen. I Braun, Lehrer. Atrebs-Apotheke w K. Ulittrlbach ea Soda-Pastillen. Ulictt, I.» ffsöel Ittarlit llr. t Sodbrennen. Ausstößen re. leiden. unen't&e&rtU^*' (Palais Siua) Zentrum der Stadt lM- Preis per Schachtel 89 Heller. "MW

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