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Nationalzeitung · 1907-02-08 · Heft 9 (8.2.1907) · page 1

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1907
Issue
Heft 9 (8.2.1907)
Date
1907-02-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jawohl, auch für die diesjährigen Reichsratswahlen sind wieder alle Ratschläge an die Adresse der systematisch verdummten, vollständig zerklüfteten österreichischen Juden verspätet; auch die in vieler Beziehung sehr richtigen Anregungen des Herrn Paul D i a m a n t in Nr.' 7 der „Nationalzeitung", welche sich ja vollständig mit dem decken, was ich seit 9 I a h r e n in diesem Blatte und in anderen jüdischen Blättern vertrete. Da ich aber meinem jnngösterreichischen großösterreichischen Programme entsprechend auch das n e u e P a r l a m e n t, wie überhaupt die ganze gegenwärtige Verfassung nur als eine kurze Etappe in der politischen Entwicklung Oesterreichs ansehe, so ist auch die Stellung der Juden zu den gegenwärtigen Reich sratswahlen für mich nur insoweit von Bedeutung, als sie deutlich zeigt, wie viel in P u n c t o E r z i e h n n g u n d O r g a n is a t i o ii besonders in Westösterreich n n t e rlassen wurde und was alles gilt zu machen ist. Seit Jahr und Tag fordere ich: 1. Organisation der ö st e r r e i ch i s ch e n Juden auf nationalsozialer Basis, 2. die scharfe Trennung des all jüdischen Problems von der österreichisch-jüdischen Politik, 3. e i n nationalautonomistisches soziales Großösterreich und Anerkennung der Juden als eine gleichberechtigte Nationalität in dem reorganisierten national-föderativen Völkerreiche, somit 4. ein Verständnis mit jenen Gruppen, welche dieses Programm vertreten. Damit ist auch meine Stellung zu den Reichsratswahlen präzisiert! Der Krakauer Parteitag im Monat Juni hat auch Punkt 3 akzeptiert^leider nicht Punkt 2 berücksichtigt, daher "waren seine Ergebnisse und alle späteren Bemühungen betreffs einer jüdisch-politischen Organisation Null. Es ist daher eine, wenn auch verspätete Einsicht eines begangenen Irrtums und ein Schritt nach vorwärts, wenn die letzte Lemberger Konferenz beschloß, daß „bei den nächsten Reichsratswahlen nicht nur Zionisten, sondern auch jüdische-nationale Kandidaten aufgestellt werden dürfen" und daß „Wahlkompromisse mit irgend welchen Parteien nur unter der Bedingung geschloffen werden, daß die. jüdisch-nationale Individualität nicht darunter leidet". Da nun in Galizien nur die R ut h e n e n und der Abgeordnete Ernst Breiter dieser Forderung Genüge leistet, so ergibt sich daraus von selbst die Stellung zu den Reichsratswahlen in Galizien. Anders liegen die Verhältnisse in Wien, Böhmen, Mähren und Schlesien. Es fehlt jede jüdische Organisation, die dort mit Erfolg eine Aktion beginnen könnte, und infolge der bisherigen verkehrten Politik der österreichischen Inden jeder verläßliche Verbündete. Die jung österreichische, groß österreichische Bewegung, die allerdings den nationalen Po st u laten der Juden Rechnung trägt, ist noch nicht organisiert und tritt diesmal noch n i ch t in die Wahlaktion ein; dasselbe gilt von den Bode nr e f o r m e r n, von denen nur der freisozialistische Flügel in Westböhmen Kandidaten aufstellt. In Mähren und Schlesien — davon habe ich mich im Vorjahre in 35 Versammlungen überzeugt — ließen sich schon Erfolge erringen, bei den nächsten Reichsratswahlen aber nur, wenn man durch 8 Jahre hindurch ununterbrochen außer den jüdischnationalen, auch die großösterreichischen und bodenreform erischen Prinzipien p r ypagieren würde. Vor vier Jahren, a m 9. Jänner 1993, schrieb ich diesbezüglich im „Jüdischen B o l k s b l a 1 t e": Hier kann nur — und nicht bloß den Juden, sondern auch dem österreichischen Staate und dem allgemeinen Fortschritt — die Organisation der österreichischen Feuilleton. Aus dem Wege nach Schemelletz. Skizze von Schalom Asch! Ans dem Jargon übertragen durch N. Chameides Ein langer Weg zieht sich hin zwischen Ecldern und Bergen; ein blauer freundlicher iuttuel wölbt sich über das All, und Berge und Fluren grüßen das Firmament. — Alles ist so hell, so friedlich traut, fest gefügt und wurzelt im Erdengrunde. Ich aber irre, losgelöst voni Weltorganismus, unstet einher; lange noch werde ich wandernd irxen, gleich den vielen, denen das gleiche Los heschieden ist. — Und, SAxa loynuatnr! Die Grenzpfähle, die ich auf dieser meiner Wanderung antreffe, sie wollen es mir sagen, daß man sich ans der Welt nicht flüchten kann. Wo gibt es eine einsame Stätte? Wo einest Opt. wo keine Menschen, mit ihrem Denken, ih^er Arbeit, ihren Händen? Ern Glück nur noch, daß der Menschen Hände.nicht auch den Himmel zu erfassen vermögen. Die Feststellung seiner Größe nach Kilometern und Meilen würde da die erste, und die Begründung vgn Gesellschaften auf Aktien zur Monopolisierung von Sonne, Mond und Sternen die nächste Aufgabe bilden: und welch schöne Perspektive würde sich nicht unternehmungslustigen Geistern auf reichen materiellen Gewinn eröffnen? Allein mit meinen Gedanken gehe ich den Weg entlang und dieser wird immer öder und öder. Schwere, dunkle und düstere Wolken ziehen plötzlich herauf, es folgt Schwarm auf Schwarm. Im Banne dieses Naturschauspieles stehend, gewahre ich, daß einzelne Wolkenteile sich löslösen und in sich zusammenfließen. Stück um Stück des weiten Himmelszeltes wird bedeckt und verdunkelt, einzelne Wolken dehnen sich allmählig und gleichen bald grünen durchsichtigen Schleiern, und wieder ziehen sich die Schleier zu lichten Massen zusammen. Helles Aufleuchten wechselt mit schauervoller Dunkelheit und dem Wanderer wird es so unheimlich wohlig, so beängstigend wonnig zu Mute. Weit und breit kein Haus, keine Hütte zu erblicken, man wähnt sich außerhalb dem Weltgetriebe, Daubedeckte Felder heben sich zum Himmel empor und der tauspendende Himmel neigt sich zur Erde herab. Die Kräfte in der Natur umschlingen und verschmelzen sich, die Aehren auf den Feldern, Gräser und Blumen auf den Wiesen, bewegen M in stiller Andacht, sie wieg n sich gleichsam im Schoße der guten, der liebenden Mutter. — Mich, aber dem Menschenkinde, beschleicht ein Gefühl der Beschämung! Alles hängt mit der Erde zusammen, ist mit mir verwachsen und wurzelt iii ihren Grundtiefen; nur ich bin von ihr abgerissen, als würde ich mich gewaltsam von de- Elternzucht befreit haben, um in die weite upr bekannte Welt hinauszustürmen und dann, verwaist herumirrend, wieder nach einem Ruheplätzchen zu suchen.- Die Wolken haben sich indeß zu einem großen, den Himmel umspannenden Panzer vereinigt. An einzellien Stellen zeigt dieser Panzer vereinigt. An einzelnen Stellen zeigt dieser Panzer allerdings Risse, durch welche Lichtstrahlen sich Bahn brechen, und verhüllend, küssen die nachziehenden Wolken das zürnsttretende Licht. — Bald werden sich die Wolken auch entladen, Regengüsse werden niedergehen, und einsam bin ich auf dem Wege, ohne schützendes Obdach. Eine heilige Scheu vor per Majestät der Natur erfüllt mein Wesen. Die Gräser auf den Fluren neigen sich zur Erde, preisend beu Spender des erfrischenden Regens; ein Vogel durchzieht schaudernd im raschen Fluge die Luft; der einsam im Tale stehehende Baum bewegt ehrerbietig seine Aeste; Zwielicht breitet sich über die Segen bringenden Felder, als stimmten sie einen Lobgesang gegen Himmel an; und ich, ziehe meines Weges weiter! Auf der Landstraße wirbelt der Wind Staubwolken auf und als diese sich legen, gewahre ich zwei Pferde bergauf sich schleppen, deren Lenker, mit der Peitsche in der kräftigen Hand auch bald meinein Auge sichtbar wird. Wir Die nächste Nummer erscheint Dienstag, den \2. Februar.

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