Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 8 (1.2.1907)
- Date
- 1907-02-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nationalzeitung Nr. 8 Mit diesem Buche wird auch das Andenken seines Verfassers stets iu dankbarer Erinnerung erhalten bleiben. Die Versammlung hat sich zum Zeichen der Trauer von den Sitzen erhoben. Der Präsident bringt nun zur Kenntnis, daß ans Anlaß des 50jährigen Todestages des Herrn Leopold Ditmar Königsberg, Stifter des nach ihm benannten Mädchen-Erziehungsinstitutes, am Vorabende des 16. Schebat, das ist am 30. Jänner 1907, ein feierliches Requiem im Stadttempel stattfinden wird. Im Einlaufe befinden sich: 1. Zuschrift der k. k. n.-ö. Statthalterei betreffend Kenntnisnahme der Konstituierung des Kultnsvorstandes. 2. Dankschreiben der Frau Helene Simon für die Teilnahme des Kultnsvorstandes anläßlich des Hinscheidens ihres Gatten, des seligen Herrn David Simon. 3. Spenden: Legat des seligen Herrn Julius Mautner für wohltätige Zwecke . K 10.000.— Legat Leopold Trebitsch: a) zur Verteilung an jüdische Wohltätigkeitsvereine in Wien . . . K 5.000.- b) zur Verteilung au würdige jüdische Arme . L5.OOO.— „ 10.000.— Bon Herrn Alois Hoffmann für Arme auf Brennmaterial . „ 100.— „ Frau Marie Stern für die Chewra-Kadischa.„ 20.— „ Herrn Leo Glaubanf für die Brigittenauer Schulküche. . „ 20.— „ Herrn Rudi Glaser für die Brigittenauer Schulküche. . „ 2.— Frau Rosa H. Josef für die Brigittenauer Schulküche. . „ 2.— Tempelverein f ü r den X. Bez. In Ergänzung des Berichtes, welchen der Präsident der Knltusgemeinde Herr Dr. Alfred Stern in der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 20. Jänner d. I. erstattet hat, werden alle auf den Verein bezughabenden Daten seit dessen Begründung bis auf die Gegenwart in aktenmäßiger Darstellung zur Kenntnis des Plenums gebracht. Aus derselben ergibt sich, daß der Verein vom Gründungsjahre 1878 bis zuni Jahre 1896 mit einer Subvention der Kultusgemeinde von jährlich 300 bis 4OO K nicht allein das Auslangen fand, sondern noch Ueberschüsse zur Thesaurierung eines Baufondes erzielte. Für den Bau des Tempels, welcher am 6. September viele erhalten?" Er vergleicht hierauf die Vielnamerei mit der Vielweiberei, und meint, man könne weder mehrere Weiber noch mehrere Namen gut erhalten. Diesen Brief schließt Auerbach mit der Versicherung, daß ich ewig bin und bleibe beiit Benedikt Auerbach. In der Tat hat Auerbach sich der Vielnamerei entschlagen; er hat weder die hebräischen Namen Moses Barnch, noch den lateinischen Namen Benedikt, nur den einen deutschen Namen Berthvld in der deutschen Literatur zu Ehren gebracht. Und doch! „ . . . Er war gleichsam über Nacht ein Greis geworden, ein kranker, lebensmüder gebrochener Greis. Gelb und trocken war seine Haut und seine Augen waren glanzlos. Auf die Frage, ob er krank sei, antwortete er: Nein, krank bin ich eigentlich nicht, aber es nagt mir etwas am Herzen, und ich fürchte, daß es mein Tod ist. Das ist die greuliche Judenhetze, die von schlechten Menschen angefacht ist zu noch schlechteren Zwecken..." So erzählt Karl Braun. So sah er aus, der lebensfrohe, gntinütige, joviale Berthvld am Abend seines von Erfolg und Ruhm gekrönten Lebens. So sah er gus, als er vor der Kaiserin Angusta im Tone tiefster Erregung die Worte unterstrich: „Vierzig Jahre habe ich mit bester Kraft für das deutsche Volk gearbeitet und in Liebe und Treue meinem Vaterlande gedient und nun muß ich miv sagen lassen, daß ich hier ein Fremder sei. Das werde ich nicht überleben!" Und er konnte es auch nicht überleben. Der Mann mit dem starken Heimargefühl starb in Cannes, fern von der Hiinial, nur Gefühle der Heimatlosigkeit! 1896 eingeweiht wurde, hatte der Kultusvorstand fl. 6000— (K 12.000) als Beitrag und fl. 4000.— (K 8000.—) als zinsenfreies, in Jahresraten von fl. 400.— rückzahlbares Darlehen unter Einverleibung des Pfandrechtes bewilligt. Die Gesamtkosten für Bau und Einrichtung sollten den Betrag von fl. 60.000.—, die Erhaltungskosten die Summe von fl. 5100.— nicht überschreiten. Es war in Aussicht genommen, daß Prediger und Chor nur für die hohen Feiertage bestellt würden. Im Jahre 1896 begannen die neuen finanziellen Forderungen des Vereines. Die den Subventionsgesuchen, Rechnungsabschlüssen und Bilanzen entnommenen Gegenüberstellungen der korrespondierenden Ziffern laffeit erkennen, daß die jeweilige Subventionsbewilligung unter Bedachtnahme auf die Ergebnisse des Vorjahres und des verfügbaren Barbestandes des Vereines in einem das Auslangen ermöglichenden Ausmaße erfolgt ist, sohin jenes Defizit, welches alljährlich im Vereinsb u d g e t ausgewiesen erschien, nicht als die richtige Grundlage für die Subventionsbemessung in Betracht kommen konllte. Allerdings haben die Ban- und Einrichtungskosten, sowie die aufzunehmenden Darlehen die präliminierten Betrüge weit überschritten und verursachen, entgegen den seinerzeitigen Vereinbarungen, noch derzeit Ausgaben aus der laufenden Gebarung. Die ordentlichen, ursprünglich mitX 10.200— prälimierten Erhaltungs- und Betriebskosten beliefen sich schon im ersten Betriebsjahre auf L 17.500.— und sind seither auf K 20.910.- gestiegen. Auch die Anschaffung und Erhaltung der Orgel, die zufolge vom Vereinsvorstande gemachter Zusage mir aus zu diesem Zwecke einlangenden separaten Spenden erfolgeil sollte, belastete mit ansehnlichen Beträgen beu laufenden Betrieb. Im Jahre 1906 zählte der Verein 263 ordentliche Mitglieder. Den ordentlichen Einnahmen von L 21.62787 standen an ordentlichen Ausgaben K 20.910 44, an außerordentlichen Ausgaben K 3317 54 gegenüber. Die Gehalte der Angestellten betragen K15B08.—, die Remunerationen pro 1906 L 809,—. Die Bilanz schließt mit einem Aktivum von K 129.363'49, wobei der Wert der Realität mit K 157.558 47, der des Inventars mit L 33.850.— eingestellt erscheint. Die Passiva belaufen sich auf K 63.430.78, der Barbestand auf K 1237 80. Der Gottesdienst wird mit Orgel und Damenchor abgehalten, wodurch eine Mißstimmung unter der konservativen Jndenschaft des Bezirkes entstand, als deren Produkt die Gründung des Vereines „Ansehe-Emes“ zutage trat. Die vom Kultusvorstande unternommenen Bemühungen, die Abstellung des Damenchores beim Tempelvereine dnrchznsetzen, blieben trotz wiederholter Zusagen des Vereinsvorstandes erfolglos, und in der dem Kultusvorstande vorgelegten Gehaltsliste der Angestellten figurieren noch derzeit fünf Choristinnen. Ueber das Verhältnis zwischen den» Vereine „Ansche-Emes“ und dem Tempelvereine, die diesfalls ergriffenen Maßnahmen und Verhandlungen wurde in der vvrwöchentlichen Plenarsitzung vom Präsidenten ausführlich berichtet. Mittelst einer vom 17. Jänner d. I. datierten Zuschrift äs praos. 20. Jänner 1907 gab der Vorstand des Tempelvereines bekannt, daß in der am 16. Jänner l. I. abgehaltenen Generalversannnlung mit statutenmäßiger Majorität die Auflösung des Vereines beschlossen worden sei. In einer'Zuschrift vom 18. Jänner d. I. »vurde das in jener Versammlung gewählte Liqnidationskomitee bekannt gegeben. Das Liqnidationskomitee übermittelte unter dem 25. Jänner d. I. ein gedruktes Protokoll der Generalversammlung und richtete an den Kultnsvorstand die Anfräge, zu welchem Termine die Uebergabe des Vereinsvermögens an die Kultusgemeinde stattfinden solle. Ueber diese Eingabe hat das Vertreterkvlleginm in seiner Sitzung vom 26. Jänner d. I. beschlossen, dem Plenum zu beantragen: Nachdeni ein Beweis darüber, daß der Beschluß über die Auflösung des Vereines in einer den Statuten entsprechender Weise gefaßt tvurde, nicht vorliegt, wird seitens des Knltusvorstandes die Auflösung des Tempelvereines im X. Bezirke n i ch t zur Kenntnis genommen und behält sich die Knltusgemeinde in Haildhabung des ihr zustehenden Aufsichtsrechtes (§ 77 des Statuts) vor, die geeigneten Schritte zu unternehmen. Präsidellt Dr. Stern fügt diesem Berichte folgendes bei: Aus dem' vorliegenden Protokolle der Geueralversammlung des Tempelvereines im X. Bezirk gehe hervor, daß dieser Generalversammlung eine Amtsperson nicht beigewohnt habe, daß somit — ohne den Herren des Vereinsvorstandes hierdurch irgendwie nahezutreten — eine autoritative Beglaubigung der Vorgänge dieser Generalversammlung fehle'. Angesichts der Vorkehrungen aber, welche zu dieser Generalversammlung getroffen wurden, insbesondere angesichts des Umstandes, daß der größte Teil der Mitglieder vor Abhaltung der Generalversammlung veranlaßt wurde, aus dem Vereine auszuscheiden und so durch eine künstliche Herabmindernng der Anzahl der Vereinsmitglieder den Auflösnngsbeschluß bestimmt herbeizuführen, müsse auf die erwähnte autoritative Beglaubigung besonderes Gewicht gelegt werden. Nach dieser Richtung hin werden sich auch die vom Vorstande gegen die Giltigkeit der Auflösung zu unternehmenden Schritte' richten. Ueber den Antrag des Vertreterkollegiums entwickelt sich eine eingehende Debatte. Kaiserlicher Rat Sachs erklärt sich mit dem Vorschläge einverstanden und will die Gelegenheit benützen, darüber Klage zu führen, mit welcher Respektlosigkeit dem Kultusvorstande seitens einzelner Korporationen begegnet werde. Dieselben Herren, die vor jedem Magistratsdiener einen Kotau machen, befleißen sich gegenüber dem Kultusvorstande eines Tones, der' als geradezu unqualifizierbar bezeichnet werden muß. Dem Herrn Vize-Präsidenten Dr. Kohn, welcher gegenüber ähnlichen Vorkommnissen in der Generalversammlung des Tempelvereines im X. Bezirke mannhafte Worte der Abwehr gefunden hat, gebühre hiefür der wärmste Dank. Auf den speziellen Fall übergehend, bezeichnet Redner das Vorgehen das Tempelvereines als nicht fair, namentlich müsse entschieden mißbilligt werden, daß gerade jetzt die Bezeichnung des Tempels als Kaiser Jubiläums'Tempel besonders betont werde, um so den Vorstand iu eine scheinbare Zwangslage zu bringen. Dr. Spitzer' bebanett, daß das Vertreterkollegium zu keinem anderen als dem vorliegende»! dilatorischen Beschlüsse gekommen sei. Dieser Antrag bedeute nichts anderes als eine Fristerstreckung. Er stellt den Antrag, die Diskussion über den Antrag zu vertage»» und das Vertreterkolleginm zu ersuchen, binnen 14 Tagen definitive Anträge zu stellen. Präsident Dr. Stern finbet die Bezeichnung des Beschlusses als einen dilatorischen für nicht gerechtfertigt. Der Beschluß auf Bestreitung der Ordnnngsmäßigkeit der erfolgten Auflösung sei vielmehr ein ganz positiver, der, »vie er hoffe, gute Früchte tragen werde. Kaiserl. Rat K a u d e r s e»npfiehlt die Allnahme des Vertreterantrages. Er habe der betreffenden Vertretersitzung beigewohnt und er könne versichern, daß dieser Antrag nur zu dem Zwecke gestellt sei, um wieder Rllhe und Ordnung herzustellen. S. Steine r beantragt, ein Komitee einzusetzen, welches zusammen mit dem Vertreterkollegiuu» in Verhandlungen mit dem Tempelvereine einzntreteu hätte. Vize-Präsident Dr. Kohn bemerkt gegenüber den Ausführungen des Herrn Doktor Spitzer, daß das Vertreterkollegium, we»»n es nicht den vorliegenden Antrag gestellt hätte, angesichts der bestehenden Verhältnisse nur den einen Antrag hätte stellen können, den Temfiel nicht zu übernehmen. Da»nit märe aber gewiß niemandem geholfen »vorden. Die Führung der ganzen Angelegenheit sei gewiß nicht einwand' frei gewesen, 'namentlich stimme er mit dem Kollegen kaiserl. Rat S a ch s dahin überein, daß »gewisse Auflegeleien, bene»» der Kultnsvorstand von rechts und' links ausgesetzt ist, aufhören müssen. Gewiß »verden manche Vorstandsmitglieder bereit scin, ihre Stelle anderen Versouen, welche glauben, die Geschäfte besser führe»» zu können, zu überlassen. Die Form aber, in »velcher eine Sache behandelt »vird, darf auf die Entschlüsse des Vorstandes in sachlicher Beziehung keine»» ungünstigen Einfluß üben. Der Vorstand des Tempelvereines hätte unter An- Uoltenr echte Reform-Schweißblätter nw® Waschbar! Waffervicht! Geruchlos! 8