Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 6 (18.1.1907)
- Date
- 1907-01-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreich« ngarn s. Frankozustellung: Gan »jährlich. . . . L 12- Halbjährlich.6 — Vierteljährlich ..." 3- Fiir d. gesamte Ausland r Ganzjährltch Preis der Anzeige«» Die vmal gespalt. Nonpareillezeile oder deren Raum Ist l>. »«gesendet" die Ss Nonparetllezeile 60 Bei mehrmaligen Aufträgen K 15.12 | entsprechender Rabatt. Ur. 6. Wien, Freitag den 18. Jänner 1907 (3. Keimt 5667). IX. Jahrgang. Die Aufgaben der „3tou. Von Rechtsanwalt G. Wunderlich-Opveln. Die mannigfachen Kommentare, die sich an Zangwills Rede angeschlossen haben, verlangen eine Betrachtung, die vorn „Jto"-Standpunkt ans klarlegt, daß Zangwill, so wie er gehandelt hat und nicht anders handeln durfte, und die überhaupt die Aufgabe der „Jto" beleuchten soll. Für die Inden des Ostens ist der wesentliche Teil der Jndeirfrage die Landfrage, für die des Westens die Beseitigung der sittlichen Judennot und die Rückkehr zuni Judentum. Diese verschiedenen Wünsche mtb Hoffnungen fanden schließlich ihren Ausdruck im Baseler Programm des I. Kongresses. Der Zionismus übernahm damals die Aufgabe, das Zentrum für alles das zu werden, was mit einem Wort als die Judenfrage bezeichnet zu werden pflegt, das Zentrum überhaupt fiir das Judentmn, das jüdische Volk. Ihren Höhepunkt erreichte die fo glücklich begonnene und geleitete Bewegung auf dem VI. Kongreß, als die englische Regierung mit dem offiziellen Vertreter des Zionismus sich in Verbindung setzte, um die Judenfrage ihrer Lösung ein Stück näher zu bringen. Der VII. Kongreß lehnte aber jede Ausdehnung der Tätigkeit des Zionismus auf Aufgaben, die etwas anders bezweckten als die für absehbare Zeilen unmögliche Besiedlung Palästinas und seiner nächsten Nachbargebiete, entschieden ab, und sprach sich damit jede Fähigkeit und den Willen ab, die entscheidende Zentrale für das gesamte jüdische Leben zu bleiben. Diejenigen Zionisten, die diesem Verzicht sich nicht anschließen und die die großen Aufgaben, die zu lösen der offizielle Zionismus sich geweigert hat, fortsetzen wollten, möchten ein neues Zentrum schaffen, um im jüdischen Leben dem jüdischen Volk einen Ersatz zu geben für das, was der Zioilismus bis zur Zeit des 6. Kongresses dem Volke gewesen ist. Ans Grund der Erfahrungen, die die Leiter dieser neuen Zentrale, der Jto, i» ihrer zionistischen Vergangenheit gemacht hatten, mußte es ihre Aufabe sein, die Plattform dieser Bewegung so reit wie möglich zu gestatten, indem sie davon ausgingen, daß nicht ein aus Worten zusammengesetztes Programm das Wesen einer Volksbewegung ausmacht, sondern das tiefe lebendige Zusammengehörigkeitsgefühl, das sich im jüdischen Volke in den verschiedensten Gestaltungen geltend macht, ein Gefühl, das geleitet wird von dem Bewußtsein: Juden sind wir, nichts Jüdisches ist uns fremd. Damit sind eigentlich die Aufgaben der „Jto" genügend charakterisiert: sie will eben die Zentrale sein für alle jüdischen Aufgaben, die das jüdische Volk zu erfüllen hat. Stets von dem Bewußtsein durchdrungen, das schon einen Pinsker erfüllt hat, werden die Leiter niemals die ihnen unbedingt obliegende Verpflichtung außeracht lassen, dem jüdischen Volke eine aus autonomer Basis ruhende Heimstätte zu schaffen. Aber die stete und zielbewußte Arbeit nach dieser Richtung hin hindert sie nicht, sich mit dem Problem zu befassen, das zur Zeit das wichtigste für das jüdische Volk ist: die Regelung der Judenwanderungen. Was hie und da schwache Versuche von Verbänden ins Leben rufen wollte, was der Zionismus gern aber erfolglos auf der Brüsseler Konferenz in die Wege leiten wollte, Zangwill ist es gelungen: zunächst für einen Teil der Auswaiidernug die Zentrale zu schaffen; in ruhiger bestimmter Weise wird das begonnene Werk fortgesetzt lverdelt, bis einst die Judenwanderungen von der einen Stelle aus reguliert werdeil können. Nicht Zangwill hat seine Ansichten geändert, sondern unsere, auf ein-Programm ei ngeschworenen Gegner, die nur diejenigen als voll a n s e h e n, welche gewisse Phrasen und ihre Wiederholung für das Wesentliche im Judentum halten, haben sich n i ch t w e iterentwickelt und sitzen nun a u f d e m A l t t e i l e i n e s R e st e s von Anschauungen, die zu einer praktischen Entwicklung sich nicht gestalten werde n.' Nur praktische, großzügige Arbeit kann das Judentum retten, die „Jto" hat diese Arbeit tn die Hand genommen und Zangwill leitet sie mit Geschick und Erfolg! Feuilleton. Me TemMienstMeilimgen. Von Rabbiner Dr. Simon Fried mann in Lubinitz. Zu den alten Tempeldienstabteilungen gehören zunächst oie Abteilungen der Priester, welche den Opferdienst verrichteten und die der Leviten, welche als Priesterdiener, Torhüter, Sänger und Musiker innerhalb des Tempels fungierten. Aber weder die Priester noch die Leviten hatten etwa deshalb ihren ständigen Wohnsitz allesamt nur in Jerusalem selöst; vielmehr wohnte» sie' zerstreut in ganzen Lande Palästlna-Judäa, wo es ihnen beliebte. Nur mußten diejenigen Priester und Leviten, an welche die Reihe des Dienstes kam, sich pünktlich in der Hauptstadt einfinden. Dazu eben wurden die Priester und Leviten des Landes in eine bestimmte Zahl von Abteilungen verteilt, und einer jeden Abteilung bestimmte Pflichten überlviesen, die auch — namentlich bei den Leviten — in ihr erblich blieben. (Vgl, Erachin 11 b). Es ist selbstverständlich, daß die Anzahl dieser Abteilungen im Laufe der Zeiten stieg, etwa in demselben Verhältnis, in welchem die Priester- und Levitenbevölkennig zunahm oder wuchs. In welchem Maße diese Zunahme erfolgt ist, können wir ans den Berichten ersehen, daß zur Zeit der Rückkehr aus Babel, also zu Anfang des zlveiten Tempels, die Gesamtzahl der hinaufziehenden Priester 4289 betrug (Esra 2,36 ff.), von denen später nur etwa 1200 ihren Wohnsitz in der Hauptstadt selbst hatten (Rech. 11,10—19 ff.), und daß zur Zeit des Josephus' (contra Ap. 11,8) mehr als 20000 Priester gezählt lvnrden; wie auch ein, einem Konsul Markus zugeschriebener Brief kurz vor der Tempelzerstörung von 24'000 Priestern melden kann. (Herzfeld, Geschichte III, 193.) Und daß sich auch die Abteilungen mit der Zeit vermehrten, folgt schon aus dem talmndischen Berichte (Taanilh 27 a), daß zuerst acht, dann sechzehn, zuletzt viernndzwanzig waren. Im letzten Jahrhundert des zweiten Teinpels zählte man jedenfalls je 24 Abteilungen der Priester und der Leviten, welche als eine Anordnung des „ersten Propheten" bezeichne! wird. (Bgl. Jos. Ant. 7,14, 7. Toss. Taanith IV.) Diese Bezeichnung kann jedoch nur ihre Richtigkeit haben, sofern sie die Anordnung von Abteilungen und Einteilungen überhaupt im Auge hat, nicht aber auch zugleich die Zahl der Abteilungen. Denn nach dem oben Gesagten ist es undenkbar, daß von den Tagen Samuels und Davids an bis zum Ende des zweiten Tempels immer unverändert dieselbe Anzahl der Abteilungen vorhanden gewesen sei. Zudem lesen wir weder in den Büchern Samuels noch in den Büchern der Könige irgend etwas von dieser Anordnung. Ueberdies erscheint auch im talmudischen Berichte selbst obige Bezeichnung nicht über allen Zweifel erhaben, da dort nach einer zweiten Ansicht David allein, und nach einer dritten Ansicht „die Propheten zu Jerusalem", d. i. die letzten Propheten zu Anfang des zweiten Tempels als die Urheber der neuen Einteilung genannt werden. Aber auch weder in den Büchern dieser Propheten noch in den Büchern Esra-Nechemja ist davon die Rede, und es scheint daher, daß man auch in diesem Falle, wie in vielen anderen Fällen, den im* bekannten Urheber einer gegebenen bekannten Einrichtung in einer alten Autorität erblickte, und daß die einen ihn daher unter den „ersten", die anderen wieder unter den „letzten" Propheten sahen. Vielmehr gehört die Einteilung der Priester und Leviten in je 24 Abteilungen frühestens der Zeit nach Nechemja an, sie ist wahrscheinlich ein Werk nach der „Synagoga Magna", jener großen Körperschaft, welche den Tempel- und Gottesdienst in Ruhe, Sicherheit und Muße nach vielen Richtungen hin festgesetzt und ausgestaltet hat, in den Tagen etwa Simons des Gerechten eingeführt, in dessen Spruch (Abot 1,2) ja die „Abodah" neben Thorah und Gemillus-Chaßodim hervorragt. Am Ende des dritten Jahrhunderts v. u. Z., als die Zahl der Priester und Leviten bereits stark zugenommen hatte, da konnte man die Zahl der >W Die nächste Nummer erscheint Dienstag, den 22* Jänner. ~98