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Nationalzeitung · 1907-01-08 · Heft 3 (8.1.1907) · p. Seite 3

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1907
Issue
Heft 3 (8.1.1907)
Date
1907-01-08
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 3 Nationalzeitung Seite 3 Vereinigung traditionell gesetzestreuer Rabbiner. Am 1. Jänner hielt im Repräsentanten- Sitzungssaale der israelitischen Synagogengemeinde (Adaß Jisroöl) in Berlin die „Bereinigung traditionell-gesetzestrener Rabbiner" ihre' fünfte Generalversammlung ab. Nicht weniger als einundsechzig Teilnehmer hatten sich eingefnnden, und zwar die Herren Rabbiner: Dr. Ackermann-Brandenburg, Dr. Anerbach-Halberstadt, M. Auerbach Berlin, Bamberger-Hanau, Prof. Dr. Bartb-Berliu, Baßfrennd-Trier, Pros. Dr. Berliner-Berlin, Berlinger-Braunsbach, Biberfeld-Berlin, Bleichrode- Berlin, Bondi-Mainz, Brader-Ansbach, A. Cohn- Jschenhausen, C. Cohn-Rawitsch, N. Cvhn-Äurgpreppach, Ehrentreu-München, Feilchenfeld-Posen, Seminarlehrer Dr. Frankfurter-Köln, S. Gat-- liner-Beuthcn, Goitein-Burgkunstadt, Gradenwitz-Tarnowitz, Dozent Dr. H. Hildesheimer- Berlin, M. Hildesheinier-Berlin, Rektor Dr. Hoffmann-Berlin, M. Hoffmann-Randegg, M. Horovitz-Franksurt a. M., Kaatz-Zabrze, Kahn- Eßlingen, Kohn-Ansbach, Königsberger-Pleschen, Kraus'-Schildberg, Lerner-Altona, Levy-Charlottenburg, Lewy-Neustettin, Liebermann Königsberg i. P.. Löb-Emden, Löwental-Hamburg, Mannes - Schwabach, Mannheimer - Oldenburg, E. Munk-Berlin. L. Munk-Marburg, Münz- Berent, Neuhaus-Lauenburg, Neuwirth-Bingen, N. A. Nobel-Leipzig, I. Robel-Filehne, Petuchowski-Berlin, Pick-Berlin, Rosental-Köln, Schweizer - Weikersheim, Silberberg - Schrimm, Stein-Schweinfurt, Stein-Memel, Unna-Mannheim, Wachenheimer-Aschaffenbnrg, A. Weil- Berlm, Weinberg-Salzburg, Weingarten-Ems, Winter-Berlin. Dozent Dr. Wohlgemuth-Berlin, Wolff-Köln, Wreschner-Samter. Den Verhandlungen ging am Montag nachniittags eine Vorbesprechung über die Frage einer Gesamtvereinigung aller t r a d i t i o n e l l-g e s e tz e s t r e u e r Juden Deutschlands voran. Unter Hinweis auf die Wichtigkeit des Gegenstandes waren sämtliche Mitglieder zu dieser Vorbesprechung speziell eingeladen worden. Als Vertreter der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" war Herr Jakob R o s e n h e i m- Frankfurt a. M. erschienen. An die Referate der Herren Rabbiner Dr. B i b e r f e l d und Rosen he im schloß sich ein so ausgedehnter, lebhafter Gedankenaustausch, daß die Versammlung erst in vorgerückter Abendstunde eröffnet werden konnte. Der Vorsitzende, Herr Rektor Dr. H v f f m a n n, gab in seiner Begrüßungs-Ansprache zunächst' der gerechten Befriedigung Ausdruck, daß die Mitgliederzahl auf sechsundachtzig angewachsen sei, gedachte sodann in Worten pietätvoller Erinnerung der Heimgegangenen Herren Rabbinner Abr. Biberfeld s. A.-Berlin und Dr. Emmerich- Beuthen und schloß daran den Bericht über die vielseitige Wirksamkeit des Vorstandes während der letzten beiden Jahre, welche als eine befriedigende bezeichnet werden könne. Die Dienstag-Beratungen wurden mit den Berichten der Kommissionen eingeleitet. An das Referat des Herrn Rabb. Dr. I. Auerbach- Halberstadt über die Gesamtvereinigung der Traditionell-Gesetzestreuen knüpfte sich abermals eine sehr eingehende, überaus angeregte Diskussion, in welcher, wie Tags zuvor, zwar der einmütige Wunsch, daß die' Verwirklichung gelingen möge, hervorgehoben, aber zugleich, namentlich von den Herren Pros. Barth, Rabbiner Dr. Cohn- Jchenhansen, Kaatz und Munk-Marburg, auf die prinzipiellen Momente, über welche eine vorherige Einigung geboten sei, hingewiesen wurde. Da mehrere Anträge Vorlagen, wurde die entgiltige Beschlußfassung zunächst, um eine allerseits befriedigende Formulierung zu finden, ausgesetzt. In ebenso geistvollem, wie lehrreichem Vortrage entwickelte sodann Herr Rabb. Doktor Hör ö v i tz - Frankfurt a. M., seine Anschauungen über diese traditionellen Fragen, die von Scharfsinn und Belesenheit zeugen. Die Ausführungen entfesselten einen Beifallssturm, der sich wiederholte, als der Vorsitzende den Dank der Versammlung für die reiche Belehrung und Anregung aussprach. Sodann ergriff der Vorsitzende des Vorstandes der Adaß Jisrosl, Herr I. N o s e n b l ü t h, das Wort, um mit dem Ausdruck der Freude die ehrwürdige Versammlung in diesen Räumen zu begrüßen, die Teilnehmer zu einem von der Gemeinde dargebotenen Frühstück einzuladen. Der liebenswürdigen Einladung wurde sofort Folge geleistet. Nach Wiederaufnahme der Beratungen gelangte zurächst der Antrag, betreffend die Gesamtvereinigung zur Abstimmung. Man war sich darüber einig, daß der Beschluß nur dann von Wert und Wirkung sein könne, wenn derselbe einstimmig gefaßt wurde. Die Hoffnung, daß sich ein Weg finden würde, um unter Vermeidung einer Neuschöpfung die Gesamtvereinigung im Anschluß an die bereits bestehende, entsprechend umgestaltete Körperschaft herbeiznführen, hat sich als gerechtfertigt erwiesen: Unter Zurückdrängung aller persönlichen Momente hatten die Befürworter der verschiedenen Anträge sich auf den „Rat der Alten" geeinigt und lebhafter Beifall begleitete die Annahme der nachstehenden, von den Herren Prof.^ Barth, Dr. C o h n - Jchenhausen und Dr. M u n k-Marburg vorgeschlagenen Resolution: „Die Verhandlungen haben bei allen Anwesenden den lebhaften Wunsch nach dem Zusammenschluß aller Gesetzestreuen unter dem Ramm einer Gefamtvereinignng bestärkt. Diese soll im Einverständnis und im Verein mit der auf Grund des uns vorgelegten Statuten- Entwurfes neu zu organisierenden „Freien Vereinigung" herbeigeführt werden". Zugleich pflichtete die Versammlung dem Anträge des Herrn Oberrabbtners Dr. Feilchenfeld-Posen bei, daß der Bezeichnung „gesetzestreu" vor der „orthodox" der Vorzug zu geben sei. Man verließ den Beratungsgegenstand in dem einhelligen Bewußtsein, daß das Gelingen des bedeutsamen Werkes, der Zusammenschluß der Gleichgesinnten und Gleichstrebenden, reichen Segen verheißt und daß es deshalb die Pflicht aller Derjenigen, die zu diesen. Gelingen beitragen können, ist, ihr bestes Können hierfür einzusetzen. — Außerhalb der Tagesordnung erhielt sodann Herr Prof. Dr. Barth das Wort zu einem Referat über die neuerdings veröffentlichten aramäischen Papyri, die bei Assuan (Unteregypten) gefunden worden sind. Der Vortragende wies auf die hohe Wichtigkeit dieser Papyri hin, welche in aramäischer Sprache Kontrakte von Juden des fünften Jahrhunderts enthalten, also die ältesten auf uns gekommenen jüdischen Originaldokumente darstellen. Der reiche Beifall bewies Herrn Prof. Barth das lebhafte Interesse, das seinen lehrreichen Ausführungen entgegengebracht wurde. Nachdem sodann Herr Rabbiner Dr. Wreschner in lichtvollem, von emsigem Fleiß zeugenden Vortrage über „die historische Entwicklung der Verfassung der jüdischen Gemeinden in Preußen" gesprochen, referierte Herr Rabbiner Dr. E. Munk- Berlin über „die Organisationsbestrebungen innerhalb der preußischen Judenheit." Die Diskussion, welche angesichts der vorgerückten Zeit, gemäß dem Antrag Wreschner, auf die Frage der Bezirks-Rabbinate beschränkt blieb, schloß mit der Annahme eines Antrags, welcher es als wünschenswert bezeichnet, daß die rabbinerlosen Gemeinden sich einem Rabbinate nach eigener Auswahl anschließen. Sodann besprachen die Herren Rabbiner Dr. Bondi-Mainz und Dr. Bleichrode-Berlin die Religions- und Geschichts-Lehrbücher, und nachdem der Vorsitzende mitgeteilt, daß das mittlerweile beendete Skrutinium die Wiederwahl der ausscheidenden Vorstandsmitglieder ergabt erstattete Herr Dr. Hirsch Hildesheimer in längeren Ausführungen ein Referat über die Schächtfrage, über ihren gegenwärtigen muß, dort wo sein Haupt liegt, salzig feucht sein. Der Hauch der Wüste, des Todes, der Gefangenschaft und der Verzweiflung ist in diesem Bilde, und hinter dem blauen Welienvorhang lauscht dem Jammer des Propheten ein mitleidlos erzürnter Gott. Ein großes Erlebnis ist dieses Bild und unvergeßlich. Ob es sonst als gut oder mäßig, als herrlich oder gering bezeichnet werden kann, vergißt man davor. Über Hermann Struck, von dem jetzt einige Radierungen zn einer Kollektivausstellung vereinigt. in Hamburg zn sehen sind, schreibt ein dortiges Blatt: „Bei Commeter (Hermannstraße) ist der Bordcrsaal mit Radierungen von Hermann Struck gefüllt. Eng aneinander gereiht, strecken sich ungefähr hundert Blätter über vier umfängliche Wände. Landschaften. Bildnisse, Charakterköpfe, Typen, Architekturen. Stimm»ngsstiicke re. führen in eine überreiche Welt des individnell Erfaßten, eigenwillig Bewältigten, elegant umrissenen Linien, die anf das Lebendigste von einem numittelbaren Natnrgcfiihl und von einer energischen Empfindung für menschliche und tornnalerische Werte erzählen, schließen sich da mit summarischer Kraft zn einer vielseitigen und vieldeutigen Beichte zusammen. Es zeigt sich somit eine künstlerische Potenz, der alles Gegenständliche und Unkörperliche ringsum, wie von ungefähr ohne stilbildende Mühsal zur Linie wird, ..... Man sieht einen dreißigjährigen Meister, der jetzt schon ein Lebenswerk von erstaunlichem Umfang und ungelvöhnlicher Intensität auszubreiten vermag. Ein Lebenswerk, wie es sollst nur rückblickenden Jubelgreisen zu Gebote steht. Mau fühlt einen Künstler, der sich fast jedes sichtbare und unsichtbare Phänomen im großen Um und Aus der Lichtspiele und Lebensformen mit imponierender Energie für den Bezirk seiner Künste zunutze macht. Man merkt ihm schon heute an, daß er bald alle Zwischentechniken seiner Sondertünst mit all ihren Anleihen ans dem Bereiche der Malerei, der Plastik und Architektur anf die Radiernadel spießen lvird. Die Vielseitigkeit seiner Motive, der rastlose Trieb zur Tiefe, die Reinheit feiner Mache, das konsequente Bemühen um die Bloßlegung seiner Persönlichkeit, — all dies spricht für den Mann mit zwingender Stimme und stellt ihn schon jetzt auf die Fnßstapfen der Großen. Im silhonettenartig Landschaftlichen, das fernab von zitternden Vordergründen perspektivisch nach hinten verfließt, nähert er sich der andcntendeu Meisterkunst eines Frank Short. Im Bildnisse, das sich fast ganz anf das physische Element der Augen stützt, gelingen ihm zwischen haarscharfen.Konturen und weich getönten Flächen rein geistige Spiegelungen, die an den beseelenden Linienstich William Strangs gemahnen. Und Watson kommt in Erinnerung, wo man sich säuberlich gefügten und dennoch malerisch unreinen Architekturen gegenübersieht, die mit der schweigsamen Gewalt verwitterter Litauern zu unserer Seele sprechen und ein Gefühl der innigsten Weltabgeschiedenheit wecken. Unter den Porträts interessieren die vergeistigten Bildnisse Gerhart Hanptmanns, Theodor Herzls und Giovanni Segantinis besonders. Durch seitliche Belichtungen sind hier überirdische Reflexe, die gleichsam ans dem Innenleben der Porträtierten kommen, tonmalerisch nach allsten gekehrt und zwischen summarische Linien gelegt. Die rapide Macht jener magnetischen Wirkungen, die aus außerordentlichen Menschenköpfen im Augenblick auf uns einzuströmen pflegen, ist mit dem rassigeli Instinkt eines zeichnerischen Zeichendeuters festgehalten. Hier sind die edelsten Aufgaben einer mannhaften Bildniskunst intuitiv erfaßt und bezwungen. Eine gleich starke Geistigkeit wird in einer Serie palästinensischer Skizzen lebendig. Der Brunnen bei Jaffa, Absaloms und Nabels Grab, das Tote Meer, die Palmen-Allee im Rischon le Zion seien genannt. Eine Reihe jüdischer Dörfer mit ihrer sonnigen Schwermut schließt sich in sanften Tönungen an. Gegenständlicher geben sich Studien „vom Rande Berlins" (Neubauten — Rennbahn Karlshorst — Fabriken Wasserturm — Am Bahndamm). Ans Scheveningen. Igels. Sils-Maria. Agnetendorf, Weimar, Rom, Venedig liegen Ausschnitte vor, die sieh bis zu Whistlerscher Silberstiftzartheit Nlld Liebermannscher Lufthülle steigen. Ein apartes Verfahren leitet ans Grnnewald-Szenerien und märkischen Gehöften ditrch intime Kunst holländisch weiche Stimmungen ab. Hier klingt Israels an. der Hermann Strucks Lehrer war. Und Israels spricht auch mit seiner großväterlichen Stimme ans den weißbärtigen Rabbiköpfen, die zn Strucks Spezialitäten gehören. Aber über Allreger und Aneiferer dringt fast anf jedem dieser hundert Blätter die Eigenkraft des jungen Berliners hinaus. Mit freildigem Anteil darf man in ihm eine neue Hoffnung unserer Kunst und eine neue Erfüllung begrüßen. Ttvebr-Apotycke mLLLL * % (Palais Sina) Zelltrum der Stt Soda-Pastille«. Sodbrennen. Ausstößen \ Beschwerden. Ue re. leiden, unentbehr »rltch. W* Preis per Schachtel Sv Heller.

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