Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 2 (4.1.1907)
- Date
- 1907-01-04
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2429839-2429930-2429932--666-2430802- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 2 Nationakzeitung Seite 9 «ns nach Galvestone und dem Westen dirigieren zu lassen. Solche Auswanderer, die in New-Dork Freunde und Verwandte haben, deren Führung sie sich überlassen können, brauchen uns nicht. Denen sagen wir: „Gehet nach New- Dork. Gottes Segen mit Euch und möge nur New-Dork noch lange ein offenes Tor für Euch bleiben." Wir sprechen blos zu denjenigen, für denen es keinen brennenden Grund gibt, lieber in die eine amerikanische Stadt zu gehen, als in die andere und die bereit sind, im großen Westen ihr Glück zu versuchen und den Boden auch fürdiean deren v o r z n b e r e i t e n. Sie dürfen nicht glauben, daß wir etwa den Vorschlag machen, den Leuten die Reise nach Galvestone zu bezahlen oder ihnen dort Arbeit zuzusichern. Dies könnte höchstens zur Folge haben, daß die ganze Partie wieder zurückgeschickt würde. Die amerikanischen Gesetze verbieten, daß d e n E i n wa n d e r e r n dieReise von anderen bezahlt werde. Amerika mit seinen „Labour-Unions" verbietet, den Einwanderern im voraus Arbeit zu sichern. Unser eigener Oscar Straus, wäre als Arbeitsmini st e r gezwungen, si e s « r ii <f* z u s ch i ck e n. was er auch laut einem heute van ihm eingelangten Kabeltelegramme g e r e ch t e r w e i s e tun m ü ß t e, w e n n diese absurden Gerüchte mit G a l v e st o n e auf Wahrheit beruhen würde n. Aber ein Emigrant kennt ja die Gefahren denen er sich aussetzt. Ein Mann der ein Land verläßt, um in ein anderes zu ziehen, nimmt sein Schicksal selbst in die Hand, und muß darauf vorbereitet sein, s e l b st eine Beschäftigung zu finden. Alles jedoch was im Interesse der Wanderer in legaler oder humaner Form geschehen kann, wird sicherlich von uns getan werden. Informationsbureau für jüdische Einwanderer. Lin Jnformatiousbureau für die jüdischen Einwanderer — das erste in den Vereinigten Staaten — wird in Galvestone errichtet «erden. Die Bevollmächtigten des Jnformationsbureaus werden den ganzen Westen bereisen und den Einwanderern behnlflich sein, daß sie gleich nach ihrer Ankunft eine Beschäftigung finden. Die Einwanderer werden in diejenigen Plätze geleitet werden, wo sie am be sten und sicher ste n eilte Beschäftigung in ihrer speziellen Branche finden können, und d i e s e P l ä tz e werden nicht wilde unbekannte Gegenden, sondern Städte sein, in. betten russische Jude n bereits wohnen. Wenn diese russischen Juden Beschäftigung finden und den Sabbathschwierigkeiten begegnen können, so ist anzunehmen, daß andere russische Juden dasselbe werden tun können. Aber glücklicher als die ersten russischen Juden, denen dort alles düster nnd fremd erscheinen mußte, werden die unter unseren Auspizien in Galvestone landenden Juden, nicht die unsympatischen Gesichter von Fremden, sondern das brüderliche Gesicht seines jüdischen Stammesbruders antreffen, deren Aufgabe es sein wird, sie in die aufblühenden Städte, die jetzt im Westen entstehen, zu führen, in Städte, wo die Aussichten Geld zu machen, größer sind, als in dem überfüllten Osten — in Städte, w o man das Leben unter gesünderen Bedingungen, billigeren Lebensmitteln, billigeren und luftigeren Häusern, mit genau so großen Arbeitslöhnen fristen kann, in Städte, w o d i e Ar be i t hinter d e r N a ch - frage z u r ü ck b l e i b t, sie nicht übersteigt, i n S t ä d t e, i u d e n e n j e d e r f ü h i g e A r b e i t e r z w e i f e l. los rasch nnd st ä n d i g e Arbeit finden kann, und wo bereits eine, wenn auch noch kleinejüd i s ch e B e v v l k e r u n g b e st e h t, um die N e n a u k o m m e n d e u willkommen zu heißen und sie zu leiten. Und da die Bahnreisen in Amerika sehr lauge dauern und sehr kostspielig find, werden diese Einwanderer k 0 st e u f r e i t u die betreffenden Städte befördert. Jüdische Arbeiter gesucht. Während das I t o l a n d nur l a n d w i r tschaftlich erfahrene Pionttiere aufnehmen kann, sind wir in vorliegendem Falle bereit, uuter den nach Amerika' wandernden Juden, Z i m m e r l e u t e, Tischler, Fleischer, Spängler, sowie Schmiede aller Art, Maler und A n st r e i ch e r, Maurer, Papierarbeiter, Bleisieder, Masch in isten und last not lsast Schuhmacher und Schneider, auf ihrem Wanderwege auszusuchen. Die Bedingungen für manche dieser Beschäftigungen sind wohl in A m e r i k a nicht die gleichen wie in Rußland, und mitunter wird wohl ein Mann gezwungen sein, mit einem „Praktikantenanfangsgehalt" zu beginnen. Sobald er aber diese kleinen Unterschiede beherrscht hat, kann er sicher sein, daß er einen guten Lohn erhält. Natürlich ist es besser, wenn er nicht zu alt ist, um diesen neuen Bedingungen mit Erfolg begegnen zu können; vorderhand ist es daher zweadienlicher. wenn wir Männer nicht über 40 Jahre alt aussuchen, besonders wenn sie Familie haben. Aber gesunde, unternehmungslustige junge Leute, selbst ohne besonderes Gewerbe, sind immer willkommen, denn sie können stets aufeine Beschäftigung rechrten, und könnten allmählich den Weg für Aeltere bahnen. Sind einmal 20.000 oder 30.000 russische Judeit aus diese Weise fest angesiedelt, so wird d a n u das Einwanderungs - Reguli e r n n g s d e p a r t e m e n t der „I t o" sich anderen Problemen und Ländern zuwenden können,, denn die Bewegung nach, dem westlichen „Wohin" wird von selbst vorwärtsschreiten. Die nach G a l v e st o n e verkehrenden Dampfer werden dann genau so populär sein, wie die Schiffe nach New-Dork, und neue Zufluchtsstätten werden vorbereitet sein für kommende, böse Tage. Aber mehr als das wird hiedurch erreicht werden. Durch ihr neues DePartem e n t w i r d d i e „I t o" z u m erste nma l e in direkte Verbindung zur j n d i s ch e n E m i g r a t i o tt treten. Bis nun sind wir nur Vermuthungen nachgegangen. Uns fehlt die Erfahrung und die Kenntnis unseres Materials. Indem wir verstehen und kennen lernen, mit welchen Elementen wir es zu tnn haben, wird anch die Möglichkeit eines Mißlingens in „I t o" - L a n d verringert. Ueberdies können wir die für Pionierdienste geeignetsten Elemente der Emigration für das „Jto"-Land aussieben, wir werden nicht gezwungen sein, alles nnd jeden aufzunehmen, nur deshalb, tveil er keinen anderen Ausweg tveiß. Wir w e r d e n die Möglichkeit haben, einen G r n n d st o ck des besten M e n s ch e n m a t e r i a l s für das „I t v" - L a nd zu schaffen. Indem w i r a n d e r e Zufluchtsst ä t t e für die G e g e n w a r t eröffnen, arbeiten wir gleichzeitig langsam aber sicher an der E r r i ch tu n g d e s H e i m e s für d i e Z u k u n f t. - Aber anch für unsere Freunde, die Zionisten, bildet unser E m i g r a t i o n s d e p a r t em e tt t eine nicht minder wertvolle Gabe. Sie werden in der Lage sein, ruhig für ihr großes Ziel arbeiten, sobald der Alpdruck der unmittelbaren Forderung beseitigt sein wird. Munisizente Zuwendungen. Alle bezüglich der für die Operationen unseres nenett Departements notwendigen Fonds veröffentlichten Berichte, sind unzutreffend. 10.000 Pfund kommen aus jener unerschöpflicheit Wohltätigkeitsquelle von der Firma deren Chef Lord Rothschild ist. Weitere 10.000 Pfund kommen von der nicht minder stark in Anspruch genommenen Firma, dem Hanse des Baron E d m u n d de R o t s ch i l d in Paris. Und von einer Quelle, die ungenannt bleiben tvill und bezüglich welcher so viele falsche Behauptungen in die Oeffentlichkeit gedrungen sind, kommen 100.000 Pfund. So groß auch diese Summen sind, ftub sie noch immer im Vergleiche zu der Größe unseres Tätigkeitsgebietes zu klein. Aber tvir können damit den Anfang machen. Ich hege auch nicht die Befürchtung, daß wir d tt r ch d e n E r h a l t d i e s e r S tt nt nt e tt d i e C h a n c e n der Finanzierung des I t o - L a n d e s s e l b st verringern. Denken Sie doch daran, daß wir bis jetzt noch keinen Appell an die große Masse unserer Anhänger in der ganzen Welt gerichtet haben, es widerstrebte uns stets von der Oeffentlichkeit die Finanzierung eines Territoriums in der Luft zu verlangen, und wir werden natürlich fitzt so lange warten, bis unsere Geographische Kommission die Ueberzeugung gewonnen haben tvird, daß für unsere Aussichten eine solide Grundlage besteht. Meine Damen und Herrett! Unter den unzähligen russischen Parteien gibt es eine, deren N a in e mir wenigstens gefällt. Es ist dies die Partei der Realpolitiker. Das ist es was wir Territorialisten in Judäa zu sein ambitionieren: die Partei der Realpolitiker. Die Jto wurde für das jüdische Volk geschaffen uttb nickt das jüdische Volk für die Jto. Wir sind hier um die realen Bedürfnisse unseres Volkes zu untersuchen, ihnen auf realem Wege und unter realen politischen und historischen Bedingungen zu begegnen. Der Zweck unserer Arbeit ist unserem Volke nicht Worte sondern Wirklichkeiten zu bieten. Hierin folgen wir dem Geiste jenes ersten großen Staatsmannes dejüdischen Volkes des verewigten Dr. Herzl. Ich bitte nun die Resolution des Abends anzunehmen. * „Die am 30. Dezember 1906 stattgehabte Maffenversammlung der Londoner Juden, und der Delegierten aus allen Teilen des vereinigten Königreiches, spricht ihre Ueberzeugung ans, daß das Emigrations- Problem nur dlirch die Schaffung eines Territoriums ans a u t oti o m e r Basis, welche in den Ländern in denen sie gegenwärtig leben, nicht bleiben können oder nicht bleiben wollen, endgiltig gelöst tverden können, und spricht gleichzeitig ihre Zustimmung zu der erfolgten Errichtung eines n e n e n Departements für die Regulierung der jüdischen E m i g r a t i o n, aus." Vermischte Nachrichten. Budapest. (Jubiläum e i n e r S ch u l e.) Die Knaben-Bürgerschnle der Pesterisrael. ReligionSgememde feierte am 25. Dezember das Jubiläum ihres zehnjährigen Bestandes. Es fand eine Festsitzung statt, der sämtliche Lehrer anwohnten, die im Laufe der letzten zehn Jahre an der Schule gewirkt haben. Nach der Eröffnungsrede des Direktors Abraham Ster u. der insbesondere der Verdienste des verewigten Anstaltsgründers Martin Schweig e r gedachte, wurden der frühere und der jetzige Präsident der isralitischen Religionsgemeinde Sigmund K o h n e r und Dr. Philivp W e i n m a n tt telegraphisch begrüßt. Der Lehrkörper wurde von einer Deputation der früheren Zöglinge der Schule und im Namen des Getneindevorstandes vom Schulinspektor Dr. Bernhard M u n k ä c s i beglückwünscht. Sodann hielt Professor Arnold S z e g ö einen beifällig aufgenominenen Vortrag über den „Pädagogischen Wert der Literatur". Es wurde beschlossen, zum Zeichen der Pietät das Porträt Martin Schweigers für den Jnstituts-Festsaal malen zu lassen. Budapest. Man telegraphiert uns: Rabbiner M o s e s B l o ch. der seit Gründung desRabbiners e m i n a r s als Rektor an der Spitze steht, wird demnächst mit Rücksicht auf sein hohes Alter — Rabbiner Bloch ist 9Z Jahre alt. — sein Amt zuriicklegen. — Als voraussichtlich Nachfolger werden genannt Herr P r o f e s s o r D r. L nd w i g B la tt. und der Cs o n g ra d e r Rabbiner D r. Michael (Satt m a n tt. Beide kamen mit bedentendetl Wissen von der I e s ch i i a h in's Seminar. Wien. (Hesped für Rabbiner Schreiber s. A.) Sonntag, den 3>>. Dezember fand im Tempel des Vereines Adass Jisroel (Schiffschnl) ein Trauergottesdienst für den verstorbenen Preßbnrger Rabbiner. S. B. S ch r e i b e r s. A. Nach dem Mincha- Gebete hielt Ehrw. Herr Rabbiner S. F ü r st einen Hesped. in welcher er die große Gelehrsamkeit Frömmigkeit nnb die Lauterkeit des Charakters des großen Lehrers iu Israel schilderte. Der Verblichene genoß nicht nur deshalb das große Ansehen im Kreise der gesetzestreuen Inden, weil er der Nachkonnne großer Ahnen tvar. sondern tveil er selbst ein großer, gelehrter unb gottesfürckitiger Manu gewesen. Herr Rabbiner Fürst, der selbst zu den Schülern des seligen Preßbnrger Rabbiners gehört, brach bei der Schilderung des Verlustes, de» das