Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 88 (18.12.1906)
- Date
- 1906-12-18
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Rativnalzeituntz Seite 3 Nr. 88' hatten.' Und nun ' begiksit düs besagte antliseÄilische' Herz höhet zu schlügen! BieMchl werden diese russischen Inden sich in den Dörfern üiederlassen, vielleicht wird die lokale Verwaltung nicht strenge genug die Unglücklichen verfolgen... Um sicher zu gehen-interpellierte denn auch der Abgeordnete E v d r e s c u den Ministerpräsidenten E ä n t a e u t i n o, ob es ihm bekannt! sei, „daß die russischen Juden jetzt die Fluren Rumäniens überfluten und ob er - geneigt sei, die strengsten Maßnahmen gegen diese Invasion zu ergreifen.- Die Interpellation hatte raschen Erfolg, denn in Rumänien weiß inan die Wünsche der Volksvertreter zu berücksichtigen, wenn sie sich — gegen Juden richten. Die Folge der Interpellation töar, daß das Ministerium des Innern an die Präfekte eine Zitkulärverordnnng ergehest ließ, wonach alle „Fremden", welche nicht im Besitze eines von der betreffenden Dorfgemeinde ausgestellten, von der Präfektur und dem Ministerium des Innern bestätigten Erlaubnisscheines sind, unverzüglich aus den Dörfern vertrieben werden sollen. Ist nun einmal die Sache dem Schalten und Walten der Präfekten überantwortet, so kann man sich die Szenen vorstellen, welche da mit den armen „Fremden" äufgeführt werden. Man kann sich auf die Wiederholung jener unbarmherzigen Vertreibungen gefaßt machen, welche in Rumänien von Zeit zu Zeit inszeniert werden, und durch welche Hunderte Familien in das KöMMend Mstrzt werden. . Und das geschieht just bei Eröffnung des Parlaments, da der König von „Menschlichkeitsgesetzen" spricht und liian sich zur Hoffnung berechtigt fühlte, daß man auch Yen „Fremden" . Menubev dieses Gesetz der Menschlichkeit werde ’ walten lassen... Ben Elieser. % Uermischte Nachrichte«. . Wien. Heüte Dienstags den 18. D^ember. '#5 Uhr nachmittags findet im neuen Heime des ä,; D. KöNigsbergschen Mädchen- Erziehuntzsststituts. h., VäkerAtraße 21, ' eine M ast u k a - Her statt. Programm: l. Entzündung der Manuka-Lichter. 2.'MaMct-Lie8. 3. Aüspräche des Herrn. Oberrabbiners Dr. Moritz, G ü d e m a n n. E Enthüllung der Gedenktafel für' Fräste Regina Wrtheimber s. A. 5. Vorträge der Zöglinge. 6? Schlußwort. Klonialverwaltung gerufen wird, um sie in ihre« Fugest wieder >- öinzurenken, picht -chgleich, sondern weil er Kaufmann' ist und die Mot-" Wendigkeit sich ergeben hat, die Verwaltung der Kolonien stuf kaufmännischer Grundlage zu führen, das ist vielleicht ein politisches unb historisches Unikum, und insofern hat der Ruhm der Familie Dernburg allerdings einen merkwürdigen Zuwachs erfahren. Vor Zeiten war, wenn das Mitglied einer jüdischen Familie von der Religion der Väter abfiel, der Zusammenhang zwischen ihm und der Familie unerbittlich zerrissen. Wir wissen nicht, ob das Gleiche auch zwischen dem Pariser und dem Berliner Zweige der Familie Dernburg der Fall ist. Wenn ja, so würde dazu vermutlich das «rationale Moment, die Scheidung in Franzosen und Deutsche, das seiuige dazu beigetragen haben. In alten christlichen Adelsfamrtien ist seit der Reformation die Trennung in katholische und zum Protestantismus übergetretene Linien nicht immer auch mit einer Zereißung des Familienbandes gleichbedeutend gewesen. Unwillkürlich jedoch stellt man sich vor, wie etwa der alte Kirsch Dernburg in Mainz sich die Kleider zeriffen und zur siebentägigen Trauer auf den niederen Schemel gesetzt haben möchte, als er erfuhr, daß einer seiner Enkel sich vom Judentumlosgesagt hatte. Man kommt immer aus lichterer Gegenwart auf Erinnerungen einer Vergangenheit zurück, über welche noch dunkle Schatten schwebten, die heute für immer verscheucht zu sein scheinen. Es ist im Grunde ein ähnliches Bild, das die Familie Moses Mendelsohns, deS großen jüdischen Reformators, darbietet. Nur daß dessen ganze unmittelbare Nachkommenschaft, der Sohn Abraham und die Töchter Dorothea und Henriette, Wtttt. 'Vortragkszyklus aus jüdischer (3 t s ch ich t e.) Donnerstag, den 20, Deteckber 1906. präzise V, 8 Uhr abends findet iwFeftsaale des Ingenieur- und Architikten-Vereins, i.. Eschenbachgasse 9. ein Vortrag des'Herrn Dr. S Bernfeld aus Charlottenbnrg-Berlin ftätt. Thema: „Jüdisches Kulturleben." Eintritt frei. Wie«. Sonntag. den 23. a. c.. 4 Uhr findet im Sitzunässaale der Ist. Kultusgemeinde Nr. 4. 2. Stock, die rv. 0rdentliche Generalversammlung des Mädchen- und Frauenv e Ve t n e s..Kr ankenbesu ch" (B i k n t C h ä ulim) st a t t und wird Sr. Ehrw. Herr Rabb. Doktor Feuchtwanger einen Vortrag halten. Wien. (Vereinigung jüdischer Hochschüler aus den Mflavischen Ländern ..Bar Gtora" in Wien.) Die Chargenwahl hat folgendes Ergebnis: Präs.: stud.jur. Marko Bauer. Vizepräs.: stud. jur. Armin Spingorn, i. Schriftführer: stuä. zur Göza Buchwald. n. Schriftführer: stud. mell. Arnold Schön. Kassier: stud. j«r. Jakob Kajon. Bibliothekor: stad, jur. Jsak Salom. Der Brigittenauer israelitische Frauen- Wohltätigkeits-Verein veranstaltete Sonntag, den 9. d. M. in den Lokalitäten des Brigittenauer israelitischen Kindergartens seine ix. ordentliche Generalversammlung. Dieselbe erfreute sich eines überaus starken Besuches seitens der Mitglieder und illustrer Gäste als Vertreter vieler humanitärer Vereine Wiens- Die Präsidentin des Vereines Frau Dr. Emilie Weiß eröffnet als Vorsitzende die Versammlung, konstatierte die Beschlußfähigkeit und begrüßte aufs herzlichste die Mitglieder sowie die , sehr zahlreich erschienenen Gäste. ES hatten sich eingefunden als Vertreter der Frauen- Wohltätigkeitsvereine: f. d. n. Bez. Präs. Dr. Berta Krüger. Berta' Käs. Emma Frankl: f. d. vin. Äez. Berta Wakler. f.b. xii.-xv. Bez. Emilie Milhofer, f. d. xvm. Bez. Präs. Charlotte Leuchtag. des . Knabenhorts --im xv. Bez. Präs. Juni Schnabl, der „Zuflucht" 'Präs. Laura Goldschmiedt. Dr. Berta Hopfinger, des Brigittenauer -Tempelvereines. Obmann Herm- Eltbogen.' Jakob Goldner, Leopold Preßburger, des Kinderbekleidungs-Vereines ..Die Brüder" Obmann Heinr. Weiner des Vereines zur Unterstützung israelitischer Handwerks- und Kleingewerbetreibender Emil Jelinek, des ..Freundschaftsbund" Ohmann Julius Wottitz, des Vereines zur, Unterstützung' jüdischer Kurbedürftiger. Obmann Dr. Äfidör Braun. Prof. Salzmann u. v. a. Ihr ' Firübleiben hatten entschuldigt: der löbl. Kultusvorstand 'dus Anlaß der am gleichen Tage statt- - findendenMahlen, Kaiser Franz Josefsheim, israelvom Jubentuln abschwenkten.-Soziale Bedeutung, Gelehrten- und Künstlerruhm haben sich doch bei den Dernburgs wie bei den, Mendelssohns ungeachtet des Bekenntniswechsels lange fortgeerbt. Der Unterschied aber ist: die Tradition der Familie Mendelssohn läuft heute in einervornehmen Bankiersfamilie weiterdiejenige der Familie Dernburg mündet in die oberste Beamtensphäre des Staates. Man könnte darüber, vielleicht manche lehrreiche familienpsychologische Betrachtung änstellen. Bernhard Dernburg, der neue Verwalter der deutschen Kolonien, ist - über Nacht in, Deutschland ein . populärer Mann geworden. Es ist etwas wie eine Vorbedeutung darin, daß - schon sein Urgroßvater, der Mainzer Talmudist, eine Ahnung von dem Ganzen der Welthatte und die „Weltbewohner" in seinet^ hebräischen. Dichtung zu einem dramatischen Gedankenaustausche zusammenrückte. So kann sich in-dem. Mikrokosmus einet: Familie oft die Geschichte, um nicht zu' sägen die Weltgeschichte von^Jahrhunderten abspiegeln? Es war alles schon'einmal da, sagt Ben Akiba aber es war immer anders da. Gleichungen, die-ohne Rest aufgehen, gibt es in der geschichtlichen Entwicklung-nicht. Es gibt wenig bürgerliche Familiengeschichten, die an Reiz und Interesse der Geschichte der Familie Dernburg gleichen. Wie der Refrain eines alten ehrwü-rdigen Liedes, das sich ganz lebendig erhaltenklingt/ was jetzt ischier in stürmischem > Tempo den Namen - Bernhard Dernburg umbraust. Man denkt an die orpßischen Urworte Goethes von der „Form, die lebend , sich entwickelt und die keine Macht und keine Zeit zerstückeln kann. Auch Familien dauern -»nach dem Gesetz, nach dem fie angetreten". itischer Kindergarten - Verein. . israelitischer VockskiicheN-Verein. Frau, Hostat Elise Gomberz. Frs. Nelly v. Gomperz. Sr. Erw. Rabbiner Dr. David. Baurat Stiäßny. Dir. Fischer re. — Hierauf erteilte die Vorsitzende, dem Beirat des Vereines, Herrn Kohn das Wort aitr Erstattung des Tätigkeit^«. berichtes für das abgelaufeile Vereinsjahr, der mu einigen Worten und Zifferp das Wirken des Vereines im Vereinsjahr 1906 schilderte. Er wies darauf , hin, daß für die ÄrmeMge im xx. Bezirk der ansehnliche Betrag bon 14,106 Kronen aufgewendet wurde, daß Msammen mit dem unter der ersprieß-, lichen Leitung des verdienstvollen Obmannes Heim, Weiner stehende Verein „Die. Brüder" 3,65 arMe Schulkinder mit guten Schuhen und Winterkleidern bedacht wurden, daß Dank dem Verbände zur, Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen die j stattliche Zahl von 2U Wöchnerinnen ans deck, xx. Bezirk, d. i. mehr, als 35°/«. aller in ganz Wjfü von genanntem Verbände beteilten, Wöchnerinnen mit einem Aufwands von 7162 Kronen unterstützt wurden. Der Brigittenauer ist. Frauen-WohWigkeits-Verein steht in diesem Verbände, einer Schöpfung des Wiener Kultusvorstandes, bent 14. Frauen-' Wohltätigkeits-Vereine Wiens unter vollständiger Wahrung ihrer Autonomie angehören, der unter dem segensreichen Präsidium der hochherzigen Frau Baronin Charlotte Königswarter so ruhmvoll ' wirkt, ein hervorragendes Beispiel gedeihlichen Zusammenwirkens zu einem großen edlen Zwecke. Redner gab eine kurze Uebersicht über die bisherige Tätigkeit des Vereines, der für die offene Armenpflege im xx. Bezirk den Betrag von 132.174Kroyen , bereits aufgewandt hat. Hierauf verlas die Kassier!» ' Frau Anna- Goldner den Gebarungs-Ausweis pro 1906' indem sie hervorhüb, haß der Verein, welcher eine Thesaurierung seiner Einnahmen, die Zwecksvenden ausgenommen, grundsätzlich vermeide, bloß mit einem Saldo..von 32 Kronen ins neue Vereinsjahr trete und imit großer Besorgnis '.hem enormen Andrang Notleidender entgegensehe, der sich durch die Anstedlung zahlreicher aus Rußland flüchtiger Familien , im xx. Bezirke ungeheuer gesteigert hätte.) Frau Goldner gab dem Wünsche Ausdruck, es möge die Devise her Präsidentin: „Gott wird uns weiter helfen" in Erfüllung gehen. Sodann ergriff Frau Kontrollorin Kath. K.ohn ' das: Wort:l zum Kontröll-Berichte und.'beleuchtete 'v in trefflicher Weise das Wirken des 'Vereines,., in allen Zweigen seiner altruistischen Tätigkeit. Reicher Beifall lohnte die zu Herzen gehenden Ausführungen der Rednerin: Nun hielt,Se.^Ehrw<Herr Rabbiner Dr. Grunwald einen überaus geistreichen Vortrag ..Ueber die jüdische FräU". .dem,, alle Zuhörer in atemloser Spannung folgten. Nachdem die Präsidentin unter dem jubelnden Beifalle: aller Anwesenden demehrwürdigen Redner fürMn^n aus-! ,gezeichneten Vortrag herzlichst gedankt hatte:-'schloß sie . die-festliche Versammlung. Wien.. (Chanukafeier der- Wieper - S y n a g 0 g e n s ä n g e r.) Dieses schöpe iFqst fand Samstag, den 15. d. M.. im Saale des 'Hotel „Bayrischer- Hof" .statt, .und > war. außeropdentlüh gut s besucht:'Unter -den-wtelett - Anwesenden bemerkten wir u. a., den Vizepräsidenten.:, der Kultusgemeinde Herrn D r. G nsta-v.Ko h n. die Kultusvorfteher Herr Fra n k, Herr S ch r am e k. den -Präsidenten der „Jüd- Toynbeehalle,",. Herrn Dr. Samuely. die Herren Rabbiner Dr. David. ,Dn Grunwald. viele.Kantoren.? und Obercantoren. Die künstlerischen Darbietungen des Abends waren vor- - trefflich.: rUeber.S u,lz er, s .prächtigeKhöre fft ,ja , nichts neues mehr zu sagen: in der geschulten und --präziMiAntechfttatiyn-WMynqsMMMKü' Prof. Sulzer selbst öiriglert, wirkten sie beson-' ders stark. Mit-des nordischen Mcisters r.,Grieg ,„L and er kennnn g" entfesselte der Hhor wahre -BeiMsstürme: Diefe.mä^tjgeHomp-sttioy in ihrer' ^musikalischen Farbenpracht ist : vielleicht: l>äs vollendetste in den Liederkompositionen Eduard G r i e g 8. In diesem und in B r^a h ms „W i eg enl t e d" sang Herr B-6 l a,G u t t m a n n. S 0 l 0. Der reiche Beifall, den er erntete, steigerte sich noch bet1 „Val.entins Gebet" („Faust"): Sulzers „AbeNdsrieden" mußte der Sänger wiederholen. Herr' Don Fuchs fand mit seiner Arie aus ..Trouba-' dyur" stürmischen Applaus., Der Säuger schien ay- ' sangs! .etwas nervös-zu stin und gstff in her ersten'^ Arie äüch, daneben. In der „GralsevzLhlUng" fanh^ er sein, volles Können, wieder, der Beifallssturm wollte sich nicht legen. D 0 n F u ch s bewies erst jüngst in. seinem Konzerte, vor einem auserlesenem Publk- Ullcn, yvhtzr IDarftt Ur. ß (Palais Siua) Zentrum dist'Stadt^MM^ Preis ver Dchachtel 6Ü Heller- MG