Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 87 (14.12.1906)
- Date
- 1906-12-14
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nanonalzeitung Nr. 87 Standpunktes mit dem heutigen Kurs im Kultusvorstande garnicht einverstanden sind, haben diesmal geschlossen für die sogenannte offizielle Kandidatenliste gestimmt und —- wozu es leugnen — bei den Wahlen den Ausschlag gegeben. Es kantl heute nicht mehr bestritten werden, daß das Eingreifen der „Mock.sike Hadath" und der „Schiffschul", sowie des Anhanges dieser beiden Orgamsationen in die Kultuswahlen zugunsten der „offiziellen" Liste den Sleg der letzteren herbeigeführt hat. Ebenso interessant und für die Beurteilung der Situation nicht unwichtig ist die Tatsache, daß die beiden großen orthodoxen Gruppen ohne jede Agitation, ja sogar trotz oder vielleicht gar wegen einer Agitation in konträren: Sinne und ohne vorherige Beratung untereinander, bezüglich ihrer Stellungnahine zu den Kultuswahlen zu denselben Entschlüssen gelangten, trotzdem manchen von ihnen die Wahlen in den Kultusvorstand aus prinzipiellen Gründen gleichgiltig erscheinen und andere wieder mit mancher Einrichtung in der Kultusgemeinde aus konservativ-religiösen Gründen nicht einverstanden sind. Der Grund für diese Erscheinung liegt wohl in dem Umstande, daß die oppositionelle Wahl- Partei, besonders soweit sie bei der Stichwahl in Betracht kam, die Wünsche des konservativreligiösen Teiles im Judentume nicht ihrer Bedeutuüg entsprechend berücksichtigt hat und 'auf seine Eigenart — denn auch die natwnal-religiö-, sen Juden haben ihre Eigenart — garnicht eingegangen ist. Man braucht sich nur daran erinnern, welche taktisch unglückliche Haltung die Zionisten den Bestrebungen der Orthodoxen gegenüber, die Palästinafrage in ihrem national-religiösen Sinne zu lösen, eingenommen haben. Und wie taktisch unglücklich war es, in jener Versammlung im Hotel „Polouia" nach der Hauptwahl, also zu einer Zeit, wo man für die Stichwahlen hätte Freunde werben und nicht sich neue Feinde schaffen sollen, die polnischen Orthodoxen dadurch zu brüskieren, daß man ihren Rabbiner Meyersohn öffentlich angriff, weil er seinen Anhang nicht in das oppositionelle Lager geführt hatte. Abgesehen von der Frage, ob Herr Rabbiner Mayersohn zufolge seiner Stellung überhaupt sich zu einem solchen Schritte hätte entschließen können, war die dem orthodoxen Juden anerzogene Achtling vor der Autorität seines rabbinischen Oberhauptes zu berücksichtigen und zu bedenken, daß ein Angriff gegen den Rabbiner nur die entgegengesetzte Wirkung dessen Hervorrufen müsse, was angestrebt wurde. Auch das Losungswort „Hie Polen, hie Westler" hat gerade.die orthodoxen Juden stark verstimmt und ihre Haltung bei den Kultuswahlen stark beeinflußt. Die Orthodoxen — sowohl die galizischen, wie die ungarisch-deutschen — haben mit ihrer letzten Abstimmung wohl nicht eine Aenderung ihrer Haltung in positivem Sinne dokumentieren, sondern nur beweisen wollen, daß sie einen Faktor im jüdisch-politischen Leben bilden, mit dem man unter allen Umständen rechnen muß. Und dieser Nachweis ist ihnen gelungen. —f— Wahlen in die Kurie der Höherbesteuerten. Bei den am 11. Dezember d. I. durch die höherbesteuerten Gemeindemitglieder vorgenommenen Wahlen in den Kultüsvorstaud wurden für eine sechsjährige Mandatsdauer die Herren: Moriz B. Eissler, Holzhändler und Doktor Arthur Kuranda, Hof- und Gerichtsadvokat, wieder und die Herren: Dr. Leopold Kohn, Hof- und Gerichtsadvokat und Bernhard Pollack, kais. Rat, Privatier, neu gewählt. Uermifilfte Nachrichten. Jüdische Tohnbee-Halle. Immer größer wird der Zuspruch, dessen sich diese Stätte der Erholung und Belehrung für die arme jüdische Bevölkerung erfreut. Gar häufig muß der Vortragssaal, lange vor Beginn geschlossen werden, um dem Andrang der Besucher abzuwehren. Bildet ja auch, für manchen Lernbegierigen der in der Pause verabreichte Gratis-Thee das alleinige Abendessen! Es wächst aber auch mit jeder Woche die Zahl jener edlen Männer der Wissenschaft und der Kunst, die sich uub ihr Können gerne in den Dienst dieser ethisch-humanitären Institution stellen. — Allwöchentlich ist ein Vortragsabend der jüdischen Geschichte und der Freitag der Bibel gewidmet. In der abgelaufenen Woche fand Herr Rabbiner Dr. Rosen mann des xxi. Bezirkes eine dankbare Zuhörerschaft, als er über Moses Chaim Luzzato sprach und einige seiner Dichtungen vortrng. Das Samstag-Konzert hatte Herr Professor S. Storch mit feinem Kunstverständnis arrangiert. Seine Vorträge am Harmonium, ein Trio für Klavier, Violine und Harmonium im Vereine mit Schülern seiner Anstalt und deren Einzelprodnktionen fanden lebhaften Beifall. Das Mitglied der k. k. Hofoper, Herr Michael Striks. sang mit seiner vortrefflichen, reizvollen Tenorstinnne Opernarien und Lieder mit großer Künstlerschaft und mußte sich immer wieder zu Zugaben bequemen. — Allen Edeldenkenden, Besitzenden, sei diese Jnstittttion dringend zur Förderung empfohlen. W o ch e n p r o g r a m m: Freitag, den 11. Dezember: Bibelvortrag. Herr Referent Lehrer Leopold Weiß. Samstag, den 15. Dezember: Konzert. Sonntag, den 16. Dezember: Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. I. M. Bach, (Thema Vorbehalten). Montag, den 17. Dezember: „Die Tatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens". Herr Prof. Dr. W. Jerusalem. Dienstag, den 13. Dezember: „Gerechtigkeit und Recht", Herr Dr. Oberländer. Mittwoch, den 19. Dezember: „Das Unbewußte im Alltagsleben". Herr Dr. E. Sadger. Donnerstag, den 20. Dezember: Romansragmente: „Die Streber", Herr Schriftsteller Dr. H. Keller. Freitag, den 21. Dezember: Bibelvortrag. Beginn: An Wochentagen 1/a8 Uhr, Samstag sowie an Sonn- und Feiertagen 7 Uhr abends. — Anmeldungen zu Vorträgen und Mitwirkungen bei Konzerten wolle man an den Obmann. Herrn Dr. I. Samuelv, i., Fischerstiege 6, gelangen lassen. Wiener Shnagogensänger-Verein. Samstag, den 15. Dezember 1906, 9 Uhr abends, findet im Konzertsaale des Hotels „Bayrischer Hof". 11., Obere Angartenstraße. eine „Chanuka-Feied'' (i. Gründungsfest) statt. Ihre gefällige Mitwirkung haben zngesagt die Herren Bela Guttmann und Don Fuchs (Gesang).Prof. Storch (Harmonium), M- Mentzer (Akkompagnement). Richard Waldemar. Mitglied des k. k. vriv. Karltheaters (Heitere Vorträge) und des Frln. V. Baum (Harfe). Zur Aufführung gelangen außer den solistischen Darbietungen obiger namhafter Kunstkräfte. Männerchor von Johannes Brahms, Ignaz Brüll. Edward Grieg, Franz Schubert und Salomon Sulzer exekutiert vom Wiener Synagogensänger- Verein. Das Neinerträgnis dieser Veranstaltung fließt dem Unterstützungsfonds für kranke oder postenlose Wiener Temvelsänger zu. In Anbetracht der beschränkten Kartenausgabe wird um ehebaldigste Anmeldung der Teilnahme an diesem künstlerischen und humanitären Feste gebeten. Nach Schluß der Vorträge Tanzkränzchen. Arrangeur aus Gefälligkeit Herr Rudolf Hei mann. Kein Toilettezwang. Karten & k 2— und k i — find zu haben beim Obmann, sowie bei allen Mitgliedern. Der theologische Verein der Hörer an der israel.-theol. Lehranstalt in Wien veranstaltet Dienstag, den 18. Dezember l. I. im großen Festsaale des Hotel Zentral (u. Taborstraße 8) seine diesjährige Chanukafeier. Ihre gefällige Mitwirkung haben zugesagt n. a. Herr Oberkantor Bela Gutmann, Herr Oberkantor Math äs, Herr Dr. Leo Ascher Komponist. Herr S. Zimbler Konzertmeister. Verein „Schudah Halevh". Samstag, den 15. h. um 7 Uhr abends findet im Vereinslokale, XX. Bezirke. Brigittenauerlände 22, ein hebräischer Vortrag statt. Referent und Thema Vorbehalten. Gäste willkommen. Sonntag, den 16. d. uin 7 Uhr abends findet im Vereinslokale XX. Bezirk. Brigittenauerlände 22 eine Makkabäerfeier statt. Gäste herzlich willkommen. Wien. (Chanukafeier.) Die Talmud- Thora-Vereins-Volksschule, (ii., Malzgasse 16), 11.. Zwerggassei, begeht ihre diesjährige Chanukafeier am 16. Dezember um 4 Uhr nachmittags wegen des Neubaues ihrer Schule im Bethause h., Fug, bachgasse7,1. Stock. Freunde. Gönner und Förderer, dieser echt jüdischen Unterrichtsanstalt werden auf diesem Wege um recht zahlreiches Erscheinen gebeten, da besondere Einladungen nicht ausgesendet wurden. Wien-Flori-s-orf. Samstag, den 16. d. nachmittags 7»4 Uhr findet im Tempel der istael. Kultusgemeinde. Schiudlergasse 4. ein Channka- Festgottesdienfl statt. Die Festrede wird Ehrwürden Herr Bezirks-Rabbiner Fr. Rosenmann, abhalten. Nach dem Gottesdienste werden arme israelitische Kinder seitens der hiesigen Frauen-Wohltätigkeits- Vereines mit warmen Kleidern beschenkt. Gingesendet. Wien, den 10. Dezember/ Löbliche Redaktion! Anläßlich der Affäre des Dr. David haben die Zionisten und unter ihnen besonders einer ihrer Führer. Herr Dr. Weisen grün, sich auf Seite der galizischen Jude» gestellt, und sie gegen etwaige Angriffe in Schutz genommen. Die galizischen Juden von Wien haben zu Beginn der Aktion, so lange es sich bloß um den Schutz der Interessen der galizischen Inden gehandelt hat. gegen eine solche Aktion nichts einzuwenden gehabt. Erst als sie gesehen, haben, daß die Stimmung der galizischen Juden für die Kultnswahlen ausgenützt werden soll, haben sich die besonneneren Elemente unter den galizischen Juden von dieser Bewegung zurückgezogen. Wie richtig diese die Absichten der Führer der „polnischen Bewegung" beurteilt haben, möge die Tatsache beweisen, daß als bei der jüngsten Stichwahl die galizischen Juden geschlossen für die offizielle Liste gestimmt haben. Herr Dr. Weisengrün, der in der Leovoldstadt die Agitation leitete, ganz offen und in Gegenwart mehrerer Wähler sich dazu hinreißeu ließ, die „Polen" samt und sonders zu verfluchen und zu beschimpfen, weil sie nicht fiir die oppositionellen Kandidaten gestimmt haben. Durch dieses Benehmen wurde das Verhalten der „Polen" bei der. letzten Wahl erst recht gerechtfertigt und wir werden in Zukunft sicherlich vorsichtiger sein, und unsere..Beschützer" erst genau besehen, ehe wir ihrem „Wohlwollen für die galizischen Juden" Glauben schenken werden. Dies soll auch de» galizischen Juden für alle Zukunft als Warnung dienen. Tür die Ausnahme dieser Zeilen bestens dankend, zeichne ich im Namen vieler, hochachtungsvoll i. (Der Name und die Adresse des Einsenders, der für Form und Inhalt des Brieses die volle Verantwortlichkeit trägt, ist der Redaktion bekannt. Red.) m BiKaUsoHW I. Siiwr TfWiiK'tili* ul WuMiWI neu eröffnet Wien Iv Arugerstrasze \3. Es gelangen?um Verkaufe: Wirtschaftsteppiche. 200/300 . . Persia, 200/300 . Brüsseler ia, 200/300 . Tapestrie, Schafwolle, 200/300 Veloursplüsch. 200/300 .... Laufteppiche in allen Breiten - Bettvorleger. Wandteppiche. Svitzenvorhänge per Fenster - . Tüllstores mit Applikation . . Portieren. Tuch Vorhänge, gestickt. Plüschtischdecke, gestickt .... Tuchtischdecke. Garnitur: 2 Bett-, 1 Tischdecke Diwanüberwurf. Flanelldecken. Steppdecken. 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