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Nationalzeitung · 1906-11-23 · Heft 82 (23.11.1906) · p. Seite 6

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 82 (23.11.1906)
Date
1906-11-23
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nalionalzeitung Nr. 82 Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Ueber Einladung des vorbereitenden Komitees für die „Kaiser- Jubiläums-Ausstellung 1908" hat obiger Verein folgende Herren in die Ausstellungskommifsion entsendet: S. Brod, Präsident des obgenannten Vereines; I. Rosenthal, Vorstand des obgenannten Vereines; Architekt Friedrich Schön, Vorstand des obgenannten Vereines; Max Makler, Vorstand des obgenannten Vereines. Wien. („Verein Jehudah Halevy.") Samstag den 24. l. M. um l/a8 Uhr abends findet im Vereinslokale, XX., Brigittenauerlände 22, ein hebräischer Vortrag des Herrn Israel Kestenbaum über das Thema „Ost und West" statt. Gäste willkommen. — Sonntag den 25. l.M. um 7a7 Uhr abends findet im Vereinslokale, XX., Brigittenauerlände 22, die II. ordentliche Generalversammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Rechenschaftsbericht, 2. Erteilung des Absolutoriums, 3. Neuwahl, 4. Eventualia. Die P. T. Mitglieder werden höflichst ersucht, pünktlich zu erscheinen. Erster Wiener Jüdischer Turnverein. Die bei der diesjährigen Generalversammlung vorgenommenen Neuwahlen in den Turnrat für das Vereinsjahr 1906/07 haben folgendes Resultat ergeben: Herr Dr. Ludwig Werner, Obmann; Herr Dr.EmilKraßUy, Obmann- Stellvertreter; Herr Moritz Lamberg, I. Schriftführer; Herr Robert Reich, II. Schriftführer; Herr Rudolf Pollak, I. Turnwart; Herr Artur Felsenburg, II. Turnwart; Herr Hugo Spitzer, I. Kassier; Herr Leopold Wesse ly, II. Kassier; Herr Jng.Otto S ti aß n y, Zeugwart; Herr Karl Plowitz und Herr Alfred Möller, Ersatzmänner; Fräulein Thilda Frankfurter als Vertreterin der Damenabteilung. Jüdische Toynbee-Halle, XX., Othmargasse 46- Eintritt frei für jeden Erwachsenen. — Beginn der Vorträge an Wochentagen 7-8 Uhr, Samstag sowie an Sonn- und Feiertagen 7 Uhr abends. — Wochenprogramm: Freitag den 23. November 1906: Bibelvortrag, Religionslehrer Isidor Oehler; Samstag den 24. November: Konzert; Sonntag den 25. November: Literarischer Abend, Schriftsteller Heinrich Glücksmann; Montag den 26. November: „Oesterreichische Geschichte" (III.), Dr. Edmund Jerusalem; Dienstag den 27. November: „Die Phantasie des Kindes", Fachlehrer Georg Schmiedl; Mittwoch den 28. Nevember: „Chemie des täglichen Lebens" (II.), ebom. Georg Jerusalem; Donnerstag den 29. November: „Ueber Darwinismus", Universitätsprofessor Dr. Josef Pollak; Freitag den 30. November: Bibelvortrag; Samstag den 1. Dezember 1906: Konzert. — Das am Samstag den 17. d. M. in der Toynbee-Halle abgehaltene Konzert nahm einen glänzenden Verlauf. Die jugendliche Pianistin Fräulein Hilda Stern brachte Schütts „Prelude", Liszts Spinnlied aus Wagners „Fliegendem Holländer" und Sindings „Frühlingsrauschen" ganz vorzüglich zum Vortrage. Das mächtige, klangvolle Organ des Bassisten Herrn Elieser Kischner erzielte mit den Arien aus „Ernani", der „Jüdin" und dem „Waffenschmied" schönste Wirkung, so daß der Sänger noch Schuberts „Wanderer" und ein russisches Volkslied zugeben mußte. Stürmischen Beifall fanden die heiteren Rezitationen des Herrn Alfred Brecher, die den Abschluß des gelungenen Abends bildeten. Lemberg. (Dienstjubiläum.) Der Amtsvorstand der Kassa der hiesigen Kultusgemeinde, Herr Weiß, feierte vor einigen Tagen das Jubiläum seiner fünfzigjährigen Beamtentätigkeit bei der hiesigen Kultusgemeinde. Der Präsident der Kultusgemeinde, Herr Dr. Sch aff, richtete in Gegenwart des versammelten Beamtenpersonals herzliche Worte der Anerkennung an den Jubilar, dem auch von Seite seiner Kollegen und einer großen Anzahl Gemeindemitglieder Gratulationen zukamen. Lemberg. (Verbotene Kultuswählerversammlung.) Die hiesige orthodoxe Partei hat für vorigen Sonntag eine Kultuswählerversammlung einberufen, in welcher die Rabbinerfrage sowie Stellungnahme zu den bevorstehenden Kultuswahlen hätte besprochen werden sollen. Zur allgemeinen Ueberraschung wurde die Versammlung im letzten Momente seitens der Polizei untersagt. Da behauptet wird, daß yinter dem Polizeiverbote die Kultusvorstehung stehe, dürfte dieses Vorgehen noch Anlaß zu stürmischen Versammlungen geben. Budapest. (Tod einer Hundertachtjährigen.) Frau Rosalia Os er, geb. Albachary ist am 17. d. M. hier gestorben. Sie hatte 17Ü8 in einem mazedonischen Städtchen das Licht der Welt erblickt. Sie heiratete, 17 Jahre alt, den Wiener Bankier Jakob Oser; in Budapest wohnte sie seit 20 Jahren. Ihr Ableben wird von einer Tochter, zahlreichen Enkel:: (darunter der Präsident der Pester spaniolischen Gemeinde Albert Oser und Jakob Oser), Urenkeln und Ururenkeln betrauert. Das Leichenbegängnis fand Sonntag, 3 Uhr nachmittags, im neuen Friedhof statt. Budapest. (Jubiläum eines jüdischen Musikprofessors.) Der Professorenkörper der Pester isr. Bürger¬ und Elementarmädchenschule veranstaltete anläßlich des 50 jährigen Dienstjubiläums und des 70. Geburtstages des Gesangsprofessors Samuel Glück eine erhebende Feier. Der Jubilar ist einer der ältesten Budapester diplomierten Musik- und Gesangsprofessoren, der zu den ersten Schülern der Budapester Musikakademie gehörte. Dr. N. Scheib er richtete im Namen der Kollegen eine schöne Rede an den Jubilar und überreichte ihm ein wertvolles Souvenir. Der Gefeierte dankte gerührt für die ihm gewordene Ehrung. Die Zöglinge sangen den „Uimnu8r", womit die Feier ihr Ende erreichte. London. In der „Whitechapel Art Gallery" hat man eine jüdische Kunstausstellung veranstaltet, die dem Forscher jüdischer Geschichte und Eigenart eine Fülle des Interessanten bietet. Das Zustandekommen der Ausstellung ist dem Eifer Canon Barnetts zu danken. Die Ausstellung selbst zerfällt in vier Abteilungen. Für Synagogen und Hauskunst, für Manuskripte und Bücher, für Porträts und historische Drucke und zuletzt für die Werke verstorbener und lebender jüdischer Künstler. Der interessanteste Teil ist zweifellos die Sammlung der Synagogenkunstwerke. Das über den ganzen Erdball verstreute jüdische Volk des Mittelalters und des Altertums war, im Ringen um das nackte Leben, außerstande, Kraft und Ruhe zu jenem Zusammenschluß aufzubringen, der eine Fortentwicklung der rein nationalen Kunst bewirkt hätte. Statt dessen gewahrt man aller Orten ein zähes Festhalten an den überlieferten Formen, die in ihrer starren, selbstgefestigten, reifen Schönheit noch heute seltsam ergreifen. Für die Ehrfurcht dieses Volkes für alles Ueberlieferte zeugen die sorgsam gehegten Manuskriptsammlungen; die Pergamente sind fast durchweg auf Rollen geschrieben und in zum Teil kostbar verzierten Gehäusen verwahrt, fast nie gebunden. In der Porträtsammlung sieht man unter anderem eine Anzahl seltener Blätter, unter denen sich auch Karikaturen der Lord George Gordon als ewiger Jude und andere interessante Stücke befinden. Zur Kunstausstellung hat auch Josef Israel eine Reihe von Werken beigesteuert. Antisemitischer Bezirksrichter. Am 12. d. M. and in K r a k a u vor dem Bezirksrichter Chrzonz c z y n s k i die Verhandlung über eine Klage des üdischen Blechner Moses Marek gegen den Gutsbesitzer Chorodinsky statt. Marek hatte eine Forderung von zwölf Kronen für gelieferte Arbeiten geklagt. Im Laufe der Verhandlung wendete sich der „unparteiische" Richter an den Geklagten mit der Frage: „Warum haben Sie die Arbeit auch einemiüdischen Blechner anvertraut und nicht lieber einen christlichen genommen?" Die Boykottverkündigung gegen jüdische Gewerbetreibende vom Richterstuhle aus ist jedenfalls etwas, was nur in Oesterreich möglich ist. Brieflicher Nnterricht in den kaufmännischen Wissenschaften. Gar mancher talentierte junge Mann muß in einem kleinen und entfernten Marktflecken als Ladendieinr sein Dasein fristen, weil es ihm am Hauptkriterium gedeihlichen Vorwärtskommens, an der Kenntnis kaufmännischer Fertigkeiten mangelt. Anderen fehlt es wieder an Zeit, die Schulstube aufzusuchen und so bleibt die Aneignung kaufmännischer Disziplinen nur frommer Wunsch. Der als Fachmann und Pädagoge eines guten Rufes sich erfreuende Direktor Karl Porges hat den brieflichen Unterricht ins Leben gerufen, der den mündlichen vollkommen ersetzt und jedermann ermöglicht, in kurzer Zeit bei tunlichst geringen Kosten sich die kaufmännischen Fächer zu eigen zu machen. Ein reger Briefwechsel mit jedem einzelnen, Anweisungen hinüber, fertiggestellte Arbeiten herüber, halten Schüler und Lehrer in stetem geistigem Verkehr. Wir begrüßen dieses von edlen Intentionen getragene Unternehmen und wünschen demselben den besten Erfolg. I. Wiener Teppich-Feih und Uerkllllfs-Anstlltt neu eröffnet Wien I., Krugerstratze 13. Go gelangen nrm Verkaufe Wirtschaftsteppiche, 200/300 . . . . v. fl. 4.25 aufw. 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