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Nationalzeitung · 1906-11-13 · Heft 79 (13.11.1906) · p. Seite 3

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 79 (13.11.1906)
Date
1906-11-13
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 79 Nationalzeitung Seite 3 Z«k AM« des Dr. David. (Protestverfamnrlung.) Samstag, den 10. d. M. fand die von uns angekündigte Protestversammlung der galizischen Juden gegen die Rede des Dr. David statt. Die Versammlung war außerordentlich gut besucht, der Saal des Hotel „Centrale" konnte die große Anzahl der Besucher nicht fassen, das Publikum stand dichtgedrängt. Der Vorsitzende Herr M. Hammer eröffnete die Versammlung mit einer kurzen Anrede, betonte nochmals den eigentlichen Anlaß und erwartet von der Versammlung einen einmütigen Protest. Als erster Redner ergreift Dr. Nathan Birnbaum das Wort. Er knüpft an me bekannte „Erklärung" des Präsidenten Dr. Alfred Stern an, der ja selbst zugestehen mußte, daß ihn die Predigt des Dr. David „peinlich berührt habe". In weiterer Rede erbringt Dr. Birnbaum den Nachweis, daß das Ostjudentum der wahrste Kulturträger sei, daß, wenn von „jüdischer Kultur" gesprochen werde, man nur an den geschmähten „polnischen Juden" denken könne. Dr. Paul Weisen grün bekämpft in dem Vorgehen des Dr. David das herrschende System in der Kultusstube, welches diesem Rabbiner den Mut gab, solche Worte zu sprechen. Redner nützt die Gelegenheit aus, um für die bevorstehenden Kultuswahlen Stimmung für das zionistische Wahlkomitee zu machen und schließt: „Auch der Stimmzettel ist ein Kampfmittel, eine gute Waffe". — Stürmischen Beifall fanden die Ausführungen des Herrn Dr. Lifcsis. Man kennt ja die temparementvolle und treffende Art des Redners, der mit prächtigem Humor die ernstesten Seiten der Frage untersuchte, und die falsche Scham, als ein „polnischer Jud" zu gelten, als eine Hauptursache ihrer Bagatellisierung ansieht. Hierauf sprach Herr Dr. D. Roth bl um, dessen trefflichen Ausführungen in dem Anträge gipfelten, daß die Versammlung, die Amovierung des Dr. D a v i d fordern müsse, da diese Forderung nicht nur in den jüdischen, sondern auch in den geltenden bürgerlichen Gesetzen begründet erscheint. Nach Herrn Kaplansky-Kaplan, der in jüdischer Sprache einige mit Beifall aufgenommene Worte sprach, ergriff Redakteur Krausz („Nationalzeitung") das Wort. Noch nie habe eine Rede des Dr. David diese wohltuende Wirkung geübt, wie seine letzte, indem sie eine große Zahl guter Juden zusammenbrachte. Sonst pflegen dreimal soviel Juden auseinanderzugehen, sobald Dr. David die Kanzel besteigte (Heiterkeit). Redner erinnert daran, daß er schon vor S1/* Jahren gegen die Berufung des David Stellung nahm, und hätte man sich damals mit dem Redner in dem Maße entrüstet, wie dies heute der Fall ist, wäre uns diese Schmach erspart geblieben. Redakteur Krausz schildert dann in geradezu epigrammatischer Form die leider allzulange Tätigkeit Dr. Davids in Wien, wie er mit einer Beschimpfung des Zionismus in Gegenwart jüdischer Mittelschüler debütierte, wie er dann rasch entschlossen sich als Zionisten ausgab und den Schekel entrichtete, hierauf die Verfolgung und Ruinierung Dr. Finks unternahm, und, da ihm dieser „edle Zug" gelungen war, soeben denselben Feldzug gegen Rabbiner Reich unternommen habe. Allen diesen Heldentaten setzte aber die berüchtigte Rede die Krone auf. Redner schließt sich dem Antrag des Dr. Roth bl um an. Unter minutenlangen Beifallskundgebungen schloß Redakteur Krausz seine Rede wie folgt: „Auch ich will mit einem Verse Davidscher Predigten schließen! Als Nuchim Schapira das Urteil vernommen hatte, da sprach er zum Gerichtspräsidenten: .Herr Richter, Sie werden stonen, wem Sie mit mir verurteilt haben!' Der alte Banknotenfälscher muß hiebei an Dr. David gedacht haben, der mit Nuchim Schapira das ganze östliche Judentum verurteilt hat. Aber nur Nuchim Schapira, der den Dr. David nicht kennt, würde ,stonen', wenn er diese Pauschalverurteilungen des Dr. David vernehmen würde, wir, die wir diesen Mann nunmehr kennen, sind nach seinen bisherigen Leistungen wahrlich nicht,erstont'. Hierauf gelangte die Resolution zur Verlesung. Dr. Ryhaezewski kann die Resolution in vorliegender Fassung nicht akzeptieren. Entrüstung der Redner und der Anwesenden einerseits, eine so laue Resolution anderseits, das schwächt den Eindruck, den Ernst der Versammlung. Die Ausführungen Dr. Ryhaczewskis fanden lebhafte Zustimmung. Zum Punkte Resolution sprach noch Herr Plaschkes, der ebenfalls eine Verschärfung wünscht und das Charakterbild des Dr. David wesentlich ergänzte. Herr cand. techn. Waldmann spricht in jüdischer Sprache, schließlich gelangt Herr Doktor Lifczis neuerlich zum Worte und protestiert entschieden dagegen, daß diese Protestversammlung zu irgendwelchen parteipolitischen Zwecken ausgenützt werde. Heute seien hier die polnischen Juden die Hausherren. Zur Annahme gelangt sodann die inzwischen modifizierte Resolution: „Die '.heute im Hotel Central tagende Protestversammlung galizischer Juden spricht ihr tiefstes Bedauern darüber aus, daß ein Gemeinderabbiner von der Kanzel des Leopoldstädter Tempels herab während des Gottesdienstes einen Strafprozeß zum Anlaß nahm, um zwischen den Verbrechern und dem galizischen jüdischen! Leben einen Zusammenhang zu konstruieren. Dieses Vorgehen ist nicht bloß, wie schon von offizieller Seite hervorgehoben wurde, taktlos, sondern auch geeignet, die jüdische Solidarität zu untergraben, den inneren Kampf im Judentum zu steigern, es bedeutet auch eine schwere Beleidigung für das galizische Judentum, die diese mit Entrüstung zurückweist. Darum fordert die Versammlung den Vorstand der Wiener Kultusgemeinde auf, durch Ahndung der geschehenen Uugehörigkeit und durch entsprechende Weisung an ihre Funktionäre ähnliche Ausschreitungen für die Zukunft zu verhüten. Die Versammlung spricht aber auch die Ueberzeugung aus, daß Aeußerungen wie die des Herrn Dr. David nicht möglich wären, wenn nicht in maßgebenden Kreisen die Unkenntnis und Unterschätzung der kulturellen und moralischen Kräfte der galizischen wie überhaupt der östlichen Juden gang und gäbe wäre. In dieser Ueberzeugung protestiert die Versammlung gegen das System der Bevormundung, welches den östlichen Juden gegenüber in Anwendung gebracht wird. Die anwesenden selbstbewußten Juden aus dem Westen schließen-sich dem Proteste an und verwahren sich gegen die versuchte Herbeiführung eines Gegensatzes zwischen östlichem und westlichem Judentum, da sie nur ein einiges und einziges Judentum anerkennen. Sodann wird die Wahl einer Deputation angenommen, in welche per Akklamation entsendet werden die Herren: Redakteur Dr. Nathan Birnbaum („Neue Zeitung"), Adolf Boyko, Braiuin, Hammer, Hellmann, Redakteur Jakob Krausz („Nationalzeitung"), Dr. Karl Lifczis, Hermann Plaschkes, Dr. D. Rothblum, Dr. Rybaczewsky, Dr. Paul Weisengrün, Dr. Zipser. Diese Deputation wird dem Präsidenten der Kultusgemeinoe die Resolution unterbreiten und die Antwort vielleicht in eineu^reuerlichen Versammlung bekanntgeben. In vWgerückter Nachtstunde schloß der Vorsitzende die Versammlung. An Zustimmungskundgebungen waren eingelaufen Telegramme der Kultusgemeinden von Choroskow, Suczawa, Zastowma, Jagidnieca, Marianovol, Mielnica, Kolomea. Ferner von den Czernowrtzer Studentenverbindungen „Hasmonäah", „Zephyra", Alexander Schreiber, Sereth, Bürgermeisteramt Przemislau (Bürgermeister Herr Fuchs), Dr. Salz, Tarnow. Entschuldigungsschreiben waren außer einem des Herrn Kultusvorstehers Eltbogen — das eine ganz eigenartige, fast heitere Wirkung ausübte — noch eingelaufen von Herrn Kultusvorsteher Salo Landau, der in warmen Worten für die galizischen Juden eintritt und sich dem Proteste anschlicßt. Reichsratsabgeordneter Dr. Breiter schrieb: „Für die ehrende Einladung zur heutigen Versammlung bestens dankend, bedauere ich sehr lebhaft, an derselben nicht teilnehmen zu können, da ich in dringender Angelegenheit nach Galizien fahren muß. Bitte aber zugleich, den hochverehrten Teilnehmern gütigst Mitteilen zu wollen, daß ich stets vereit bin, so oft es sich um eine gerechte Sache handelt, ohne Voreingenommenheit und ohne Rücksicht auf die Konfession mit aller Wärme und Entschiedenheit einzutreten. Die jüdischen Mitbürger können mich immer zu ihren besten Freunden zählen. Dr. Ernst Breiter, Reichsratsabgeordneter. M. Soha. Zur mährische« Landtagsmahl. (Telegramm unseres Spezialkorrespondenten.) Mährisch-Ostrau, 18. November, 8 Uhr 10 Minuten früh. Antisemit Freißler gewählt. Es wurden 14.000 Stimmen abgegeben. Absolute Majorität Freißlers 700 Stimmen. Jil Ostrau, Oderfurt, Weißkirchen, Neutitschein Freißler durchgefallen, auch in Enklaven. Nur infolge der terroristischen Agitation des Witkowitzer jüdischen Eisenwerkes zugunsten des Antisemiten Freißler konnte dieser siegen. Diese Tatsache muß angenagelt werden. Mährisch-Ostrau, 12. November, 9 Uhr vormittags. Das Skrutinium ergab: Freißler 7850, hrlich 600, der Sozialdemokrat Dr. Czech 5400, /der Christlichsoziale Schinzel 1050. Zugunsten Freißlers großer Terrorismus aufgewendet. Ausführlicher Artikel folgt. A«s der territorialistische« Kemeg««g. Herr Dr. S. Krenberger in Wien wurde zum Mitglied des Jnternationalrates der territorialistischen Organisation ernannt. Frankfurt a. M. Nach einem Telegramm der „Frankfurter Zeitung" wird der Staat Colorado Guggenheim zum Bundessenator in Washington wählen- Guggenheim ist Mitglied des großen Rates der „Jto" und bringt ihren Bestrebungen außerordentlich warmes Interesse entgegen. Da die „Jto" Oskar Strauß, Sulzberger-Philadelphia, Cyrus Sulzberger und Guggenheim an leitender Stelle in ihrer Organisation hat, und neuerdings, wie aus New-Iork berichtet wird, zu Jacob H. Schiff in engste Beziehungen getreten ist, kann man ohne Uebertreibung sagen, sie hat die amerikanische Judenheit hinter sich. London. Der Rat der Anglo-Jewisch-Association hielt am vergangenen Sonntag unter dem Vorsitz Claude Montefiores ein Sitzung ab. Nach warmen Nachruf für den verstorbenen Reverend Singer und dem Präsidenten der Abteilung Manchester Mr. Belisha wurde zunächst in die Beratung des Vorschlags des zionistischen Aktions- Komitees eingetreten, ein Waisenhaus für Progromwaisen in Palästina einzurichten. Die Beteiligung wurde abgelehnt. (Wie wir hören, hat auch der Kilfsverein der deutschen Juden eine gleiche Aufforderung der zionistischen Aktions-Komitees abgelehnt. D. Red.) Aus der interessanten Debatte, in der die Herren Claude Montifiore, Kisch, Oswald, I. Simon und Elkan Adler das Wort ergriffen, seien die Ausführungen Adlers wiedergegeben, der es für die Anglo-Jewisch-Associatton für bedenklich erklärte, sich in die politischen Verhältnisse Palästinas einzumischen, was sie mit der Annahme des Vorschlags tun würde. Die palästinensischen Juden seien in den letzten Wochen in einem Zustande der Gärung gewesen, in Folge des Todes des Chacham Baschi und die zionistiche Frage und die Absichten der Zionisten seien während der Wahlen mit außerordentlicher Leidenschaftlichkeit diskutiert worden. In einem solchen Zeitpunkte erscheine es ihm nicht opportun, eine zionistische Gründung in Palästina zu unterstützen. Der Bericht des Sekretärs verbreitete sich über Subventionen an Schulen in Alexandria, Bagdad, Bombay, die Eveline Rothschild- Schule in Jerusalem, Saloniki u. s. w. Eine längere Debatte riefen Bewilligungen für die Mädchenschule in Mogador (Marokko) hervor, die von 214 Schülerinnen besucht wird. Vermischte Nachrichten. Wien. Die Neuwahlen für das Wintersemester 1906/07 im Vereine jüdisch-espaniolischer Hochschüler „Esperanza" in Men hatten folgendes Ergebnis: tecbn. Marcel Nachmann, Präses; pharm. Jakob Alkalay, Vize-Präses; med. Josef Pinto, I. Sekretär; jur. Jakob Kajon, II. Sekretär; med. Rafael Alfandary, Kassier; med. Jsak I z a h a r, Bibliothekar. Die Hämburg AMerika Liüie meldet: Nordamerika: Dampfer „Acilia", nach Philadelphia, 4. November 1 Uhr nachm. Lizard passiert. — „Amerika", von Newyork kommend, 3. November 1 Uhr 30 Mn. Krebr-Ilpothrke * S. Mittelbaei, « wie«!., q»h«rMar«Nr.8 QpiUfit« -Kr«) kn itntxxm der Skrdt Soda-pastillen. SL«S8 yobrn re. lewen, unentbehrlich. Vrei» per Schachtel 00 Heller.

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