Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 73 (16.10.1906)
- Date
- 1906-10-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 NaLionalzeitung Nr. 73 VW er Mcliersvhtt tm Alter von 22 Jahren. Der Verstvrbene stand trotz seiner Jugend im Rufe eines hervorragenden DArnndgelehrten, der außerdem auch dem Studium weltlicher Misseilschasten mit Erfolg oblag. L<-iu bescheidenes Wesen! nn>d> sein grnnÄehreichen EharaktEr erwarben ihm die Lnlnpathien aller, die mit ihm in Berührung traten. Die Sympathien fanden auch in der iiberaus großen Beteiliglnng an dem am 15. d. M. stattgefnndenen Leichenbegängtnfse ihren beredten Ausdruck. Jndisch-akadcnuMe Verbinbung „Jvria", Wien. Tie Chargenmahlen für das Wintersemester 1008/1007 Hatten folgendes Ergebnis: cand. jttr. Schönhof, Präses,' cand. jur. Leopold Friebmann, Bizeprü'ses,' cand. jur. Felix Wirite rste in, Schriftführer. Bude, 9. Bez., Seeg. 7. Die galizische Wahlkreisemteilnng nnd die Inden. Bor einigen Tagen erschien bei den Führern des Polenklubs eine Abordnung der Vertreter der galizischcn jüdischen KNltusgemeinden, um gegen die Wahlkreiseinteilhug in Galizien Protest zu erheben. Bekanntlich hat der verstorbene Tr. Byk seinerzeit für die Inden Galiziens 7 gesicherte Mandate gefordert. Durch die vom Polenklnb vertretene Wahlkreiseinteilung werden jedoch den Juden bloß 5 Mandate zugedacht und auch diese erscheinen nicht gesichert. Die aus den Herren S. Edlen v. Horolwitz-Lemberg, Tr. Tilles-LIrakau, Dr. Schaff- Lemberg und Landtagsabgeordneten Dr. Löwensteiu bestehende Abordnung -stellte nunmehr die Forderung, daß den Jhden Galiziens durch eine gerechte WahUreiseinteilung acht Mandate zugesichert -werden mögen. Ter Polenklub hat bisher über dieses Anliegen keinen Beschluß gefaßt. Wien. (Herbstkurse.) In der landesschulbehördlich autorisierten Neuen Wiener Fachschule für Stenographie (Gabelsberger) und Maschinschreiben S. I. A. Gutsch, 2. Bez., Leopoldsgasse 26, beginnen, nachdem im abgelaufenen Schuljahre nahezu 1000 Schüler an dieser Anstalt ausgebildct wurden, in diesem Monat Herbstkllrse. Bei diesen unentgeltlichen Kursen ist ein Lehrholwrar oder eine Einschreibegebühr nicht zu bezahlen, sondern nur ein Regiebeitrag von 3 K pro Monat zu entrichten und können Anmeldungen täglich, persönlich oder brieflich erfolgen. Deutsches Reich. Berlin. Das endgültige Ergebnis der Volkszählung in Preußen liegt erst jetzt vor. Aufs Tausend berechnet haben in. der Zeit vom 1. Dezember 1900 bis 1. Dezember 1906 zugenommen: Evangelische 69,86, Katholiken 102,26, andere Christen 311,99 und Juden 43,79. Es wurden in Preußen dem Religionsbekenntnisse nach gezählt: Evangelische 23,341.602 (gegen 21,817.677 in 1900), Katholiken 13,352.444 (12,113.670), andere Christen 182.633 (139.127), wobei die- Hauptzunahme auf die Dissidenten entfällt, die 51.076 gegen zuletzt 27,679 zählten und Juden 409.601 (392.322). Berlin. (Mischehen im Jahre 1904.) Das „Erste Vierteljahrheft zur Statistik des Deutschen Reiches" bringt die Zahlen der Eheschließungen in Deutschland im Jahre 1904. Danach wurden 1904 neben 4001 rein jüdischen Ehen 7 4 8 j ü d i s ch - ch r i st l i ch e E h e n geschlossen. Deutschland hat somit den Rekord in Mischehen geschlagen! Köln, 23. September. Eine eigentümliche Ausweisungsangelegenheit hat in den letzten Monaten die hiesigen Behörden beschäftigt. Vor einigen Monaten fanden sich auf unserer Gemeindestube drei jüdische Knaben ein, mit der Angabe, sie seien als Kinder russischer Eltern in Leipzig geboren, um dort vor Jahresfrist wegen mangelhaften Schulbesuches nach Rußland ausgewiesen worden, der Onkel, der sie dort ausgenommen, sei infolge der Unruhen nach Amerika ausgewandert, in Leipzig hätte sie nach ihrer Rückkehr die Mutter (der Vater lebt nicht mehr) als Ausgewiesene nicht behalten dürfen, und nun seien sie auf dem Wege, sich in Deutschland oder Frankreich ein Asyl zu suchen. Die drei Knaben wurden durch Herrn Rabbiner Dr. Rosenthal hier zurückgehalten, und die Fürsorgeabteilung der Bewahranstalt in der Bayardögasse erklärte sich zu ihrer Aufnahme bereit. Nach der polizeilichen Anmeldung der Knaben entspann sich zwischen den hiesigen Polizei- und städtischen Behörden und dem Rat der Stadt Leipzig ein lebhafter Schriftwechsel. Aus dem umfangreichen Aktenmaterial ergibt sich, daß die obigen Angaben der Knaben in allen. Punkten auf Wahrheit beruhen, daß also drei minderjährige Kinder im Alter von (damals) 8—12 Jahren wegen Schulschwänzens ohne ihre Mutter aus ihrem Geburtsort Leipzig nach Rußland ausgewiesen worden sind! Die in ihrer Eigenart wohl einzig dastehende Angelegenheit hat durch den nachstehenden Brief ihre vorläufige Erledigung gefunden: „Armendeputation Köln. Der Israelitischen Gemeinde, hier, zu Händen des Herrn Rabbiners Dr. Rosenthal, anliegende Verhandlungen betr. die Kinder B. zur gefl. Kenntnisnahme und mit dem Ersuchen ergebenst übersandt, was mit den Kindern geschehen soll. Die Kinder gehören zur Mutter. Wir sind aber bereit, von einer Rückverweisung nach Leipzig, bezw. nach Rußland abzusehen, wenn uns von Ihrer Gemeinde oder der damit befaßten Stelle die Erklärung abgegeben wird, daß für die Kinder auch fernerhin ohne Inanspruchnahme der öffentlichen Armenpflege gesorgt wird." Diese Erklärung konnte abgegeben, werden, da der Hilfsverein der Deutschen Juden sich bereit erklärte, die durch die hiesige Unterbringung dieser im wahrsten Sinne heimatlosen Kinder entstehenden Kosten auf sich zu nehmen. -ohnenöer ArmB kür jüdische Agenten der Papieru. Buchhandlungsbranche Auskünfte erteilt F\ ALTMANN, WIEN, IX., Vramergasse 17. > vfr> ''iL'’ ■ - o Aii \ M V; Zahnatelier! Wien, XVII., Veronikagasse Nr, 22 (im eigenen Hause) Gegründet Im Jahre 1884. Anerkannt neue Ausführung. Was Passen, Material u. Preise anbelangt, das Beste in Wien. 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