Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 73 (16.10.1906)
- Date
- 1906-10-16
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nationalzeitrm^ Nr. 73 ten. Wahr ist vielmehr, Daß sich während dieser D iskn-ffionen keine einzige Stimme erhob. Gegen die Umwandlung -des „Pvale-Zion" in einen ,-S>. -S. "-^Verein «plädierten blotz die Genossen Friedmann und Kirschner, rvelche beide Territorialisten sind und der hiesigen Jto-Grnppe beigetreten sind, indem sie für die Annahme des territorialen Prinzips auf dem demnächst stattsindenden pväle-zivnistischen Parteitage eintreten wollen. Bemerken muß ich noch folgendes: Laut der mir seitens des Berichterstatters des „Jüdischen -Arbeiters" „Joch Schalom" gemachten Mitteilung, hat der ,/Indische Arbeiter" seinen Bericht nicht wahrheitsgetreu wiedergegeben, sondern hat denselben willkürlich geändert und tendenziös dekoriert. So konnte beispielsweise „Joch Schalom" nicht spöttisch von der Gründung des bürgerlichen „Jto"-Bereines berichten, da er selbst Territorialist ist und der hiesigen ,>Jto"-Grluppc beigetreten ist. Zur weiteren Beleuchtung der Berichte des „Jüdischen Arbeiters" diene -Ihnen folgendes Fokknm: Bor einigen Tagen fand eine Versammlung inr hiesigen „Poale-Zion" statt, zwecks Wahl von Delegierten für den poale-zionistischen Parteitag. Gewählt »wurden: Isidor Patrach, Vizepräses, und Kirschner, Sekretär, mit der ihnen seitens der Versammlung gegeberven Dire-ktive, für die Annahme des territorialen. Prinzips einzutreten. Beide unterziehen sich gerne dieser Aufgabe, da sie beide überzeugte Derritorialisten sind. Aus de« Resolutionen und Beschlüßen des l. ordentlichen Parteitages der zionistisch - sozialistischen Arbeiterpartei. Den Tcrritorialismns betreffend. 1. a) Die Itzt stattfindende jüdische Emigration ist nur ein Ring in der 'Kette -der ständigen jüdischen Wanderung, die einerseits durch die sozial-ökonomiselie Struktur des jüdischen Volkes und andrerseits durch den sozial-ökonomischen- Zustand sowohl der Emigrationsals auch der Jmmigrationsländer hevoorgerufen wird. Ihre jetzige Entwicklung trägt bereits die Kenne der künftigenjüdischen Gesellschaft in. sich. b) Die jüdische Emigration trug in der Periode des Feudalismus einen handelsvermittlerischen» Eharakter und ging nach Entwicklung des Kapitalismus über in eine solche von Arbeitern und Handwerkern. Indem sie so nach den. industriell-kapitalistischen Ländern gerichtet ist, schasst sie dort gewisse Pvoduktionsein ganz gewöhnlicher Rabbiner, und man stellte ihm einen Sessel hin, damit er Platz nehme. Und die Beamten sahen ein, daß einer geistlichen Person ein Sessel gebührt . . . „Warum wunderst du. dich also, daß die Menschen' von wahrhaft großen Rabbinern etwas wissend Du hast wahrscheinlich etwas von Rabbi Salomon Loua gehört? Rabbi Salomvn ben Je hu da?" „Ah, wer Hätte nicht gehört?" „Er war doch ein Lubliner Rabbiner, ein großer Gelehrter. Er ist hier in Lublin vor mehr" als dreihundert Jahren gestorben. Man könnte wetten, daß seine Asche aus dem alten Friedhof liege. Und Rabbi Joel?" „Joel? Ich weiß, ich weiß, ich habe von. ihnen allen gehört, warum hätte ich nicht hören sollen?" „Rabbi Joel Sirkes ben Salomon." ' „Sirkes! Wer hat nicht von Sirkes gehört? Ein großer Kopf! Ein. großer Frommer! Er liegt auch ans dem alten Friedhof." „Nein, er liegt in Krakau." „Vielleicht in Krakan — ich werde nicht streiten, aber mir scheint das nicht. Wie hätten die Lubliner Inden« solch eine Persönlichkeit fortlassen können?" „Und doch war es so, denn es ist schon über zweige, in« welchen sie sich notwendig konzentriert. c) Beiln weiteren Wachstum gerät die jüdische Emigration in- Widerspruch mit den Formen der Kcnzenitration, die sie selbst geschaffen hat, und es besteht für sie die Notwendigkeit einer Aendcrung ihrer Richtung. d) Jndenrdie jüdische Emigration die Lime des geringsten Widerstandes einschilägt, verwalte!t sie sich in eine Kolonisation, die durch! ihren kollektiven Ehaimkter die Konzentrierung der jüdischen Massen auf ein freies Territorium bedingt. e) Di es er E ml grations-Kolvnifationsproz eß läßt int Laufe feiner Entwicklung den realen Boden einer künftigen jüdischen Gesellschaft erstehen«. 2. f) Die notwendige Vorbedingung für das Entstehen der jüdischen Gesellschaft ist ein gewisses Minimum von politischen Rechten, die eine Sicherheit für die Konzentration der jüdischen« Volksmassen ün Lande der Kolonisation bietet. g) Diejes Minimum von Rechten ist das Produkt oos Aufeinander-wirkens folgender Kräfte, welche der vor sich gehende Emig'rckt'kons- Kolonisationsprozeß hervorruft und organisiert. 1. Durch dos Anwachsen der sozialen' Kräfte des jüdischen Proletariats, vor welchem das Problem des Derritorialismus ans dem Klassen kämpf ersteht. 2. Durch die Organisation jener Volksmassen-, die sich um den bürgerlichi-demokratischen Tevritorialismns gruppieren. 3. Durch das Interesse der Länder der jüdischen Immigration und Kolonisation einmal ihre freien Länder zu besetzen und andermal diesen Prozeß durch die organisierten jüdischen Volkskräfte in eine planmäßige Besiedlung zu verwandeln-. 4. Durch die wachsende Notwendigkeit, daß das internationale Proletariat das Emigration spr o gramm löst. 3. Derart entstehen' für uns folgende Aufgaben: 1. Organisierung des jüdischen Proletariats aller Länder auf dem- Boden seines Klasseninteresses, um eine allgemeine Zionistischsozialistische Arbeiterpartei zu schaffen. 2. Durch' eine territorialistische Agitation, auf die jüdischen Volksmassen wirken« und in« ihnen das Bewußtsein dev Interessiertheit am Territoriatismüs erwecken. 3. Durch ein Hineintragen« unserer Anschauungen in die Reihen des internationalen Proletariats, mn dadurch, auf das Proletariat der Einwanderungsänder zu wirken, und 4. die territorialistische Politik der jüdischen Bourgeoisie int demokratischen. Sinne zu beeinflussen durch eine gelvisse Unterstützung der positiven« Seiten derselben. (-Fortsetzung folgt.) Austritte aus dem Judentum in Wien vom 20. Juni bis 22. September 1906. (Schluß der Liste. Siehe auch „Nat.-Zig." Nr. 72.) Arthur Grün-Hut, Beamter, 9. Be«z., Kolingasse 6. Franz Kohl, Drechslergehilfe, 12. Bez., Rofalragasse '1. Josefine Bing, geb. Plohn (Uebertriti zum katholischen Glauben in Wlasenitz, Böhmen), Photographensgattln, 1«. Bez., Markinsstvasze 26. Friederike Rosenfeld, 9. Bez., Gbünetorgasse 2. Sarah Golde Gumplowitz,Smer-dza> (Galizien), 2. Bez., Taborstraße 108. Dr. Leo Pvllak, Prag, 'Arzt, 4. Bez., Starhemberggasfe- 10. Leopold Fleißig, Bahnbediensteter, 10. Bez., Gellerigasse Nr. 17. Maria Fleißig, geb. H-enzl, Braunschweig, 10. Bez., Gellertgasse 17. Renata Henriette Köhn, 1. Bez., -Fleischmarkt 6. Bela« Liebmann, Opernsänger, 2. Bez., Praterstraße 111. Ferdinand Lustig, Hilfsarbeiter, 2. Bez., Große «Tperlgasse 31. Josefine Nennmnn, geb. Mitteröcker, 8. Bez., Lerchenfelderstr. 124. Malvine Breyer, ge'b. Breier, Gaudenzdors, 12. Bez., Steinhagegasse 20. Max Kohner, 17. Bez., Branngasse 53. Bruno Langbank, Graz, 17. Bez., -Branngasse 55. Richard Ritter von Münchner, Landwirt, 1. Bez., Kärntnerstraße 51. Rudolf Ritter von -Manthner, Banlheancker, 1. Be'z., Bäckerstraße 1. -Engenie Pniower, Krzeszmvice (Galizien), Schausprelerin, 0. Bez., Hvfinühlgasse 2. Otto Pollak (Uebertritt in Gmunden). Therese Fantus, Esztergom (Ungarn), 20. Bez., Waltensteinstraße 55. Barbara Mühlrad, Humpoletz (Böhmen), Handarbeiterin, 16. Bez., Habichergasse 17. Kurt Rathe, sind. phil. 1. Bez., Hegelgasse 21. Paul Leopold Wollitscher, Kaufmann, 1. Bez., Hohenlstaufengasse 7. Richard Rothziiegel, Privatbeamter, 4. Bez., Mühlgasse 7. Debora Schneller, Nizankv reize, Kleideranachertn, 6. Bez., Gnmpeudvrferstraße 92. Robert Böhm, Vertreter, 3. Bez., Hetzgasse 4. Adolf Gotsleben, 19. »Bez., -Pantzergafse 10. Olga Schimetschek, Tnlln, 19. Bez., Zähnradbäh n-straße 10. »Anna Datelmann, Odessa, 9. Bez., Währingerstraße 33 Wellsion Atlanta). Marc Pigeon, Pultscha (Rumänien), Buchhalter, 9. Bez., Hotel Union. Marie Fried, Skressow (Böhmen), 12. Bez., Aichhorngasse 8. Enr.il Hutter, Edelstein'händler, 9. Bez., Kolingasse 6. Mathilde Glogan, 9. Bez., Wasagasse 11. Margarethe Hecht, Prag, 2. Bez., Springergasse 27. Bertha Löwp, 9. Bez., Schlickplatz 4. Salolnon Hirschler, Hilfsarbeiter, 9. Bez., Thurygasse 13. Otto -Porges, Gm»iind, Mechaniker, 13. zweihundert Jahre, er reiste nach Kpakau; dort lvar er Rabbiner und dort starb er rmd man bevrdigte ihn neben dem br-Rihinten Rabbin«er Mosche Jferles. Berk, hörst du-, an der Seite dieses berühmten Rabbiners, den man Ranto nennt." __ „Raum! Wer weiß nicht von Raum! Es jst schiver zu glauben, daß solche Sachen' in nichü jiidischen Büchern, stehen könnten I Aber ich glan«be, das; dies eine andere Gatt«ung Büch-er sein nmsse." „Ja, ja! lind Rabbi Johuida- Wi-aa, Rckbbi Meier. „Jetzt lvende ich Ihnen sag eit . . . Alles werde ich Jhn-en' sagen, und loarum»? K»en-il»e-n Sie solche „Mechaniker", die nichtjüdische Bücher tnachen?" „Ja?" „Aber nicht diese gewöhnlichen Bücher . . mir solche, lvisseu Sie . . . diese beste Gattung', in den»ew mir von Rabbiner die Rede ist?" „Ja." „Das ist gut. . . denn das, was ich Ihnen sagen werde, sollte in. solchen Büchern verzeichnet stehen. Ich werde Ihnen alles, wie es Inen, erzählen — die ganze Wahrheit . . . und Sie sollen es ausschreiben! Höven Sie, gnädiger Hmr. Was auf dem alten Friedhof geschehen' ist, und was ich Ihnen sagen will, das war eine große Sache, eilt, solches Ereignis — nn, Sie werden ja. sehen. Sie werden sich überzeugen«, lvaseilt N!a.bbi bedmllet, lvas für eine Macht ihm inuewohllt!" „Von toe-lcheni! Rabbi will Bert reden?" „Von tvelchem? Ich loeiß nicht, wir er geheißen hat und, anfrichllg gesagt, bva'u-che ich es nicht zu wissen. Es war ein R'abbi, das genügt, und ob ev« eilt! großer oder ein kleiner. R'abbi lvar, das lv-erdeu Sie gleich sehen! Bei uns wird davon.' viel geredet n-u.d was matt bei itns orgähli«, das ist die reinste Wahrheit. Sie haben diesen Berg gesehen!?" „Ja." „Und die K-i'vch»e haben Sie ebenfalls gefehen?" „Akatürlich." „Die KÜrche steht. ga»nz tmten. Sie hasben mir gesagt, daß dies Ihnen tvitnderlich vorkom-mt, und das ist ganz und gar nich-t tvnnderlich. Früher lvar an dieser Stelle weder ein Berg«, noch eine Vertiefung." „Was also ist gewesen?" (Fortsetzung folgt.) Waschbar! Wasserdicht! Geruchlos! ÄSS5SÄ Pollenz echte ~' =$cbwci$$blälter sind Ale toten. IleMI ertifiltl