Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 69 (25.9.1906)
- Date
- 1906-09-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 NationalzoitiMk Nr. 69 stcmdes unterstützter: die Rabbiner von der Kanzel herab. Das jüdische Gewissen scheint nun doch aufgerüttelt zu sein. Wird es das sein, was es angesichts der Niederträchtigkeiten unserer mächtigen Feinde sein müßte: ein reumütiges, zu gemeinsamer Tat erwachtes Gewissen des jüdischen Volkes, so wird cs sicherlich auch die Kraft besitze!:, oas sogenannte „Europäische Gewissen" aus seinen: unheimlichen Schlafe des Ungerechten aufzuriitteln und zugunsten unschuldiger Menschen in Bewegung zu setzen! Von der Jto. Tic Jto-Gruppe in Stryj. Wiederholt brachten wir Berichte über Die Ito-Bewegung unter den Stryjer Zionisten, und immer wieder war es der „Jüdischer Arbeiter", der die Existenz einer solchen Bewegung in Abrede stellte. Bald wurden wir auch durch anonyme und nichtanonyme Zuschriften behelligt, in welchen das Bestehen einer Jto- Grrrppe in Galizien, also auch in Stryj, geleugnet wurde. Die jüngste „Berichtigung" dieser Art hatte folgenden Wortlaut: Stryj, 12. September 1906. Geehrte Redaktion! Gegenüber der in Nr. 66 der „Nat.-Ztg." gebrachten Notiz, daß sich in Stryj eine territorialistische Gruppe gegründet hat, erlaube ich mir, diese Nachricht dahin zu berichtigen, daß in Stryj eine territorialistische Gruppe weder jetzt besteht noch überhaupt je bestanden hat. Hochachtungsvoll Wolf Schmorak Erster Vizepräses des „Zion"-Vereines. Unser Stryjer Vertrauensmann, dem wir die Zuschrift des Herrn Schmorak zur Beantwortung überwiesen, schreibt uns nun unterm 18. September: „Wie Sie sich erinnern werden, haben wir unsere Vereinsstatuten schon vor Monaten der Statthalterei überreicht. Die Statthalterei wünschte jedoch einige Aenderungen. Nun haben wir die entsprechend geänderten Statuten eingereicht und hoffen nun, die Genehmigung der Statthalterei zu erlangen. Nach Verlauf von 28 Tagen a dato Einreichung derselben werden wir an die Konstit u i e r u n g des Vereines schreiten. Die Zuschrift des Herrn Schmorak erhalten Sie inliegend retour. Ter Bericht des Herrn Sch. kann als richtig oder auch als unrichtig bezeichnet werden. Nichtig, weil bis zur hätte gestellt -werden sollen, gegeben, ihren Glauben mit den Pflichten eines Franzosen in Uebereinstimmnng zu bringen. Wie die Männer ihrer Aufgabe sich entledigten, und wie unterwürfig sie sich Napoleon gegenüber zeigten, das ist für uns nebensächlich, muß aus der Zeit und den Verhältnissen erklärt werden. Wichtig für die zionistische Bewegung ist noch Heute, und das hätte bei einem Gedenktage hervor ge hoben u:td betont -werden Müssen, wie der große Geist Napoleons, der sich bei allem, was er in Angriff nahm, sofort bekundete, auch für die jüdischen Angelegenheiten das einzig Nichtige fand und alsbald in Bewegung setzte: Tte Inden selbst sollen durch ihre Vertreter irber ihr Geschick entscheiden. Erst dem Zionismus war es beschieden, diesen Grundsatz zum Ausgangspunkt der mächtigen Bewegung und des erneuten Auflebens des jiidischen Volkes zu umchen. Dr. Herzt, -der jüdische Napoleon, brach mit den: jüdischen Wahne, der so viel schwerer Opfer kostete, das Heil des jüdischen Volkes von den Regierungen, non der Gnade der Humanität, den: Wohlwollen oder -den: Vorurteil der Völker, unter denen sie lobten, erwarten und erlangen zu wollen. Dieser Aberglauben, dem noch heute alle Assimilanten, die Mehrzahl des jüdischen Volkes, die Neichen, die Streber und Ehrgeizigen huldigen, brachte uns Juden stets die größte Erniedrigung und die schwerster: Schäden. Napoleon, der Mann, der ans sich selbst alles geworden, Stunde eine auf Statutenbasierende Gruppe tatsächlich nicht besteht, unrichtig, weil eine größere Anzahl von Personen, größtenteils aus den Reihen der z i o i: i ft: schen Orga lt isation ihre Bereitwilligkeit z um Beitritt zu dem sich gründenden Vereine „Jto" bereits erklärt hat. Diese Tatsache ersehen Sie aus inliegender Abschrift einer Erklärung, die bis heute von 60 Personen (Arbeiter, Kaufleute, Aerzte, Advokaten usw.) gefertigt ist. Me Unterschriebenen haben auch schon Beiträge für die Gründung des Vereines gespendet. Das Komitee ist eifrig an der Arbeit, dem Verein so rasch als möglich die legale Unterlage zu sichern. Ich kann Sie auch versichern, daß die Zahl der ans der Erklärung Unterschriebenen noch, lange nicht die Gesamtzahl der hier gleich uns Denkenden betrügt, und ich zweifle heute nicht mehr daran, daß der Verein „Jto" in kurzer Zeit mit wenig Ausnahmen s ä m t l i ch e den k-e:: d e:: N a t i o n a l j u d e n unserer Stadt umfassen wird. Als Beweis dafür, wie die Volksmassen über den Territorialismus denken, möge Ihnen die Tatsache dienen, daß sämtliche denkenden und leitenden Mitglieder des hiesigen „Poale Zion" Territorial: st e n s i n d. Auf der am 16. d. M. stattgefundenen Generalv e r s a m m l u n g der „Poale Zion" brachten mehrere Mitglieder den Antrag ein, der Verein möge sich den territorialistische:: „S. S." anschließen. Der Antrag fand keinen einzigen prinzipiellen Gegner. Selbst die Bekämpfer des Antrages wollen auf dem nächsten poale-ziomstischcn Parteitage für die A n - nähme des territorialistischen Prinzips eintreten." Wir haben den Bericht unseres Vertrauensmannes vollinhaltlich zum. Abdruck gebracht. Er beweist klar und deutlich, was hundert „Berichtigungen" unverantwortlicher Personen nicht unwahr zu machen imstande sind. JfitonpffJuntii. fomfpnfanp. Inland. Wien. (Verlobung.) Herr Dr. Armin Abolos, Rabbinor der Wiener israel. KNltusgenrein-de Wien-Landstraße, hat sich, mit Frl. Fanny Pappenheim, Tochter des Vorstandsmitgliedes der Israol. Allianz, zu Wien, Horrn Wilhelm P a p p o n h o i m, verlobt. Unsere Herzlichste 'Gratulation! übertrug -dieses System auch auf sie jüdische Nation, die damals noch zu wenig Verständnis und politische Bildung dafür besaß. Ebenso ging es mit der zweiten Idee, mit -der Bildung eines Synhedrivns, welches eine große Organs sation der gesarnten JndeNheit Europas schassen sollte. Diese große Idee der Organisation aller Juden, -welche erst der Zionismus in die Hand nahm und mit besten: -Erfolg betreibt, schrumpfte allerdings in die kleinliche 'KonsistvrialvLr'sassu-ng siir die französischen Inden zns-a-rnrnen. Es war rocht Napoleons Schuld, nur öle eigene der Juden, die noch heute -kein allgemeines Verständnis für ein mächtiges einheitliches Auftreten eines jiidischen Volkes besitzen. Ans kleinlicher: Parteigründen -widerstreben noch heute Partei- und Gemeindeführer einer Gesamtorganisation, sei es in religiösen, sei es in politischen Dingen. Die Wahlrefvrrn in Oesterreich zeigte zur Mutige, wie selbst in den Ländern außer Galizien und Bukowina die, sonst eifrigen zionistischer: Vereine perhvrreszieren, arrch als politische Partei eine jüdische Partei zu schaffen und einen jüdischen Vertreter selbst z:r verlangen, und es -vorzichen, vor die Alternative gestellt zn 'werden, entweder sich der Wahl zu enthalten oder rnit ihren Gegnerneitlen Antisemiten wählen zu rniissen. Das nen-nt :nan politische Klugheit! -Mas hätte eine Organisation der Jndenheit Europas, ein Gesamtparlament fiir die Inder: leisten, welche Uebel verhindern Und Wien. ( Verlobnüg.) .Fräuleins J'yma T -a u 's s i g, Tochter des Obmannes des Vereines für nn-entgeltlichen Arbeitsnachive-is, Herrn- Dr. Bela T a n s s i g, -hat sich rnit dem- Pro'kuvisten 'der Unionbank, Herrn Otto Katz, oerlobt. Ein jüdischer Dentschmeifterveteran. Gelegentlich der -Enthüllung des DerrtschirieisterderrkrnalS in Wien, ist es nicht uninteressant, zu ersahren, daß der älteste lebende Dentfchmeisterlveteran ein Jude, Herr Ignaz F i scher, ist. Herr Ignaz Fischer, -der gegenwärtig bei seinem Sohn nrtd seiner Tochter, 2. Bez., Hafnergasse 3 «wo-hrrt, Hat 'schor: seirr achtzigstes Lebensjahr erreicht, erfreut sich aber trotz^dieses Hohen Alters nochdes besten Wohlseins und seine hohe Statur läßt noch jetzt den ehemaligen Dierutschmeister-Grenadier erkennen-. Irr >daS Dentschnreister-Megirnent trat Herr Fischer in:!JaHre 184S. Da er das Grenadiermaß besasp wurde er in -das bis 1860 bei jedem Infanter ie-Regi ment b e-stehe n-d-e> Gret:a>dierbataillon eingereiht. Fischer gehört noch izn den Radetzky-Veteranen, da er im. Regiment Deutschmeister 1848 und 1849 den -Feldzug in Italien nn-d auch einen Teil der Kämpfe in- Ungarn u:-itnrachte. D-as -A'vancement war damals für die Mannschaft in dr D-ienstzeit sehr gering, da zu -Unterosfizieren nur alle Diener befördert 'wurden. Ignaz Fischer hat sich aber in seiner Dienstzeit sehr -gut gehalten, wie aus seinen: „Abschied" hervorgeht, der -ihn: ansgestellt wurde, als er nach n-ahezu zehn Jahren den Militärdienst verließ. Es heißt in dem- „Abschied": „Hoch- und Dentschmeister-Reginrent Nr. 4. V-orzeig-er dieses 8l-bschieds, der österreichische! 'k. k. Grenadier Ignaz Fischer, gebürtig aus Nen-Nansn-itz in- -Mähren, 29 Jahre alt, israelitischer Religon, ledigen Standes, Schneider vo-n. Profession, hat bei -dem österreichischen k. 'k. 4. Linien-Jnsanterie-Negiment durch 9 Jahre, 7 Monate, 26 Tage als -Grenadier treu, redlich und tapfer gedient. -Er hat a>m> 18. Juni 1893 seinre- Entlassung ans demösterreichischen k. k. Militärdienst erha-lten -und wurde ihm der Absch'ied zur Bestätigun.g ferner Dienstzeit und seines Wöhlverhalte-ns erteilt." Durch diesen Abschied wurde Herr Ignaz. Fischer zum Tragen der Kriegsmedaille berechtigt, nr-it der geschmückt er nun -auch Lei der -Enthüllung des D-entfchnrei-sterdenkrnals -mit 'seiner: früheren Kameraden zNm Appell antret-en ka-nri. Krems. Der Verein „Zion" Hier Hielt -Sonntag 16. -ds. seine Ja-hresha-nptoersam-Mlun-g ab. Nach -Erstatturrg -des Jahresberichtes, der eine rege Tätigkeit ausmies, fand die -Wahl des -Ausschusses statt, 'welche folgendes Resultat ergab: Herr Nabbinler Dr. Jak. Diamant, Obmann: Herr Samuel Kolb, Stellvertreter: Herr Jg. Nephan, Kassier: Herr Karl Sachs, Schriftführer: Herr M'oriz Tieger, Bibliothekar: Herr Leopold K'vhnt, Langen'lois, Kontrollor. Der Verein geabiwehren -können! Mau sieht wohl mit -Geringschätznn-g auf das „Wenn" ln de-r Geschichte, a'b-er ein schon oberflächlicher Blick auf -die zionistischen Kongresse belehrt uns über die begangeuerd Fahler und die Fehler, die noch immer von geiivisser Seite u:it einer inervwürdig hartnäckigcu Selb-stverleug-! U'lmg -sortgeisetzt werden. Ein lehrreicheres Thema ' für lAg-itati-onsreden und Versammlungen köun- ' terr die zion-istischen Vereine sich gar nicht wählen, i Der zweite Punkt unserer Tagesvvdnuu-g ist j die Bertreibn'llg der tifu-den aus Frau-kreich-, am! 19. .Ab 1-306 befohlen, irr: E-e>pt'e-niber lz-nr Aus-! 'führurrg gelangt, und das 'Gernetzel der 'Maranj n-e-n in Portn-gal arr: 19. Apr-il 169-6. Irr unserer j Zeit der russischen Pogrorne ist es vielleicht überflüssig, die!Gew-alttatengegen die Juden in -anderer: Länndern zn erwähnen, znrnal ja doch. Nn-tzland derr tranviger: Vorzug gen-ieht, an M-ordgier und Gran'särrrleit -seiner -Hooligans alle Ikationen nn-d Länder -derWelt, die WilderrlAsrikas n-icht ausgenomrnen, zu Übertressen. Es 'scheint vielleicht nach den: alter: Grundsätze: die jün-g-sten- Mißgeschicke lassen die älteier: in -nnserern Gedächknis zu rücktrete rr, nicht -geraten bei jenen zn verrveiilen.! j (Fortsetzung folgt.) Waschbar I WaiMserdJchtl Qaruchica I Pollenz echte Reform-Scbweissblälter