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Nationalzeitung · 1906-09-11 · Heft 66 (11.9.1906) · p. Seite 4

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 66 (11.9.1906)
Date
1906-09-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nationalzeitung Nr. 66 welcher fern ganzes Dasein in den Dienst der werktätigen Menschenliebe gestellt, hatte im Jahre 1835 einem Gemeindemilg-lieöe David Frankel den Entschluß zu erkeuueu gegeben, der israelitischen Gemeinde Posen •eine namhafte Lumme zugunsten einer wohltätigen Anstalt zuzuweuden, wenn er izn nächst Auskunft erhielte, welche dieser Anstalten am zweckdienlichsten eingerichtet und der Gemeinde am ersprießlichsten wäre. Sv erfolgte am 15. Oktober 1866, dem Geburtstage des Kronprinzen, die feierliche Erössnnng der hiesigen israelitischen Waiseukuabeuanstalt. Minf -Jahre später wurde zum Erwerb eines eigenen Gebäudes durch Kabinettsordre vom 14. August 1841 ein GnadengescheUk von 300 Reichstalern gewährt. Wesentliche Umänderungen haben im vorigen Jahre in und an dem Gebäude stattgestln-den. Dadurch wurden die benötigten «Räume hergestellt und das Haus selbst erhielt eilt zierliches Aussehen. Bochum. (Grober Unfug.) Die „Westfälische Volkszeitung" berichtet: „Antisemitische Gelüste reizten den SchulMachermeifter Weber von Helten und dessen Freunde, die ihnen, unbekannte Frau Markus in Recklinghausen vor deren- Laden zu necken. Als diese sich ein solckses Verhalten verbat und. ihre Sühne herbeines, sprang Weber vor dem Haufe hemim. Eine große Menge Volkes sammelte sich. Es erfcholl de«r Ruf: „Tie Juden müssen Wer den« Jordan oder nach Sibirien." Das Schöffengericht Recklinghausen verurteilte Weber wegein groben Unfu-gs zu 6 Ma rk Geldstrafe. Gegen das Urteil legte Weber Berufung ein. Die Strafkammer Bochum bestätigte nicht nur das Urteil, sondern erhöhte das Strafmaß auf 20 Mark." Bad Salzbrunn. (Kleide rordnung in einem deutschen Bade.) Hier wurde eine Bekanntmachung der herzoglichen Brunnendirektion angeschlagen, daß „vom nächsten Jahre ab das Tragen von Kaftans auf den Promenaden nicht mehr geduldet werden soll". Dieses mittellalterliche Kleiderregulativ ist gegen die russischen Juden gerichtet, die sich in Kaftans — das sind lange Röcke — zu kleiden belieben. £0 die herzogliche Brunnendire-ktivu sich auch herausgenvmmen haben würde, die dekolletierten M-oudainen und Temilnondainen, falls diese -überhaupt sich nach Salzbrunn verirrten, ans den Prv-meua den,wegen zu graulen? Rußland. Petersburg. (Die Rothschildschen Naphthagrubien.) Bor -einigen Tagen weilte hier ein Vertreter des Pariser Hauses Rothschild. Wie nun bekannt wird, beabsichtigt die F-irma Rothschild alle ihre russischen dkapHthattttteruehmnugen zu lsiguidiereu, und sie an eine amerikanische Unter nehme rgruppe zu verkaufen. Petersburg. Ende Oktober tritt in Petersburg ein Kongreß des Verbandes zur Erreichung der Gleichberechtigung der Juden zusammen. Der Kongreß wird über die Frage der Beteiligung der Juden an der bevorstehenden Wahlkampagne beraten. Petersburg. Dem gewesenen jüdischen Dumiaabgeordneten S. R. Fränkel wurde wegen Verbreitung illegaler Literatur der Prozeß, gemacht. Die Verteidigung Frankels führen« der Vizepräsident der Kadettenpartei RechtsaUwalt W i n a w e r und Advokat -K u z m i n - K a r a w ajew. Odessa. Der Professor der Medizin an der Petersburger Un>iversität N y kolsky macht hier im Verein mit dem Oberpriester A r s e n y und anderen Organisatoren der „Schwarzen Hundert" lebhaft gegen, die Inden Propaganda-, denen er die Schuld an allem Unglücke Rußlands zuschreibt. Ke-rohung der Juden in Marokko. Berlin, 8. September. Aus Tanger wird der „Voss. Zeitung^ gemeldet, daß Kaid Anslus, der seit einiger Zeit die jüdischen Bewohner der Stadt Mogador bedrängt und sie im Juden-viertel eiUschließeu will, sich auschickt, mit seinen Leuten- Alvgador anzugreifeu. Die Einnwhner sind in der größten Bestürzung. Man befürchtet blutige Schreckensszeneu. D«ie Kousulu sind zusa-mimeugetreten und haben das diplomatische Korps ersucht, ihnen Schutz gegen die drohende -Gefahr zu gewähren. Der 'Gouverneur der Stadt hat sich an« den Minister des Sultans um Soldaten gewendet. Truppen sollen morgen mit Munition nach Mogador zu Schiff abgehen. Die marokkanische Negierung und die Vertreter der fremden Brächte sehen die Lage irr Mogador fiir sehr ernst an. Der Kreuzer ,,-G-akilee" soll dorthin abgehen und die Vorg.än«ge überwachen. Die -Europäer, die den Unruhen aus dem Wege gehen wollen., können sich an- Bord des Schisses begeben. Seit 4 Uhr hat sichdie Lage nicht geändert. Berlin, 8. -September. Auf die erste -Nachricht aus Mogador von den dort ausglebrvchenen Unruhen- -ist das diplomatische Korps kn Tanger zusammengetreten und hat die marokkanische Regierung aufgefordert, sofort Truppen in genügender An«ghl zur Unterdrückung der Unruhen hinzu senden. Der französische Gesandte hat den Kreuzer „Galilee" zur Verfügung gestellt. London, 7. September. Aus Tanger wird weiter gemeldet, daß die Unruhen in Mogador auf das eigenmächtige Vorjgehen ches Kcffds eines an«deren -Stamiines, namens Ans l u s, zurnckzuführeu seien, der verlangte, daß die in Mogador lebenden Juden sich aus dem- JnüeUoientel znrückziehen sollten, an'öern-fa-lls er ihre Häuiser plündern lassen würde. Die Juden haben in der Städt viele Jahre gelebt,' wenn auch das maurische Gesetz das W-oh«nen im J-udeuviertel verlangt, so h>atte A-uflus doch keine «Berechtigung zu ekne-m Vorgehen auf eigene Faust. M0ha«med el Torres seUde 300 Soldaten von Tanger -nach Mogador. Buchdruckerei „INDUSTRIE“ Wien, IX,„ Alserstrasse 26 Modernst aus gestattete graphische Anstalt Alle Sprachen. "W Spezialität / AktiendtmcJc in |Farben mit Numerierung. 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Der Verfasser bekämpft sehr energisch jegliche Art von Zionismus und wendet sich nicht minder scharf gegen eine Resolution der polnischen Sozialdemokratie Galiziens, die sich wider eine besondere Organisierung der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiter Galiziens aussprioht“. Eduard Bernstein in „Dokumente des Sozialismus*, V. Band, Heft 12. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen oder direkt (auoh gegen Einsendung von Marken) vom Verlag: Brüder Suschitzky, Wien, X. Keplerplatz Nr. 4. Keplerplatz Nr. 4. PATENTE! aller Ltänder erwirkt und verwertet Ingenieur SU. Qelbhaus I beeideter Patentanwalt | Wien.VQ. Siebensterngasse 7 (gegenüber <u.k. patentamtel Herausgeber: Jakob Krausz. — Verantwortlicher Redakteur: Biegmund Grünspan. — Buchdruckeret „Industrie", Wien, 9. Bezirk, AlsersttaHe 26.

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