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Nationalzeitung · 1906-08-17 · Heft 60 (17.8.1906) · p. Seite 6

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 60 (17.8.1906)
Date
1906-08-17
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 NationaLgMmg Nr. 60 h u n-de rtsten Lebensjahre. Die hochbetagte Dame erfreute sich bis ftrr& vor ihrem Tode noch guter körperlicher Mistig!ke«it und Geiste sfrilsche. Die Verstorbene war als Wohltäterin in der ganzen Gegenld sehr geachtet. Berli«, am 23. und 24. Juli weilten hier die Delegierten der „Vereinigungen Jüdischer Akademiker" von München und Straßburg i. E., um mit den Vertretern der V. I. A.-Berlin über die Gründung eines »Bundes Jüdischer Akademiker" zu beraten. Die Festsetzung der Bundesstatuten und die Stellung, die der Bund gegenüber den Vorgängen innerhalb der jüdischen und akademischen Welt einnehmen solle, waren Gegenstand der zwei Tage dauernden Verhandlungen. Am Dienstag abend wurde durch einstimmigen Beschluß der Bund begründet. Zum gegenwärtigen Präsidialverein ist die V. I. Ä.-Berlin gewählt und darauf deren Vorsitzender cand. phil. I. Wohlgemut statutengemäß zum Vorsitzenden des Bundes ernannt worden. (Herr Wohlgemut, Berlin, Auguftstr. 29, ist zur Erteilung von Auskunft gerne bereit.) Der Bund strebt alle Vereinigungen jüdischer Akademiker, die auf dem Boden des gesetzestreuen Judentums stehen, zusammenzufassen, damit sie geeint einander zu stützen und stärken vermögen und nach außenhin eine Phalanx bilden gegen alle das Judentum in seiner Integrität bedrohenden Zeitströmungen. Zürich. (Abendkursefür russische Emigranten.) Gegen Schluß des Jahres 1666 swan-öten sich rNffffchle Studenten in Zürich an den „Hilfsverein 'der deutsche,n Juden" mit der Bitte, die Eröffnung eines Abendkurses 'für russische Arbeiter durch eine entsprechende Subvention zu ermöglichen. Die Studenten legten dar, wie durch Förderung der Bildung unter den Emigranten viel GUtes gestiftet werden könnte. Das Fortkommen der Emigranten außerhalb Rußlands werde dadurch erleichtert,' aber auch wenn sie nach -RuUand Furnckkehrten, werde ihre Lage eine bessere sein. Der Plan der idealistisch gesinnten jungen Leute erscheint so zweckmäßig, daß der Hrlfsverein der deutschen Juden die erforderlichen Mittel zur 'Verfügung stellte. Die Verwirklichung entsprach den Hoffnungen. Der Bericht 'über die Wirksamkeit der Vereinigung im ersten halben Jahre, den Herr find. Garlalwy erstattet hat, entnehmen wir das folgende: Nach sorgfältigster Prüfung der Bedürfnisse und Wjünsche der in Betracht kommenden Kreise, die zu den strebsamsten Elementen der rufsisch-WdischeN Arbeiterschaft gehören-, wurden als Lehrgegenstiände Deutsch, Mathematik und Russisch gewählt. Drei Studenten und drei Arbeiter arbeiteten« gemeinsam den Lehrplan aus. Wir einen Dell der Arbeiter, welche die Gewerbeschule der Stadt Zürich -besuchen, ist eS non größtem Wert, sich in «Mathematik und deutscher Sprache zu vervollkomlmuen, da die mangelhafte Vorbildung gerade in diesen Fächern es ihnen unlmöglich machte, dem Kursus rn der Gewerbeschule mit vollem «Nutzen zu folgen. Ein anderer Teil der Arbeiter, der die Absicht hat, nach Rußland zurückzuikehren, «will die Möglichkeit ausnützen, «sich unter anderem auch in der russischem« Sprache sortzubilden. Einmal in derWoche wird einLesea«bend veranstaltet. Ferner ist mit gutem Erfolg ein populärer Kursus «über die Grundbegriffe der Naturwissenschaft gehalten worden. Es «konnte schließlich den Arbeitern die Benutzung einer aus einem Nachlaß hervühren'de, sehr gute BMiothelk, die wissenschaftliche und literarische Werke enthält, ermöglicht werden. Infolge des ständigen Flüktuierens der Emigranten ist die Zahl der Schüler erklärlicherweise eine wechselnde. Im ganzen halben die Schule, die zwei Kurse abh-ielt, einen für Anfänger, einen für Vorgerückte 128 Schüler besucht, darunter auch einige Frauen. Es wurden an 74 Schultagen 266 Unterrichtsstunden erteilt; infolge einer besonderen Spende des Herrn Rechtsanwalts «Garkawy-Moskau, konnten, soweit es möglich, die Schulsachen gratis gegeben werden. Gegen eine entsprechende Vergütung «hat die Stadt Zürich eines ihrer Schullokale hergegeben. Im Winter haben 7, im Sommer 11 Lehrer und Lehrerinnen den Unterricht erteilt. Es ist nicht zu zweifeln, daß «tone ganze Anzahl jüdisch-russischer Arbeiter, die in Zürich Station gemacht haben, aus diese Weise in ihrem späteren Fortkommen wesentlich gefördert worden sind. Zürich. (Erschwerung der Einwanid^rung. s. Der Sta-dirut von Zürich beschloß, legstrmationslofen Ausländern künftig ri«nr nioch ausnahmsweise und auf 'beschränkte Dauer die Niederlassung zu gewähren« unb die« Vcchältn-isie der jetzt in Zürich wohnenden? legitimationslosen Ausländer prüfen zu lassen. Die Verfügttug richtet, sich sehr, wahrscheinlich nur gegen die russischen Juden. Ta in RußlcMv eu Auslandspaß 25—30 Rubel kostet! und seine Aushändigung häufig erst nach Wochen geschieht, so sind die Auswanderer häufig nicht in der Lage, sich mit einein Auslandspasse zu versehen. Misrachi-Kongrch. Jm> nächsten Monat findet in Ftunjkfurt a. M. ein Kongreß dev in der Grupe «d«es Misuachi vereinigten gesetzestveuen Zionisten-. Auf diesem, Kongreß sollen jene FordoruNlgMl beschlossen werden^, von deren Eufüllung« das weitere Verbleiben' des „Misracht" in« der zionistischen Organisation a'bhcmgon« wi-rd. Straßbnrg im Elsaß. (Eine seltsame Beerdigung.) Vorigen Sonntag fand hier ein eigenartiges Begräbnis statt. Vor «etwa d r e i Jahren« wurde nämlich« ein Mitglied der Familie Bau«mann, Mühlenbesitzer in ein«er kleinen Ortschlaft in B r a s i l i e n, meuchlings ermordet. Die Witwe bewahrte die Leiche des so tragisch^ ums- Leben, gekommenen- Mannes in einem eisernen Sa>rge, daes. ’btciuti einen, jüdischen Frtedhos nicht gibt. Ta sie nuin dieser Tage in ihre Heimat zuvückkchrte, brachte sie den- Sarg und die Leiche mit, um sie hier zu bestatten. Herr Rabbiner Glase r hielt die Leichenrede, welche auf alle Anwesenden einen« tiefc'rc Eindruck möchte. Köln. (Ausweisung russischer Juden.) Im Laufe «voriger W«och«esind hier — ohne Angabe von Gründen — eine Anzahl russischer Juden aus«ge«wie'sen! worden. Sie hattenreichliches Auskom-men, fielen niemandem, -zur Last, ernährten sich redlich-, aber dem Schicksale der Ausweisung entg-ingen sie nicht. Dies soll, wie versichert wird, der Anfang einer größeren Vertreibung sein. New Nork. (Was kostet die Seelenrettung?) In Newyorik sind fetzt Erhebungen veranstaltet worden, um festzustellen, was die Seelenrettung, ö. «h. die Be'kehruing, - kostet. A«m -kostspieligsten stellt sich die Bekehrung eines Juden zum Ehristemum; sie kostet durchschnittlich 50M Dollars und ist nicht n«ur äußerst selten, sondern, wenn sie vorkommt, «wie der« 'Bericht bemerkt-. gewöhnlich ,/nicht dauerhast". Die nächstgrößten Kosten verursacht die Bekehrung z-um> Mormonentum, wo- «bei allerdings der Schauplatz der Missionstätigkeit eine große Rolle spielt. So kostet es die Mormonen in Chicago 1806 Dollars, 'Um „eine Seele zu retten" und zu i-hrem Glauben zu bekehren, «während es tit Ne,w No-r«k Mit der «Hälfte dieses Pre«ises abgeht. Die Seeleufischer unter den englischen Lutheranern beziffern die Kosten für jeden Bekehrten und für ihren' Mauiben «Gewonnenen auf 60 D-ollars und die Methodisten auf 20 Dollars. Die Preise wechseln a«ber auch« da je nach dem Orte der Au«wevbung. So kostet« der Heilsarmee «jeder Rekrut in Jndianopolis n«ur 1,5 Dollars, in «New York dagegen. 20 Dollars. Unter allen MeligionDgemckniden arbeitet -jedochs die Heilsarmee am billigsten. Bon ihren Mitbewerbern auf religiösem Gebiete, die sich aulf das Profelytenmachen verlegen, werdenallerdings von Zeit KU Zeit «Gerüchte verbreitet, daß die Heilsarmee auf Kosten des Publikumsgute Geschäfte gemacht und daß General Booth. sich bereichert. Diese Behauptungen haben aber -wenig Wirkung, und die Heilsarmee genießt unstreitig in Amerika, ebenso wie in England, die größt«e Popularität! und General Booth wird allgemein als der größte Reform«ator und Missionar «betrachtet, der je gelebt hat. Bnnzlan. (Schächtoerbot.) Der Magistrat von B«un!zlau in Schlesien hat den «Biesthiluh gefaßt, das Schlachten Nach Mdiischom Ritus im dortigen «Schlachthofe tp untersagen. Eine entsprechende Vorlage wird der Staidttvevovdnletenvevsamimilung M-gehen. Paris. Der „Temps" veröffentlicht eine Petitlion, der Alliance Js-wolite Universelle! mit dem Sitze ini Paris an« den. Mmister des Aeußslirr, in welcher die Alliance andie frcm-- zö«sifchgRegierun«g, die Bitte richt^o, nachOdesfa, wo neuerlich Massakers zu bofürcht«m« feüen«, Schiffe zn, entfendm, um die verfolgten Jsmeliten a-nt Bord zu nehlneu rmd sie unter den Schutz der französischen« Fln-gge zu stellen. Mailand, (Kinder-Austausch). Bekanntlich blüht in den letzten Jahren in England, der Schweiz, Oesterreich, Deutschland, Frankreich und Italien das sogenannte Kinder- Wanderungs - System. Für die italienische Jugend wirkt auf diesem Gebiete sehr erfolgreich das Fräulein Laura Garsin nt Mailand. Jetzt bemüht sich Frl. G., wie die Nr. 3 des II Corriere Israelitico berichtet, einen speziell jüdischen Verein zu gründen, dessen Zweckes sein soll, minderbemittelten jüdischen. Kindern das Erlernen fremder Sprachen und die Erlangung einer allgemeinen Bildung, zu erleichtern. Dte Gesellschaft wird für die Unterbringung jüdischer Kinder Italiens bei achtbaren Familien des Auslandes und ausländischer jüdischer Kinder bei besseren Familien. Italiens sorgen. Das vermittelnde Element sollen die in- und ausländischen zionistischen Komitees bilden. In dem zur Bekanntgabe ihres Planes veröffentlichten Zirkular spricht Frl. Garsin die Hoffnung aus, dem zu gründenden Vereine werde es um so leichter sein, seine Aufgabe zu erfüllen, als doch diese „Wanderung" im Schoße derselben Nation stattfinden solle. Odessa, 12. Au«g>uist. Die Stadtverwaltung, hat einen Erlaß hinaus-gegeben, nach >welche«m kein. Jude mehr in städtische Dienste ausznnGmeu sei. Bon dieiser Maßregel werben hauptsächlich Mische Aerzte, Ingenieure und Techniker betroffen. D-ielser Erlaß ist auf eine ministerielle Zrrikularverordnung ans Petersburg znrückz-u'führen. Linz. «siLanüesfchjUlrat.) Der Kaiser hat den Rabbine«r der hiesigen Knltusgemeind«, Moritz Friedman n, z«u«m«!Mitg'kie«d«edes oberösterreichischen Landesffchn'lrats erna«nnt. Wieviel Inden gibt es in Rußland? AnS Petersburg wird berichtet: Laut erneim soeben veröffentlichten 'AnSIwelise des statistischen Departements im M-im«isterinM des Jninern gibt es in gans R-ußland 5,5 Millionen Juden-, so daß sie 4,2 Prozent der Geisaimtbeioöllkerung aiüsmachen. Bon diser Zähl entfallen etwa 1,321.000 Juden ans das Köstigreich Polen. DIie. -Hau«ptbe>M-stigung der Juden ist der Handel, welchem sich 42 Prozent derselben widmen, während 36 Prozent in den verschiedenen Gewerben besch>äftigt sind. Dem Ackerbain >widmensich 3,2 Proizent. In «den letzten 26 Jahren Hat sich eine starke Aufwand«, rung der Inden nach Amerika entwickelt und sind in dieifem «Zeiträume 1,250.000 Juden ans Rutz°. lankd nach Amerika ansgewaniöert. Eingesendet. WBWUIU1W Heinrich Neugebauer e-2 vormals MoinAr S9- Optiker -W, Wien, I. Schottengaase 8, Eikliaus SßbotUnrüig Gegründet 1866. Keiehhalüge» Laxer in allerbester uud bewährtester Qualität'- von Brttlen, Zwiekern, Operngläsern, Feldstechern, Fernrohren, Thermometern, ileiiszuugen und allen optischen Artikeln. Großer Mvbelverkanf! k Preise ko»rurre«zlof I Das gegenwflrtige kolosssle Lager mod. 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