Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 58 (10.8.1906)
- Date
- 1906-08-10
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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i\r. 58 Nationalzeitung Mädcheur» im M!cirvon 11 Monaten bis 18 Jahren, sind nachj viertägiger Reise am, Diens'- tag in, bm AuiswaiNidlcrerhaillen Der Hanrburg- Ameri>ka-Linie auf biai Veddel anigeko-inmiein, h)0' sie die liebevollste Aufnahme sonden». Der Führeir des' TranAportos, Herr K>ahan:, und dessen! Fmu» sorgten! währcnd der langen» Fahrt für das Wohlergehen! der Künder. Alle Kinder fyak'ni die Strapazen gut Überstunden- Das jüdische Konutee hat strenge Anweisung ge-- geben>, daß Geschwister nicht getrennt wevden dürfen. Das ist natürlich vielfach mit großen Schwierigkeilten verbunden, da verschiedentlich vier», fünf und sechs' Waisen einer Fu»milie vorhanden« silnid. Von, de!N 108 Kindern stammen 24 aus Jekaterinloslaw, 16 aus Odessa, 16 cru& Kiew, 5 aus Kischenew, 34 aus Vialystok, 3 ans Kallarash und 10 aus Sinijonowsku. Sie werden, durch das Komitee in Familien in Straßburg, München, Frankfurt a. M. und anderen! deutschen, Städten, sowie in London und New No>rk unteugebracht werden. Politische Kund schau. Eine für uns Juden wichtige Entscheidung hat der" Unterrichtsminister int einem« gegebenen Falle gok'offtin!. Das Reichlsvolks schul gesetz bcstimmt. bekantnlttlich! im seinem § 48: „Als verantwortlicher Schulleiter können nur solche Personen bestellt werden, welche auch die Befähigung zum Religionsunterrichte jenes» GlerubensbekenntNisses nuchweifeu, weiche'ur die M-chrzahl der Schü- Xen Der betreffenden Schule nach dem, Durchschnitte der vora'UsMgangenen' fünf Schuljahre wngehört." In der Bukowina gibt es Schulen!, in: denen die Schüler sich mitunter aus Anfängern von vier verfchiedenten! Religivnsbekenntnissen vekrlltiewen'. Obgleich» in viiA'en t die' Meh-rzahi bei-. Schüler jüdischen Bekenntnisses sind, wurde a:uf Grund' eigenmächtiger Interpretation des Gesetzes die Anstellrurg eines jüdischen Schulleiters verweigert. Die Angeleatelnheit kam niunmiehv v!o»r deni Untcvrichtsiminisker, der nun» die Entscheidung traf, daß n i ch t d i e absolute, sondern die relative An»zah l de r S-ch«u l k inder ei n e»s Religi on s' b e k c n n» t ir isses e n t - schei b >e n di st f ü v d i e SB c ft i m m u; n g d c r R e l i g i 0' n-, w c l ch e r dl e» r S ch u> l - l e i t e r a;n» g ehören s o l l. Wenn' nun die jüdischen» Kinder in einer Schule die mtp mensch größte Gruppe unter! 'den« schulbesuchen:- den Kindern darstellen, so gebührt einem' Juden die Schnlleiiterstclle. Päpstliche Dispensation an einen Juden. In deir „Juristischen Blättern" teilt der österreichische Konftrlcrmberirichter in Konstcmtinopel, Obergerichtsrat Arrigo Frans, den folgenden praktischen Rechtsfall mit: Der österreichische Stuutsemgehörige mosaischer Religion A. in Kairo wollte die röinisch-katholische Französin, B. heirnten. Alfftat-t das erfahnmgsgoinäß aussichtsliose Antsuchen unr Evtedlung der Dispensation vonr Ehehindernisse des 8 64 A. B. G. B. an die heimatliche politische Behörde» All» richten', wählte» A. folgenden. Unrlveg: Er wende'te sich zuvörderst mit der Bitte um DisPenS direkt an» den» Papst, welcher diefein Anstichen auch! willfahrte. Sodann bewog A. den Pfarrer der römisch-katholischen! Pfa-rv kirche iiv Muski in» 5L!ai!ro', ihn» nnt der B. zu trauen. Die Eheschließung 'erfolgte am 16. Juni 1898. Natürlich leitete sofort nach» deren Bekgnntwerden» dos k. lind k. Konsulat in Kairo gegeilt A. das, Verfahren, lvegen» der durch Nichteinholung des konfrckarischen Ehekonsenses 'begangenen' U'ebetvtretn'ng ein». Hierauf suchte A. beim' Konsulate» um: nachträgliche D'isprinserteiluu'g an». Das, -Gesuch gelangte im- Wege der Ministerien! des Aenßern, und des Innern an die k. k. Statthalterei in» Triest. Nachdem sich dieser gegen,üt'!er noch das Konsulat dahin ausgesprochen» hate, daß nach seinem. Dafür> halten dem» 8 t. schuldlose Unwissenheit zngrlte komme, weil vr offenbar geglaubt habe, Das; durch die kirchliche Dispensation» das staatliche Ehehintdern'is beseitigt iwrbm sei (das etwaige Nich.t vorchandeuseiu dieser Unlvissenheit tosire lvohl auch! kaum feststellbar gewesen), erteilte die Statth-alterei. mit Verfügung vom 28. Juli 1900 .Nr. 6354/X dein A. im Grunde des Z 83 A. B. G. B. die nachträgliche Dis^- pensation vom Ehehindernisse der Religions- Verschiedenheit, unter Hinweis auf die Bestimmung des 8 88 8t. B. G. B. wonach! behufs! Gültigkeit der» Ehe die Eheeinwilligung nochmals erklärt und in dem Trauungsbuch angemerkt werden m'uß. Der 8l. und Die B. haben» so»dann den 1. September 1900 in der Kairiner katholischen» Pfarrkirche Muski abermals ihre Einwilligung, die Ebe miteinander einizugehen, erklärt, -wovon» im Trauungsbuche die entsprechende Anmerkung gemacht wu»vde. Heute lebt also der Ocskerreicher A., trotzdem er Jn!d«e geblieben, ist, mit einer katholifch'en Ehristiu in! einer sowoh>l nach dem Staatsgesetze, a»ls nach den kirchlichen Satzungen unanfechtbar gültigen. Ehe. Betreffend den Seelsorgerdienst in der Landwehr wurden' mcime1 „Organische Bestimmungen" hevmsgegeben, WÄche nunmehr die GonehmiglUlng des Kaisers erhalten haben. B>vzüglich oes j ü d i s ch e n S> e e l s o r g e - d' i e m ft c s wird im Den1 Bestimmungen' verfügt, daß über fen-e jüdischen, Landwvhrpersonen», welche wähnend der Mobilität der Gentliwkeit der Landwehr (des Heeres) zugewiesen' sind, wird, über die israel-iitfchan Glau»- bensgenvssen dar See-lsorgedienst Durch die bei den L,audw'!ehr-Jn>fa>nterietrupp'endivl'sionlen c»ingeteilten» F e l d r a b b i n» e r des Heeres ausgeübt. In, Sachen der S'eelsorge und' des geistlichen 3lmtes find die Foldrvbbiner dem beim' Armeekomimanida eingeteilten höch!sten (ra>Nigältesten,) Feldrabbiner untergeordüret; in militärd-ienstliche»r Beziehung unterstehen alle ihrem Vorgesetzten' Kommando,. Bei der Demobil-ifierimg' 'werden! die aktivie-rten Landwehrgeistlichen' aller Glauibensbekenntnisse von der Dienstleistung enthoben. Die Ke-rohung der Juden in Ode ho. In Verfolg» d'es Gesuches, das vom Zentralkonütae Der Mia»nee» Israeli,te Universelle im Interesse der vom Tlergsten bedirohten Odessaer Judein» an» den französischen^ Allnlster des' Llenßern gerichtet worden ist, hatte der Präsiden! der Slllianoe, Nareisse Leven, — da der Minister auf Urlanib ist — mit dein ©i rektor der politischen! Ungül-egenheiten» eine längere UnterreDnng. Dev Direkto-r erklärte, daß di>e Negierun'g Jnsorma-tionen erhaUen hätte, die lediglich» aus Aätteiluugen der französischen! und englischen Kou!suln beruhten und die barin üboiveinftiilnmtcn, daß die Bewegung, di»e, in, Odessg eingesetzt habe', augenblicklich zum Stillstand gekommen' sei. Infolgedessen liege für die Entsendung von Schiffen zur Aufnahme von, FWchtlinigien, kein unm'ittelba'rrerSln»- laß vor. Ueberdics sei diese Maßnahme nidjt leicht zu, nehmen. Ohne Präzedenzfall, könne sie leicht als eine Einmischung in die mmmm btngelegenheiten! D'es Landes gedeutet wer-Den. Jedenfalls -twrde der Minister derr ange-negten Schritt iur Augo behalten» und lverde wohltvollend prüM, tvie lveit der" 8ln»r!e!grm»g^ Folge zu, geben» sei. Hierzu bemerkt das deutsche Bureau: dev 8llliaN'ee Jsraelite, daß der Grund für das auißieMlvö'hnl'iche Ansucheiu» demselben! nicht unbedeutend gewesen sei. Wenn nran» sich er* inniert, welche enitsetzliehen und verheerenden Greu»eltaten' vor lvenigeir Monaten an der jiidischen! Bievölkevnng von, Odessa verübt lvorden» seieir, so lverde inan» die Unvnhe begreifen, di-e durch die ersten! 8lnzeicheir eines nerren Pogronrs in Odessa heworgerrrfen tverldeir mußte. Neueren Nachrichten zufolge sind durch die beklagenslverten' Vorkominlt-iffe vmn 24. Und 25. Juli nicht» nur eine größere Zahl Läden, und Wohn'uusgen demoliert rmd ausgereiinbt lvovdeu, sondern nicht weniger als sechs blühende Menschenleben-, alles junge 8l!rbeiter, fin!d» den, Pogromb'efchützern zunr Opfer ga fallen». Zwei, Olelvert und Trebeleiv, wurden auf der Stelle getütet, die anderen starben in den' darauf solgrmden Tagen iur Krarrken>ba,u!se. Ti,e höchsten- Beaurteir des Odessaer Vtilitärbezirkes mochten' ihu-eu im Krankenhanse Besuche un'bi sobschten» sie aus. Wie in Bialyftok griff das Militär ein, sobald sich die Juden der 8lrl'sp'lü'nderun>g widersetztcn. Daß ein» Haufe „»echt russischer Männer" a'rnren Uhrmachern, Strumpfwirkern-, Wäschern und Färbc-rn das lchte Hab und Gut raubte, ließ das Militär gleichgültig. Das sollte vielmehr eine gerechte Rache dafür sein, daß zufällig einmal ein einzelner Kosak sciüe Niedertracht mit dem Leben gebüßt hatte. Es steht fest, daß der Kosak Wassili Shurawlew in ein Handgemmge geriet, als er mit dem Rufe: „Nieder mit den Juden!" durch die dichtbesetzten Gassen ritt. Nicht erwiesen ist, daß Juden es waren, die ihn: erschlugen. Wc»nn d-iesmal -das weitere Umsichgreifen des Pogroms verhindert wu>rdo, so ist das wohl zumeist dem» einsichtige, cntschlossencin' Eingreifen dos Stadtg»0'uverneurs G'enlcvalmajor Grigovjew zn-zufchreiben, der v'icht müde wurde, in den bedrohten S'ta>Dtteilen persönlich die Volksmongeir' zu beruhigen. Das Auftreten d»es> O-berbefehlshabers' Baron Kiaiulbars, »der an» div indas jüdische Krankenhaus' Geflüchteten! ein>e Beschwichtiguugsanspräche hielt!, hätte kaum Eiud'ruck gc-macht, auch, die Bersich>cru>n!g!en! des' zeitweiligen! Genera lgo'nve'rnen rs Gcne-ra lmaj o»r Kaira n:go sow hätten kauiMirgendwo» Gla-nben gefunden. Richtig ist, daß, solange es diese obersten Spitzen nicht wünschen, ein Pogrom nicht in die Erscheinung treten wird. Vermischte Nachrichten. Wien. (Gic'bAstunDeu.) Freitag den 10. Ztu'gust abcmds um 7 Uhr, SamZtag den- 11. Llugust, abends mn 7 Uhr 40 Min., vom 12. bis- 16. August abends» um 7 Uhr, Freitag den 17. 8lug»ust äibonds um 7 Uhr, Samstag den 18. August, abends um» 7 Uh'v 30 Milir., vom 19. bis 23. August, abends um- 7 Uhr, Freitag den 24. Ikugust, abends um 6 Uhr 46 Min., Samstag »den 26. 8l-Ugust, abends um 7 Uhr 20 Min,., vom» 26. bis 30. August abends um 6 Uhr 45 Min., Freitag den 31. Llugnst, aibends' um 6 Uhr 30 Min., Samstag den, 1. September, abends um» 7 Uhr 10 Mn., vom 2. bis 6. Septembtc'r, abends mn 6 Uhr 30 Min». An Woch»e-nt-agen. u-m halb 7 Uhr früh, an Samska-gen um, 8 Uhr früh-. Baden. Montag den 13.^ ds. findet im Sitzmrgsfaale de»r Jsrac-litischen Kultusge,M!einde, Grabeugasse 14, eine vom Zionistischen' Ze'lr'tralverein» in Wien» vera'lrstaltete Bersanr!lnlnn!g statt, in der Ta». Julius Reach über „Die Zukunft der Jn»d»en>" sprechen wird. Zutritt für jedermann-. Begum halb' 9 Uhr abends'. Antisemitische Roheit. 8lus Baden wird berichtet: Ein im hiesigen Kurorte'-viel erörtertes gieukontre, das sich am RathaNsiplatze z'wi'schen Mn Sol'ocelli!sten der Hosoper in Wien Professor Josef »Dulzer mvb dem» hiesigen Billendesitzer Heinrich- Ritter v. Lachuit a»b'spi»e»lte, farrd anr 7. d. vor dem hiesigen Strafrichter Adtun'kten Doktor Kratvchwil sei'nen gerichtlichen Abschvist, vor dem die Genannten sich rre-gen oorfätzticher Körperoer- 'letzung mW wegen geg-elvseitiger Ehren>b>eleidi:g'nng 31t veran-t-lvorten hatten. Nach Pifingsten fuhr Professor Sulz er von sei nein SomMera-nsen-halte mit der Bahn nach Lösen; das EonPe war gänzlich h'chetzt und Professor Dn-lzer ersuchte zrvei sün»Wh r-ig!e Kna'b e n, d ie z»wei Ditzplähe ein nahmen, ein wenig zrisaimnenzu rücken, damit ct Platz si»n»de. Der Vater der Knaibou, Herr Heinrich von Lachnit, er»>v-iderte daraus: „Das ist eine Frechheit!" Professor Sülzer verbat sich den Ton -und küvnuerte sich nicht rve-iter n»m die Sache. Längst hatte Professor Sulz-er diesen Zwischenfall vergessen, als er a'm 25. Jnli >N'M halb 1 Uhr nachmitta-gs in der Natlhunsg-asse von Herrn v. Lachnit, dessen er sich nicht mehr besann, mit den Worten gestellt wurde: „Kennen Sie mich?" — „Ich habe mcht das Vergniigen." — „A»ber ich erke»nne Sie »ll»n»d we rde J»h ne n die P i sage ze rha>nen n»n d den »Dchüidel einschlagen!" Herr von Lachuit schlug mm a»u»f -Pr'v>fessor S-nlzer mit seltnem Stocke ein, tra»f ihn anr Kopse, am Arm»e- und an der Hand, so daß Professor Sn-ljzer mchrsache Berletzungen davontrug n»nd der N»egen!schir>m, mit dem er die Schläge parierte, gäuglich zerbrochen wurde. Erst als die Passanien für Professor Salzer Partei nahmen, schrie Herr v. Lachuit: „Jn'den»bagaae! Euch soll inan alle erschlagen!" Der Richter vernrtei-lte Herrn v. Lachuit zu 30 Kronen Geldstrafe,