Mannheim
Compact Memory

Nationalzeitung · 1906-08-07 · Heft 57 (7.8.1906) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 57 (7.8.1906)
Date
1906-08-07
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2429839-2429840-2429897--410-2430513
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 4 Nationalzeitung Nr. 57 Lage wegen schon eine ungeheure Dreistigkeit, fast ein Verbrechen. Darin liegt aber auch der Schwerpunkt der Frage. Weil einzelne das selbständige Auftreten der Inden im politischen Kampfe für ein Verbrechen halten, wird zu solchen Mitteln wie Judenhetzen gegriffen. Hierbei gibt es nur einen Ausweg und eine Abhilfe; das ist die volle Gleichberechtigung der Juden. Die rechtlose Stellung der Juden ist die Quelle aller Erniedrigung und Schande; sie muß daher aufgehoben werden. Nur die volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung der Juden kann der unleidlichen Lage der Dinge ein Ende machen. Diese Gleichberechtigung fordert ebenso das Volksgewissen wie der öffentliche Nutzen, denn mit der Gleichberechtigung schwindet jenes Ungetüm aus Rußland, welches man die Judenfrage nennt. Aus Marienbad. lHerzl-Gedenkfeier. — Trauergottesdienst für Bialystok. — Protestversammlung Bialystok. — Zionistische Familienabende.) Erhebende Stunden haben wir Hier, wo allgemein dis Sorge für bas körperliche Wohl Verwiegt, verlebt, erhebende Stunden für Hertz und Gemüt. Am 12. d. M. fand, wenn auch nicht offiziell, in der Synagoge in Verbindung 'mit dem Abendgebet unter Teilnahme zahlreicher Gasts, ans vielfach geäußerten Wunsch eine Jghrzertfeier für Theodor Herz! statt. Arr diofelble; schloß sich die GedenVfeier im Saale des Restaurant Stein, bei welcher Herr Rabbiner Dr. Goldberger einer ansehnlichen und distinguierten Versammlung in. meisterhafter Rede das Lebensiwerk Herzls vorMHrte und für seine Ausführungen begeisterten Beifall erntete. Nachdem Schriftsteller B r a inin eine Charakteristik der Persönlichkeit Herzls mit Benützung noch uNveröffentltclMr Briese gegeben, wurde die Abhaltung allwöchentlicher Familienabende beschlossen. Mittwoch den 18., abends halb 8 Uhr, strömten viele Hunderte von Männern und Frauen in die Synagoge, woselbst die israelitische Kultusgemeinde Marienbad eine Tranerfeier für Bialystok veranlstaltete. Den Höhepunkt der Feier bildete die Predigt Sr. Ehr'w. des Herrn Rabbiners Dr. Goldberger, dessen folgerichtigen, von wunderbaren Bibel- und Talmndstelleri durchsetzte n Tarlegtlrigen bei allen Anwesenden einen urrauslöschlichen Eindruck hinterließen, der sich auch am Schlüsse der Fei'er darin äußerte, daß alle, ins- -befonldere die hier weilenden Gäste ans Rußland, sich nur den Herrn Rabbiner sam'melten, um ihm ihre Darbbavteit ausynsp rechen. Unter die SeitxMt'ö Sr. Ehriv. des Herrn Rabbiners Dr. Goldberger hatte sich auch jenes a'us Kurgastkreisen gebildete Komitee gestellt, welches für Sonntag den 22. d. M. eine große öffentliche Versammlung mit der Tagesordnung „Bialystok" in das neuerbaute Etablissement ,-Schloß Miramonte" einberief. Schorr lange vor der festgesetzten Zeit '(halb 4 Uhr nachmittags) war Saal, Veranda und Garten von einem dicht gedrängten, über tausend Köpfe zählenden, internationalen Publikum besetzt. Lautlose Stille trat ein, als Herr Rabbirrer Dr. Goldberger die Estrade betrat und die Versammlung eröffnete. Ter Hinweis ans die internationale Kurstadt Marienbad und den Herrscher, unter dessen gütrgem und gerechtem Szepter der Ort der Tagung stehe, fand lebhaften Widerhall in den begeisterten, dreimaligen Hochrufen auf Se. Mlaijestät Kaiser Franz Joses I. Nach einer, durch mehrfache Bravo- und Zustinrmungs'riuse begleiteten Einleitungsre'de des Vorsitzenden, Herrn Rabbiner Dr. Goldberger, über Zweck und 'Bedeutung der Versammlung, erstattete Dr. Weisengrün aus Wien das Hauptreserat, welches von allgemeiner Aufmerksamkeit 'begleitet, besonders bei den Hinweisen ans die russische Rente sowie auf die materielle und soziale Judennot, stürmische Bleisallssakven erntete. Das Referat klang in der Notwendigkeit der zionistischen Lösung aus. Nachdem sich die Versammlung zur Ehrung des Andenkens der Opfer von Bialystok erhoben, erteilte der Vorsitzende in Verfolgung der Tagesordnung den: Vetreter der dänischen Inden, Herrn Dr. F r ä n k e l auö Kopenhagen, das Wort, >der dänisch und deutsch ausführte, daft Dänemark, das kleinste Land, seine Sympathie mit den Unglücklichen am bestell z u in Ausdrucke bringe, dadurch, daß es die Flüchtlinge als vollwertige Bürger ainsnehrne. Lcbhaster Beifall lohnte den Sprecher. In russischer Sprache referierte über re Ursachen der Pogroms Rechtsanwalt Antik aus Astrachan, der insbesondere bei seinen' engeren Landesgenosseu reichen Beifall fand,' die anwesende Schriftstellerin Roten st ern - Tesi besorgte die deutsche Wiedergabe. Zn dom zweiten Referat erhielt Nun Schriftsteller Brainin das Wort, der in jittdifcher (Jargon-) Sprache über das Thema: ,Mas lehrt uns Bialystok?" jfprach. Seine Ansstihvuingen gipfelten darin, daß nur die im Aidischen Vovksbewntzt'sein erzogene Jugend die .Hpffninng des südlschen' Volkes sein könne. Mit einigen kräftigen Schlußworten des Vorsitzenden! 'schloß die erhebende Versammlung, welche anss ne'u!e bewiesen hatte, daß nur das organisierte Judentirm positiv zu wirken vermag, und daß die Juden! gerne einem Rn>fe zur Besprecksnng jüdischer Angelegenheiten folgen, wenn der richtige Ruf an sie ergeht. Emien ähnlichen Eindruck bieten die ebenfalls unter der ebenso energischen.' wie e ntgegenkomNienden Leitung Sr. Ghvw. des Herrn Rabbiners D-r. Goldberger stehenden zionistischen Familienabende, welche weigerr der dasMst herrschenden Redesrielihett gerne von Nichchioniften besucht werden. Anregungen werden geboten, Mieimüngen ansgetanscht, Ansichten geklärt, Jrrtümer berichtigt. Juden verschii!edener Länder lernen sich kennen und schätzen, und, wenn auch die Meinungen hie >u'lld da hart auseinarcher Platzen, so tritt doch das einigende jüdische Moment i>mmer stärker hervor. Und das ist doch die Hauptsache und insofern wird Marienbad auch in dieser Vezielhuing ein. Quell des Heils. A. Bernsteiner. .oönender Hriverb kür jüdische Agenten der Papieru. Buchhandlungsbranche Auskünfte erteilt F. ALTMANN, WIEN, IX., pramergassc 17. Mode-Gilet K 7.— Double-Schlafrock K 13.— Kamelhaar-Schlafrock K 26.— Morgensakko K 24.— 1 r Nichtkonvenierendes wird da« ) e ld zurückgegeben. Jakob Rothberger, k. u. k. Hoflieferant. Wien, I., Stephansplatz 9. Verkauf bis 12 Uhr nachts. Maschinen-Inpieur Jude, 28 Jahre alt, II. Staatsprüfung an der Wiener Technik, tüchtig und repräsentationsfähig, der seit 2 Jahren vergebens eine Existenz sucht, bittet eine einflussreiche, jüdische Persönlichkeit um Protektion zur Erlangung einer Staats- oder Privat-Anstellang, denn ohne Protektion ist dies ganz ausgeschlossen. Gefl. Antwort erbeten unter „Existenz“ an die Adm, des Blattes. Wien, XVII., Yaronikagasss Nr. 22 (im eigenen Hause) Gegründet im Jahre 1884. Anerkannt neue Ausführung. Was Passen, Material u. Preise anbelangt, das Beste in Wien. Spezialität; Reparaturen von K 1.—aufw.GanzeSebisse v.K 60.— aufw. Es wird freundlichst im eigenen Interesse aufmerksam gemacht, die Hausnummer genau zu beachten. Im Hause befindet sich ein Poat-Telegraphenamt. Ordination von 9—12 und von 2—6 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 9—11 Uhr. —| Kein Ratengeschäft. . vertrauliche, Überallher I Familie, Dermögen, Lebensweise, Verpflichtungen, Liaison, Mitgift rc. :c. unauffälligst durch „11 E LIO 8". privat. Vetektive . Institut, vireftiou: üodan» Müller. Wien. 1.8er.. Bränncrstrass< »V. Telephon rtr. 7506. Lheaffairen, Beobachtungen, Recherchen, Nachweise. Entlastungsmatertal re. K. f. banbelsqerichtlich protokolliert I Mail HOTEL POLONIA Rotensterngasse Nr. 7 a Vorzllgl. Küche u. beste Getränke. Jeden Freitag u. Samstag Fische. — Zusnramenkunftsort der Lemberger. — Grosser Konzertsaal für Vereine ^Versammlungen billigst zu vermieten. —>—» .. II., K. k. heb. konz. komm. Fachschule in Wien, I., Neuthorg. 15 Direktor gHRE P0R6 6S Garantiert grüodl.Ausbildung z.iücht. BriefI. Unterricht in allen Method.der Huchf., d. Rechnens u. <1 Haudelskorr, Bish.Schülerz.10.000. Ueberzaug. Sie sich, Sie gründen sich ema Stellung | Zum Wähle ähnlich Leidender teile ich jedermann kostenlos mit, wodurch viele Menschen bei jahrelangem Asthma, Husten u. Hals leiden, Influenza und Schlaflosigkeit sogar im hoben Alter noch Linderung " Heilung fanden. Viele Danker.hreiben. -Udert Beine««»». Hamburg i. n'ob'b D^nnK Export nach allen Weltteilen Hermann Rath, Triest Aeussert billige Bezugsquelle, solide und beste Bedienung. Auf Verlangen sende ich Preislisten gratis und franko. C Soeben erschienen! Soeben erschienen! i Im Selbstverläge des Oberkantors M. Faust, Beiovar w jnw mb Jüdischer National- und Jahrzeit-Kalender mit 52 Wochen-Abreiss-Blättern enthaltend alle bürgerlichen u. jüdischen Daten, liturgische und biblische Erläuterungen, historische Gedenktage, astronomische Berechnung für Tages- und Nachtbeginn (0'2212.."I MKSt -iNV.-f yitsp) auch 52 Jahrzeit- und Bar-Mizwa-Tabellen mit leichterfasslicher Umwandlung des bürgerlichen und jüdischen Datums. Losziehungen, Vormerkraum etc. etc. Zu beziehen durch den Verfasser oder F. Altmann, Wien, IX. Pramerg. 17, sowie in allen Buchhandlung. Preis gegen Voreinsendung des Betrages I K 50 h Wie terverkäufer erhalten lohnenden Rabatt, W B uchäruckerei „INDUSTRIE“ Wien, /X, Alserstrasse 26 Modernst ausgestattete graphische Anstalt M M Alle Sprachen. "MW Speuialität / Aktiendruck in Farben mit Numerierung. Billig und prompt, M Herausgeber: Jak»b »rauSz. - Verantwortttcher Redakteur: Siegm«»b «r»»!pa». — vuchdruckeret „Industrie". Wien. V. Bezirk. Alserstraße >0.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.