Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 54 (27.7.1906)
- Date
- 1906-07-27
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Nationalzeikmg Nr. 5 t Tiretle-rs .\hinjtei und Letvelariat. Das Ganize stellt ein eiicheitlichcs Bild dar, eine Welt im MIcintcu. Bei aller Vermeidung» mul Eleganz und Aufwand ist doch Alles, das Gerilltste, wie das Wichtigste, bewundernswert, schöll und praktisch ans geführt. Ter „Bezalel" büschäftigt bereits achtzig Personen. Ta sie sich verschiedener Idiome bedienen, so wird Gewicht daraus gelegt, daß das hebräische Uiugaugssprache werde. Zu diesem Zwecke ist ein AdeudkuMls eingerichtet, an dein bisher 2» erwachsene Männer teiluchmen. Ter „Bezalel" hofft aber, mit der Zeit Hunderten Arbeit geben zu können. Er plant, verschiedene Jndnstrieartitel einzu,führen, die deren Erzeuger reichlich ernähren werden. Ta die ArbeitsMne hierzulande ungleich niedriger sind, als anderwärts, scheint diese Zu,oersicht nicht fehlzugehen. Herr Prof. Lchatz, ein Mann von Routine, reich an Erfahrung und praktisch genug, n,m zu wissen, ,was er hoffen darf, gibt sich so leicht keiner Jllusion hin. An Arbeitskräften wird es ihm nicht fehlen. Ueber vierhundert Bewerberinnen haben sich allein für die Teppichknnpserei geime'tdet. Mit diesem leichtesten aller Indlistriegweige, die man ernFnsühren gederM, sollen sich nämlich ausschließlich Frauen und Mkidchen beschäftigen, während der Männer schwerere Arbeiten harren. Also über vierhundert Personen für einen einzigen Bernssz-werg! Natürlich gibt es in dem gemieteten Lvlale keinen genngendeir Ra!u,m zu deren lluterbriugung. Es mnßte, damit niemand sich zurückgeisetzt sieht, unter den An-gemeldeten gelost -werden. Zirbel und lautes Schluchzen dllrchzitterte den Saal, als den zwischen Hvssnnng nnü Furcht Harrenden das Nesiu'ltat bekannt gegeben wurde. Ter Schmerz der Enttäulfchten mar ebenso 'groß, wie die Freude der Glücklichen, für die das Los entschieden hatte. Tenn glücklich, wer in der heiligen Stadt Arbeit findet, wer das tägliche Brot für sich -und die Leiaigen auf redliche Weise zn verdienen vermag! Wird „Bezalel" imstande sein, -seine weitgehenden Pläne in die 'Wiaiklichkeit irmzwsetzeu'? Wird nicht bittere Enttäuschung aüs die säße Hvssirung folgen, in welcher die armen Jerusalemer sich wiegen, die des Abmolsenbrotes, das, nicht genug ,yuim Leben, zu,m Sterben zu viel ist, längst übersatt sind'? Werden endlich w-eiiere Kreise einsehen, was Jeruisailem nottut? Wird endlich die Stiimne derer gehört werden, die von Anfang an laut verkündeten, daß das Heil Jerusalems in nichts anderem als in der Arbeit liegt'? Tas wird die ZUkunst lehren. Wie. immer aber auch die Antwort anssallen mag, das ist schon haute gewiß, daß die Mlheber des „Bezalel" nicht ermüden werden, auf dem einmal betretenen Wege fortzuschreiten. Tr Erfolg kann und wird nicht ausbleiben! Tr. Grünihnt (Jüd. Pr.). Vermischte Nachrichten. Unsere Spcndensaminlung für die russischen Auswanderer. Weiters liefen ein von R. X 50.—, Sammlung des Vereines „Jehuda Halevy", Wien X 5.30, hierzu trugen bei Frl. Sprung-Krakau X 1.40, Äkrnschor K 0.50, Pickholz K 0.40, Birken X 0.30, Mack X 1.40, Barbag X 0.50, Schichter X 0.20, Reiter X 0.20, Auerbach X 0.10, Dichter X 0.10, Lasar X 0.20, sämtlich in Wien-. Zusammen X 55.30. Hierzu die in Nr. 53 ansgewiesenen X 540.80, zusammen X 500.10. Zionisten und der Jto. Auf dem auch voit uns registrierten Kongresse der amerikanischea Zionisten zu Tannersville wurde n. a. auch beschlossen, daß ein Mitglied der „Jto' nicht dem Borslande der zionutischen Fetzerarion anaehören könne. Hierztr bemerkt der „Jewish Exponent" in Philadelphia: „Die Zionisten hatten zweifellos das Recht, einer« solchen Beschluß zu fassen. Die erbitterte Polemik, welche über diesen Gegenstand in England geführt wurde, mußte dieses Resultatergeben. Andrerseits nmß der rrnparteiifche Beobachte«' konstatieren, daß die Zionisten durch diesen Beschluß sich überflüssigorweise der Mitarbeit solcher Männer beraubten, auf dl? sie nicht gut verzichten können. Bisher sielen auf beiden Selten zuviel Jnvektiveu gegeneinander, und es ist ztl bedauern-, daß eine reinliche Scheidung zwischen diesen beiden zueinander gehörenden Parteien erfolgen mnßte." Bukarest. (Von den jirdischen Schulen.) Am 14. d. M. voriniita'gs hat im Lyrischen Theater die Preisverteilung der dem Zentralkomitee angehöreirdeir hiesigenjüdischen Schulen stattgefunden. Die Feier wurde durch Absingrritg der Köirigshynme lind -ines patriotischen Liedes eingeleitet, Ivoraus Herr Tr. M. Beck iit feiner Eigenschaft' als Präsident des Zentralkomitees der südischen Schulen in Bukarest eine Rede hielt, in der er aus die Opfer hillwies, welche die Israeliten zur Erhaltung von Schulen gebracht h-abeir und unausgesetzt briirgeil. tRach der Rede des Herrn, Dr. Beck, die mit großem Beifall ausgenommen wurde, wurde die Preisverteilung vollzogen; dailn sang der aus ben Pränlianten und Präministinnen gebildete Chor ein Festlied unv mit dem nochmaligen Absingen des tr:is»as' a Regele! schloß die schöne Feier. In, den, Schulen, ivarerr beim Beginn des Schllljahres 1905--1000 insgesamt 2070 Kinder angemetdet ivardeir; bei dar Prüfung waren 1730 Kinder anwesend und von diesen wurden 1356, d. s. 79,32 Prozent, als versetzt erklärt. Von den Kindern-, welche die vierte Volksschulklasse absolvierten, legten' 94, und zwar 79 Knaben. und i5 Mädchen-, vor staatlichen Kommissionen Prüfung ab und bestanden dieselben sämtlich sehr gut. Zn bemerken ist noch, daß in dev Professional schule „Focschancanu" 22 Schülerinneu eine Nachprüfung zu bestehen habenwerden und i'ch. falls alle drnchkonrnren, die Zahl der Versetzte-'.', dieser Anstalt dann aus 120 erhöhen, loird. Kaschau. (Todesfall.) In Kaschau starb Herr Moriz Lövy, der die dortige orthodoxisraelitische Gemeinde gegründet hatte und 18 Jahre hindurch als Präsident anihrer Seite stand-, im Alivr von 85 Jahren. Ter Verblichene, der auch- Mitglied des Mrmizipalausschrrsscs war, wurde unter allgemeiner Teilnahme bestattet. Budapest. (Ein verurteilter Rabbiner.) Ter Budapester Advokat Tr. Nikolaus Rcndes ersuchte den Micmorer tltabbiner Michael Kohu nm EinsenÄung des Geburtszeugnistes eines seiner Klientel^ Ter Rabbiner! jedoch, verweigerte die Ansfolglmg des Geburtsscheinesmit der Begründung, daß die Beschaffung des zum Geburtsscheine gehörenden UrkuNdensterrrpels eine Gefälligkeit sei-, Ton und Inhalt des Schreibens des Tr. Rendes -hätten ihn jedoch keineswegs veranlaßt, diese Gefälligkeit zn erweisen. Tr. Rendes erstattete hieraus unter Berufung aus die Verordnung vom Jahre 1809, tvelche dem Rabbiner die Ausstellung! des Geburtszeugnisses zur Pflicht macht, die Anzeige wegen Mißbrauches der Amls-geivait. Das Strasbezirksgericht in Monvr verurteiltedeun auch dieser Tage dan .A'abbiner Michael Kohn >regen Vergehens des Mißbrauches der A-mtsgeüvalt zu 100 Kronen Geldstrafe. Der siaatsanivaltlich ' Funktionär appellierte bchriss Verschärfrnrg der Strafe. Großwardein. (Uebertritt einer Jaiitilie znm Jtibent>tnn.) In der Ger'N'tt'.de 2 z ek e l y h i d erregt der Uebertritt einer protestantischen Familie zmn JndeuttMt großes Anfsehen. Bela A d o r j a n k.nn vor ungefähr zwei Jahren, als Gerichtsvollstrecker nach Szekelyhid. Sein joviales Benechmru und fein lauterer Charakter machten, ihn bald znm Liebling der dortigen. Gesellschaft. Adorjan,, -der erst 36 Ja-Hre alt ist, lebt mit feiner Gattin, einer der bestenungarischen Gesellschaft entstammenden Dame, in glücklicher Ehe, lvelcher ein heute 10 Jahre alter Junge eiitsprossen ist. Ami 6. d. M. stlchte Adorjanden Advokateir Tb. Entantiel I a k o, b o v i c s undden Mühlenbesitzer Benno B e r g e r auf, und bat i> ih'.n bei der Abgabe einer rechtsgültigelt, Erklärung, die er vor dem protestantischen Pastor abztlgeben gedenke, als Zeugen zu assistieren-. In Beglcitilii'g dieser Zetigen, verfügte sich Adorjan fanxi Frau und Kind zum Pastor Joses S z a b o, lvosetbst die Falnilie Aldorjau ihren Austritt aus der protestantischen und ihre Absicht zum Judcutnm ztl übertreten, in; aller Forin, anmeldete. Nun ist auch die Aufuahine der genannten Fr.- milie in den Verband des Judentums rechtsgültig ultd rechtskräftig erfolgt. Als Eirund für den jedenfalls seltsamen Uebertritt geben Freunde der Fainilie die Tatsache an, daß Adorjan schonseit langer Zeit Gewissensbisse empfand, ineil er sich dessen erstinieve, daß e r i it s e i n e n K i n d e r j a h r e n, da er seine Elterndurch den- Tod verlor, i in j ü d i s ch e n G l a tl b e n e r z o g e u w u , d e. Wann und wieso er Protestant gewordeir, daran vernmg er sich jedoch nicht erinnern. Seine innere Ueborzouguug trieb ihn zum- Juoentuut zurück. Seine ihin itt Liebe ergebene Fte.lt. der die ltzcwisfonsskrtipel ih-res- Mairnes nicht unbekci'Nlck blieben,, setzte dem Seeleickampfo dadu,rch> ein Ende, da>ß sie ihrent: Manne i-n, seine ursprüngliche Religionfolgte nud versprach, auch ihren Sohn in derselben zu erziehen. Gründung eines Alumncums. Alls Liptoßeutnnklas schreibt nran ttns vom, 15. d.: Unter dem. Vorsitze des Gemeindepräses' Hermann- Stark wm-de hellte i-neiner gutbefuchten Geiieralvcrsainntlnng die Gründung eines israelitischen Altmmeuitts beschlossen,. Tie etsolgreiehe Subskription- und die von. Seite der Kiilttisgemeinde bewilligte jährliche Subvention von tausend K-ronen berechti-gen den neuen Verein zn den, schönsten Hoffnungen, Zur Präsiden tiir lvnrde Frau Emanust Sck'ivalb. zu Vizepräsidenten Fron ^Rabbiner Ltzilhelnr Singer und Frau- Tr. Max Stein gewählt. In den Attsschuß >vmd-en dreißig Tai'.ien, getvähli. Preßburg. Oberrabbiner Schreiber, der sich gegenwärtig, in eiitetn Sanatorimn zrl Frankfurt a. M. aufhält, hat infolge eines Scblagansallrs die Svrache verloren. Bon Seite dev hiesigen, orthodoxm Kultitlsgem>einde reisten die Herren Rabbinnis-Assessor Rnbü^ -lein und Tr. Stein nach- Fmnkfnrt. a. M. ab. Im Tempel finden Bittaottesdienste statt. Oedenburg. (Piräsidentenw-chl. > Bei der am 16. d. M. stattgefundenen- Ersatzlvaht wurde Herr Albert B r e u e r zn,n Präsidenten der hiesigen orthodoxejn, KnktuSgeiucindc! gewählt. London. (Journalistisches.) Ter „Jew'sh World" als auch „Jewish Chroniele^ erscheinen seit einiger Zeit mit einer jüdischen (Jargon-) Beilage. Diese jedenfalls interessant! Erscheinung wird in England und Amerika v.rlfach kommentiert. Briefkasten. N. F. Ad 1. Tie „.N-ativ-n-a-lizeitinig" ist ein von jeder Orga-nisa-tivn oder Partei nnaWängiges nati-vlialjl'l>d-ilsches Or-ga-rn Sie vertritt die nation-alAni>ser-vat,j!ve Ntchönng im JN'den-tum bis in ihre ülltzeristen .Konisecinenze-n. Sie vertritt die-se Richtung nicht Personen zu liebe, sondern oft gegen Persvue-n, der Sache z.n tieb,e. D-iv „Nationg'sze-lt,un'g" ist 'daher kein- -Parteiorgan- und 'keinem anderen, als dein ö,sfentl,ichien jilid-ischon, Gewissen Rechenschaft sch,u-l-dig, dtd 2. Herr Richard Nappapvrit ist nicht Besitzer -d-er „Nati,on,u1zeitlln-g" und übt auf deren Redaktion gar keinem Einfl-uß aus. »..A. * - —*-*—■*■ -ir>-‘innnmArirwtru-iAnn Eingesendet. Heinrich Neugebauer c—zp vormals Molnär 0«- Optiker Wien, I. Schottengasse 8, Eckhaus Scbottenring, .»VI,-".'..-.-— Gegründet 1868. ==■ - 77.... Reichhaltiges Lager in allerbester und bewährtester Qualität von Brillen, Zwickern, Operngläsern, Feldstechern, Fernrohren, Thermometern, Reisszeugen und allen optischen Artikeln. Großer Möbelverkanf!! Preise konkurrenzlos!! Das gegenwärtige kolossale Lager mod. Möbel In allen Sttlarten wird ab heute nur kurze Zeit zu sehr mässlgen Preisen abgegeben. 40 Schlafzimmer .fl. 60.— bis fl. ÖOl 40 SpeiHezimnnr .„ 20.— „ , 800 -SO Bücherkästen . 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