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Nationalzeitung · 1906-07-06 · Heft 48 (6.7.1906) · p. Seite 6

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 48 (6.7.1906)
Date
1906-07-06
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 National-eÄung Nr. 48 So Hst mm in Batta vorgegangen, in Kiew intiö tu atf^ctlert Städten, intiJ> das Hst die> Methode, nach der man in allen diesen Orgien verfährt — die Weintonnen werden> der Monge zur Verfügung gestellt. — Diese «kühl ausgetüiftelte Verruchtheit der Organisatoren, die hhr Werk rNhig sind lohne .Hast voW ringelt, ifft der aNgenischeinlich-ste Beweis, daß diese Uirgeihenerlichkeiten von den Hütern der Ordrtivng, non verkleideten Poligtsterl oder von Leuten verübt sind, die mit dem Segelt der Polizei vorgelheu. . ." irnd so fort. Warum ich non diesen, granenlWften Dirngen hier arr dieser hohen Stelle spreche? Einfach da>- nnn, weil ich als Bürger eines gesittete!« Staates, als Volksgenosse dieser der Barda'rei nnd de!m Taltatis>m!ns pir Opfer gefallenen Inden meine Stimme erheben Muß, Um die gomeiirsame Regierung, um die Oeiffelntlichteit in diesem Reiche anznrNfen, nir* Lesterreich mit verschräitkten Armen dielseir bllttrnnstigen Attacken' seines Nachbars rithhg Wsvhen dürfe. (Sin Gefühl unsagbaren Wehs Weriöoutmt mich, wenn ich daran denke, wie die Verfolgung der Christen in China M einelm Feldzüge gegen das himnrliische Reich führte — wie Serbien, Bulgarien und Rumänien ihre Unabhängigkeit gewannen, well Europa, mit Recht nicht dulden konnte, daß Ehriftein vor: Türken massakriert wurden — wie eine mächtige FlotteNdemronstrativn im Ilivgeßcht von, Konstantinopcl stattftmd, als das Bütt der Armenier znm Himlmel schrie, und wenn ich wleliters denke, daß Seine Hand sich gerührt hat, als man die Inden, meine Vvlksgeuosfen, zu Taufenden orschtug. Ich muß den Kelch , der Leiben dis ans den letzten, Dropsen teeren nnd mnß mir sagen, daß eine Intervention europäischer Mächte, und so auch Oesterreichs, zugunsten der Inden eine unmögliche Sache ist, die man nicht erhoffen und nicht erwarten, nortj weniger fordern kann, weil die Antworr auf diese Forderung nur ein Hohngelächter wäre. Was, Inden erschlägt man, das geht uns weiter nicht an! Ich muß traurig gestehen, daß kein Beweis von VaterlandWiebe und Opsersre'udiglkeit den Jniden genützt hat, um die Freundschaft oder gar den Schutz der anderen Völker zu erzwingen. Ueber 50 000 Juden Haben in der Mandschurei, gedient, in dem Land, von dem sie wußten, daß selbst im Fall eines Sieges ein jüdischer F>uß es nie betreten dürfe. Ist nur ein Fall von Feigheit oder Deportation bekannt, haben d'iese Juden nicht s!o> hekdenlmüitig für ihr Vaterland gekämpft, wie die Russen oder Tataren? Vor den. Wällen von Plewna verbluteten Tausende Juden, um Rumänien die Freiiheit zu geben, diesem Lande, das ihnen so schnöde gedankt hat, indem, es die Bestimmungen des Berkißer Vertrages vom 13. J-nli 1878, die den Jniden die Bürgerrechte einrätmiten, ohne viel Airfsehen einfach durch Erlassung der Geisetze geigen die „Fremden" illusorisch machte. Gibt es einen Krieg im 19. Jahrhundert, in dem die Juden nicht tve!u, niutig und tapfer ihre Bürgerpflicht erfüllten? Sind cs wenige, deren Name auch in der WervorMchow Krieasgeschichte mit Stolz und Nu.ym genannt wird? -Jan griechi!sch-türki!schen Krieg inr Jahre 1897 war es ein jüdischer Kaufmann, kein Soldat, der den türkischen Generalstab vor Larissa vor dem Untergänge rettete, indem er eine Mine, die von den Griechen Sinter einer Brücke über den Peneas gelegt war, hevvorzog, lzur Explosion brachte, worauf er von griechischen Spionen erschlagen wurde. Tie rilissjsche Negierung ehrte sein Andenlen, indelnr sie seinen Hinkerbliebeiien eine Pension anssetzke und des Helden irr entsprechender Weise gedachte, Am selben Feldzüge nahmen fünf Wiener indische Mediziner teil, um ihrem Dank Ausdruck zu geben für die objektive Behandlung, die ihre Lvvlls.genossen in der Türkei gefunden Hatten. Einer von diesen fünf Männern mnßte seinen Jdealisinns mit den: Tode bezahlen. Jim B uren läger dienten jüd ische Aerzte, darunter auch ein Jude aus Wien. Darf man da die Juden. vaterkandslds normen, darf man da sagen, sie verdienen keinen Schrrtz, weil sie nirgends und niinmer sich als die Söhne des Landes betrachten, und es ist .ungeheuerlich, wenn ich als Jude hier au dieser hohen Stelle den Wunsch ansspreche, daß die gemeinsame Regierung auch den Juden gegeniiber das Prinzip der GerectMgK'it, das doch, das Fundament eines jeden gesitteten Staates ist, in entsprecherröer Wioiise zn>m Ausdruck bringe? Ich habe es schon vorher 'gesagt, und ich wiederhole es: Ich glanbe nicht an der Möglichkeit einer Intervention der enropädschen oder anderer Mächte in Rußland. AVer es gibt einen anderen W!eg, au,f dom Enropa zeigen kann, daß es auch tderr Juden gegeniiber gerecht.sein kann, rrnd ich erlaube nrir, die Mtftnerksamikeit Seiner Exzellenz des Ministers des Auswärtigen auf die,se Tatsache zu lentkon. (Schluß folgt.) Vermischte Nachrichten. Unsere Spendensammlnng für die russischen Auswanderer. Weitere Spenden liefen ein von. den Herren: Baurat Oskar Marmoreck K 20, Bartt K 1, N. N. X 1, A. NosenUw!0ig K —,50,. Professor Ober,mayer K 1, Bekoihr K 1, Josef Blau I£ 1, Samiek K 2, N. N. K 2. Alle in Wien. Jakob Goldenfeld, GlUtsbefitzer, Bessar!a!b>ien X 4, I. U. Otto Beer, Stapelburg am Harz X 6, „Tue jeder als Menjsch srine Pflicht für die riHsifcheü Ungllicklichen!" Ausammen X 39,50. Hierzu die tn Nr. 47 ausgewiesemen K 198,22, zusammen K 237,72. Petersburg. Das Zentralbureau der zionistischen Organisation in Rußland hat beschlossen, mit den jüdischen Schriftstellern in Palästina in Verhandlungen zu treten, um dort ein Organ zu gründen. Um keine Zeit zu verlieren, soll die Zeitschrift vorläufig in Aegypten herausgegeben werden, und zwar bis man von der Regierung die Erlaubnis der Herausgabe in Palästina erhalten' hat. Als Kandidaten für den Redakteurposten sind vorgemerkt: Dr. Josef Klausner und Dr. M. Ehrenpreis. Duna-Szerdahely. (Wahl eines Oberrabbinersl) In der Generalversammlung der israelitisch-orthodoxen Religionsgemeinde von Duna-Szerdahely wurde — wie uns gemeldet wird — Herr Samuel L. W e i n b e r g e r mit Akklamation ßum Oberrabbiner gewählt. Oberrabbiner Weinberger wirkte bisher in Nagybanya und erfreut sich wegen seiner Gelehrsamkeit und seines Patriotismus allgemeinen Ansehens und großer Sympathien. Sofia. (Systematischer Antisemitismus.) Der Antisemitismus wird hier nach russischem Muster betrieben. Vor einiger Zeit haben hier zivci Generale erklärt, es wäre kein Unrecht, den Juden Bulgariens so „heimzuleuchten", wie man es den Juden in Kischenew und Odessa (es war noch vor den Bialystoker Metzeleien) getan hat. Jüngst hat nun ein bulgarischer Jüngling einen jüdischen Knaben ermordet. Bei seiner Verhaftung legte er ein Geständnis ab und sagte: „Der Judenbub hat mir nichts Böses getan, aber ich habe von meinen L e h r e r n i m m e r g e h ö r t, daß die Rache an den Juden eine gottgefällige Tat sei, und so rechnete ich es mir als Glück an, das Blut eines Juden vergießen zu können." Leo Tolstoi über die Jndenmetzeleien in Rußland. Aiuf eine Ansrnne, weiche der Pa-vifsr „Slieele" an den Graifeni Tvksivi gerichtet hatte, uw die dlnsicht des riussischen Dichters über die Juden>mäsfa!kerA zu ersirhren, hat Tolstoi liachstehonÄe- Antwort erteilt: „Ich wollte nrir die Judeiilfrage .Nußländs aus ljisivrischen, sozialen und anderen' Motiven erklären. Nie!m>als kam es mir dabei in den- Sinin, daß all solches Nachdenken überflüssig wäre, daß die Gra«rrsa'm!keitelrl einfach eine Folge der r0h>eli Brrltailitüt und der rl'lrgerechten' Gelwalt seien. J>etzt, nach' deir Maissalers von K'ieiw, KlUschenäw, Bialtzstdik sche ich deutlich, n-ur die verbrecheri-schen BeMböen sind fchükd rnt all dem Unglück. Tie Polizei hat die Zufichemling, daß sie ohne Strafe Kapitatve'rbr'echeü verüben Ea'N'N, lmd m>it dielser 'GchvKbr mordet sie die Jnlderl, steckt sie ihi'e Härtser in Brand, vemeivaltigt sie 'ihre! Frallken. So hat man Pollzißstell aiNgetvoGelr, die h'iliflv'se KiüÄer in zilvei Teile! risserl, sie 'in siede'ndem Wasser erlstickterr rnid mit ralfeinA'r M'itleidslvsig'keit Säligl'inge von der Btilltievbrust risserr, iwn sie aiuf das Straßellpflaister zu schleus derri. All das ist nur das Wetzt kühl übe'rlog'ter Hetzer, die eine kritiklose Merlge bis zur Beldlrhttosigckit 'ailifreizell. Mionn idieift" 'scheüßlicklerl Atachthäber »vollerr, so t'ölurelr sie die Miassakers imilrer Eder erneuern: in ihrer Hand liegt es eveüso, sie etüzudämlmenl. Sv' ojffenikulndilg fft das unter den eillizelMü ProvruzverwaUu!N!gen> daß die Go-üverneurte schon eine feste Formel' gestmlden haben, um die Metzeleien nach Belieben zu dirigieren. Der Gouverneur schreibt an den Pokizei- Hatlptmamr einer Stadt: „>Du Vist wir verantwortlich für die Ruhe in deiner Stadt." Der Polizeichef versteht die Formel, Und es ftuöen. Leine Jndöllischlächtelreien statt. Zlrtdrerseits ist die Aufforderung zu Massakers in den Satz 'gelkleidet, den ein Gouverneur an die Bürgermeister und Polizeichefs richtete: ,-Sie dützsen um keinen Preis AUlassen, daß die Bevölkerung verstimmt wird." In Kilschevew wollte ein niederer Polizist aus Erbarmen einen Juden verteidigen. D!a wurde Om zugetzulfen: „Die Bevölkerung darf nicht verstimmt werden." Und er schlugt semem Schützling nieder." Tolstoi vergleicht die gegenwärtigen^ Leide!n der russischen Jniden Mit -deinen der ersten Ehriston in Rom und' sagt zum Schlüsse, er habe es anfangs nicht für mvglich ^gehatten, daß ru>fsisch!e Behövdsn derartige Greuel jemals würden gutheißen können. Eingesendet. Mi ^5 Restauration immm üü Teleph. 13702. GUTH Teleph. 13702. Wien, II.) Stephaniestrasse 14. Prachtvolle geräumige Säle für Diners, Hochzeiten und festlichen Veranstaltungen, Sehr elegante Speise-Lokalitäten. Bestrenommierte Küche und vorzügliche Getränke. Reservierte Lokale für Vereine und geschlossene Gesellschaften. Trotz höchster, der Neuzeit entsprechender Eleganz dezente Preise. Elektrische Beleuchtung in sämtlichen Lokalitäten. Heinrich Neugebauer c_^ vormals Molnär <P>(Q aff- Optiker Wien, I. Schottcngassß 8, Eckhaus Schottenring. ---------------- Gegründet 1865. 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