Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 45 (26.6.1906)
- Date
- 1906-06-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Organ für die gesamten Interessen des jüdischen Volkes. MtioilcheitMz Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Eigentum einer Sozietät. — Herausgeber und Chefredakteur: Jakob Kraus;. Inserate übernehmen die firmen: 3. vanneberg, Itt. Vules Nachfolger, kjaasenstein & Vogler, Rubolf llloffc, M. pozsonyi, fl. Schale! in Wien ferner alle Annonce».Expeditionen Im flu-ilande. Einzel - Nummer in Wien I r Heller. Verschleißstellcn unseres Blattes, in welchen anch Abonneinems eittgegengenomnien werden: Hermann Goldschmidt, Wien, I. Wollzeile 1 I; Verlag „Zion" Wien, II. Große Schiffgässe 7; Robert Weiß, Wien, I. Jakobergasse 7. 0-« Nrdflktion: IX/1, Wflsayfllsr 81. Telephon Nr. 14723. Sprechstunden: An ilvochentagen von 10 bis 12 Uhr vorm. Postadresse: „Nationnlzetlung" Wien. IX >1. SerrbwerLe» wegen verspüteier oder gar nickt erfolater Zustellung erbitten wir »nS drinoend. — Manuskripte tveräen «lebt ru'Seilaerteiit. Postsvarkasten-Konto 47037. In daS?lbonnement kann man täglich eintreien. k-M AdminMration: Telephon AbonuementS-PreiS: Für Wien u. Oesterreich- Ungarn!. Frankozustelliiiig: Ganzjährig. . . . X 12. - Halbjährig .... Xi 3 — Vierteljährig . . .X 3.— Für daS gesamte AnSl d Ganzjährig ... X lS.12 IX/1, Wflfflgflsie 31. Nr. 14723. Preis der Anzeigen: Die 5mal gespalt. Nonpareillezeile oder deren Raum 12 h.; „Eingesendet" die3spaitigel Nonpareillezeile 50 Heller, f Bei mehrmaligen Aufträgen entsprechender Rabat». Ur. 45. Wien, Dienstag den 26. Juni 1906 (3. Tamns 5666). VII!. Jahrgang. ZeituilgssihM ii. Korrespondenzkn. Inland. Spenden für die russischen Auswanderer. Weitere Spenden liefen ein von: Frau Elsa Berdach K 1, Herrn Friedrich Thlan K 2, ein Mitglied des Tempelvercines Wien, 13. Bez. Iv 30, alle in Wien. Heinrich Wachsmann, T-ziedzitz (Galizien) K 2. Markus Welsch, Znckmantel (Oesterr.-Schlesien) L 5. Zusammen K 40. Hierzu die in Nr. 44 ansgewiesenen K 97, zusammen K 137. Dr. Emil Byk gestorben. Reichsratsabgeordneter Dr. Emil Byk ist Samstag den 23. d. M. in Wien infolge Herzschlages plötzlich gestorben. Es liegt sicherlich viel Tragik in deni plötzlichen Tode eines Mannes, der seit Jahrzehnten an der Spitze der galizischen Judenheit stand, und eben daran war, den Kampf mit den ihm nachstürmenden, modernen, nalionaljüdischen Jungjuden auszufechten. Es war ein entscheidender Kampf, ein Kampf auf Tod und Leben, der, Von der Tagespresse ignoriert, in den letzten vier bis fünf Jahren zwischen den von Dr. Byk mit unglaublicher Hartnäckigkeit, zumeist anch mit verwerflicher Rücksichtslosigkeit gegen die aufstrebende nationale Richtung geführt wurde und bei den nächsten Reichsratswahlen zur entscheidenden Schlacht hätte führen sollen. „De mortuis nil nisi bene" hieße in diesem Momente die Geschichte fälschen. Anch angesichts des Todes kann und darf man es nicht vergessen, daß Dr. Byk erst vor einigen Monaten nicht scheute, die Unterdrückung der zionistischen Bewegung dadurch zu versuchen, daß er, wie erwiesen wurde, die Auflösung der zionistischen Vereine durck, die Bezirkshauptmannschaften veranlaßte. Dr. Byk war der gefährlichste Typus des im Aussterben begriffenen Assimilationsjuden. Der gefährlichste deshalb, weil er als einer der Befähigtesten auch ans die einer Führung bedürftigen galizischen Inden einen mächtigen Einfluß ausübte. Hätte Dr. Byk es verstanden, sich mit dem Zeitgeiste zu entwickeln, ec hätte die Eignung besessen, die österreichische Judenheit zu einem bedeutenden, einflußreichen politischen Machtfaktor heranziehen zu können, so aber brachte er es nicht weiter, als daß die Jaden unter der Knechtschaft der Schlachzizen verkümmerten, und in den Reihen der Inden Galiziens selbst ein unheilvoller Kampf tlllte, in dem nur die Polen als die dritten & chenden profitierten. Wir bedauern den Trd dieses sicherlich nicht unbegabten jüdischen Politikers. Wir bedauern ihn schon aus dem Grunde, weil die nationale Bewegung nur im Kampfe reifen kann und nur die Anstrengung de» eigenen Kräfte kann sie groß und stark weiden. Und Dr. Byk war ein Gegner, der hartem Kampfe herausforderte. Er ruhe in Frieden! Prag. (Verleihung.) Der Kaiser hat dem Großindustriellen und emeritierten Präsidenten der Prager Handels- und Gewerbekammer, Herrn Gottlieb B o n d y, das Komturkreuz des Franz Josefs-Ordens mit dem Sterne verliehen. Die hohe Auszeichnung wurde Herrn Bondy für die Herausgabe seiner monumenlalen Arbeit: „Zur Geschichte der Juden in Böhmen, Mähren und Schlesien von 906 bis 1620" zuteil. Das Werk erschien in deutscher und tschechischer Ausgabe. Jglau. (Todesfall.) Am 20. d. M> starb in einem Wiener Sanatorium der Jglaner Kaufmann Heinrich P o k o r n Y, der sich in den achtziger Jahren als. Vizepräses der Jglaner Kultnsgemcinde und Präses der Ehewra-Kadischa viele und dankenswerte Verdienste erworben hat. Reichenberg. Beim Cercle am Reichenberger Bahnhof sprach der Kaiser anch die Deputation der israelitischen Kultusgemeinde an, und erkundigte sich über die Verhältnisse der Jndengemeinde. An den Rabbiner Dr. H c f s m a n n richtete der Kaiser die Frage, ob und seit wann Reichenberg eine Synagoge besitze, und wie groß seine Gemeinde ist. "Dr. H o f f m a n n antwortete, die Gemeinde sei in stetem Aufschwünge begriffen, was der Kaiser mit Genugtuung zur Kenntnis nahm. Czernowitz. Die Zionisten der Bukowina beschlossen auf Anregung der „Poalei Zion" gegen die von der Regierung geplante Wablkroiseinteilung in der Bukowina im ganzen Lande Protestversammlungen zu veranstalten. Die Wahlvorlage für das Abgeordnetenhaus weist bekanntlich keinen ei n z i g e n Wahlbezirk mit j n d i s ch e r Nt e h rh e i t in d e r B u k o w i n a auf. Während die übrigen Nationalitäten national abgegrenzte Wahlbezirke zugeteilt erhielten und ihre Mandate zum Teile vermehrt wurden, werden die Inden einem ungleichen, ungewissen Wahlkampf ausgeliefert, so daß nicht einmal ihr bisheriger Besitzstand gewahrt bleibt. In dieser Beziehung sind die Juden schlechter daran, als die Juden in dem viel verschrienen Galizien, wo ihnen eigene Wahlbezirke zuaestandcn wurden. Gegen diesen Versuch, die Inden der Bukowina in das Lager der Deutschen zu treiben, richten sich nun die Vrotestversammlnngen. Die erste dieser Versammlungen fand am 20. d. M. in Czernowitz statt. Es war eine überaus gut besuchte Monstreversammlung, die einen imposanten Verlauf nahm. Referenten waren Dr. Berl K i n s b r n n n e r und Lobet T a u b e s. Die beantragte Protestresolution wurde angenommen. | Jlngarn.! Budapest. (Der jüdische Turnverein, nicht! bestätigt.) Die hiesigen Zionisten gründeten j vor einiger Zeit einen jüdischen Turnverein. > Ter Minister des Innern Gras Julius Anj d r a s s y hat jedoch den Statuten die Bestätigung mit der Begründung verweigert, daß die Gruppierung der Jünglinge nach Konfessionen und ihre derartige Ab-! fchließung vom Standpunkte der einheitlichen nationalen Gesellschaft nicht wünschenswert sei. Bemerkenswert ist jedoch, daß es in Ungarn eine große Anzahl christlicher Turn- und Gesell e n - n e r eine gibt, deren Statuten anstandslos bestätigt wurden. Budapest. (Ausweisung galizischer Juden.) Aus Anordnung des Ministers des Innern ©reifen Julius Andrassy hat die Munkacser. Grenzpolizei vor einigen Tagen ans in Mnnkacs und Umgebung wohnhafte galizische Juden eine Razzia veranstaltet, dieselben aus Ungarn ausgewiesen. und nach ihren galizischen Znständlgkeitsgemeinden abgeschoben. Begründet wird diese drakonische Maßregel damit, daß die Juden angeblich weder eine ständige Wohnung, noch einen anständigen Erwerb hatten und von unerlaubter Bettelei lebten, daher dem Gesetz über die „Evidenzhaltung der! Ausländer" nicht entsprachen. Bialystok. Petersburg. Der Dumadcputierte Will a w e r erhielt vom Deputierten Jacobs o h n, der sich gegenwärtig in Bialystok aufhält, folgendes Telegramm vom 20. d. M.: „Als die Delegierten der Duma hier anlangten, beruhigte sich die Stadt einigermaßen, die Bevölkerung faßte wieder Mut. Am 19. wurden den ganzen Tag über die Leichen der Ermordeten bestattet. Bisher 78 Inden und 6 Christen. Tie meisten wurden durch Kugeln und Dolche getötet. Die genaue Zahl der Ermordeten und Verbrannten konnte bis jetzt nicht festgestellt werden. Gestern, den 19. d. M., schoß ein Kosak wieder einen vorübergehenden Juden ohne jede Ursache nieder. In der Sitzung der Bialystoker Stadtduma, welcher auch wir Petersburger Delegierten zugezogen wurden, wurde einstimmig bestätigt, daß eine, nationale Feindschaft zwischen den hiesigen Juden und Rüsten nicht besteht und auch nie bestanden bat. Hinter der ganzen Sache stecke eine wohlvorbercüete Provokation. Es wurde auch bestätigt, daß die Polizei und das Militär an den Metzeleien und Plünderungen teilgenommen haben. Ferner wurde festgestellt, daß alle Mitteilungen, wonach die Juden und die Revolutionäre in die Häuser und öffentlichem Anstalten Schüsse abgefeuert und die Inden die Christen überfallen hätten, vollständig erfunden Die nächste Nummer erscheint Freitag den 29. Juni.