Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 42 (15.6.1906)
- Date
- 1906-06-15
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nationalzeikmg Nr. 42 zynsky-Bcrlin, Julius Simvn-Mannheim, Tr. mcd. Franck-Altona und Tr. F:ievemann-Wiesbaden als Beisitzer. In seiner Eröffnungsrede wies Tr. Bodenheimcr auf die Fortschritte, die der deutsche Zionismus im letzten Jahre gemacht habe, hin. Tie Differenzen, welche nach dem siebenten Baseler Kongreß aufgetaucht waren, hätten den ständigen Fortschritt der Agitation nicht einzuschränken vermocht. Tie allgemeine politische Lage sei zurzeit überaus verwickelt; die Parteileitung habe jedoch alle Veranlassung, mit guten Hoffnungen in -die Zukunft zu schauen. Ter Deutsche Kaiser habe auch in diesem Jahre seine Sympathien für die Bewegung zu erkennen gegeben, indem er eine Stiftung von zwei Olivenhainen in Palästina anläßlich der Silberhochzeit entgegennahm. Redner schloß mit dem 'Ausdrucke der Hoffnung, daß der Tclegiertentag ein bedeutungsvoller Moment für die weitere Entwicklung des deutschen Zionismus darstellen möge. Im Anschluß hieran erstatteten die Herren Dr. Friedenmnn, Redakteur Fciwel-Köln und Professor Marburg Referate über die politische Lage des Zionismus, über sein Verhältnis zu anderen jüdischen Bestrebungen, über die Palästinapolitik des Aktionskomitees, sowie über die nächsten Aufgaben der Partei in Palästina. An die Berichte schloß sich eine lebhafte Diskussion an, die sich insbesondere der Frage zuwendete, inwieweit bereits jetzt praktische Arbeit in Palästina durch das 'Aktionskomitee geleistet werden soll. Tie Debatten übergaben eine Uebcreinstimtnung dahin, daß die Tätigkeit der Parteileitung, entsprechend dem Charakter der Bewegung, eine politische sein müsse, daß aber die notwendigen Vorarbeiten für eine spätere Besiedlung des heiligen Landes auf das eifrigste gefördert werden müssen. Der Telegicrtentag genehmigte auch die Einführung eines besonderen Palästina-Beitrages, der in Hohe von 1 Mk. (entsprechend dem Schekel) erhoben werden soll. Nachdem sodann die inneren Angelegenheiten der Partei, insbesondere die Frage der Parteipresse erörtert war, schritt der Delegiertentag zur Wahl des Präsidenten und der Mitglieder des neuen Zentralkomitees. Herr Rechtsanwalt Dr. Bodenheimcr wurde einstimmig zürn Präsidenten wiedergewählt, und auch die Liste der neuen Mitglieder des Zentralkomitees, welche die verschiedenen Parteischattierungcn gebührend berücksichtigte, fand fast einstimmige Annahme. Gewählt wurden die Herren Tr. Adler-Lübeck, Rechtsanwalt Gronemann-Hannover, Dr. Elias-Mühlhausen, Rechtsanwalt Hantke-Berlin, Dr. Halpern-Harnburg, Tr. Kalmus-Hamburg, Rechtsanwalt Leszpnsky- Berlin, Mar Wolsteiner-Bcrlin, Julius Simon-Mannheim, Rechtsanwalt Kollenscher- Posen, Zahnarzt Hugo Schachtel-Breslau, Dr. Kaufmann-Freiburg und Tr. Alfr. Klee- Berlin. Ter Tclegiertentag wurde am 6. ds. am späten Nachmittag mit einer Ovation für den Präsidenten des Aktionskomitees Herrn David Wolffsohn geschlossen. Königsberg i. Pr., 8. Juni. Ter Verein jüdischer Religionslehrer Ostpreußens beschäftigte sich auf feiner in Königsberg abgehaltenen Jahresversammlung mit dem netten Volksschulunterhaltungsgesetz und nahnt dazu folgende Resolution an: „Ter Verein jüdischer Religionslehrer Ostpreußens erklärt es mit Rücksicht auf die Veränderting, welche das 28eisen der allgemeinen Volksschulen nach seiner religiösett Seite durch das neue Bolksschulunterhalttingsgesetz erfährt, für dringend notwendig, daß überall, wo es irgend ntöglich ist, eigene jüdische Volksschulen errichtet werden." New Aork. (Maßnahmen gegen die Proselytenmachers. ) Seit einer Reihe von Jahren haben individuelle Führer unter dem hiesigen Judentum gegen die Tätigkeit der christlichen „Settlements" und Missionen in dem israelitischen Viertel der unteren Ostseite protestiert, und nun hat sich eine neue isrealitische Gesellschaft ltnter dem Namen „Jetvish Centres Association" gebildet, die ihren Plan in einem Rundschreiben folgendermaßen klargelegt: „Die Proselhtenmachenden Institute wachsen und gedeihen, weil es an genügenden Plätzen ntangelt, wo Kinder im zartetr Alter unter dem Einfluß israelitischer religiöser und moralischer Belehrung zusatnntengebracht werden kötmeit. Ilm diesen: Mangel abzuhelfen, plant die neue Organisation, passendeZentralen zu etablieren,wo die israelitischen Kinder unter den: Einfluß und den Lehren ihrer Religion die Vorzüge korrekter, körperlicher und geistiger Ausbildung genießen können, ohne auf Institute angewiesen zu sein, die geeignet sind, sie den: Glauben ihrer Väter abspenstig zu machen." Zürich. Ein Gesetz betreffend die öffentlichen Ruhetage liegt dem Kantonsrat vor. Das „Jsr. Wochenblatt" teilt nachfolgende Bestimmungen desselben, die für die Geschäftsinhaber, die den Sabbat feiern, von äußerster Wichtigkeit sind, mit: An öffentlichen Ruhetagen ist untersagt: 1. Die Arbeit in den industriellen, gewerblichen und handwerksmäßigen Betrieben; 2. jede Beschäftigung oder Betätigung jeder Art, welche Lärm verursacht oder andere im Genüsse der Sonntagsruhe ernstlich zu stören geeignet ist; 3. die Betätigung von Angestellten und Lehrlingen in den kaufmännischen Bureaus. Ausnahmen von diesem Arbeitsverbot sind zulässig für Gewerbe, welche dem täglichen Bedürfnis genügen (Milchgeschäfte, Bäckereien, Metzgereien), ferner für Handelsgeschäfte bei Jahresabschlüssen und Inventuren und im allgemeinen bei Notfällen und außerordentlichen Anläffen, die einem gesteigerten Geschäftsverkehr rufen. Das Offenhalten von Verkaufslokalen und Magazinen und jede Bedienung von Kunden in denselben ist gänzlich untersagt am Karfreitag, Ostersonntag usw. An den übrigen öffentlichen Ruhetagen dürfen Verkaufslokale und Magazine von lO'/z Uhr vormittags bis 12 Uhr mittags, an den öffentlichen Ruhetagen im Dezember, mit Ausnahme des ersten Weihnachtstages, von 10‘/2 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends offen gehalten werden. Petersburg. Die jüdischen Abgeordneten in der russischen Reichsduma habet: einet: besonderen Klub gebildet, tvelcher sich als „Jüdischer Klub" konstituiert und ben Petersburger Abgeordneten Advokaten Dr. Winawer zun: Präsidenten gewählt hat. Von den zwölf jüdischst: Abgeordneten, welche die Rcichsduma zählt, find zehn dem „Jüdifchet: Klub" beigetrelett. Die übrigen zwei, die Abgeordnetet: Zolles uttd Ostrogorski, lehnten ben Beitritt ab. Sie erklärtet: jedoch gleichzeitig, daß sie die Frage dem Petersburger „Vereine zur Erlangung der Gleichberechtigung der Jude::" vorlegen werden. Sollte dieser der Ansicht sein/daß sie in den „Jüdischen Klub" Antreten müssen, so werdet: sie ihre Mattdate niederleget:. Petersburg. Der Minister des Innern hat at: sämtliche der Krone gehörigen Fabrik? etablissements ein Rundschreiben gerichtet, in dem gesagt ist, daß sämtliche jüdischen Arbeiter aus diesen Fabriken entlassen und solche dieser Konfession nie wieder angenommen werden sollen. Kiew. Der Generalgouverneur von Kiew erhielt vom Minister des Innern die Anweisung, daß Israeliten, die in eitlem ihm unterstehenden Gebiete gesetzwidrig außerhalb der für die jüdische Bevölkermtg vorgeschriebeueu Zone wohnen, ermächtigt werden, bi§ zur Lösung der Jttdenfrage durch die Reichsduma dort zu verbleibeu. Dresden. (Ernennung.) Professor Max Liebermann-Berlin ist mit Genehmigung des Kömgs zum Mitglied der Akademie der bildenden Künste ernannt worden. Straßburg. Als Nachfolger des berühmten Orientalisten Professors Nöldecke, der mit Ende des verflossenen Wintersemesters von seinem Lehramte zurücktrat, ist nunmehr der außerordentliche Professor an der Princeton-University in New Jersey (Bereinigte Staaten von Nordamerika) Doktor Enno Littmann zum ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät mit dem Lehrauftrage für semitische Philologie ernannt worden. Professor Littmann ist in Oldenburg im Jahre 1875 geboren, zählt also gegenwärtig 3 t Jahre. Trotzdem wird er heute als einer der ersten unter den Semitisten angasehen. Schon seine erste Arbeit, über die neuabessinische Tigre-Sprache, war sehr vielversprechend. Er hat sich dann zu einem gründlichen Kenner des Altäthivpischen entwickelt. In der letzten Zeit machte er eine Reise nach Abessinien zum Zwecke epigraphischer Studien. Früher hat er Palästina bereist, wobei er semitische Inschriften sammelte und mit Erklärung herau-gab, die heutigen arabischen Mundarten studierte und neuarabische Volkslieder sammelte. Auch mit dem alten Testament hat er sich eingehend beschäftigt. So ist also der Lehrstuhl der Straßburger Universität, der durch Professor Nöldecke zu einer Art von Mittelpunkt der semitischen Philologie sich gestaltet hat, erfreulicherweise neuerdings nnt einer angesehenen Autorität besetzt worden. Allerlei EmpfkhikWMtks. 37. k. k. Staatölottcrie für Zivilnnd Wohllätigkeitszwecke. An: 21. Juni 1906 findet die Ziehung der 37. k. k. Stantswtterie für AiMMWltätigkellA- Swecke statt. Diese Lotterie ist reich ansgestattet und bietet den Tsilil-cArwrn sehr günstige Ehnncen. D,ie Gmrlin Mumme beläuft sich auf 512.000 Kronen> die TreffeichaW beträgt 18.137, darunter ein HanpttreMr von 200.000 Krotten- >ferner Tröffe r zu 40.000, 20.000 Krönet: nsiv., 'welche sämtlich [&mr aiusgezaW werden. Der Reinertrag ist zur Uiterstütznna zahlreicher wohltätiger und gemem. niitziger Anstalten bestnnmt. Lose z>n 4 Kronen sind in TabaikträsiiKen, Lottolkollekturen, Wechselstuben, bei Postämtern, Steuerämtern njlw. er« h ältlich. Eingesendet. Kokl M ikslanratioif8 Toleph. 13702. M. QUTH Teleph. 13702. Wien, II., Stephaniestrasse 14. Prachtvolle geräumige Säle für Diners, Hochzeiten und festlichen Veranstaltungen, Sehr elegante Speise-Lokalitäteu. Bestien ommierte Küche und vorzügliche Getränke. Reservierte Lokale für Vereine und geschlossene Gesellschaften. Trotz höchster, der Neuzeit entsprechender Eleganz dezente Preise. 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