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Nationalzeitung · 1906-05-29 · Heft 39 (29.5.1906) · p. Seite 5

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 39 (29.5.1906)
Date
1906-05-29
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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iS r. 39 Nationalzeitung Seite 5 eine Zeugin in Pifek eiüsprttchslos erizählerr läßt, daß, einem Gerüchte zirfolge, in Wiesnlitz, dem Geburtsorte 'der Agnes Hrn«za, seit deren Ermordung das Wasser blutig fließe und die Inden sich darin die Hände watschen, rverrn gestattet wir«d, daß Zeugen ihre Aussagenmit den unflätigsten Beschimpfungen des Angeklagten ein'leiten, wenn das Auditorinim in einer vieltätigeu V'erhan'dlnng beständig mit lärmenden Zurufen in die Berhan«dl«ung eirrgrei«ft, der bereits er«wäh-rrte Reda'ktenr Huse'k im GerichtssMle eine Art von Diktatur sich anrnaßt, laut Befehle «erteilt, Rii-gen erläßt, warn der Ltaatsanimalt in seinem Plaidoyer, also in einen: Zeitpunkte, da 'jede weitere B«eiweiserheibun'g «unmöglich ist, mit der Mitteilung verblüfft, er habe soeben ein Telegramm erhalten, wonach einer der Entlastungszeugen soeben wegen verifuchter Berleitun'g $mw M«eirreid verhaistet worden fie.iy während er gleichzeitig verschweigt, daß er, der allmächtige Staatsanwalt, es war, der dieise Ver«hastuv«g veran«laßte, werru schließlich Dr. V«axa, dem der Bürgermeister von Polna. selbst die Vertretung übertrug, jen«e schon. charatterisierle Brandreide Hallen durfte, so sind alle dieise und hnnidert andere ähnliche Vorgänge grobe Gesetzwidrigkeiten, aller alle zusammen« kein einziger «Nichtig>be«ltsgrlln!d. So wurde das Recht gebeugt- «das Gelsetz gebrochen, die Verurteilung erzwungen, ohne daß gegen- Scheußlichkeiten die«er Art eine Äkemedur möglich ist. Wie Solon den- Vatermord, so hi«elt Glaser Vorgänge dieser Art für so N'Uimöglich, daß es ihm überflüssig schien, sie mit der Nichtigkeitsbeschwerde z«u verfolgen. «So ist denn ein Urteil gefällt und rechtskräftig geworden, das nur jene befriedigen kann,, die über Juftizleichenhinweg «die BerwiMichung ihres iProgi-annmes anistreben. Ich «Halle dam vielseitigen Dheima m'it Zlbsicht geräde diese Seite allgewmmen, weil sie, wenn «es «mir gelungen ist, sie en«lfprechend zn beleuchten, die Bereinigung aller Gutgvsinnte-n vollziehen muß. Dann, oll schuldig oder rrichtschiMig, eines ist gewiß: In keinem Kulturstaate der Weilt, nirgends, wo die Neinhlait der Jiuistift zu den o«b«ersten Besitztümern der Nationgerechnet wird, darf einer Verurteilung ein Prozeß verfah ren vorausgohendas im Grnndle nichts andeies war, als eine mit -etlichen Prozeßordnnngsfetzen löse verhüllte Lynchjustiz. D«ie Justiz entheiligen, sie pr Magd eines schmutzigen Gelüstes erniedrigen, -ist ein himmelschreiender Frevel, «mag auch der letzte aller Menschendas Opfer sein, mag es aiuch- Leopold Hilsnep fein. Ist /aber diese Einsicht eichugil gei:v«onlnen, sieht es feist, daß unter den wüsten Häud^eu einer auAschmeifeudau Ilgitatiou das e«dle dluilih dar G>arochtig«keiit zu einer nräuadeuhaften F-ratze entstellt «wurde, dann kann ich, trotz jahrelanger Gehirudresfur, «mich n>vch ininier n«icht mit deinr Gedaniken lllasr«eun«den,, daß erkann«tes Unrecht für allezeit a«ls höch«st«es Recht in Geltung bleiben soll, »veil es die schablonenbafte Prägung eines nnznreichenden Gefttzes gesrtnidenhat. dlls es Voltaire: gelang, d-as Interesse des französisch err Köriigshofes für den gefolterten« und Hingerichteten Jean Calas zu «rvecken-, da war es Ln'diivig der Jäiu«sze«hute, der die« R-episiou des Prozesses anordnete. Juiuif;ig Stichler lmt-rden rnit der Ueberprüfu'ng der Prozeßakten betraut, die denn auch bald gen'ug das gefällte Urteil -als irrig und C-alas für unschllidig erklärten. «Und die .Kaiserin .Katharina von Rußland schrieb an V'olta'ire eilten Brief, «der fblgende Stelle enthielt: „Sie haben die großen Feinde «der wa-hren« Religion und Wisftüschaft: «den Fanatisnins, die Dummheit und die Schitalle, augeg risse rr-; möge Ihr Sie-g ein vollständiger sein!" Das war damals. Hen-tie sind wir ja gottlob rveit-er. Heute Haben wir eirr« Gelfetz n.nd alle die oielumischureichelten' Garantien des modernen Prozeßrechtes. Heilte muß es uns ein Trost fein, zu rvissen, daß der Borfitzen'de voll Pisek nach gefälltem Urttzil am >den oerdft"lr«st vollen Verteidiger Dr. Auledn«ieek nvit deu Worten, he ran trlat: „Her^r D«oktvr, ei>n Un«schn>ldiger ist zull, Tode verurteilt roorden." Der Vorsitzen-de ninßte das freilich «lvissen. Jnl «übrigen muß in, Nanl'en des llloderlleu Prozeßrechtes alles beim Allen bleiben. Wozu hätten« »vir denn alle die modernen B'ürgschastett gegerl die Verlerteiinng Ilnfchnldig-er? Ist aber ei-lnna-l, rvie hier, eilt Unischllldiger verurteilt rvorden-, dann bleibt er verurteilt und eingetehlert bis ans Ende seiller Tage. So lvill eö das moderne Prozeßrecht rnit seinen rin schätzbaren Würgifchaften gegendie Verurteiinn-g Unschuldiger. Nein, sage ich, so will es Recht und «Gesetz nicht. Es mutz sich eine LÄfull-g sin«den lasseit, die auch hier Recht nnd Gesetz zn Ehren bringt. Soll wirklich das Schicksal dieses armen, gepeinigten M!en«sch«e-n von den: Zllfall abhängig -sein, der irgendeine „neue Tatsache" zn«m Vorschein bringt und so den, Formalisnlius des Wiederausn'ahlnlsvorfahreus entspricht? Ich kann es rlicht glauben. Ich -Halle trotz des Proz'esses Hilsn-er rneinen Glauben an die Me«üschh«eit nlcht verloren. Mag der Streit ö>cs Tages, die Ford'eruing des Augen'blicks marlchen vorübergehend seiner wahren Gefin-n>u-ng entfrerüdet haben — das ewig Menschliche ist ja doch das Band, das .uns schließlich wieder zn'samnlieül'führt. Darum richte ich über alle Klüfte und Parteiungen hinweg meinen« dlppell an die ganze gefittetle Welt, an alle, deren Ange noch eine Träne beschleicht im dsllgefichte srenld'en- Leides, darum mllchte ich eS hinansrufeninf-erüste Fernen-, soiweit Men- «schen find, vom Mitleid mit rne-n'schlicher Kreatur hu Men-schen geadelt: Höret! Es gibt ein furchtbares Unrecht zu tilgen! Helfet alle, a«lle, ehe -es zu spät ist! Die Uoiksvorschutztrassa in Prag Vor etwas »lehr als sechs Jahren traten eitlige Män-ner zu dem Zwecke. zn!saminte«n, rim ein rein« jüdisches Geldinisditllt ins L-e«bonzu rufen, damit eüdlich der systematischen Verarm-uug der Stammesgenvssen — das Ziel Mer Judenfölüde — ent-gegen>ge>grb-eilet werden könne. Dazurüa'l hatten unsere maß-geb->:!n-den- Kreise ein geringschützend-es Achselzucken für ein so „törichtes" Unterne'-hlmen. Allerdin-gs «waren die Anhänger allzubelfchleiden, gariz aüders als- >dielje-ni>ge-n der großen- Bain-kgründ'ungen« -n«niferer Hochfinan«) moisaischer Koüfefsiou. Allein hier hatte man etwas -ganz Eigenartiges im Aüge. J«uld-en gründeten> ein amif -geschäftlicher Grundlage au«fgebautes 'Wa'hlsiahrtSinstitnt speziell «für Juden. Nach sechs J-ahrelk mlihevoller Arbeit u-nld bei der Gel>egen«hei-t w«o das Institut in einem, prächtigen, banknläßig erll'gerich«t«eten- Hei'm «seine Schalter de«m miaterielle Stütze suchenden jüdischen Pltblikn-nr öffnete, ist es angebracht, Riücksch>au zu halten und chevvorizüheben, was dasselbe bisher geleistet hat, n«m darnach -beurteilen zu- «kön-n«en-, was w«ir in -der Zn-kunft davon noch zu erwarten haben. Jur Februar des Jahres 1-900 trat die Idee dieser Grüu>dull«g irmrerhalll -des 'Jüdischen V-ol'ksverein-es an-f, sie -wurde sofort -au-fgegriffen und nach unzähligen SitzUn-ge-n schritt man am 1. April des«fe«l!ben J-ahreS zur Ko-nlstituierung. Der damals erwählte Präsesj Herr! Apotheker Max F a n t a, der sich inz-lvischen gvvtz-e Verdienste «um das Jn-stitllt erirvorllen hatte, bekleidet das Ehrenamt bis helite, wogegen das -danmlige A«usschutzmitglled Karl Rezek, der «durch seinien praktischen Sin«» -und seine Fachten-ntnisse sehr viel z-nm Gedeihen des Jn-stit'utes beigetrage«». hat, «Direktor wurde mid dieses ocra-uiüooriiln-gsvolle- Ehre-nanck ans Liebe zur Sache 'itt. -ausgezeichneter und uneigen»«ütziger Weife oevsi«c!ht. -ES -wlkrde bes-ch-lv>ssen!, mit dem- «Geschäfte zu beginnen, sobald 10.000 X An«teile g-rzeichu-et und bar «erlegt «seiniverden, eS kam aber aüders, famn daß das Jnslellen treten eines solchen« Jlistitntes in di-e Oef-fentlichkeit dran«g, lnel'deten sich Kredit- 'Lewerber -nn«d di-e Tätigkeit began-n früher als n«och der festgesetzte B«etrag lleisalümie-ll. war. A-rn lo.«Jll-nl 1900 erösfn-ete die Volksvorschußkasse ihre G«eschäftStätig«le-tt und rvar binnen ein«i-gen w-enigen Wochen mit ihrer Barscha-si zn Ende. Es war ein eigentü-ulliches «Gefühl, das «die Ausschußttlitglieder beischlich, als sie sahen, wie schnell das angefanl«ln«rlte «Geld ans der Kasse seinen- Weg ilts Pu-bliklmr gefll-nden hat. Belnerkt mutz hierbei werdendaß der An«teil a«n!f bloß 20 Krollen lautet nnd daß es mitunter nicht geringe Mühe gekostet hat, Zeichlier anszntwiben. Keilt« Wunder, hatie-ll dc-ch d-ie Hveiftcn derselbeliihr Geld hergegehen in der Ueberzeng«nng, .keineu Heller davon je rviederznischen. 1ln«d nNnhatte mau «rnit großer Ä1dü«he eiioa fün«fhn-lt«dert A-nteite lanfge!b rächt, -dereni Erlös so schnell dahintschlivallsd. Allerdings 'ivar-en n«ene Prinlessenrm« PortefeNille, «doch rvas -konnte man mit ihnen: aiifangen, roenn «kein Balikkredit vorhandelr war. In dieser Richt«ll-n«g war eirie Jntevoelttiotl des Herrn Prä- . seS von« Erfolg begleitet. Seill-e persönlichen Beziehn«ngen zn einem danlalige» Diräklor -der hiesigell Län-derban'kf.iliale ernröglichten es ihm, dem Jn«slit-li«te il 20.000 Wech^elkyedit zil beschafftr>, womit die Grundlage gegeben «war, ans welcher die ikleine Llusialt sich «weiter entwickeln konnte. Wenn es «auch im Lau«fe der ersten Jahre eine ganz-e Reihe von Schwier igkeite«nzn bekämpfen gab, die sich- -de«m Anfstreben des JnstitnieS entgegenge-stellt Hallen., lrnter denen manchie die url- -oeij.folene dl-bficht verrf«eten, das J-nstitlit z-ulm S-cheilern zn bri'rvgon, so hat es doch alle Hindernisse, ohne selbst Schaden zn leiden, mit Erfolg über«w«nnden. Heute verwaltet -un«ser Jn«stitut ca. X 120.000 «seiner Mitglieder i-n Anteilen, ferner c-a. K 300.000 Spareinlagen, einen Reservefonds, der beinahe X 30.000 beträgt. Sein D'arlehonsstanld beläuift sich auf rund X 600.000, der «durchwegs unter Maübensgenossen plaeiert ist. Kredite «werden «ihm von dorr ersten Banken -des Platzes angeboten. Also alls-ge rüstet «hat es am 1-1. ds. Mts. seine neuen Lokalitätenbezogen, wo«selll«st a«mletzten« Son«nta«g die erste Sitzling, feierlich« begangen, abgehalten wurde. Wenn bei dieser «G«ele-genheit «v0!M «Herrn Präses mit Gen!lligtuun-g auf die. vollbrachte Arll«eit hingewiesen «wurde,. so «war das nm so gerechtfertigter, wenn Man erwägt, «daß «das Institut in der Zeit sein'es Bestandes mehr als 7 Mill«io-n«en Kronen u'nter Ju-den allein fruchtbringend rollen ließ. «Bei diesem ANl-asse wies auch -der D-irekior K. Reze'k aus das wirtschaftliche Programm der Z-ionisteNkongvesse -hin und wie es die Ziouisten in Pra«g zu -erfüllell L«e«strellt sind. Hier fei noch, ermähnt, wie groß die An- «sprttche ans die Arbeitsleistung eines jeden -eünzelnien Ansischußmitgliedes sind. -Es werden nämlich zweimal in der Wp-che ZeNs-nrsitznn«gen ab«ge- -halten, dreimal 'im Monat V-evw«altnngsr>atsfitznngen, in diesen b«e-iden niiilffen die Mitglieder -zahlreich erfchern«en, drei N«ev'isoren versehen fleißig -il.üd gründlich ihr veran«twortliches Amt nnd das alles ge'schieht -o«hne -das geringste Entgelt. Mühe nnd Avb-eit, Ze«it «und Sorgfalt werden hier aus reiner Liebe zu der -gnten «Sache «freiwillig geo«p!fer>t zu«m «WioHlie «n-Nseres hart geprüften, er- «barninngslos verfolgten «un«dniederg«ehaltenen Volkes, da kan«n der Erfolg nicht ausbleiben. Und so w«ird -mit «des 8lll«m«ächtigen Hilfe die Bolksivorchußkasse in- Prag für das JuIdent'Nm in vieler Bezieh«u-ng von« Segen sein mtd -mlustergiltig für andere ähnliche Institutionen innerhalb des Jnidentums werden. Ben Je hu da. Anfruf! für ein Herzl - Denkmal der österreichischen Studentenschaft. Gleich nach dem Tode Dir. Theodor Herzls «ist -irr zi«on-istische«tt Stud-enterEre'isen der Plan aNf- «geta«ncht, «dom Schöp-fier des politischen Zionismus ein «schlichtes- -nnd bleiberldes Denvmal stndenlti>scher D«an>kbar«öelt -und Treue ans palästinenlsifchern Bo-dou zu« «setzen. Schondamals wurde hierfür jerler Platz irr Aussicht gen-mmuen-, a-n«f welchem Herzl bei seiner Palästinareise im Jahre 1«898 leiine Ceder pflanzte. Dieserr Bauim nlu-- srieöelk und von der z-ion-iftischen St«udenteu!sch-0!ft «dort einen D-ell«ksteinerrichten zn lassen, ist die Slu'fgave des nNterzeichneten Kornitees. Wir wenden uns' rnit diesem krrrze-ll« A-nfnl'fe.vertrau'etlsvoll an die jüdischnation«alen Zlkademi-ker, ihre Gönner -und Freunde irr jüdisch«en Kreisen. Die z-iorriistiische «Stnde-lrtenlscha«st i«n n-n-sere«ttr. L-a-n«de, die z-n- Herzls tr-enesten ANhängerrr ge«hörte und «die er mit Stolz „seine Studenten^ nannte, «wird eine Ehrelr'pflicht erfüllen, wen-n sie durch eifrige Propaganda -n«Nd werktätige F-ör-- «öernng zur balldigsterr. Errichtn-n-g des gepla-rlterr. Dielr«klll«ats heitrügeri wird. «Wir erwarten-, daßjeder Zionist mit Freuden nuferen Wan llegriüßen nrrd -zur Chr-mr-g nn'feres grvtzerr Führers riach seinen Kräften vei- «stenerrr. rvi«r«d, rurd sirrd «dessen geroitz, daß es vieler Worte n«icht bedarf und daß ein eiunmliger Appell au die Opfeichereitschaft aller national gc.sirlnt-eu Jrrden gen-ügt. Die einlansenden Beträge sind a-n techn. MILCH aus besten Quellen empfiehlt den P. T. Hausfrauen daa seit mehr als 20 Jahren bestehende bestbelrarmte Milchdepot Ferdinand ALTMANN, IX., Pramergasse 17.

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