Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 36 (18.5.1906)
- Date
- 1906-05-18
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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iNr. M> fputcr« J-raulfurter diabbilNr Samsun Raphael Hirsch sein Lehrer war, und dam: das jüdischthevlvMche Se-minar in Breslau. Er war, ehe er seine hiesige 2belle übernahm, Rahhiner in Gnesen, MaTt.-FaüMaüd, Pasewalk, Fries nnd Pieschen. Ter Jllbilar ist ein hervorragender Talm ud ist nllid hat die jüdische Wissenschaft mit einer Anzahl Schriften bereichert. Rußland. Die amtlichen Judenhetzen. Die Berliner Russische diorrespondenz erhält aus Petersburg folgende Depesche: „Ich hatte Gelegenheit, den Bericht des Beamten für besondere Aufträge beim Polizeideparteinent, Makarow, einzusehen, in dein der Nachweis geliefert wird, daß auch nach den Oktoberkrawallen Judenmetzeleien von Beamten der politischen Polizei an Ort uitb Stelle vorbereitet wurden und unter der schweigenden Zustimmung des Chefs der politischen Polizei in Petersburg. Der Chef der Gendarmerieabteilung in Alexandra wsk (Gouvernement Jekaterinoslaw), Budgolsky, berichtete an das Polizeidepartement, er tue alles, um Aufrufe zur Ausrottung der jüdischen Bevölkerung zu verbreiten, und er hoffe, die Aufrufe würden Erfolg haben. Als die Chefs deS Polizeidepartements, Ratschowsky und Timofejew, darauf aufmerksam gemacht wurden, daß hier ein direktes Alntsverbrechen vorliege, wurden von ihnen nicht nur keine Schritte dagegen getan, sondern Budgolsky zur Beförderung vorgeschlagen. Trotz alledem blieb Ratschowsky auf feinem Posten und wird jetzt als Kandidat für einen höheren Posten genannt. Timofejew ist zum Beamten „für besondere Aufträge" bei Trepow ernannt worden. Der Verein für Gleichberechtigung der Inden in Rußland. Der Verein für Gleichberechtigung der Inden in Rußland hat laut dem Verein sgosetz vorn 4. März 1606 der Admimisttation sein Statut überreicht. Ter Verein hat seihen Namen in „Die Gesellschaft für die Gleichberechtigung des jiddischen Voltes in Rußland" .geändert. Allgemein russischer Rabbinerverband. Der Iiabbiner S. L u r j e in- Kiew beabsichtigt einen allgemeinen russischen Nabbineroeivband ins Leben zu rufen. Dieser Rabbi ne rNcrlband soll, wie eine Kiewer Zeitung hervorhebt, eine Art „Synedrinnr" bilden, das sich ntit allen, das jüdische religiöse Leben in Nnfzland betreffenden Fragen befassen wird. „Der Kampf gegen die Inden." Unter diesem Hochtrabenderl, wie ein Schlachtruf klingenden Namen 'öcit sich dieser Tage irr Warschau ein antkseinitisHer Verein gebildet, der sich> es -un Zlirfgabe rrracht, die Beteiligung der Juden an den Dnma- Salonnarren— das alles haben schon seine Gäste gesehen. Der Fürst war sehr verstimmt, daß er auf keinen guten Gedanken gekommen ist und begann sich darüber ordentlich zu ärgern. Denn gerade so traurig, ist es, gute Einfälle ohne Geld zu haben wie Geld ohne gute Einfülle. Da zuckte es plötzlich wie ein Aufleuchten durch sein ganzes Gesicht. Da war ein Gedanke! Er wird den berühmten Chasn mitsamt dem Chor seinen Gästen vorfi'chren. Dieser Jttde mit dem weit über die Landesgrenzen hinausschallenden Namen soll mit seiner Kinderschar die Gebete vortragen, wie er sie in den heiligen und allerheiligsterr Tagen an geweihter Stätte verrichtet; er soll in feinem Schlosse vor den versammelten »Herren und Frauen jene ergreifenden Melodien ertönen lassen, die seine Gemeinde miss tiefste erschüttern, rmd denen der Fürst selbst an einen: Vorabend des Versöhnungstages in großer Ergriffenheit lauschte, bis der letzte Ton verhallt war. Jawohl, diesen Juden will er sich zun: diesmaligen Geburtstage seiner Frau holen! Er klingelte hierauf seinem Diener und befahl, den sechsspännigen Galawagen Vorfahren zu lassen. Er selbst ergriff die Zügel und fuhr in die Judei:stadt. Als er de:: ersten' Juden erblickte, hielt er an und fragte nach der Wohnung des Chasns von der Alten-Schul. Er erhielt zur Antwort, daß Awränrele in der Hoichegaß' wohne, an die hundert Schritte von der Alten-Schnl, gegenüber der Mikweh. (Fortsetzung folgt.) Nationalzeitung wählen mit allen möglichen Mitteln und Mitkelchen zu l-iirtertreib-eu. T,ie erste Heldentat dieser mutigen uäinpser gegen die Faden war die Verteilung von Prollainationen, die inhaltlich sich nicht wesentlich von den genugsam bekannten Proklamationen des „schwarzen Hundert" unterscheiden. Petersburg, 10. Mai. Bor einigen Tagen fand hier eine Versauunlung der „Russischen Patrioten" statt. Der berüchtigte Antisemit T u b r ow i n hielt eine lange Hetzrede gegen die Juden, welche die K a d e t t e n gekauft hätten. Fürst W o l k o w s k y gab eine „gründlich ausgearbeitete Auleitung", wie ein Jude sofort erkannt werden könne. Die wichtigsten Merkmale eines Juden seien die Haare und die Nase. Nun ist aber gerade der edle Fürst mit einer „jüdischen Nase" behaftet. Große Heiterkeit erweckte ein Zwischenruf einer Sozialistin: „Bei Ihrer Nase, Herr Fürst, ist es wirklich ein Wunder, daß man Sie in diesen Saal hereinließ!" Als die Zwischenruferin an die Luft aesetzt wurde, rief sic: „Wir werden uns diese jüdische Nase merken!" Frankreich. Paris, 11. Mai. Heute starb hier Alexander v. G o l d s ch u: i d t im Alter von 72 Jahren. Goldschmidt war früher Chef eines hier angesehenen Bankhauses und hatte sich vor etwa zehn Jabrcn von den Geschäften zurückgezogen. Er erfreute sich in allen Pariser gesellschaftlichen und finanziellen Kreisen großer Beliebtheit. Alexander von Goldschmidt war ein Sohn des langjährigen Prokuristen des Wiener Hauses Rothschild und ein Bruder des Wiener Gemeinderates und Kultfisvorstehers Theodor Ritter von Goldschmidt, des Komponisten Adalbert Goldschmidt und des Finanziers Hermann Goldschmidt. Paris, 11. Mai. In der zlveiten Hälfte Juni wird die Affäre Dreyfus vor dem Kassationshof zur Verhandlung gelangen. Der Bericht der Strafkammer und der Vortrag des Generalprokurators werden die Sitzungen der vereinigten Kammern des Obersten Tribunals vom 18., 19. und 20. Juni in Anspruch nehmen. Das Plaidoyer des Verteidigers von Dreyfus, Maitre Mornard, ist für den 25., 26. und 27. Juni anberaumt. Der Kassationshof hält bloß dreimal in der Woche Sitzungen. In der französischen Academie des inscriptions et belles-lettres wurden jüngst von Salomo:: Reinach einige höchst geistvolle Hypothesen ve:getragen, die auch! weitere Kreise interessieren dürften. Sie bezieht sich auf eine E hr i st e i: v e r f o l g n:: g i n L y o n, während bcr eine christliche Sklavin, die man durch die Tortur zwingen wollte, zu gestehen, daß die Christen Müder töten, um, ihr Blut zu genießen, aktenmäßig antwortete: „Wie könnt ihr Heiden glauben!, bafö wir dies tun, da wir nicht einmal das Blut von Tieren genießen?" Daraus geht nach Reinach hervor, daß die christliche Gemeinde von Lyon um das Jahr 177 n. Ehr. nur nach! jüdischem Ritus geschlachtetes' Fleisch genoß. Die Christin vom Jahve 177 gab also auf die wahnsinnige Anklage bie gleiche Antwort, die man heutzutage auf die Biutbeschiuldigung, die sich natürlich immer gegen rituell lebende Inden richtet, am richtigsten und einfachsten gibt. Reinach! schließt noch weiter, daß man daraus auf eine Jndem gelneiude in Lyon um 177 schließen darf, die bis jetzt nicht bekannt ivar, da es unmöglich so viele Christen dort gegeben haben könne, um einen, „schächtenden Christenmetzger" annehmen zu dürfen. Brüssel, 16. Mai. Ueber die Frage, ob das Urteil des Kriegsgerichtes von Rennes vom Kassationshof einfach aufgehoben oder ob Dreyfus vor ein drittes Kriegsgericht gestellt werden wird, erhielt der Brüsseler „Soir" von einem Mitglieds des KaffationshofeS, das ihm früher schon zuverlässige' Auskünfte gab, folgende Mitteilung: Der erste Vorsitzende des Kassationshofes, Vallot- Beaupro, befürwortet die Kassation mit Verweisung an ein drittes Kriegsgericht, der General-Staatsanwalt die Kassation ohne Verweisung. Der Berichterstatter des Kassationshofes Moras, beantragt die Verweisung. Auch Dreyfus fordert sie eindringlich, da er von Waffenbrüdern freigesprochen und rehabilitiert sein will. Seite 5 Anwalt Mornard wird sie forden, ungeachtet der Gefahr, daß Dreyfus ein diittesmll verurteilt werde. Wegen des großen Ansehens des Vorsitzenden scheint demnach d:e Meinung des Generalstaatsanwaltes Bandouin keine Aussicht auf Erfolg zu haben. Die Mehrheit ist offenbar für einen neuen Prozeß. Am Schluffe der Verhandlung wird jedoch ein großer, aufsehenerregender Zwischenfall sich ereignen, der unter der Form einer Rechtsfrage alle Argumente für die Verweisung an ein drittes Kriegsgei icht umstoßen wird. Der Gewährsmann lehnte es ab, sich genauer über diese Rechtsfrage zu äußern. Amerika. Jakob H. Schiff, dev bekannte New Uorker Philanthrop, Chef des Bankhauses Loeb, Kuhn u. Comp. iit New Uork, weilt gegenwärtig in Japan. Am 27. März d. I. wurde Herr Schiff von: Mikado in Audienz empfangen und mit dem Orden der „Aufgehenden Sonne", einem Orden, der nur für hervorragende Dienste um das Reich verliehen wird, ausgezeichnet. Herr Schiff erhielt den Orden für .seine Mithilfe an dem Zustandekommen der großen Kriegsanleihe anläßlich des russischjapanischen Krieges. New York. (Neue Gemeinde.) Russische und rumänische Jr:den in San Diego (Californien) gründeten eine Gemeinde auf streng orthodoxer Grundlage unter dem Namen „Tifereth Israel". New York. ^Jto.) Am 22. April fand in der Wohnung des Herrrn Cyrus L. Sulzberger die zweite Sitzung der amerikanischen Jto-Führer zwecks Organisierung dieser Bewegung in Amerika statt. An der Sitzung nahmen teil die Herren: Mayer Sulzberger, Oscar S. Straus, Cyrus L. Sulzberger, Adolphus S. Solomons, Hermann Rosenthal, Dr. S. Solis-Cohen, Louis Loeb, Doktor Herbert Friedenwald, Rev. Goodman Lipkind und Bernard Richards. Die Statuten der englischen Mutterorganisation wurden — mit solchen lokalen Älodifikationen, wie sie für amerikanische Verhältnisse notwendig erscheinen — angenommen. Cyrus L. Sulzberger wurde zum Präsidenten, Rev. Goodman Lipkind zum Sekretär, Mayer Sulzberger, Oscar Straus und David Guggenheimer als Exekutiv-Komitee gewählt, dessen Aufgabe es ist, Mittel und Wege zur Förderung der Bewegung ausfindig zu machen und mit der englischen Organisation Hand in Hand zu gehen. Die Herren Rosenthal, Lipkind und Richards übernehmen es, Vereine in New Work zu gründen und durch Mitglieder die Grüudung vou Vereinen in anderen Städten zu veranlassen. Chicago. Die „Jüdische Gesellschaft zur Förderung des Ackerbaus" (Jewish Agrikultural Aid Society) hat, wie der soeben ausgegebene Verwaltungsbericht mitteilt, in: verflossenen Jahre 42 Familien mit 183 Seelen als Farmer angesiedelt, von denen 25 aus Rußland, 9 aus Rumänien, 6 aus Galizien stammen, 2 in Amerika als Söhne russischer Immigranten geboren sind. Siebzehn dieser Farmer haben sich in Süd-Dakota auf Homesteads (Regierungsland) im Umfange von 160 Acres niedergelassen; 20 haben Farmen gekauft, 3 gepachtet; 2 Unverheiratete sind bei jüdischen Landwirten in Michigan als Tagelöhneruntergebracht worden. DieJnstallationskosten beliefen sich auf 6—700 Dollars pro Familie; einzelne werden bis zur vollen Selbstständigkeit noch 3—400 Dollars erhalten müssen. Man sieht, das; die Kolonisation in Nordamerika erheblich billiger ist als in Argentinien. Während der letzten fünf Jahre hat die Gesellschaft 202 jüdischen Familien dazu verholfen, sich auf Homesteads niederzulassen. Dieselben besitzen jetzt insgesamt 25.000 Acres Land, Vieh, Gebäude, Geflügel, Maschinen. Die inzwischen von ihnen ausgeführten Ameliorationen haben den Wert ihres Bodens MILCH aus besten Quellen empfiehlt den P. T. Hausfrauen das seit mehr als 20 Jahren bestehende beftbelkaoot« Milchdepol Ferdinand ALTMANN, IX., Pramergasse 17.