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Nationalzeitung · 1906-05-15 · Heft 35 (15.5.1906) · p. Seite 3

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 35 (15.5.1906)
Date
1906-05-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 35 Natioiralzcitung Seite ‘6 Periode 38.500 Mark für palästinensische Zwecke bewilligt. Der Verein bilanziert mit 18 148-27 Mark (1905). Der Effekten- und Barbestand des Vereines belauft sich auf 32.000 Mark. Hamburg. Die im hiesigen Kimstsalon Louis Bock u. Lohn seit längerer Zeit ausgestellten Plastiken von Boris Schatz, „DarsteMmgeti aus Sem jiidkschen Leben, CHaraktierölkder im Zionidenton", sind tum Herrn Louis Frie deiche im, dessen warmes Juteresse für jüdische Angelegenheiten weit über die Grenzen unserer Gemeinde bekannt und geschätzt ist, angekaust und der hiesigeir „Gesellschaft für jiidische BolkSkuude" als Geschenk überivieseu worden. D!ie kostbare Tamm laug inr Werte von etwa 1200 Mark umfaßt folgende Nummern: ,/Großmutter »i»d Enkel", ^Jüdische Mutter": E. M. Lilien: „Toten>gebet", „HeimatssehU!- fucht", „Des Rabbi Segen", „Timsvu und Delila", „Maske eitles Schlafenderl", „Aiakkabäer", ,/Judith": Dr. Herzt: „Einer aus dem Volke", „Morgengebet": T>aoid Wolssfohu>: Professor Marburg: Judith", „Jubiläum Wolffsvhn", „Sabbatsegen", „Großmitttercheu", „Gebet mit Becher", „Heiratsvermittler", „Frau Warbnrg". Itaiieu. Ecsarc Lomüroso war anläßlich seines siebzigsten! Geburtstages Gegenstand großer Ovationen. Lombroso stammt ait§‘ einer alt* piemontesischen Natzbinersanülie. Er selbst trieb in seiner Jugend orientatische Philologie und gilt als guter Hebräer. Die Kenntnis der orientalischest Sprachen kam! ihm als Qnellstudinm auch bei seinem, späteren Berufe als Psychiater sehr zustatten>. An! der allgemeinen jübifdiici Bewegung hat Lombro>so> wohl wenig Anteil genommen, aber bekannt ist sein Brief an den zweiten ZlonistenLongreß, in welchem er sich als eifriger Jude -bekennt. Uuter den vielen Ehren, die dein gefeierten Gelehrten in Turin zutc'l mürben, sei hier ein Tckegramm. des Königs V i k t o r E m> a n. n e l hervorgehoben. Der König von Italien begrüßt in Lombroso einen der berühintestcn Söhne Italiens, der sein Vaterland ehre, dankt ihm für feinie Arbeiten und Mühen, und wünscht ihm, noch viele und srrlchtbare Lebensjahre. Zur Affäre Tausfig. (Ein Interview.) Uirser Redakteur hatte nach der Demission deS Herrn Kultusvorstehers Ritter v. T a u s s i g Gelegenheit mit einem Vorsteher der Wiener Kultusgemeinde zu sprechen, der zu Herrn v. Taussig in freundschaftlichen Beziehungen steht und dessen Anschauungen | über die obschwebende Angelegenheit genau kennt. Der Herr Kllltusvorsteher äußerte sich über die jüngsten Vorgänge in der Seitenstettengasse wie folgt: „Trotzdem Herr Ritter v. Taussig die Ueberzeugung hatte, daß er durch die Transaktion, an welcher er mitbeteiligt war, den: Judentume nicht geschadet hat, so hat er, wie Sie dies in der Versammlung der „Poale Zion" richtig erwähnt haben, gleich nachdem er von den ersten Kundgebungen im Schoße der Gemeinde Kenntnis erlangt hatte, dem Herrn Präsidenten seine Demission angekündigt. Auf eindringliches Zureden feiner Freunde im Kultusvorstand, entschloß sich Herr von Taussig seine Demission nicht zu geben, insolange die Majorität des Vorstandes oder des Vertreterkollegiums sich nicht gegen ihn wendet. Herr von Taussig blieb bei diesem Entschluß auch nach der Generalversammlung der „Union", in welcher die bekannte Resolution, nachdem sie vorher in den Tagesblättern publiziert worden lvar, zum Beschluß erhoben wurde, weil er von dem Kesseltreiben einzelner Personen in diesem Vereine genaue Kenntnis hatte und ebenso genau wußte, daß die Mehrzahl der Mitglieder^der „Union", sogar in Wien selbst mit dem Vorgehelt des Vorstandes der „Union" nicht einverstanden ist, und daß im Vorstande der „Union" selbst gegen die ganze Inszenierung dieses Feldzuges Stimmen laut wurden. Was Herrn v. Taussig schließlich dennoch bewogen hat, sein Mandat im Knltusvorstand unwiderruflich niederzulegen, das war die Demonstration der Zionisten am vergangenen Sonntag, und die Tatsache, daß in zionistischen Kreisen die Absicht bestand, die Demonstration fortzusetzen, bis Herr v. Taussig sein Mandat niedergelegt haben wird. Herr v. T a u s s i g mußte diesen Straßenkundgebungen umso eher Rechnung tragen, als erbte Empfindung haben mußte, daß das Getriebe der Gemeindeverwaltung durch dieses Vorkommnis eure empsindliche Störung erfahren müsse, abgesehen davon, daß Herr v. Taussig, der stets für den Frieden in der Gemeinde eingetreten ist, nicht selbst die Ursache für die Störung dieses Friedens sein möchte". Gründung eines jüdischen Staates nnter englischer Oberhoheit. Die Frage der Gründung einer jüdischen Kolonie unter britischer Flagge bildete vor einigen Tagen bei dem ersten Meeting der neugegründeten „Jüdischen Territorial-Orgattisation" in Lottdon den Gegenstand lebhafter Erörterungen. Den Vorsitz führte Lucien Wolfs. Unter den Anwesenden befanden sich viele Christen, z. B. Lord' Kinnaird, Generalmajor Sir Alfred Turner, der Schriftsteller Sir. A. Conatt Doyle, Holman Hunt und viele andere. Der bekannte Schriftsteller Israel Z a n gwill brachte eine Resolution ein, welche darauf hinausläuft, eine autonome jüdische Kolonie unter dem Schutze der britischen Regierung auf britischem Gebiet zu gründen. Er verlas folgenden, ihm vom Chamberlain Angegangenen Brief: „Die Tatsache, daß ich jetzt nicht im Amte bin, vermindert unvermeidlich die Aussichten, die ich gehabt haben könltte, mich nützlich zu erweisen. Wenn ich aber zu irgenb einer Zeit die Gelegenheit haben sollte, einem praktischen Vorschlag einen Dienst zu erweisen, so werde ich bereit sein, dies ztl tun." Wie bekanrtt, nahm Chamberlain, zur Zeit als er Kolonialsekretär war, an der Frage der Gründung einer jüdischen Kslonie ein großes Interesse, ebenso hatte er an dem Angebot eines Territoriums in Britisch-Ostafrika, das jedoch vom Zionistenkongreß dankend a b g e l e h n t wurde, hervorragenden Anteil. Z a n g w i l l führte ans, daß die Notwendigkeit einer Zufluchistättc für die Juden mit Blut über die Hälfte eines Kontinents geschrieben sei und daß sich das ganze Christentum mit dem Judentume vereinigen sollte, um diese Zufluchtsstätte zu schaffen. Ce eil RhodeZ habe mit 1,000.000 L. Rhodesia gegründet. Die britisch East Africa Company fing nur mit 250.000 L. an. Die Lösung liegt nur in der Richtung, daß eine autonome Kolonie gebildet wird. Man dürfe, sagte Zangwill, der politischett Seite der Frage nicht ängstlich aus dem Wege weicheit. Es haildelt sich um die Bildmtg eitles jüdischen Staates ilnter der Schutzherrschaft eitler anderen Macht, ill dem aber der Jude vor Verfolgmlg seilles Lebens und seines Besitzes sicher und kein Paria ist. Unter der britischen Flagge ständen heute lioch uilgeheure Länder-- gebiete, die, mir dem Namen nach britisch, umsonst zu haben wären und zu bereit Besiedlung noch gerne staatliche Unterstützung gewährt würde. Die britische Negierung ist liberal unb judenfreundlich. Die Juden könlleil daher die britische Plagge im Gebiete tragen, die bisher nur den Namell ilach ullter ihr ftanben und so eine weitere Tochterkolonie dem britischeil Weltreiche hinzufügell, die, gleich allell anderen, das Mutterland fcgiten würde. Sir Samuel Montag u e, das liberale Parlamentsmitglied, erklärte sich für die Gründung einer jüdischen Kolonie llnter britischer Flagge, wandte sich aber dagegen, daß dieser die Selbstverivaltung eingcrcutmt werden sollte. Herr Zailgmill erwiderte darauf mit großer Wärme, daß er llicht verstehe, wie ein Liberaler gegen die Verleihung der Selbstverwaltung einer von Pionieren gegründeten Kolonie Einsprllch erhebeil tonne. Es erscheine ihm das ganz unverständlich und es müsse Sir Samuel überlassen bleibell, 51t erklären, warum er die Erteilung der Selbstverwaltung an Natal billigte und jetzt an Trailsvaal tmb die Oranje-Kolonie billigt, während er nichts davoil hören will, einer jüdischen Kolonie die Selbstverwaltung einzuräumen, womit er die Juden den Negern gleichstelle. Lord K i n n a i r d unterstützte die Resolution und sagte, er habe stets an das Prinzip der Kolonisation und die Gewährung der Selbstverwaltullg geglaubt und er hoffe darum, daß der Gedanke der Gründung einer jüdischeil Koloilie die allgemeinste - Unterstützung von Inden nnb Christen finden werde. Sir A. Eon all D> y l e ullterstützte gleichfalls die Resolution und gab seiner tiefsten Sympathie mit der Bewegung Ausdruck. W e il n er ein Jude wäre, s0 w ür d e i h n zu jeder Stunde der G e d a n f e b euNr u h i g e n, daß nichts gescheh e, um d e r V e rf 0 lgung der jüdisch eil Rasse Einhalt zu tun. Die ill Aussicht geilommene Kolonie sei für die verfolgten russischeil Juden bestimvlt nnb wenn es llicht zu dieser Gründling käme tmb den Leiden der russischen Juden aus diesem Weg ein Ende gemacht würde, so wäre dies eine Schmach für die Zivilisation. Sir Alfred Tu r n e r erklärte, die Knechtschaft der Inden sei schlimmer als die, welche ihre Vorfahren zu erdulden hatterl. Er bedauere tief die ErtasslNlg des Fremdengesetzes in England, desseil Härte sei allerd iilgs unter der jetzigen Regierung abgeschwächt worden, wenn aber Gründe vortagell, die Eillwallderlillg voil Ausländern nnb namentlich von Juden, gegen die doch das Fremdengesetz h a u p t sä ch l i ctjße richtet ist, zu beschränken, so war es die Pflicht der Regierung, den Judell Laild allzubietell und ihnen die Möglichkeit der Bildung eines eigenen großeil Gemeinwesens unter britischer Schutzherrschaft zu bieten. Zangwil erklärte, nachdem die Resolution einstimmig angenommen wordeil war, die „Jüdische Territorial-Organisatioll" setze mutig die politische Frage auf ihr Programm. Was ill Aussicht gellommell wurde, sei, tanfenb sorgfältig ausgewählte jüdische Familien auf dem überwiesenen Gebiete als Piolliere allzusiedeln, ihnell die Organisation auf Grundlage weitgeheilder Autonomie zil übertrageil tmb die weitere Entwicklung der Zukunft im Vertrauen auf das Gesetz der Schwerkraft zu überlassen, das nicht verfehlen würde, große Massen der Juden llach diesem jüdischeil Staate zu ziehen und so die Kolonie uilter britischem Schutze zu bilden, wie sie ill Aussicht gellommell ist. Der Plall finbet in der gesamten englischen Presse eilte sympathische Besprechung.' Allttln EWftjjlWVtttes. EUsabethheim-Lose. Der Haupttreffer dieser Lose beträgt 30.000 Kronell, außerdem ist die Elisabeth-Lotterie nod) mit zahlreichen wertvollen Nebentreffern dotiert; die Ziehung findet lulwiderruflich am 17. Mai 1906 statt. Lose ä K 1.— zu haben in allen Wechselstuben, Tabaktrafiken, Lottokollekturen ulld t k. Postämtern. MILCH aus besten Quellen empfiehlt den P. T. Hausfrauen das seit mehr als 20 Jahren bestehende Irestitelrannte Mttchdepot Ferdinand ALTMANN, IX., Pramergasse 17. KREBS-APOTHEKE 5MITTPI R/ir"H Dieser boatbekannta u. iu allen Familien 1111 1 LLPFi Vll eingeführta Balsam — «in unentbehrl. UIIam I u«l... o Hausmittel — wird nach wie vor nach den bewährt, Wien, l , Hoher Markt Nr. 8 Vorschriften erzeugt (Palais Sina) im Zentrum der Stadt. + Preis I Fläschchon 20 Heller.

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